Willkommen 欢迎

Willkommen auf meinem Blog, der Vernetzung von „Kulturgut 文化财富“ mit dem täglichen Leben, einer Ergänzung zu meiner Webseite. Hier finden Sie regelmäßig meine Sicht des Lebens in Beijing und China – rein subjektiv und selektiv. Ich schreibe meist auf Deutsch, setze aber auf die internationale Sprache der Bilder, weshalb auch die Tags zweisprachig sind.

Viel Spaß wünscht Stefanie Thiedig.

欢迎访问我的博客,它不仅是“Kulturgut 文化财富”与日常生活的网络展现,同时也是对我个人主页的补充。在这里我会定期地以纯粹主观并带有选择性地的视角来观察北京和中国。大部分的时候我是用德语来撰写文字,但同时对图片也加注国际语言已达到标签双语效果。

由甲祝您好!

Donnerstag, 7. Juni 2018
In und um Chengdu: Sanxingdui, Dazu shike


Das alte Königreich Shu 蜀 soll irgendwann vor 3–5000 bzw. 3–4000 Jahren existiert haben, beginnend in der, da dokumentarisch umstritten, als mythologisch bezeichneten Xia-Dynastie (ca. 2200–1800 v. Chr.), bis hinein in die erste chinesische Dynastie mit schriftlichen Dokumenten auf Orakelknochen, die Shang-Dynastie (1700–1025 v. Chr.) 1929 stießen die drei Söhne der Familie Yan in einem Dorf in der Nähe von Deyang 德阳 im Nordosten von Chengdu beim Bau einer Wassergrube auf die ersten Schätze der heiligen Stätte der Shu und entfachten einen enormen archäologischen Ausgrabungseifer in der Ebene um Sanxingdui 三星堆, wörtlich die Drei Sterne Erdhügel. Der Name rührt von der Legende, dass der Jadekaiser aus dem Himmel drei Hände voll Erde verteilt haben soll, die sich in Sterne verwandelten. In den Ruinen fand man Fundstücke aus Jade, Bronze und Stein, grub, untersuchte und datierte. Bekanntlich folgten Jahrzehnte politisch nicht sonderlich günstigen Herumgrabens, bis man 1986 dann auf die ersten Knochenüberreste und Ritualgefäße stieß: „wahrscheinlich Überreste einer großen Grab- und Opferstätte“. Und vor allem auf das, wofür Sanxingdui heute besonders bekannt ist, die bronzenen Menschenmasken sowie „die Gestalt des legendären Ahnengottes der alten Shu, ‚Cancong (蚕丛) mit seinen hervorstehenden Augen‘“. So nachzulesen in dem gar auf Deutsch verfügbaren Band von Chen De’an: Sanxingdui. Heilige Stätte des alten Shu-Königreiches. Chengdu: Verlagsgruppe Sichuan 2006 (cn. Fassung von 2000), S. 3.

Im Jahr 316 v. Chr. zettelten die Qin, aus denen der das Reich einende Gelbe Kaiser Qin Shihuangdi der Han-Dynastie (206 v. –220 n. Chr.) hervorging, einen Krieg gegen die Shu an. Die Shu wurden vernichtend geschlagen und gingen unter. Doch gut Ding will Weile haben. Die im Laufe der Jahrtausende aus dem kollektiven Gedächtnis der Han-Chinesen verschwundene Geschichte des Shu-Reiches schwemmte wieder an die Erdoberfläche und ist nun im Museum der Sanxingdui Fundstätte 三星堆遗址博物馆 zu bewundern, s. auch Wiki.

Hier sieht man ganz eigentümliche Kreaturen, ein gar wundersamstes Weltverständnis. Auf nach Sanxingdui 三星堆.

Aufgrund der Objektmasse und in Anbetracht der wichtigeren Bildgestalt beschränke ich mich hier auf die leider eher rudimentären musealen Beschreibungen – mit Verweis auf ausführlichere Bezeichnungen im Buch von Chen De’an. Die Aufteilung folgt zunächst dem Material, mit dem Großteil der Objekte in Sanxingdui aus Bronze, dann Stein, Jade und Gold, und innerhalb dieser Aufteilung ist eine subjektive Eigenlogik entstanden. Wenn vorhanden, beziehen sich die Bezeichnungen No. 1 bzw. No. 2 auf: Unearthed from No. 1 resp. No. 2 sacrificial pit of the Sanxingdui Site. 一号和二号表达三星堆遗址一号或者二号祭祀坑出土。

Das Beste zuerst, die Bronzefigur und die Bronzemasken von Sanxingdui, teilweise mit hervortretenden Pupillen, teils mit Goldmaske, gefunden in Opfergrube No. 2 青铜人头像/纵目面具/戴金面罩人头像,二号:


Bronze standing figure 青铜大立人像. No. 2 二号.


Ebd., Detail.











































Bronze figure clad in beast-head helmet 青铜兽首冠人像. No. 2 二号.


(Beide 两件) Bronze kneeling figure 青铜跪坐人像. No. 2 二号.


Bronze kneeling figure 青铜跪坐人像. No. 2 二号.


Bronze kneeling figure bearing a zun (wine vessel) 青铜顶尊跪坐人像. No. 2 二号.


Bronze kneeling figure holding a ritual blade 青铜持璋小人像. No. 2 二号.


Bronze figure 小青铜人像.



Bronze eye-shaped object 青铜菱形眼形器. No. 2 二号.


Bronze eye-shaped object 青铜菱形眼形饰. No. 2 二号.



Bronze zun (wine vessel) 青铜龙虎尊. No. 1 一号.


Bronze lei (wine vessel) 青铜龙虎尊. No. 2 二号.


O. A.


Lid-knob of bronze lei (wine vessel) 铜罍盖纽. No. 2 二号.



Bronze sun-wheel 青铜太阳轮.


Bronze figure with bird feet 青铜鸟腿人像. No. 2 二号.


Bronze bird head 青铜大鸟头. No. 2 二号.


Bronze bird 青铜鸟. No. 2 二号.


Bronze rooster 青铜鸡. No. 2 二号.


(Oben 上) Bronze animal ear 铜怪兽. (Unten 下) Bronze animal 铜兽耳.



Bronze shell 铜贝. No. 2 二号.


Bronze eagle-shaped bell 鹰形铜铃.


(Beide 两件) Bronze plaque 铜牌饰.


Bronze bird-shaped ornament 青铜鸟形饰. No. 2 二号.


Bronze bird-shaped ornament 青铜鸟形饰. No. 2 二号.


Dragon-shaped bronze column 青铜龙柱形器. No. 2 二号.



Bronze altar (in partial presentation) 青铜神殿残件. No. 2 二号.


Bronze holy altar 青铜神坛. No. 2 二号.


Ebd.


Bronze human-headed bird 铜人首鸟身像. No. 2 二号.


Bird of bronze tree 铜神树枝头立鸟. No. 2 二号.


Bird of bronze tree 铜神树枝头立鸟. No. 2 二号.


Fragment of bronze tree 铜神树残件. No. 2 二号.


Money tree 摇钱树.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.


Money tree 摇钱树.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.



Earthen cooking utensil 陶三足炊器.


Point-bottomed zhan (wine vessel) 陶尖底盏.


(Links 左) Earthen figurine 陶人. (Rechts 右) Earthen human head 陶人头.


Earthen dog 陶狗.


(Beide 两件) Earthen dog head 陶狗头.


(Beide 两件) Earthen double-faced owl 陶双面猫头鹰.


(Beide 两件) Earthen pig 陶猪.


(Beide 两件) Earthen tiger’s face (fragment) 陶虎面残片.


Bird-headed handles 陶鸟头勺把.


Ebd.


(Beide 两件) Stone kneeling statuette 石雕跪坐人像.



Jade cong (rite-used) 玉琮.


Jade zhang (ritual blade) 玉璋.



Tiger-shaped gold foil 金箔虎形饰.

Mehr in Stein, Jade und Gold unten von der Jinsha Fundstätte.

Zugänglich sind hier aktuell zwei als Museumsgebäude hergerichtete Ausstellungshallen in einer großen, als Park hergerichteten Anlage, mit Bänken und Laternen, die nach den Opfergegenständen designed sind. In der Mitte findet sich unter anderem ein Platz am damaligen Ort, der der zeremoniellen Altarstätte nachempfunden ist.




Nachempfundener Echo altar 天人台.




Sanxingdui wollte ich mir ansehen, worauf ich vor Reiseantritt gleich von etlichen Seiten hörte, wo ich unbedingt noch hier- und dorthin müsse. Also ging es weiter.

Die Jinsha Fundstätte 金沙遗址 wurde 2001 als weitere Shu-Stätte entdeckt und liegt innerstädtisch gut erreichbar knapp außerhalb des 2. Rings von Chengdu. Der Museumsbau von Sanxingdui stammt aus den 1990er Jahren, dieser der Jinsha ist eindeutig moderner: Museum der Jinsha Fundstätte 金沙遗址博物馆, s. auch Wiki.

Zunächst kann hier die Ausgrabungsstelle besichtigt werden.









Dann geht es über in den modernen Museumsbau.




Auch hier wieder das Beste zuerst:


Bronze human-shaped ware 铜人形器.


Bronze standing figure 铜立人.


Bronze human head figure 铜人头.


Bronze vessels 铜器.



Stone kneeling human figure 跪坐石人像.


Stone kneeling human figure 跪坐石人像.


(Links 左) Stone kneeling human figure 跪坐石人像. (Rechts 右) Stone tiger 石虎.


Stone kneeling human figure 跪坐石人像.


Stone snake 石蛇.


Stone tiger 石虎.


Stone tiger 石虎.



Pottery vessels of the early phase 早期陶器.


Bronze bi 铜壁.


Bronze artefact with square hole 方孔形铜器.


Tortoise breastplates 卜甲.



Raw materials 玉料.


Jade song with tube-drilling marks 保留管钻痕的玉琮.


Jade chisel with slice-cut marks still visible 保留切割痕的玉凿.


Jade human head 玉神人面像.



Frog-shaped gold artefact 蛙形金器.


Gold mask 金面具.

Neben der Goldmaske ist das folgende Ornament das wichtigste Artefakt hier in der Jinsha Fundstätte, was wohl der Grund ist, weshalb man es nur mit dem Handy ablichten durfte:

„The Sun and Immortal Bird“ gold ornament “太阳神鸟”金饰.


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Während Sanxingdui bei Deyang 德阳 im Nordosten von Chengdu liegt, findet sich das Dujiangyan Bewässerungssystem 都江堰, s. Wiki und Baike, entweder zwei Stunden von Sanxingdui im Westen oder eine nordwestliche Stunde von Chengdu entfernt. Es ist nicht ganz so alt wie seine legendären Ahnen, aber immerhin auch aus der Han-Zeit (206 v. –220 n. Chr.)





















Dazu standen hier ein paar zeitgenössische Kunstwerke herum, zu denen Chengdu 2015 aufgerufen hatte:


O. A.


Tim Norris: Neural Nature 神经的大性.


Roger Rigorth: Barnacle 藤壶.




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Von Dujiangyan aus kann man gut zum ca. 15km entfernten Qingcheng Berg 青城山, s. Wiki und Baike. Mit all seinen daoistischen Tempeln ein wunderschöner Ort, um drei Stunden die Berge über hunderte von Höhenmetern und tausende von Treppenstufen hoch- und runter zu laufen. Der Berg lag im Epizentrum des Erdbebens in Sichuan im Mai 2008, das beinahe von jedem Taxifahrer in dem einen oder anderen Nebensatz erwähnt wird. Viele der hiesigen Tempel wurden zerstört und finden sich auch heute, zehn Jahre danach, noch im Aufbau. Etwa vier Kilometer entfernt kommt man mit dem Zug und einer halben Stunde Fahrtzeit in die nordwestlich am 4. Ring von Chengdu gelegene Station Xipu 犀浦, die wiederum mit der Ubahnlinie 2 verbunden ist. Nun aber erst einmal in das überbordende Grün der Bergschluchten.









Und nun dem Grün frönend:














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In der Stadt innerhalb des 2. Rings kann man noch gut ins buddhistische Wenshu Kloster 文殊院, s. Travel China und Baike.




Außerdem sehenswert ist der daoistische Qingyang Palast 青羊宫, s. Wiki und Baike




Terrace of Descension 降生台, Detail mit Laozi.






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Dann habe ich mich in Chengdu noch auf Stippvisite in die Gegenwartskunst begeben. Zum einen gibt es das Blue Roof Museum 蓝顶美术馆 mit Künstlerviertel im Südosten. Es ist ziemlich schlecht angebunden, knapp zwei Stunden mit den Öffentlichen und dann noch ein paar Kilometer durch Felder radeln (Adresse Blue Roof Museum, New Venue: Sizu 166, Miaoshan Village, Xixing Town, Shuangliu District, Chengdu 成都市双流区新兴镇庙山村四组166号 蓝顶美术馆新馆, 028-8560 6896). Vielleicht ist es eine Reise wert, wenn man von einer guten Ausstellung dort weiß. Ansonsten leider lahme Provinzkunst mit Sammlungen, wie sie allerorts zu finden sind, aber gut zu sehen, wo es überall Künstlerkommunen gibt. Im Gegensatz zu Deutschland finden sich auch immer Personen, die gleich einen Klotz an Museum hinstellen.





Aktuell lief eine Ausstellung junger japanischer Künstler, Wakaba Luster 若叶集, ganz gut fand ich:

Yuki Matsueda 松枝 悠希: This is Exit / square (white). 2017.

In der Sammlung gefiel mir:

Shu Hao 舒昊: The Wall No. 1 墙#1. O. J.


Direkt im Süden und mit der Linie 1 (Station: Hongshi Park 红石公园) gut angebunden, liegt das sehr empfehlenswerte A4 Museum A4美术馆 im in Neuerschließung begriffenen Viertel Tianfu (Adresse: Shengtai City, Luhu, Nanyan Line, Tianfu Express, Shuangliu District, Chengdu 成都市双流区天府大道南延线·麓湖生态城·艺展中心).





Martin Boyce 马丁·博伊斯: Hanging Gardens 空中花园, 27.4.–29.7.2018, war in Ordnung, vermutlich gut für diesen Ort, Chengdu sieht wahrscheinlich nicht so regelmäßig internationale Kunst.


Hauptraum mit Installationsansicht mehrerer Objekte, 2009–17.


Broken Branches and Blossoms 破碎的树枝和花朵. 2008.


Same Place as Always 一如即往. 2015.


Installationsansicht mehrerer Objekte, 2007–17.


Darauf wurde es jedoch richtig gut, als zweite Ausstellung lief Chen Qiulin 陈秋林: Peppermint 薄荷, 27.4.–29.7.2018. Erst dachte ich, es wäre wieder eine Memory Landesgeschichte, wichtig, ja, aber wenn etwas mit alten Gruppenfotos beginnt, sprüht man nicht unbedingt gleich vor Entzücken. Dann kommt man in den abgedunkelten Raum, und ich habe mir lange keine Videos mehr so bereitwillig angesehen. Chen Qiulin 陈秋林 hat sich vom Foto einer Kampfkunsttruppe eines Sommercamps ihrer Kindheit drangemacht, diese Menschen aufzusuchen. Das Ganze hat sie Pfefferminze genannt, weil ihr dieser Geruch aus der Zeit geblieben ist. Großartige Aufmachung ohne Effekthascherei: Ein Bild pro Person in ihrer Umgebung, daneben ein Video, in dem die jeweilige Person einzeln und ruhig in die Kamera blickt. Besonders sehenswert aber ist das gefühlt zehn minütige Video, in dem sie eine kleine Geschichte des Weges einer Kampfkunstschülerin erzählt, in dem all die Personen auftauchen. Wunderbare Schnitte, unaufgeregt und sehr vereinnahmend, Installationsansicht:














Im Anschluss kann man einen überteuerten, aber guten Kaffee am überdachten Rondell trinken und an der Wasserschneise mit Bootsanleger dem Baulärm um sich herum lauschen. Derweil sich am Nebentisch ein hübscher junger Mann von einer wunderschönen jungen Frau über Immobilien beraten lässt. 3 Zimmer, 120sqm, 3 Millionen RMB. Er möchte eine kleine Wohnung für sich alleine. Sie sagt ihm, dass er seine Familienplanung bedenken müsse, diese und jene Wohnung sei gut für zwei Kinder. Er würde gerne alleine wohnen. Sie erzählt von den entstehenden Angeboten für Kinder. Eigentlich möge er gar keine Hochhäuser. Sie habe gleich noch weitere Kundschaft, klickt mit ihrem Stift, ich gehe.








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Vom Chengdu Ostbahnhof kommt man gut mit dem Zug in einer Stunde nach Dazu Süd, und kann sich anschließend in einer weiteren Stunde zu den Dazu Felsskulpturen 大足石刻 bringen lassen, s. Wiki und Baike. Von dort aus sind es eineinhalb Stunden mit dem Bus nach Chongqing. Großartig! Entstanden 1174–1252, und, wenn ich es richtig verstanden habe, ausgebessert 1957.





Ritual Site of Liu Benzun 柳本尊行化事迹图:





Sutra of Amitabha and His Pure Land 观无量寿佛经变相:



















Sakyamuni’s Filian Piety 大方便佛报恩经变相:













Niche of Parental Love Sutra 父母恩重经变相:













Nine Dragons Bathing the Prince 九龙浴太子图:





Niche of Sakyamuni Entering Nirvana 释迦涅槃圣迹图:



Div.:











Saints of Huayan School of Buddhism 华严三圣像:





Buddhist Wheel of Life 六道轮回图:





Niche of Guardians of Buddhist Law 护法神龛:





Ritual Site of Buffaloes 牧牛图:





Div.:







Dann die Exponate im reichlich erklärenden Museum:


Head of Buddha 佛头像. Northern Qi Dynasty 北齐 (550–577).


Two Buddhas and Buddhist Followers 二佛及众弟子像. Sui Dynasty 隋 (581–618).


Buddha Statue 佛像. Northern Qi Dynasty 北齐 (550–577).


„Dream of the Red Chamber“ Plate 彩“红楼佳梦”盘. Qing Dynasty 清 (1644–1911).


Blue and White Porcelain Pillow 青花瓷枕. Qing Dynasty 清 (1644–1911).


Memorial Tablet with Nine Sculpted Dragons 九龙牌位. Qing Dynasty 清 (1644–1911).


Man Beating a Drum 石刻击鼓像. Qing Dynasty 清 (1644–1911).


Watching Performance Leaning on Balustrade of Side Wall of Song Dynasty Tomb at Sifangcun 四方村宋墓侧壁凭栏观戏图. Song Dynasty 宋 (960–1279).


(Beide 两件) Dragon in the Chamber of Wang Ruo and His Wife’s Tomb at Longshenwan 龙神湾王若夫妻M1/2墓室青龙图. Southern Song Dynasty 南宋 (960–1279).


Ebd.


Eighteen Arhats 十八罗汉像. Qing Dynasty 清 (1644–1911).


Wooden Screen 屏风. Qing Dynasty 清 (1644–1911).


Stone Statues of Guard of Honor from Tombs in Ming Dynasty 明墓仪仗俑 (1368–1644).


Remnant Feet of Buddha 佛像残足. Northern Qi Dynasty 北齐 (550–577).


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Dienstag, 5. Juni 2018
BJ: Kunst im Sommer 2018
Eine weitere Runde.

798

Urs Meile Galerie 麦勒画廊 zeigt Michel Comte: Light III 光之三, 18.5.–10.8.2018:


Erosio (installation) 侵蚀. 2018.


Ebd., Detail.


Ombre 影子. 2018.


Erosion 12/ 13/ 9 侵蚀12/13/9. 2018.


Magician Space 魔金石空间 zeigt Liu Yefu 刘野夫: No Easy Symbolism 没有简单的象征, 15.5.–20.6.2018:


Es wird dich verwerfen als wärst du ein Stück Kartoffel, das die Hände verbrennt 他会像扔掉烫手的土豆那样抛弃你的. 2018.


Doubter on the Grassland 大草原上的豆瓣小组. 2018, Videostill.


Does Europe Like to Be Photographed? (?) 欧洲喜欢被拍照吗?(?). 2018, Videostill.


Platform China 站台中国 zeigt Fu Jingyan 付经岩: Arrow Paradox 飞矢无动, 24.5.–1.7.2018:


Wait for the Next Shock 2/ 3 等待下一次震动2/3. 2016/ 2018.


Longevity 寿. 2017.


2 Street 街头2. 2017.


Tang Contemporary, 2nd Space 唐人北京第二空间 zeigt die Gruppenausstellung New Historical Drama 新编历史剧, 12.5.–30.6.2018:


Xia Xing: (Links 左) Constitutional Movement Far and Wide, Hu Yichuan 广泛开展宪政运动、胡一川. 2017.
(Rechts 右) Our Troops are Coming, Zhang Yangxi 咱们自己的队伍来了、张漾兮. 2017.


Zhang Dali 张大力: (Div.) Visual Machine 视觉机器. 2008.


He Yunchang 何云昌: Weather Forecast: Sunny from 1949 to 2050 天气预报1949–2050年晴. 2002.


Wang Du 王度: Me too. 2018.


Liu Zheng 刘铮: Survivor No. 1–8 幸存者No. 1–8. 2002.


Zhang Dali 张大力: Wind Horse Flag No. 10 风马旗. 2008.


Cai Dongdong 蔡东东: Back from Target Practice 打靶归来. 2016.


Cai Dongdong 蔡东东: The Passage 走不出去的房间. 2016.


Fang Lijun 方力钧: 1996.19. 1996.


Wang Ningde 王宁德: Somedays No. 33/ 06. 2001.


Wang Ningde 王宁德: Somedays No. 75. 2001.


Feng Mengbo 冯梦波: 195806. 2015, Videostill.


Guan Huaibin 管怀宾: Backflow 回流. 2011.


(Vorne 前) Sui Jianguo 隋建国: Legacy 衣钵. 2001.
(Hinten 后) Qin Ga 琴嘎: The Miniature Long March 微型长征. 2002–5.


Qu Yan 渠岩: (Von oben nach unten 从上到下) Church in Baozhuang Village, Town of Kulanz, Suzhou City, Anhui Province 安徽省宿州市褚兰乡包庄村教堂. 2007.
Dong’ergou Qikushan Goddness Church, Jinyuan District, Taiyuan City, Shanxi Province 山西省太原市晋源区洞儿沟七苦山圣母教堂. 2007.
Church in Wanbolin Area, Taiyuan City, Shanxi Province 山西省太原市万柏林区教堂. 2007.


Zhao Liang 赵亮: Intellectual Products 精神商品. 2017.


Ebd.


Song Yonghong 宋永红: (Von oben nach unten 从上到下) A Young Man 一个青年. 2012.
Come off Work 下班. 2017.
Construction Site 工地. 2012.


Tang Contemporary 唐人 zeigt Chen Yujun 陈彧君 und Pannaphan Yodmanee 藩娜藩·尤蔓妮: Time Lapse 延时, 12.5.–30.6.2018:


Pannaphan Yodmanee 藩娜藩·尤蔓妮: Hymn of Trinity 三位一体圣歌. 2018.


Chen Yujun 陈彧君: (Wandbilder rechts 右手墙上的画) Asia Map Series 亚洲地图系列. 2008–16.
(Installation 装置) Temporary Construction Series 临时建筑系列. 2018.


Long March Space 长征空间 zeigt Zhao Gang 赵刚: Acquiring Identity 购买的身份, 16.5.–10.7.2018:


(Oben 上) Map of China 中国地图. 2015.
(Unten links 下左) Portrait of Stalin 斯大林像. 2001.
(Unten rechts 下右) The Women in the Bamboo Forest 竹林里的女人. 2012.


Diabetic 糖尿病患者. 2011.


Pace Beijing 佩斯北京 zeigt Hong Hao 洪浩: Border 边境, 18.5.–30.6.2018:


Reflection No. 18 反光之十八. 2016.


Ever-changing Appearance No. 2 万相之二. 2017.


Beijing Commune 北京公社 zeigt Xie Molin 谢墨凛, 16.5.–23.6.2018, Installationsansicht:






Ginkgo Space 今格空间 zeigt Zeng Hong 曾宏: Quaderni rossi 红色笔记, 16.5.–24.6.2018, Installationsansicht:






Tokyo Gallery 东京画廊 zeigt SHIMURAbros (Yuka und Kentaro Shimura), die momentan und leider etwas zu offensichtlich im Studio von Olafur Eliasson arbeiten, 15.5.–30.6.2018, Installationsansicht:


Trace-Sky Serie.


Chasing the Light.


Space Station 空间站 zeigt Zeng Yang 曾扬: All Buddhas Come Down to the Great One 万佛一元, 12.5.–17.6.2018, Installationsansicht:






Boers-Li Gallery 博而励画廊 zeigt Ye Linghan 叶凌瀚: Lucy Episode 2 Lucy第二集, 26.5.–8.7.2018, und Wang Jiajia 王加加: Pop the Champagne 带你飞, 12.5.–24.6.2018, Installationsansicht:






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CCD

One Way Art 单行道 zeigt Li Manjin 李满金: Park 公园, 2.6.–3.7.2018:


(Mitte 中) A Boy Carrying Water No. 2 提水的男孩No. 2. 2017–18.


Pine No. 1 松No. 1. 2017.


Want to Fly Series 想要飞系列. 2012.


ShanghArt Beijing 香格纳北京 zeigt David Diao 刁德谦: Shadows of Forgotten Ancestors 远祖的阴影, 24.5.–24.7.2018:


Barnett Newman Paintings in 1965 8th Sao Paulo Biennial 在1965年的圣保罗双年展上的巴奈特纽曼绘画. 2016.


(Oben 上) Shadows of Forgotten Ancestors 2 远祖的阴影2. 2017.
(Unten 下) Shadows of Forgotten Ancestors 1 远祖的阴影1. 2017.


White Space 空白空间 zeigt Liu Wentao 刘文涛: Meta 元, 12.5.–20.6.2018, und Zhang Zipiao 张子飘: The Ultimare Moist 极度湿润, 12.5.–20.6.2018:


Liu Wentao 刘文涛: Untitled 无题. 2017.


Liu Wentao 刘文涛: Untitled 无题. 2017.


Zhang Zipiao 张子飘: Sink 洗手池. 2018.


Zhang Zipiao 张子飘: Meat Mate 鲜肉伙伴. 2018.


Zhang Zipiao 张子飘: Meat Market 鲜肉市场. 2018.


De Sarthe Gallery 德萨画廊 zeigt Mak Ying Tung 2 麦影彤二: The Anything Machine 任意机器, 26.5.–22.7.2018:


The Fool Wants to Move the Mountain 愚公移山. 2018.


Running on Taobao 1/ 2/ 3 在淘宝上狂奔1/2/3. 2018.


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Samstag, 7. April 2018
BJ: Kunst im Frühjahr 2018
Zunächst zu den besonders sehenswerten Ausstellungen aktuell im 798:

Pace Beijing zeigt weiterhin Yin Xiuzhen 尹秀珍: Back to the End 以终为始, 14.12.2017–7.4.2018:


Planting 种植. 2017.


Trojan 木马. 2016–7.


Im Pace dazu Xiao Yu 萧昱: Translocation 昜位, 16.3.–28.4.2018:


Translocation No. 18 昜位No. 18. 2017.


(Hinten v.l.n.r. 后面从左到右) Translocation No. 2 昜位No. 2; Translocation No. 20 昜位No. 20; Translocation No. 18 昜位No. 18. 2017.


Translocation OD 昜位OD. 2018.


Tang Contemporary 唐人 zeigt Zhu Jinshi 朱金石: The Ship of Time 时间的船, 10.3.–30.4.2018, Installationsansicht:


The Ship of Time 时间的船. 2018.


Ebd.


Long March Space 长征空间 zeigt Liu Wei 刘韡: Shadows 幻影, 18.3.–6.5.2018, Installationsansicht:


Shadows 幻影. 2018, Detail.


Period 周期. 2018.


Ebd., Detailansicht.


Das UCCA zeigt in der Haupthalle Sarah Morris 萨拉·莫里斯: Odysseus Factor 奥德赛, 24.3.–16.6.2018, Installationsansicht:




Und nun weiter im sanften Übergang mit diesem und jenem im 798:

Das UCCA zeigt außerdem Xie Nanxing 谢南星: Spices 香料, 17.3.–27.5.2018:


Spices No. 1 香料No. 1. 2016.


Spices No. 3 香料No. 3. 2016.


Spices No. 2 香料No. 2. 2016.


O. A., vermutlich zu ebd.


Spices No. 7 香料No. 7. 2017.


Sowie im UCCA Chang Yun-han 张允菡: New Directions 新倾向, 24.3.–27.5.2018, Installationsansicht:








Zum Gallery Weekend Beijing 画廊周北京 war neben den vertretenen Galerien das eine oder andere Projekt auf den Plätzen zu sehen, 23.–30.3.2018:


Tong Kunniao 童昆鸟: Art Trash 世界上最大的艺术垃圾桶. 2017, bei Platform China 站台中国.


Ebd.


Hive 蜂巢 zeigt Yu Feifei 于霏霏: Gaze 色目, 15.3.–16.4.2018:


The Sound of Silence 无音之声. 2015.


Study of Gaze No. 1 关于“凝视”的研究之一. 2017.


Study of Gaze No. 2 关于“凝视”的研究之二. 2017.


Study of Lover’s Eyes 对“情人的眼”的研究. 2015.


Study of Refinement of Folly No. 1 关于“精炼的愚蠢”的研究之一. 2014.


Im Hive 蜂巢 außerdem Guo Gong 郭工: Qie-Wen 切问, 15.3.–16.4.2018:


Pine No. 7 一棵松No. 7. 2017


O. A.


Qie-Wen – Stainless Steel B-6, 7 切问–不锈钢B-6,7. 2017–2018.


Gallery Yang 杨画廊 zeigt Zhang Yue 张玥: If I Could 山鹰之歌, 23.3.–13.5.2018, Installationsansicht:




(2016 Chinese Citizens Shooting Competition Scores List 2016年度中国公民射击比赛成绩排行榜)
Rankings 排名榜单. 2016–2017.


Snatch a Gun 夺抢. 2014.


The North Myanmar Way 缅北战事. (2015?)






(Tally Book of Kim Jong-Nam 金正男的一本账本曝光)
Democratic People’s Republic of Korea 朝鲜. 2017.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.


The Massacre of Los Angeles 屠城洛杉矶. 2017.


The Rules of Conduct of Prisoners 监狱服刑人员行为规范. 2006.


Ginkgo Space 今格空间 zeigt Zhang Fan 张帆, 23.3.–5.5.2018:


Study in Grey and Brown over White an Black Surface No. 2 覆盖在白色,黑色表面的灰色以及棕色的习作之二. 2009.


Improvisation No. 6-3 急就章第六组之二. 2017.


Tokyo Gallery 东京画廊 zeigt Zhu Lan 朱岚: Spanning 穿越, 1.3.–28.4.2018:


生系列. 2015–2017.


生系列. 2015–2017.


穿行. 2017.


Hadrien de Montferrand Gallery zeigt New York By Night, 23.3.–6.5.2018:


Jacqueline Humphries: Untitled. 2016.


Rirkrit Tiravanija: Untitled. 2017.


Beijing Commune 北京公社 zeigt Richard Deacon 理查德·迪肯: New Sculpture 新雕塑, 17.3.–12.5.2018, Installationsansicht:




New Alphabet GHI 新字母GHI. 2017.


Boers-Li Gallery 博而励画廊 zeigt 5x Berlin 柏林5个展 mit Thomas Kiesewetter 托马斯·基塞韦特, Jonathan Meese 乔纳森·米斯, Anselm Reyle 安塞姆·雷尔, Thomas Scheibitz 托马斯·塞比茨 und Katja Strunz 卡佳·施特龙茨, 23.3.–29.4.2018, Installationsansicht:


Skulptur von Thomas Kiesewetter 托马斯·基塞韦特(雕塑), im Hintergrund Jonathan Meese 乔纳森·米斯(绘画), o. A.


Katja Strunz 卡佳·施特龙茨, o. A.


Platform China 站台中国 zeigte All Liu Gangshun 所有——刘港顺, 23.12.2017–1.4.2018:


After Missing the Recluse 寻隐者不遇. 2014.


Everything Turns into Silence 一切都归于寂静. 2010.


Every Power Turns into Imagination 一切权利归想象. 2010.

Und auch in China weiß man die Antwort auf alles, im Hinterraum:


Russia! O. A.


Platform China 站台中国 zeigt Fu Rao 傅饶: Century 世纪, 7.4.–20.5.2018:


O. A.


Family Q. Q.家庭. 2017.


Legend 传说. 2017.


Century – 1 世纪-1. 2018.


Century – 10 世纪-10. 2018.


Century – 7 世纪-7. 2018.


Tabula Rasa Tabula Rasa画廊 zeigt Ma Haijiao 马海蛟: Happy Valley 快乐区城, 24.3.–29.4.2018:


O. A. (Do clouds gather and part by appointment? 云彩是否聚散有时?)


zapbeijing zeigt Mana Yamaguchi 山口真和 und Zhang Meng 张萌: Auf dem neuen Boden, 7.4.–7.5.2018:


Zhang Meng 张萌: (Beide 两件) Ga_nseka_fig 鹅笼. 2017.


Mana Yamaguchi 山口真和: (Links 左) A Child in the Box. 2012. (Rechts 右) A Man in the Box. 2012.


Tang Contemporary, 2nd Space 唐人北京第二空间 zeigt Zhu Jinshi 朱金石: Rejecting River Currents 拒绝河流, 10.3.–30.4.2018, Installationsansicht:








Galleria Continua 常青画廊 zeigt Carsten Höller 卡斯滕·霍勒: Method, 23.3.–2.6.2018, Installationsansicht:




Space Station 空间站 zeigt Wang Rongzhi 王荣植: Shit and Gold 米共金, 17.3.–22.4.2018, Installationsansicht:


Next (bzw. ev.: Nest) No. 8 巢 No. 8. 2015.


Div. 2012–2016.


Div. 2013.


Next (bzw. ev.: Nest) No. 1 巢 No. 1. 2013.


Magician Space 魔金石空间 zeigt Liang Wei 梁伟: Before Itself 临其境, 22.3.–6.5.2018:


Near the Entrance 关口附近. 2016.


Not Retained 亦非留存. 2017.


Whitebox 白盒子 zeigt Li Xianggang 李向阳: The Wound Is Healing 创伤正在愈合, 10.3.–20.4.2018:


Narrative 12 叙事12. 2017.


Energy 能量. 2017.


Urs Meile Galerie 麦勒画廊 zeigt Shao Fan 邵帆: Recent Works 近作 (Website aktuell nicht verfügbar), 23.3.–6.5.2018:


Yu Han Rock 昱寒石——似山非石. 2017.


(Hinten 后面) Hand-licking Rabbit No. 2 舔手兔之二. 2016. (Vorne links 前左) Rose Table, No. 1 玫瑰条桌,No. 1. 2017. (Vorne rechts 前右) Ring, No. 1 圈,No. 1. 2013.


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Im Caochangdi (CCD):

One Way Art 单行道 zeigt die von der Jiejue Corporation 孑孓社 kuratierte Gruppenausstellung etlicher aus dem einstigen Künstlerdorf Heiqiao nach Yida in Songzhuang, einem umgewandelten Künstlerviertel einer ehemaligen Elektrofabrik, gezogenen Künstler – inklusive, und das ist sowohl das Besondere als auch besonders Schlaue, weil diese involvierend, mit Teilnahme der beiden Pächter der jeweiligen Viertel, die sich auf dem Plakat einen Handschlag geben (von Heiqiao-Zhang heißt es, er habe sich statt der Miete gelegentlich in Kunstwerken auszahlen lassen, was Abhängigkeiten wiederum im Licht von Gefallen erscheinen lässt): The Singing of Yida 怡达信歌声, 23.3.–20.5.2018:


Plakatankündigung 展览海报. 2018.


Hierzu links und rechts an den Wänden die Beschreibungen:


(Links) Zhang Baoxing: He constructed the No. eight street-two (erdao bahao), Miaopu Art District in Heiqiao in the end of 2006. But the Art District was disappeared because of land expropriation and house removal.(左)张宝兴:2006年底兴建黑桥苗圃艺术区二道八号院;2017年七月因征地拆迁,二道八号院消失


(Rechts) Hong Zhiping: The Songzhuang Yida Electric Appliance Factory was transformed into the Songzhuang Yida Art District in early 2017 by Hong Zhiping.(右)洪志平:于2017年初将宋庄怡达电器厂改造为宋庄怡达艺术区


Zhang Baoxings Wahl 张宝兴的选择: (Links 左) Yang Jian 杨建: From Now On 从今天开始. 2017. (Rechts 右) Chen Han 陈晗: Uneasy 不安. 2016.

Es gibt ebenfalls eine Auswahl von Hong Zhiping, beide im Hauptraum unten. Das habe ich allerdings erst im Nachhinein verstanden und vor Ort nicht aufgenommen. Die weiteren folgenden Arbeiten hingen im Eingang sowie oben und entstammen der Auswahl der Jiejue Corporation 孑孓社, das sind He Xun 贺勋, Dai Chenlian 戴陈连 und Feng Xi 冯兮, alle mit Angaben, wann die jeweiligen Künstler in Heiqiao gewohnt haben, und wann sie nach Yida umgezogen sind, meist ab Mitte der Nullerjahre in Heiqiao, 2017 nach Yida.


Liu Xudong 刘旭东: Mirror 镜子. 2011.


Ou Jin 欧劲: Untitled No. 112 无题112. 2018.


Ou Jin 欧劲: Untitled No. 111 无题111. 2018.


Ebd., Detail.


ShanghArt Beijing 香格纳北京 zeigt Liu Xiaohui 刘晓辉: Movements 两个动作, 4.3.–8.4.2018, Installationsansicht:








Telescope 望远镜 zeigt Jan van der Ploeg 扬·范·德·普勒格: Wall Painting 墙面绘画, 31.3.–30.5.2018, Installationsansicht:




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Das Yuan Museum 元典美术馆 im nördlichen Wangjing zeigt Feng Lianhong 冯良鸿: Loose Abstraction 散漫的抽象, 21.3.–20.6.2018:


18-2-2. 2017.


(Links 左) 17-8-3. 2017. (Rechts 右) 17-9-1. 2017.


17-5-6. 2017.


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Red Brick Art Museum 红砖美术馆 in Cuigezhuang zeigt Olafur Eliasson 奥拉维尔·埃利亚松: The Unspeakable Openness of Things 道隐无名, 25.3.–12.8.2018 (Tickets wochentags 120 RMB, feiertags 160 RMB):


The Unspeakable Openness of Things 道隐无名. 2018.


Water Pendulum 水钟摆. 2010.


Chronobiological Sphere 生物钟球体. 2018.


Map for Unthought Thoughts 未思之思图志. 2014.


Rainbow Assembly 聚合彩虹. 2016.


Ebd.


Tomorrow Resonator and Yesterday Resonator 明日共鸣器与昨日共鸣器. 2018.


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In den Hutongs:

Im neuen Space von Xia Yanguo 夏彦国 und Zhao Xing 赵星, im de – Art Center 的⎮艺术中心 hinten beim Herrenhaus von Duan Qirui, läuft Ju Anqi 雎安奇: 1.5~2℃ Lower than Body Temperature 比体温低1.5~2℃, 20.3.–14.4.2018, Installationsansicht:






Die Arrow Factory 箭厂空间 zeigt Zhang Liaoyuan 张辽源: Frame 取景, 20.3.–20.5.2018, Installationsansicht:






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Ein Nachschub aus Huantie vom 14.4.:

Huang Ruis Cloud House 黄锐白云馆 zeigt Niko de la Faye: The Stone 一块石头, 14.–22.4.2018, Installationsansicht:






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Donnerstag, 22. Februar 2018
Publikation: 111 Orte in Beijing



Stefanie Thiedig und Xie Kaijin: 111 Orte in Peking, die man gesehen haben muss. Köln: Emons Verlag 2018.

Siehe Emons Verlag und Amazon.


Ein Reiseführer für Beijing – aber einer „für die Bewohner der Stadt“ und für „fortgeschrittene“ Touristen, „die schon öfter vor Ort waren und denen ein gängiger Reiseführer nicht mehr genügt“, mit „unbekannten, skurrilen Orten“, so der Auftrag aus Deutschland.

Da sich Beijing seit 2017 in einer enormen Umstrukturierungsphase befindet, ist es nicht die günstigste Zeit für einen Reiseführer kleiner, ungeläufiger Orte. Wir stecken hier gerade mitten in der Rekonstruktion der Altstadt und im Auf- und Umbau hin zur Megametropole JJJ, Jingjinji, der Zusammenlegung Beijings, Tianjins und Hebeis (nach dem Kfz-Kennzeichen Ji der ehemaligen Präfektur).

Meine Zusammenstellung bleibt also mehr eine Momentaufnahme, weshalb ich versucht habe, viele der Phänomene mit einzubeziehen, die mir während meiner über zehnjährigen Zeit hier untergekommen sind. So geht es etwa nebenbei auch um Smog, Propaganda, um die Nutzung öffentlichen Raums, um den Abriss in den Hutongs, um Hintertüren, Eigentumsverhältnisse, um Rausch und Vertrauen, um Hunde, Katzen und Tauben, um Tischtennis und Fußball, um Religion und Konsum, um Karaoke und immer wieder um Schnaps, gelegentlich auch um Geister. Es geht um Steine und Gartenbauvorstellungen, um Künstlerkommunen und um Xi Jinping und seine Sicherheitsphobie.

Natürlich gibt es von mir viel Kunst und Kultur, es geht viel um städteplanerische Maßnahmen, häufig mit alltäglichen Erfahrungen. Ich beziehe Straßenklatsch und Beijinger Besonderheiten mit ein. Aber es kommen auch bekannte Orte vor, die Verbotene Stadt, die Große Mauer, der Sommerpalast – selbstverständlich nicht in ihrer herkömmlichen Form, die findet man gut ohne mich, sondern stets mit abgelegenen Routen und geheimen Ecken. Dazu streue ich zum besseren Zurechtfinden immer wieder chinesische Begriffe ein.



Man hat in Deutschland weiterhin seine eigenen Vorstellungen von Beijing, von China. Es scheint weiterhin schwierig, China aus europäischer Sicht nachzuvollziehen, wenn man noch nie hier gewesen ist. Von jedem Chinabuchschreibenden hört man ein Lied davon singen. Ein Perspektivabgleich bleibt natürlich viel wert, man möchte schließlich im Drüben der Heimat verstanden werden. Insofern beugt man sich unter gelegentlichen Schauern dem einen oder anderen Bahnhof. Tatsächlich schwergefallen, und deshalb muss ich es hier erwähnen, ist mir das verlegerische Festhalten am veralteten Peking statt Beijing. Marketinggründe ließen jegliche Argumente im Sande versiegen.

In der 111er-Reihe des Verlages hat das Cover immer eine Grundfarbe und ein plastisches Piktogramm in der Mitte. Für Beijing war mein, wie ich nach wie vor finde großartiger Vorschlag: Gold die Farbe und ein Pekinese als Icon. Rot kann ich bei Chinabüchern nun wirklich nicht mehr sehen, und Goldgelb ist die Farbe des Herrschers und damit der Hauptstadt, des Machtzentrums Chinas. Gold auch als Farbe des Geldes, der chinesischen Wirtschaft und des sozialistischen Kapitalismus chinesischer Couleur. Um Rot kam ich herum, Gold ist eine Sonderfarbe, das Buch ist immerhin Gelb geworden. Der Pekinese findet innen seinen Platz, für außen, nun gut, ein roter Lampion.

Mit von der Partie ist Xie Kaijin, mit der ich im Laufe meiner Jahre hier in Beijing und weiterhin regelmäßig durch die Straßenschluchten der Stadt ziehe. In Beijing geboren und aufgewachsen, darüber hinaus durch ihre Zeit in Deutschland mit dortigem Blick versiert, trägt sie mit wunderbaren lokalen Geschichten und Einsichten bei.



Beijing bleibt schwer greifbar, man weiß besonders momentan nie, wie es hier morgen aussehen wird. Insofern hatte ich mir selbst und bereits zu Beginn dieser Arbeit 120 Orte vorgenommen. Neun zusätzliche Orte sind nun auch nicht viele, die unter die Abrisswalze gelangen durften. Aber obwohl diese neun teils nicht mehr als Orte lokalisierbar sind, so existieren sie auf jeden Fall weiterhin als Phänomene, manche gar inzwischen mit anderen Adressen. Deshalb sollen sie in meinem Blog weiterleben. Außerdem können sie als eigene Marketingmaßnahme gesehen werden und machen eventuell gar Lust auf mehr.

Hier sind sie nun, bei Interesse einfach runterscrollen oder per Klick zu ihnen springen:

(111)+9 weitere Orte in Beijing: Übersicht

112. Autokleidung
113. Beida und Qinghua
114. Dengshikou Schulgebiet
115. Fangjia hutong
116. Gemüse hinter Gittern
117. Glücksspiel
118. Massage
119. Soundevolution
120. WeChat Secretary


Darüber hinaus haben inzwischen ein paar Veränderungen stattgefunden und den Buchdruck überholt. Soweit es geht, werde ich diese und eventuelle andere anstehende Veränderungen hier im Blog aktuell zu halten versuchen – vielleicht übersehe ich auch etwas, oder vielleicht stößt die eine oder der andere auf Neues, Spannendes, ich freue mich natürlich über Anregungen.

So eröffnen bislang gerade im Buchort Nr. 19: Duan Qiruis Herrenhaus die ersten Nonprofit Spaces, so ist Xia Yanguo nicht mehr im Red Brick Museum, Buchort Nr. 81, sondern will noch vor dem chinesischen Neujahrsfest 2018 im Anwesen von Duan Qirui seine erste Ausstellung zeigen. Und endlich gibt es hier wieder ein Café.

So gibt es im Buchort Nr. 95: Eckturm beim Dongbianmen gleich zwei Veränderungen. Zum einen ist Brian Wallace mit seiner Red Gate Gallery inzwischen aus dem Wachturm aus- und ins 798 gezogen. Auch das dort erwähnte Teehaus auf den Mauern hat leider geschlossen. Dennoch bleibt es ein wundervoller, kaum besuchter, vermutlich weil recht zugiger Ort überhalb der Schnellstraßen am 2. Ring und der Gleistrasse zum Hauptbahnhof mit dem schönen Mauerpark über eineinhalb Kilometer vom Chongwenmen zum Dongbianmen.

So darf man ab diesem Jahr des Hundes (wang bellt er auf Chinesisch, und 旺旺 bedeutet Viel Glück) nur noch außerhalb des 5. Rings zu Neujahr Feuerwerk zündeln, definitiv also nicht mehr, wie angepriesen, im Buchort Nr. 99: Trommelturmplatz, der innerhalb des 2. Rings liegt. Das habe ich nun wirklich nicht kommen sehen – wohl auch deswegen aber blieb es diesen Winter über in der Hauptstadt blau.


Jeder erhält gerne Sternchen, ich auch: Wer mag, von dem würde ich mich sehr über ein paar Zeilen auf Amazon freuen.



Hier die Teaser:


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112. Ort in Beijing: Autokleidung








Der Autobekleidungsshop
Im Herzen Pink bleiben


Das Beijing früherer Zeiten ist nicht mehr. Hier ist alles im eifrigen Elan der letzten Jahre und mit dafür weiterhin vorhandenen Billigarbeitskräften erstaunlich sauber geworden. Noch rumpelt es im Süden, aber sonst ist es fast durchweg gestriegelt, und das längst über die inneren Stadtgrenzen hinaus. Auch das Autofahren zeitigt enorme Zivilisationssprünge. Die permanent plakatierte Aufforderung zur Kultivierung, einhergehend mit den Strafzetteln – beim Ampeln Überfahren, wilden Hupen, nicht Angeschnalltsein –, zeigen Wirkung. Das ist natürlich alles gut und richtig wichtig, und selbst wenn einen manchmal die nostalgische Wehmut überfällt, wollen wir nicht Schmutz und Rüpelhaftigkeit mit Lebendigkeit verwechseln. Aber zum Glück bleiben der Gesellschaft doch noch einige ganz eigene Marotten auf ihren Straßen erhalten.

In Sanlitun, vorm Arbeiterstadion, im 798, beim The Place und ähnlichen Gemengelagen, die ein temperamentvolles Showoff ermöglichen, hat man die besten Chancen, sie anzutreffen oder an einem vorbeidüsen zu sehen. Wer die Augen aufhält, sieht sie außerdem vor Wohnblocks oder im Stau neben sich. Autokleidung wird besonders gerne hochkarätigen Gefährten übergestülpt, kann aber auch sonst jeden für seinen vierrädrigen Liebling überfallen. Und Pink ist nicht nur für Mädels.

Ausdruck von selbstironischer Individualität oder von Protzerei, sieht man sie in allen Metalliclackfarben, in Gold, mit Strass bestückt, im Leopardenlook, mit süßen Teddys drauf oder grimmigen Comicfiguren. Natürlich gibt es im Innenleben ebenfalls einiges zu sehen. Wenn dieses nicht mit verspiegeltem Sichtschutz dem Außen entzogen ist – dem neugierigen Betrachter und der inzwischen weit fortgeschrittenen Brillanz der Gesichtserkennung von Überwachungskameras. Abhängig vom Modell des Autos, zahlt man bei diesem Bekleber zwischen 7 000 und 8 000 RMB.


Adresse Huizhong beili 411, Chaoyang District 朝阳区慧忠北里411号, Tel. 010/6483 0333 | ÖPNV U-Bahn 15, Station Anlilu, nordwestlicher Ausgang A, 600 Meter die Datun lu in den Westen, die Beichen donglu knapp 100 Meter hoch rechter Hand | Öffnungszeiten täglich 9–18 Uhr | Tipp Eine Straßenkreuzung weiter im Westen findet sich der Olympische Park 欧林匹克公园.


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113. Ort in Beijing: Beida und Qinghua






Zum Elitecampus
Der steinige Weg zur Freiheit an den Universitäten


Traditionell hatten Kinder in China über die Dynastien hinweg bis zum sechsten Lebensjahr alle Freiheiten der Welt, erst dann ging es los, vereinfacht gesagt, aber hart im Exzess, mit dem Auswendiglernen der konfuzianischen Lehren. Heute wird bereits der Mutterleib mit Sinfonien beschallt, und schon Kleinkinder sollen Englisch und Ballett lernen, mit Anstieg der eigenen Identitätsfindung auch Qin, Zither, und Kongfu. All diese Vorbereitungen für die Schullaufbahn bedeuten für die kinderarmen Familien, deren Zöglinge weiterhin im Wettbewerb mit Millionen ihrer Generation stehen, muss man sich natürlich leisten können, und einer der Hauptgründe für den Anstieg der Immobilienpreise ist der Einzugsbereich guter Schulen.

Besuchen darf die Schulen nur, wer einen Hukou besitzt, also die Registrierung eines permanenten Wohnsitzes und damit die durchschlagendste Regierungsmaßnahme gegen die Überfüllung der Städte. Das Schulsystem ist unerbittlich, es ist aufgeteilt in sechs Jahre Grundschule, drei Jahre Mittel- und drei Jahre Oberschule. Die Jüngsten haben es noch vergleichsweise beschaulich, mit Beginn der Mittelschule sieht man die Kinder kaum noch, denn dann sitzen sie bis spät in die Nacht über ihren Büchern und bereiten sich auf den Gaokao vor. Das ist die Eignungsprüfung am Ende der Oberschule, die über die Universitätsplatzierung entscheidet.

Hat man dies hinter sich und es gar an die renommiertesten Universitäten des Landes geschafft, die Beida oder Qinghua, ist einem der Abschluss in der Regel so gut wie sicher, und man kann endlich durchatmen. Zwar hat ein jeder auch ideologische Pflichtkurse zu absolvieren und das Studienpensum will bewältigt werden, man muss an MBA-Kursen teilnehmen oder die Eltern schicken einen ins Ausland, aber für viele ist dies die Zeit der größten Freiheit und eigenen Entdeckung. Nun kann man sich etwa auf Romanzen auf dem wunderschönen Campus mit seinen prachtvollen Parkanlagen einlassen.


Adresse Yiheyuan lu 5, Haidian District 海淀区颐和园路5号 北京大学 | ÖPNV Bus 332, 106, 124 und andere, Station Beijing daxue ximenzhan 北京大学西门站, vom Westtor 2 oder 3 der Beida gelangen Sie direkt in die prachtvollen Parkanlagen, durchstreifen Sie diese nordöstlich bis zum Nordtor 2 und gehen von dort über zum Campus der Qinghua | Tipp Gelegentlich lädt das »Stanford Center at Beijing University« im Nordosten der Beida zu Veranstaltungen ein, siehe Stanford Center. In der Qinghua kann man das 3D-Modell des Alten Sommerpalastes betrachten, siehe Beispielfotos des 3D-Modells.


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114. Ort in Beijing: Dengshikou Schulgebiet






Das Dengshikou Schulgebiet
Schul- und Wohnanzeigen


Die Überschrift hier lautet der abgedruckten Anzeige entsprechend »Dengshikou Schulgebiet«. Dengshikou, wörtlich: Schlund zum Laternenbasar, ist nur noch im Namen und in der Erinnerung an die in hiesigem Umkreis über und üppig hängenden und leuchtenden Laternen zum Laternenfest präsent. All die verruchten Assoziationen sind nur noch Legenden. Im Straßenviertel von Donghuamen gelegen, zieht sich die Einwohnergemeinschaft Dengshikou von der Ostseite der Verbotenen Stadt bis nördlich zum Kohlehügel und östlich zur Dongsi nandajie mit gleich vier erstklassigen Grundschulen im Einzugsgebiet.

In der »Shatan houjie«, heißt es weiter, das ist die Gasse im Schatten des Kohlehügels, steht »Privateigentum«, sichan als Abkürzung für sifang chan, zum Verkauf. Privatbesitz ist in China normalerweise auf 70 Jahre beschränkt, als vererbbares Eigentum aber gilt solches, das sich schon vor Gründung der Kommunistischen Partei 1949 und der damit einhergehenden Enteignung im Familienbesitz befand, das vor allem aber noch als dieses anerkannt ist. »Ein Raum im Nordkomplex« hört sich nicht viel an, ist aber mit seiner Südausrichtung der beste des ganzen Hofes, noch besser, dass dieser Nordraum, beifang, ein fangben, eine notarielle Beglaubigung, impliziert. »Einschließlich der Möglichkeit, bei Abriss teilzunehmen und die Stimme zu erheben«, also im Notfall kompensiert zu werden.

»Die Grundfläche von 18 Quadratmetern für 1 480 000 RMB«, das sind etwa 200 000 Euro. Ein Schnäppchen dafür, dass man mit diesem Eigentum für sich und seine Familie das Anrecht auf den Hukou, also den registriert permanenten Wohnsitz und damit auch auf das Schulrecht, erwirbt. »Für weitere qualitativ hochwertigen Käufe« ist eine Handynummer angegeben. Ein kleines Papier zur komplexen Wohnstruktur – oder auf Chinesisch: das Spiel mit der Angst und Wünsch-dir-was-Nummern an den Wänden.


Adresse Shatan houjie, Dengshikou, Dongcheng District 东城区灯市口沙滩后街 | ÖPNV U-Bahn 5 und 6, Station Dongsi, nordwestlicher Ausgang E, die Dongsi xidajie in die Wusi dajie übergehend entlang, die Shatan beijie hoch, die zweite Gasse ist die Shatan houjie | Tipp Die Shatan beijie weiter hoch, kommen Sie an den Zhizhu Tempel 智珠寺, in dem das TRB, Tempel Restaurant Beijing, residiert.


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115. Ort in Beijing: Fangjia hutong




Es war einmal …


… und ist nicht mehr.


Der Fangjia hutong
Was schert uns der Mob?


Es gibt Gassen, die für Touristen geschaffen sind – Paradebeispiele sind die Straße hinter dem Qianmen oder die Nanluo guxiang. Es gibt andere Gassen, die, ebenfalls mit staatlichen Geldern aufbereitet, von hippem Volk überlaufen werden, in denen es dann passablen, aber teuren Kaffee neben poshen Schnickschnack- und Klamottenläden gibt – so etwa der Wudaoying. Und es gibt Gassen, die von selbst gewachsen sind. Seit Jahren denkt man, hier könnte es ebenfalls bald losgehen mit der Hektik, aber der Fangjia hutong scheint seine innere Ruhe zu bewahren.

Sein Zentrum bildet das mit der Nummer 46 bestückte Areal um einen kleinen Kreativkomplex mit Theater, Restaurants und Cafés, ein paar wechselnden Designshops und Forschungseinrichtungen. Einst stand hier eine Werkfabrik, und der Hutong war zu einem Großteil mit Wohnheimen belegt, entsprechend der Industrielook. Auch existiert an Ort und Stelle ein riesiger unterirdischer Bunker, von 300 000 Arbeitern die gesamten 1950er Jahre hindurch gebaut – und von ihnen als »Große Mauer im Untergrund« benannt, ausgestattet mit Büros, Restaurant, Maschinenraum und selbst einem Fahrstuhlschacht. Mittlerweile ist der Bunker meist verbarrikadiert, bei Interesse bitte vor Ort anfragen.

Um die Nummer 46 haben sich viele kleine Läden angesiedelt. Es gehen die Gegensätze von schedderig bis geschniegelt ineinander auf. Gasse und Bewohner scheinen dem großen Geldverdienen gegenüber gleichgültig und treiben einfach, was ihnen gefällt. Der Hutong ist eng, seine Büdchen eins an das andere gedrückt, deren Grundflächen nur gelegentlich zehn, zwanzig Quadratmeter übersteigen. Beliebt sind »Zi’an: Prints and Graphics«, Nummer 30, mit schelmisch bearbeiteten Illustrationen und Papierwaren; »Hot Cat Club«, Nummer 46, zeigt Livemusik mit Open Mic und wirren Frisuren; »El Nido«, Nummer 59, bietet importiertes Bier und einen Hangout für Gassengucker.


Adresse Fangjia hutong 46, Dongcheng District 东城区方家胡同46号 | ÖPNV U-Bahn 5, Station Beixinqiao, nordwestlicher Ausgang A, die Yonghegong dajie etwa 200 Meter hoch und dann westlich in den Fangjia hutong, parallel südlich zur Guozijian | Öffnungszeiten tagsüber bis spät | Tipp Am Eingang zum Hutong finden sich viele kleine Restaurants, liebevoll zubereitet sind etwa die Jianbing, herzhafte Pfannkuchen, in der Yonghegong dajie.

Hier ist inzwischen so gut wie alles verbarrikadiert. Ins 46 kommt man noch hinein, von dort gibt es auch Zugang zum Hintereingang in den Hot Cat Club. Verstörung in Zerstörung finden Sie in Bildern unter: Im Abrisssommer 2017.


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116. Ort in Beijing: Gemüse hinter Gittern






Das Gemüse hinter Gittern
Chinakohl und Lauch für den Winter


Chinakohl und Lauch sind die Wintergemüse Beijings und Nordostchinas. Im Spätherbst werden sie meterhoch auf Fußwegen und vor Supermärkten zum Verkauf gestapelt, und als gäbe es kein Morgen, gehen sie weg wie frisch geschmiert. Sie zur Winterhortung auf Balkone zu sperren und in den Gitterumbau vor Fenster zu schichten, hat neben der naturgemäßen Kühlfunktion auch den Grund, dass hier keine Lagermöglichkeiten auf Dachböden oder in Kellern vorhanden sind – denn die gibt es bei keiner Wohnung, unten hausen die Dixias (das im Untergrund, dixia, wohnende Personal, das die meisten der gesamten Einrichtungen mit Mülltrennung, Technik und Pflege am Laufen hält), oben sind die Häuser flach. In einem Hofhaus hat man mehr Platz, aber auch hier wird vergittert und platzsparend nach außen gebunkert.

Die Vergitterungen sind mit Deng Xiaoping eingezogen. Seit seiner Öffnungspolitik Ende der 1970er Jahre öffnete sich der Markt und schlossen sich die Anwesen. Wo zuvor jeder gleich wenig besaß und Tore und Türen der Hutonghäuser unabgeschlossen blieben, haben viele nun Angst um ihr Hab und Gut. Also Gitter vor Fenster in Erdgeschossen bis in die oberen Stockwerke in mittlerweile allen Wohnungen und Wohnanlagen, Zaun und Stacheldraht drum herum. Man raunt sich Geschichten über böse Einbrüche zu, gar Mord und Totschlag, seid auf der Hut.

Wie überall, funktioniert auch hier das Schreckgespenst der Angst. Man muss sich abschotten, verbarrikadieren, sich einen Abstand verschaffen zur Ungewissheit, Unbestimmtheit der Zukunft, schnellem Wachstum, Willkür der Regierung, Menschenmassen, abhanden gekommenem Vertrauen, weil man seinen Nachbarn nicht mehr kennt. Dabei kennt man sich doch, und Beijing ist sicher wie kaum ein anderer Ort, das Gespenst bleibt ohne ernstzunehmende Realität. So können getrost Wandmitteilungen in den Gassen – für die Anwohner gedacht, für alle sichtbar aufgehängt – darauf hinweisen, dass hier tagsüber niemand zu Hause sei und Langfinger ein Leichtes hätten. Und der Kohlbraten duftet im Wind.


Adresse Gemüsemarkt Beixinqiao santiao 40, Ecke Jiangfang dongxiangkou, Dongcheng District 东城区北新桥三条40号/靠酱房东巷口 | ÖPNV U-Bahn 5, Station Beixinqiao, nordöstlicher Ausgang B, die Yonghegong dajie in den Norden bis in den Beixinqiao santiao, der Gasse etwa bis in die Mitte hinein folgen | Öffnungszeiten täglich 8–22 Uhr | Tipp Diese Gasse ist sommerabends einen perfekten Restaurantbummel wert, allerdings nichts für Vegetarier – und: Mittlerweile zugemauert, finden Sie die kleinen Restaurants nun hinter hohen Fenstern, aber immer noch, wenn noch vorhanden, wunderbar.

Dieser Gemüseladen ist mit vielen seiner Artgenossen inzwischen verbarrikadiert und nur mehr durch einen Hintereingang zugänglich, keiner weiß, wie lange noch. Mittlerweile öffnen und übernehmen hauptsächlich bezirkseigene, staatliche Gemüseläden – und die sind zumindest bislang leider alles andere als empfehlenswert.


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117. Ort in Beijing: Glücksspiel






Glücksspielstätten
Den Deckel lupfend

Glücksspiel und Prostitution sind illegal. Zumindest prinzipiell. Zumindest, denkt das Volk, wenn sich korrupte Kader damit ihre Höllenschlünde stopfen. Aber was an Ausschweifungen von denen da oben durchsickert, wünscht man sich auch unten im Kleinen. Etwa eine weiße Rose im Heim und eine rote Rose heimlich ‒ brav und wild, so ist man selbst oder vielleicht in seinen Träumen.

Diskussionen über die Emanzipation der Frau haben in China nie wirklich stattgefunden. Unter Mao waren auf einmal alle gleich, heute haben alle gleiche Ausbildungschancen, können auch alles machen, was sie wollen, aber es ist weiterhin eine sehr männlich geprägte Gesellschaft, zumindest öffentlich. Frauen agieren aus dem Hintergrund. Der Beijinger gilt gemeinhin als eher faul, ständig ein »Ach, yali da«, der Druck ist groß, auf den Lippen und »frag mal jemand anderen«. Die Beijingerin gilt als hart, hält die Zügel von zu Hause aus stramm in der Hand: Mann muss Geld nach Hause bringen, Frau führt streng das Haushaltsbuch.

Auch hier wird natürlich viel und heiß diskutiert, im Netz schwappen immer wieder öffentliche Diskurse hoch. Doch wenn es thematisch kritisch wird, kommt schnell der Deckel drauf, Hunderttausendschaften sitzen an der Löschung von Onlineinhalten. Dabei muss es gar nicht um Menschenrechte oder Umweltprobleme gehen, eine heikle Gradwanderung, noch ist sie einigermaßen im Griff. Statt Diskursen gibt es hier staatlich verordnete Kampagnen zum herrlich widersprüchlichen »Kampf für die Kultiviertheit«, wenming zhi zhan. Dann geht man gegen »soziale Übel« wie Glücksspiel und Prostitution vor, ratzfatz kommen Meldungen von 30 000 Verhaftungen. Spielt man halt daheim, stundenlang, die Sonnenblumenkernschalen flirren durch die Luft. Hier ist man gleich, das steht gar nicht zur Debatte, weggewischt die Klischees. Und: »Natürlich spielen wir um Geld.« Das Büchlein für den Spielstand liegt griffbereit.


Adresse unter Brücken (unter der Brücke zum MOMA etwa), in Parks wird meist Xiangqi, chinesisches Schach, gespielt, Majiang meist zu Hause oder auch in Spielbuden in Nancheng, der Südstadt | ÖPNV U-Bahn 2 und 13, Station Dongzhimen, dem 2. Ring nördlich in die Kurve folgen | Öffnungszeiten tagsüber draußen, nachts geht es drinnen weiter | Tipp Reisen Sie für legales Glücksspiel nach Macao – man könnte es Ventilpolitik nennen: im Großen verbieten und einen kleinen Ausweg schaffen.


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118. Ort in Beijing: Massage






Massageladen
Dubios oder einfach nur wohltuend


In China bezeichnet kaum jemand irgendjemand Unbekannten als kaopu, also als »verlässlich« – in Verneinung ist bu kaopu, »unzuverlässig«, eine der am häufigsten benutzten Redewendungen. Zu sehr ist man es gewohnt, dass jeder jeden abziehen will – man selbst natürlich ausgenommen. Das dem Yinyang entsprechende Prinzip, dass auf Wohlstand Verfall folgt, scheint den Menschen über Jahrtausende ins Blut übergegangen zu sein und steht im Gegensatz zum westlichen (Aber-)Glauben an stetige Aufwärtsentwicklung. Also lautet die Devise: Raffen, was und wo es nur geht, der Abstieg kommt früh genug. Xis Aufräumansinnen sind somit nicht ganz von der Hand zu weisen. Über die Art und Weise könnte man … aber reden möchte er ja nicht, da käme eventuell eine Debatte bei heraus, und wer sich da alles zu Wort melden würde. Wohl nicht nur zu Unrecht, sonst wären auch in China Flughäfen und Bahnhöfe jahrzehntelange Baustellen.

Kaopu? Versuchen Sie es, fragen Sie eine chinesische Kollegin, Ihren Sitznachbarn im Flugzeug, was von dem Vorschlag zu halten ist, einen Massageladen ohne Zertifizierung aufzusuchen. Vermutlich werden sich Augenbrauen zusammenziehen, Ihr Gesprächspartner rutscht ein Stück von Ihnen ab, dann wieder auf Sie zu, um Ihnen im Vertrauen anzuraten, in ein bekanntes, geprüftes Krankenhaus zu gehen. Etwa in das Dongzhimen Krankenhaus oder das in Wangjing oder Wudaokou, spezialisiert auf TCM, traditionelle chinesische Medizin. Zweifelsfrei gute Einrichtungen, bei denen man sich vorab allerdings auf ein langes bürokratisches Prozedere einlassen muss. Hier kann man hin, wenn man gerade einen Bandscheibenvorfall hinter sich hat.

Die kleinen roten Schummerläden, wo es »auch« Massagen gibt, kann man getrost als zwielichtig bezeichnen. Aber doch nicht die wunderbaren Blindenmasseure oder die wonnigen Wellnessoasen. Unkompliziert und herzlich geht es etwa im Jingtu hutong zu, man freut sich auf Sie.


Adresse Jingtu hutong 3, Dongcheng District 东城区净土胡同3号 京升中医推拿诊所, Tel. 010/6406 4792 | ÖPNV U-Bahn 2, Station Andingmen, nordwestlicher Ausgang A, auf die Innenseite des Rings gehen und westlich bis zur und hinein in die Beiluo guxiang, nach 500 Metern westlich in den Jingtu hutong | Öffnungszeiten tagsüber je nach Kundschaft | Tipp Die Beiluo guxiang und parallel dazu der Baochao hutong lassen sich wunderbar durchstreifen.


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119. Ort in Beijing: Soundevolution






Die Soundevolution
Taxifahrten 4x tuned


In China liegt der Geräuschpegel um ein paar Dezibel höher als selbst in den größten Städten Europas. Das kann man schon auf dem Hinflug feststellen. Der Lärm hat also nicht nur damit zu tun, dass das chinesische Volk so zahlreich ist, es ist auch in einem Flugzeug begrenzter Personenanzahl lauter als andere Nationen. Gar erhalten Reisende von ihren chinesischen Telefonanbietern SMS mit Hinweisen zum kulturspezifischen Verhaltenskodex des Ankunftslandes, meistens gehört die Empfehlung zur Kommunikation in gemäßigter Stimmlage dazu.

Das U-Bahnnetz wird weitläufig ausgebaut, verhält sich aber nicht überall vorteilhaft. Der Himmel über Beijing ist für den Flugverkehr gesperrt. Die Magnetschwebebusse für die Ringstraßen sehen bislang nur im Rendering gut aus, sonst werden sie als großer Murks ausgelacht. Den je nach Zählung 18 bis 25 Millionen Beijingern bleiben also nur die paar Straßen – und diese sind randvoll. Falls Sie nicht auf hochdiplomatischer Mission oder mit wichtigen chinesischen Kadern unterwegs sind, um in den Genuss zu kommen, dass für Sie der Verkehr gestoppt wird, dann vermeiden Sie wenigstens zum Berufsverkehr, in Bus, Bahn oder Auto unterwegs zu sein.

Taxifahren in Beijing ist dennoch großartig, allein schon, weil noch verhältnismäßig günstig. Besonders aber, da man in dem Mikrokosmos der Blechbüchsen die makromale Soundevolution am Leibe spüren kann: Links vom Fahrer ein Smartphone, das durchgehend die Aufenthalts- und gewünschten Ankunftsorte suchender Fahrgäste mitteilt. Rechts ein Smartphone und/ oder der Taxifunk, über das der Fahrer mit seinen Kollegen das Abendessen bespricht. Im Radio läuft meist das in Nordchina beliebte Sprechtheater mit viel Lachen und Meckern. Am hinteren Beifahrersitz dudelt Werbung aus dem Bildschirm. Es kann einen in den Wahnsinn treiben, einem aber auch Welten eröffnen oder der beste Lehrmeister für Gelassenheit sein.


Adresse Daumen raus oder besser per Taxi-App; falls Sie kein Chinesisch sprechen, werden schriftliche Angaben gerne gesehen | ÖPNV auch hier ist der Pegel hoch, aber die fahren eben nicht immer und nicht überall hin | Öffnungszeiten 24/7 | Tipp Der wunderbare Film »Beijing Taxi 北京出租车« von Wang Miao, 2010, nimmt einen mit auf poetische, noch allerdings analoge Touren durch die Stadt. Im Caochangdi gibt es an der Three Shadows Gallery vorbei hinten links einen Taxiübungsplatz noch mit alten Verkehrsampeln.


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120. Ort in Beijing: WeChat Secretary





WeChat Secretary
Mikro die Anmeldung, Makro die Auswirkung


Taxis ohne Fahrgäste ziehen an einem vorbei? Dann sind sie wohl bestellt, das Zauberwort: »Didi dache«; didi ist ein lautmalerischer Tropfenklang, dache bedeutet, ein Taxi rufen. Didi ist mittlerweile gar zu einem Verb aufgestiegen, ich didi mal. Dem Straßenhändler entfährt ein abstruses Grunzen beim Anblick eines Geldscheins? Selbst Kleingeld entlockt nur schiefes Grinsen, geht es nicht über »Alipay«? Im Supermarkt findet sich dieses oder jenes nicht? Nicht, dass die Läden leer sind, aber auf der Suche nach fünf Zentimeter länger oder breiter, nach der einen oder anderen Marke, wird man schnell an »Taobao« verwiesen. Fehlt nur die Frage, was man überhaupt in diesem Laden wolle.

Wer einen Fuß ins Reich der Mitte setzt und länger als nur eine Woche zu bleiben plant – obwohl, selbst dann –, wer also in diesem Land kommunizieren und agieren möchte, der kommt nicht um das als Nachrichtenplattform begonnene »WeChat« herum. Datenschutzbedenken bitte über Bord werfen, hier wird nicht nur mitgelesen, sondern die Daten werden bei Bedarf auch gerichtlich unter Bezugnahme auf Nachrichten und Kontaktkreise gegen einen verwendet. Aber das nur als Obacht am Rande, soll ja keinem der Spaß verdorben werden.

Vergleichsmöglichkeiten sind Uber für Didi, Paypal für Alipay, Ebay für Taobao, gibt es hier auch alles, hat sich aber nicht durchgesetzt. Und WeChat, chinesisch Weixin, Mikronachricht? Die Gegenüberstellung mit WhatsApp hinkt mächtig, zusätzlich ist es Facebook und integriert auch alle anderen Bühnen der chinesischen Onlinewelt. Aber ach, alles auf Chinesisch? Abhilfe bietet die Plattform WeSecretary. Denen kann man mit jeder noch so kleinen Trivialität, aber auch mit großen Problemen kommen. Sie suchen Putzpersonal, Babysitter, Anwälte, Übersetzer, organisieren Konzerttickets, Transporte und helfen bei der Einrichtung von Konten. WeChat müssten Sie sich allerdings selbst herunterladen.


Adresse im Play Store oder App Store: WeChat | Kontakt-ID We-Secretary, siehe auch wesecretary.com, 150 1101 6934 | Onlinezeiten Mo–Fr 9–18 Uhr, Sa 10–17 Uhr | Tipp Die Software WeChat selbst spricht sogar Deutsch, Polnisch, Farsi.


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Dies die Teaser für unsere Publikation
Stefanie Thiedig und Xie Kaijin: 111 Orte in Peking, die man gesehen haben muss. Köln: Emons Verlag 2018, siehe Emons Verlag und Amazon.



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Samstag, 16. Dezember 2017
BJ: Die Daxing Linie




Ein kurzer Blick aus der Ubahn gen Süden. Nach dem Desaster Mitte November, das die Regierung zur anschließenden Aufräumaktion genutzt hat, wollte ich mal sehen, wie es da so aussieht.


Siehe etwa Felix Lee: Die Vertreibung der Armen, taz, 13.12.2017; und Tom Phillips: The gentrification of Beijing: razing of migrant villages spells end of China dream, The Guardian, 8.12.2017.


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Montag, 4. Dezember 2017
BJ: Kunst gen Winter 2017
Wir streifen weiter.
Holen noch ein wenig aus dem Herbst herüber.
Im 798 gab und gibt es folgendes zu sehen (ungefähr chronologisch):

Soka 索卡艺术 zeigte Gu Liming 顾黎明: Transformation of Abstraction 从马王堆到山水赋, 5.8.–23.9.2017:


《山水赋》唐三彩.


枯山水.


山水赋 No. 29. 2017.


山水. 1990.


Dunhuang 敦煌(草图2). 2001.


Beijing Commune 北京公社 zeigte Zhou Yilun 周轶伦: Marie Montana 马利·蒙大拿, 19.7.–2.9.2017, Installationsansicht:










Ginkgo Space 今格空间 zeigte Zhang Xuerui 张雪瑞: Recent Works 新作, 2.9.–17.10.2017:


100 20170(Monat)-(Buchstabe). Serie, 2017.


Ebd.


Boers-Li Gallery 博而励画廊 zeigte Liao Guohe 廖国核: Devil Empire 恶克思, 9.9.–15.10.2017:


Untitled (tear, money, „fortune“, jewellery) 无题(眼泪 金钱 福 珠宝). 2016.


Links 左: JJ Dragon JJ龙. 2016.
Rechts 右: Jingguo Eliminated the Official 经国锄宫. 2017.


„作品《十个月光》,因某些原因已撤展。Due to current official regulations, the work ‚Ten Moonlight‘ has been removed from the exhibition.“
Es geht wieder los, wegen Gewaltverherrlichung und Anstiftung zum Selbstmord, so lautete hier die Begründung.


Mou Art 妙有艺术 zeigte von Sun Yidian 孙一钿, Tian Qi 田琦 und Zeng Yang 曾扬: 隐秘之物, 2.9.–19.10.2017, Installationsansicht:






Platform China 站台中国 zeigte Wu Weijia 吴维佳, 23.9.–28.10.2017:


Face to Face 面对面. 2017.


Saint Seiya 圣斗士. 2017.


Great Painting Park 名画公园. 2016.


Contrarotate 逆时针旋转. 2017.


Tang Contemporary, 2nd Space 唐人北京第二空间 zeigte Zhao Zhao 赵赵: Desert Camel 骆驼, 23.9.–2.10.2017, Installationsansicht:





Danach lief weiter von Zhao Zhao 赵赵: In the Desert Below a Constellation – In the Sky 天空·星空, 7.10.–8.11.2017.

Tolle neue Räume, aber muss das mit dem Kamel sein – ob nun mit oder ohne marmorne Wasser- und Futterkrüge? Habe hin- und herüberlegt, ob ich es überhaupt poste, vielleicht also als Fragezeichen. Die riesigen gemalten und gestickten durchschossenen Glaswände und Wolkenformationen im 2. Teil waren mir dann aber doch zu blöde.


N3 Gallery N3画廊 zeigte die Gruppenausstellung Southern Climate 南方状态, 27.9.–10.11.2017:


Fong Fo 冯火: 新世界. 2017.


Ebd.


Lu Wei HD Channel 滷味高清小组: 都市情缘. 2017.


Chow Chunfai 周俊辉: 我是歌手一专业眼泪. 2017.


Ebd.


Gallery Yang 杨画廊 zeigte Chen Baoyang 陈抱阳: Do Androids Dream of Electric Cows? 仿生人会梦见电子奶牛吗, 28.9.–19.11.2017, Installationsansicht:



So wie gleichzeitig in der Faurschou Foundation mit VR-Brillen und -Ästhetik experimentiert wurde. Besonders beeindruckt es mich nicht, weder von der rudimentären Technik noch von der Umsetzung – man bekommt eine Brille auf und findet sich in einem virtuellen Raum wieder, der genauso wie reale Räume Wände hat, nur das hier dann in wilden Farben alles mögliche durch die Gegend fliegt. Einzig der Aufbau in den Galerien war in Ordnung.

Leider hat Gallery Yang inzwischen wieder ihr Café geschlossen, im hinteren Courtyard gibt es dafür nun ein Stück Mauer, o. A.:




Galleria Continua 常青画廊 zeigt Carlos Garaicoa 卡洛斯·加莱高亚: Bestiary 动物寓言集, 23.9.–17.12.2017, Installationsansicht:










Mariano Space 马亚诺空间 zeigte Sun Ce 孙策: Painting about Painting 关于绘画的绘画, 10.–31.10.2017:


Moving Landscape Color No. 29 移动山水29号. 2013–17.


Blankness No. 68 空白68号. 2015.


Blankness No. 166 空白166号. 2017.


Blankness No. 177 空白177号. 2017.


Moving Landscape on Paper No. 19, Part A 移动山水纸上19号A部分. 2013.


Moving Landscape on Paper No. 34 移动山水纸上34号. 2013.


Moving Landscape Color No. 3–4 移动山水3–4号. 2015.


Space Station 空间站 zeigte Meng Site 孟思特: Stardust Museum 星尘博物馆, 23.9.–5.11.2017:


Stardust Museum 星尘博物馆. 2015–7.


Farewell to the Museum 博物馆的告别. 2016.


Maze 迷宫. 2015–6.


Tang Contemporary 唐人 zeigte Liu Yujia 刘雨佳: The Beach, A Fantasy 海滩, 7.10.–23.11.2017:


„We have just thrown our bonus money into the Pacific. 生活并不意味着安逸,这是在让事情更难办。“ 2017.


Wave 海浪. 2017.


„Life wasn’t meant to be easy. This is making things hard. 我们把钱都扔进了太平洋。“ 2017.


MoShang Experiment 陌上实验 zeigte Gao Xiyue 高夕越: Draw an Analogy 打比方, 28.10.–12.11.2017, Installationsansicht:








Hive 蜂巢 zeigte Tu Hongtao 屠宏涛: Melting Point of Desire 欲望的熔点, 22.10.–30.11.2017:




Rational Light 理性的光. 2014–5.


Div.


Div.


Weeds 荒草. 2016–7.


Soka 索卡艺术 zeigte Zeng Jianyong 曾健勇: Conjurer 戏法, 14.10.–3.12.2017:


Mountain House 山间堂. 2017.


The Big Wild 大诸野. 2017.


The Other Side 彼岸. 2017.


Collection No. 01–03 藏品01–03号. 2017.


Ginkgo Space 今格空间 zeigte Chen Ruobing 陈若冰: River of Light, 28.10.–3.12.2017, Installationsansicht:






Painting BoLe Art PBL画伯乐 (neben Montferrand in der 七星东街) zeigt An Exhibition With No Curator 一个没有策展人的展览, 4.11.–9.12.2017, Installationsansicht:


O. A.


Der neue Projektraum zapbeijing (nahe bei Tor 2 der 797 Straße) zeigt eine Gruppenausstellung mit Künstlerbüchern On Paper One 艺术家书, 25.11.–10.12.2017:




Zhi Jin 纸今: Pause 停顿. 2017.


Zhai Liang 翟倞: Note 笔记. 2013.


Jian Ce 简策, o. A.


Tokyo Gallery 东京画廊 zeigt Liu Qinghe 刘庆和: The Time of the Year 一年之际, 5.11.–9.12.2017:


O. A.


Big Bed 大床. 2017.


Kurz ins Caochangdi, dort feierte Ying Gallery 颖画廊 ihr 5th Anniversary 五周年纪念展, 22.10.–Ende November 2017:


Wong Perng Fey 黄鹏辉: Traces #16. 2017.


Ying Space 应空间 zeigt die Gruppenausstellung Le Printemps de Pekin 北平之春 (Galeriewebsite noch nicht geupdated), 5.11.–15.12.2017, Installationsansicht:










XC.Hua Galleries 户尔北京 hat neu eröffnet und zeigt Dai Dandan 戴丹丹: Hopscotch 跳房子, 18.11.–18.12.2017:




Stripe 24 条纹24. 2017.


Room 15 房间15. 2017.


Telescope 望远镜 zeigt Zhang Ruyi 张如怡: Decoration – Dump 装修——路边, 18.11.2017–12.1.2018:






Zurück ins 798, Platform 站台 zeigt die Gruppenausstellung Jungle III: Common 丛林III——寻常, 5.11.–17.12.2017:


Zhao Tingyang 赵汀阳: My Borderland 我的边疆. 2011.


Ebd., links 左: Socrates: Know Thyself 苏格拉底:认识你自己. 2017.
Rechts 右: The Solution to the Baber’s Paradox 理发师悖论的解决. 2010.


Tang Hui 唐晖: Landscape in My Diary 日志风景系列. 2016.


Ma Ke 马轲, links 左: Spiral 圈. 2012.
Ebd., rechts 右: Game No. 1 游戏1. 2012.


Xu Dawei 徐大卫: A Red Sun 一轮红日. 2017.


Liu Cong 刘聪: Plaster Figure 石膏像. 2017.


Ye Qing 叶庆: Spirit Unter Exposure 情怀被烈日暴晒. 2017.


Lin Cong 林枞: Portrait 肖像. 2017.


Ge Hui 葛辉: A Sunburnt Girl 被阳光晒过的女孩. 2017.


Xu Dawei 徐大卫: Untitled 无题. 2017.


Jia Aili 贾蔼力: Youhou 友厚. 2017.


Hadrien de Montferrand Gallery zeigt Barthélémy Tuguo 巴尔德莱米·图果: Fragile Body 易碎之躯, 28.10.–31.12.2017, Installationsansicht:






Mo Cube 墨方 (östlich von Whitebox in der 706北二街) zeigt Zheng Jing 郑菁: Room 39 39号房间, 5.11.2017–7.1.2018, Installationsansicht:








Magician Space 魔金石空间 zeigt die Doppelshow Wang Bing 王兵: Experience and Poverty 经验与贫乏 und Liu Zhan 刘展: The Mysteries of Animal Reproduction 探索动物繁殖的奥秘, 18.11.–31.12.2017:


Liu Zhan 刘展, o. A.


Qiaoshe Gallery 桥舍画廊 zeigt die Gruppenausstellung Betrayal Reality 背叛·现实, 25.11.–20.12.2017:


Enrique Brinkmann: White. 2011.


An Desheng 安德生, o. A.


Whitebox 白盒子 zeigt Beyond the Sphere of Reproduction, Contemporary Photography from China and Germany 复制之外——中德当代摄影展, 25.11.–23.12.2017:




Wang Ningde 王宁德: No Name No. 25 无名No. 25. 2016, Detail.


Xu Yong 徐勇: Our Courtyard At My 11 Years Old 11岁的弄堂. 2009.


Michael Schnabel, o. A.


Andreas Gefeller: Tokyo. 2012.


Gallery Yang 杨画廊 zeigt die Gruppenausstellung A Separation 一次别离, 25.11.–31.12.2017:


Zhu Tian 朱田: Waiting Like A Prostitute, Half Shamed Half Despairing 像妓女一样等待,一般羞耻一半悲伤. 2015.


Xie Qi 谢其: Portrait in Green Light 绿色光肖像. 2009.


Link Gallery 力画廊 zeigt Siu Man Kit 萧文杰: Concrete Darkness 黑块, 25.11.2017–1.1.2018:


Egg Block 蛋·块状. 2017.


Shade 17–18 阴影17–18. 2014.


Tang Contemporary 唐人 zeigt H.H Lim 林辉华: The Mental Trip 画地为牢, 25.11.2017–6.1.2018:


The Mental Trip 画地为牢. 2017, Detail.


Ebd.


Horizon Space 瀚艺术空间 zeigt Lu Lin 卢琳: 梦境·旁观, 25.11.2017–15.1.2018:


连线5. 2017.


蓝3. 2017.


Urs Meile Galerie 麦勒画廊 zeigt Cao Yu 曹雨: I have an Hourglass Waist 我有水蛇腰, 4.11.2017–28.1.2018:


Vorne 前: The Colorful Clouds 彩云. 2017.
Hinten 后: The Female Artist 女艺术家. 2017.


Vorne oben 前上: The End 散场. 2017.
Hinten Wand 后墙上: The Colorful Clouds No. 2 彩云No. 2. 2017.


Vorne 前: Living, Nothing to Explain 活着,没什么好解释的. 2017.
Hinten 后: Detail No. 3 细节No. 3. 2017.


Beijing Commune 北京公社 zeigt Hu Xiaoyuan 胡晓媛: Grass Thorn 草刺, 5.11.2017–10.2.2018, Installationsansicht:














Long March Space 长征空间 zeigt Chen Chieh-jen 陈界仁: A Field of Non-Field 中空之地, 28.10.2017–2.4.2018, Installationsansicht:








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Außerhalb vom 798 ging ebenfalls dieses und jenes. Unter anderem interessant war es innerhalb des östlichen 4. Rings unterhalb von Guomao. Die gesamte dortige Straße, die Hongyan lu 弘燕路, soll einem Investor gehören. Vor seinen Compoundtrassen ziehen sich Verkaufsshops mit obligatorischen Autoläden und sonst allem, was dazugehört. Auf dem Fußweg davor einige der im Volke allseits beliebten Bronzestatuen alltäglicher Szenen mit Mensch in Aktivität. Essentiell ist in solch einem Fall mittlerweile natürlich zusätzlich immer ein Privatmuseum, schließlich möchte man entweder kulturell locken oder sich kultiviert zeigen.





Das Riverside Art Museum 山水美术馆 war auch insofern eine Reise wert, als seine Ausstellungsflächen unterirdisch in einer ehemaligen Tiefgarage zu finden sind. Auf tausend weiß gestrichenen Quadratmetern zieht es sich relativ flach und ewig hin, mit Säulengängen und Kabelkanälen alles feinstens industriell ausgestattet. Es lief Zhu Xianwei 朱贤巍: All the World Is Green, 10.–18.10.2017:


Rechts 右: A Letter to a Friend 1 给朋友的一封信1号. 2013.


Div.


Links 左: All the World Is Green 1. 2017.


All the World Is Green 10. 2017.


All the World Is Green 4. 2017.


Ursprung 3–5 源头3–5号. 2017.


Ursprung 1 源头1号. 2017.


Dann gibt es einen neuen Space in Huantie 环铁艺术城: Otherwhere 别处, erste Gruppenausstellung lief am 15.10.2017:




Um Duan Qiruis Herrenhaus 段祺瑞旧址, hinter dem Yugong Yishan (Zhangzizhonglu 3), eröffnen gerade die ersten Nonprofit Spaces. Sollte man im Auge behalten, obwohl man aus dieser ersten Schose im Bunker mehr hätte machen können – abgesehen davon, dass es immer gut ist, in Bunker hineinzusehen, gibt es hier tatsächlich sonst nicht viel mehr. Die Sound- und Lichtinstallationen sind Licht an/aus mit Zeitansagen über fünf Minuten, wie lange einem noch bleibt, achja, und die Tür wird währenddessen verriegelt. Groß angekündigt mit großem Namen und alle liefen wir herbei: Zhang Peili 张培力: No Network 没有网络, 4.11.2017–15.3.2018:




Allseits einen guten Winter!


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Freitag, 6. Oktober 2017
60. Jubiläum des 798
Publikation: Geschichte des Staatlichen Kombinats 718


Anlässlich des 60. Jubiläums des 798 wurden wir von der das Gelände verwaltenden Sevenstar Group mit der deutschen Übersetzung ihrer 2015 erschienenen Publikation „国营第七一八厂史(国营华北无线电器材联合厂),1952年–1964年“ beauftragt.

Beijing Sevenstar Science & Technology Co., Ltd.: Geschichte des Staatlichen Kombinats 718. Staatliches Kombinat für Funktechnik Nordchina, 1952–1964. Beijing, Oktober 2017. ISBN: 9783000590252. Amazon.


Klappentext: Als die Idee für den Bau des Kombinats für Funktechnik Nordchina im Jahr 1951 entstand, war die Volksrepublik China gerade erst zwei Jahre alt. Mit ostdeutscher Beteiligung wurde das Kombinat 718 in nur fünf Jahren fertiggestellt und zum Aufbau eines „Neuen Chinas“ nach sowjetischem Vorbild für Industrialisierung und Wirtschaftswachstum von großer Bedeutung. Die Produktion galt Bauteilen für Rundfunkgeräte und vor allem der Entwicklung von Hochfrequenztechnik zur Landesverteidigung und Automatisierung der Industrie. Die vorliegende Fabrikgeschichte erstreckt sich vom Beginn der Konstruktion 1952 bis zu ihrer Umstrukturierung im Jahr 1964. Von Veteranen dieser Zeit zusammengestellt, wird ein Blick auf die technischen Entwicklungen eröffnet, der im Hintergrund immer wieder die gewaltigen Umwälzungen und Kampagnen der frühen volksrepublikanischen Geschichte durchscheinen lässt.



Damalige und heutige Persönlichkeiten der Sevenstar Group.


Generaldirektor der Sevenstar Group Wang Yanling 王彦伶.


Im Zuge der Feierlichkeiten wurde die Ausstellung 创业家精神之路 (Der Weg aus dem Geist der Pioniere) eröffnet. Der vollständige voluminöse Titel lautet: 创业家精神之路——纪念国营第七一八厂落成暨开工六十周年展览 Commemoration Exhibition Marking the 60th Anniversary of State-Owned 718 Factory’s Inauguration and Operation.

–– Nachtrag vom 4.2.2018: Online per VR-Aufbereitung begehbar hier. ––

Zu sehen in der Art Factory 艺术工厂, 5.10.–31.10.2017.





Entstanden ist eine sehenswerte Ausstellung unter Bauhausdächern, mit vielen Fotos und Karten, historischen Devotionalien und Geräten sowie dem nachempfundenen Arbeitszimmer des langjährigen Direktors Luo Peilin.




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Samstag, 23. September 2017
BJ: Kunst im September und „Deutschland 8 德国8“
Kunstschauen wird einem im 798 seit diesem Jahr nicht gerade vergolten. Dem westlichen Konzept nach nehmen Museen und Einrichtungen von Stiftungen, Nonprofits und andere Eintritt, um sich neben den Subventionen weiter zu finanzieren und auch mit der etwas didaktischen Begründung, dem Besucher die Wertschätzung von Kunst zu vermitteln. Dass es etwa in den meisten deutschen Museen gleich zehn oder mehr Euro sein müssen, finde ich übertrieben. China geht hier den Weg der Volksbildung, und seit 2013 sind alle nationalen Museen gegen Vorlage der ID-Karte oder des Reisepasses kostenlos (wobei man vielleicht lieber zahlt als getrackt zu werden).

Zur weiteren Finanzierung gibt es das Konzept der Museumsshops für Bücher und Souvenirs und der angeschlossenen Cafés – Büchereien sind natürlich immer gut, genauso gut ist die Schaffung eines Ortes zur Begegnung. Gibt es hier ebenfalls und wird angenommen. Auch mehr und mehr Galerien im 798 richten Cafés ein – Boers-Li Gallery, Yang Gallery, Mariano Space –, super Sache. Daneben aber nehmen nun vermehrt Galerien Eintritt. Es sei eigentlich unnötigerweise gesagt, dass es nicht darum geht, knausrig zu sein, sondern dass Galerien sich über den Verkauf der von ihnen angepriesenen Kunstwerke finanzieren bzw. mittlerweile eher über die Kunstmessen, dass aber ihre Orte Präsentationsflächen ihres Angebots darstellen. In Galerien Eintritt zu nehmen, ist, als würden Ikea oder Adidas, Gucci oder Lamborghini Eintritt verlangen, damit man sich ihre Waren ansehen und kaufen dürfe.



Das UCCA ist eine gemeinnützige Einrichtung, der Eintritt dort wird auch immer teurer, aber das geht zähneknirschend in Ordnung, denn wir brauchen diese Institution. Dass die Pace Gallery mit ihrer halbjährigen Show teamLab wochenends 125 Kuai und wochentags 80 Kuai nimmt und den Rundgang im Verkaufsshop enden lässt, dass man sich nebenbei bemerkt mit seiner Handynummer registrieren muss, um dann mit Werbung beschallt zu werden, ist absolut unverhältnismäßig. Gut, es handelt sich um eine extrem kostspielige Ausstellung, aber dass der wachsende Kunstmarkt nach stetig bombastischeren und damit teureren Shows schreit, sollen die Galerien doch bitte selbst regeln, sollen sie sich doch neben Basel, Miami, Hongkong, neben all den jährlich neu in den Städten aufpoppenden Messen tiefer und tiefer in ihren diesen Sud hineindrehen, dies jedoch nicht auf die Besucher umverteilen.

Ich würde auch meckern, wenn der Eintritt in die Pace nur 20 Kuai beträgt. Natürlich sind die Verhältnisse hier anders, ganz vorneweg muss jegliche Einrichtung mit der Masse nicht nur der Besucher, sondern vor allem des Laufpublikums fertig werden – und um sich und die ausgestellte Kunst vor einfallenden Horden zu schützen, mag ein kleiner Eintritt zur Abschreckung ein valider Grund sein. Oder auch wieder nicht, deutsche Museen halten den Klingelbeutel auf und stellen bellendes Personal an jede Säule. Vielleicht ist es auch nur ein Versuch, doch beschwert sich hier ja niemand außerhalb des privaten Kreises (und ich schreibe nicht auf Chinesisch und freue mich bereits, wenn ein Post im dreistelligen Bereich angeklickt wird). Fängt man einmal mit Eintritt an, bestimmt acht Galerien nehmen mittlerweile 5, 10 oder 20 Kuai, schließen sich immer weitere an und es wird normal. Momentan versuche ich noch wacker, dafür grumpelnd bei Sichtung eines verlangten Entgeltes vorbei- oder wieder hinauszugehen, momentan höre ich dies auch von befreundeten Künstlern. Fragt sich, wie lange noch, bevor wir nur etwa im Goethe-Institut oder bei Urs Meile willkommen sind.

Diese lange Blase will eigentlich nur sagen, dass ich gar keinen wirklichen Überblick mehr über die im 798 ausgestellte Kunst liefern kann. Ich feuer mich quasi selbst und versuche gleichzeitig, mich an den letzten Strohhalmen festzuhalten. Ein Aufruf von Sponsorenschaften fürs Kunstschauen wäre widersinnige Bezahlung für Werbung für Galerien, aber wer möchte … (ich kann ja mal eine Preisliste erstellen, rein aus analytischen Gründen, versteht sich, meine WeChat-ID: youjia9858).




Space Station 空间站 zeigte Li Dafang 李大方: A Leftist 一个左派, 12.8.–17.9.2017:


Hole 洞. 2017.


Wife 妻子. 2016.


A Dwarf 一个矮子. 2017.


Xiaoying Street 小营的街. 2013.


Ebd., Detail.


Tang Contemporary 唐人 zeigte A Chemical Love Story 化学之爱, 5.8.–16.9.2017:


Musquiqui 致颖: The Alp 梦魇. Videostill, 2014.


Ebd.


Mariano Space 马亚诺空间 zeigte Ding Wei 丁炜: It Seems Always Wrong No Matter How I Paint 怎么画都是错的, 1.–14.9.2017:


A Landscape 景观. 2015.


Magician Space 魔金石空间 zeigt Tang Yongxiang 唐永祥, 2.9.–15.10.2017:




Galerie Urs Meile 麦勒画廊 zeigt Cheng Ran 程然: A Diary of a Madman 狂人日记, 9.9.–22.10.2017:



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Nun aus Caochangdi.




White Space 空白空间 zeigt Li Shurui 李姝睿: LSR – Deep White 深白, 2.9.–13.10.2017:






Telescope 望远镜 zeigt Cheng Peng Yang Shuangqing 程鹏 杨双庆, 17.9.–11.10.2017:


Cheng Peng 程鹏.


Yang Shuangqing 杨双庆.


Ebd.


Ink Studio 墨斋 zeigt Dai Guangyu 戴光郁: Making Traces 印痕, 10.9.–20.10.2017:




Derweil waren die Abrissbirnen weiter fleißig, nun also auch im Caochangdi.








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Nach „China 8“ in Deutschland 2015 gibt es dieses Jahr nun „Deutschland 8“ hier in Beijing. Große Sause, Minister, Wirtschaftsbosse und Sammler reisen zur Huldigung an, für chinesische Künstler und Kunstinteressierte ist es eine gute Sache, die wichtigsten Werke der vergangenen siebzig oder so Jahre Kunst aus Deutschland vereint zu sehen. Immerhin gibt es dazu in der Whitebox im 798 ein wenig junge Kunst zu sehen, wenn auch besonders der größeren Leinwand von Matthias Weischer mehr Raum zur Betrachtung gutgetan hätte.

Leider wirkt es allerorts ein wenig lustlos zusammengeworfen und abgesehen von den medialen Unterteilungen relativ konzeptlos. Grinsen musste ich bei den teilweisen Anblicken hinter Glas, etwa bei den Skulpturen von Abraham David Christian im CAFA Museum, in Deutschland würde man wohl nicht auf solch eine Barrikadeidee kommen.

Schade, dass es keine eigene Website für beide Seiten gibt, wo man Werke und Akteure nachsehen, verbinden, miteinander in Beziehung setzen könnte, eventuell auch über die Veranstaltungen hinaus nutzbar. Dieser Link von der CAFA listet alle Orte und Künstler auf: 央美 德国8.

„Deutschland 8 德国8“, vom 16.9.2017
–29.10. im CAFA Museum 中央美术学院美术馆;
–20.10. im Taimiao Temple 太庙艺术馆;
–22.10. im Minsheng Museum 北京民生现代美术馆;
–22.10. im Red Brick Museum 红砖美术馆;
–12.11. im Today Art Museum 今日美术馆;
–31.10. im Yuandian Museum 元典美术馆;
–31.10. im Whitebox Art Center 白盒子艺术馆.


Dafür gibt es vom Magazin Monopol nach der Eröffnung durch Außenminister Sigmar Gabriel dieses Schmankerl: Rüstungskonzern als Sponsor: Künstler der "Deutschland 8"-Schau in Peking distanzieren sich von Rheinmetall, 19.9.2017 (gefunden von Leonie). Und hier die Stellung der Bonner Stiftung für Kunst und Kultur auf die Kritik, Nach Künstler-Protest, in Aussicht gestellt wird eine „Diskussionsveranstaltung (…) noch während der Ausstellungslaufzeit“, 20.9.2017.

Während sich im Foyer des CAFAM die Eröffnungsansprachen die Hand reichten, konnte man in den 3. Stock und nach den gerade gesehenen Schätze in der Verbotenen Stadt hier ein wenig weiter- und gegen die heiße Luft unten anschwelgen: „The Dimension of Tradition 传统的维度“, 5.7.–24.9.2017 im und aus der Sammlung vom CAFA Museum:


Dong Bangda 董邦达: 仿天游山水图. Qing-Dynastie (1644–1911), Detail.


Shi Wenjin 施文锦: 金山胜槩图. Qing-Dynastie (1644–1911), Detail.


Sun Zongwei 孙宗慰: 临麦积山壁画——出城图. 1953, Detail. (Replika der Dunhuang Malerei.)


Ren Yi 任颐: 钟馗图. Qing-Dynastie (1644–1911), Detail.


Yaxian 雅仙: 二老弹琴图. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Zhang Hong 张宏: 松声泉韵图. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Dann durfte man in die Hallen und „Paradigm of Art: Contemporary Art from Germany 艺术之规——德国当代艺术“ bewundern:


Abraham David Christian: Ohne Titel (aus der Serie „Der heilige Mensch“). 1981/ 86.


Ebd.


Daniel Richter: Mann im Gipfel. 2009.


Im Minsheng Museum 北京民生现代美术馆 lief „Language of Photograph: Düsseldorf School 摄影的语言——杜塞尔多夫学院“:


Thomas Struth: Paradise 9. 1999.


Andreas Mühe: Kreidefelsen, from the series Neue Romantik. 2014.


Ebd.: Wald I. 2016, Detail.


Andreas Gursky: Ocean II. 2010.


In der Whitebox 白盒子 unter dem Motto „Next Generation: Young German Art 未来一代——德国当代青年艺术“:


Matthias Weischer: Valley. 2015.


Ebd.: Fries. 2015.


Ebd.: Petrus Christus. 2015.


Alicja Kwade: Taxa-Dilation IV–VE (TBC). 2017.


Sebastian Riemer: DGHF. 2015.


David Schnell: Meadow. 2008.


Update: 11.10.2017.

Im Taimiao Temple 太庙艺术馆 östlich der Verbotenen Stadt läuft „Traces of Memory: Masterworks of Contemporary German Painting 德国8:记忆的痕迹——德国当代绘画杰作“:

10 deutsche Nachkriegskünstler, Baselitz, Beuys, Kiefer, Lüpertz, Polke, Rauch, Richter usw. mit 85 Werken.

Es geht von der Nanchizi dajie 南池子大街 gegenüber vom Hanting Hotel mit der Hausnummer 102 die kleine Gasse westlich hinein. Hier gelangt man zum Ticketkauf und dann durch die wunderschöne kleine Parkanlage – einem Ort, der wie auch der Zhongshan Park auf der gegenüberliegenden Seite der Verbotenen Stadt viel zu selten besucht wird, wenn man immer nur die Stadt als Touristenziel im Blick und auf seinem Zeitplan hat.
Öffnungszeiten: 8–22 Uhr
Eintritt in den Park: 5 RMB
Eintritt mit Tempel: 20 RMB

Durch den Park gelangt man gut ausgeschildert zum Taimiao Tempel – auch ohne deutsche Kunst ein unbedingt sehenswerter Ort. Aktuell und entsprechend mit deutscher Kunst wirkt die Aufmachung im Kontrast zur, vielleicht gar im Gespräch mit der alten Tempelanlage beeindruckend – und es muss große Kunst sein, um an diesem Ort bestehen zu können. Endlich hat man einmal das Gefühl, die alten Schinken nicht alle schon hundertmal gesehen zu haben. Im Gegensatz zu den anderen „Deutschland 8“-Ausstellungen in den kahlen Museumsräumen und dort wenig ambitioniert gehängt, ist diese Ausstellung hier sehr zu empfehlen.

Vorne empfängt einen ein umzäunter, bronzener Lüpertz:


Marus Lüpertz: Uranus. 2015.

Die Hauptanlage bildet der Taimiao, wunderschön und handwerklich sensibel restauriert, mit Elementen der späten 1950er Jahre wie den Kronleuchtern und wohl der 1920er Jahre wie den Türen mit ihren Glaseinfassungen:




Joseph Beuys: Ohne Titel (Frau im Gebirge). 1959.

Danach kann man gut nordwestlich weiter gen Verbotene Stadt gehen und kommt beim Quezuomen 阙左门, dem vom Wumen 午门, Meridian Gate, ausgehenden östlichen Tor, auf dem Vorplatz der Verbotenen Stadt beim Ticketkauf etc. heraus. Und von dort aus sei der Besuch von „A Panorama of Rivers and Mountains 千里江山图“ empfohlen.


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Donnerstag, 21. September 2017
„A Panorama of Rivers and Mountains 千里江山图“

Wang Ximeng 王希孟: Panorama of Rivers and Mountains 千里江山图. 1113, Detail.

Wang Ximeng 王希孟 (1096–1119) war gerade einmal 18 Jahre alt, als er 1113 sein „Panorama of Rivers and Mountains 千里江山图“ (so die aktuelle Übersetzung vom Palace Museum, auch bekannt unter „A Thousand Li of Rivers and Mountains“) schuf. Als Hofmaler der Nördlichen Song-Dynastie (960–1127) soll er von Kaiser Huizong persönlich ausgebildet worden sein, diese Rolle gilt als sein Abschlusswerk an der Kaiserlichen Akademie, viel mehr ist nicht von ihm bekannt.

Mit knapp 12 Metern Länge (51,1x1191,5cm) ist Wangs Rolle eine der längsten, sie gilt als eines der besten Werke der chinesischen Kunst. Besonders beeindruckend ist ihr Zustand nach 900 Jahren, die Leuchtkraft der blauen und grünen Pigmentfarbe. Wer kam, erstmals während der Sui (581–618), bekannter noch aber während der Tang (618–907) aus Dunhuang, eigentlich auf die grandiose Idee, Berge in diese Farbpalette zu tauchen? Es sind die zahllosen Details aus Alltagsszenen, die sich wie in einem Film langsam auf dem Weg vorbei vor einem ausrollen, die Ebenen und Täler, Gipfel und Wipfel, die Seen und Flüsse, die Häuser und Boote mit Menschen und Tieren.

Die Seidenrolle aus der Sammlung des Palastmuseums wird erst das zweite Mal in seiner Gesamtheit der Öffentlichkeit präsentiert, zunächst in den 1950ern und nun erneut. Entsprechend groß ist der Publikumsandrang. Entspannte Betrachtung fühlt sich anders an, durch Absperrungen geht es im Schritttempo am Glaskasten entlang, wobei man durchgehend von zehn Aufpassern teilweise gar angeschrieen wird weiterzugehen. An einem Dienstag oder Mittwoch sollte es ruhiger sein.



Ein Glaskasten in Dunkelheit bei schräger Ansicht bietet keine optimalen Fotobedingungen. Wer in Beijing ist, gehe bitte unbedingt selbst hin. Hier Details:
















Im hinteren Teil der Ausstellung finden sich diese Werke aus der blaugrünen Traditionslinie:


Fang Cong 方琮: Reproduction of „A Panorama of Rivers and Mountains“, Scroll 仿王希孟千里江山图卷. Qing-Dynastie (1644–1911), Detail.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.


Shen Shichong 沈士充: Peach Blossom Land, Srcoll 桃源图卷. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.


Hou Maogong 侯懋功: Qiong Lai, Scroll 邛崃图卷. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Ebd., Detail.


In den Yanchi Türmen (Flügel der Wildgänse), also den Ost- und Westflügeln des Wumen Tores und Wang Ximengs Panorama in der Mitte umschließend, sind die blaugrünen Landschaftsmalereien aus den Zeiten davor und bis in die Gegenwart ausgestellt. Hier wird man nicht so weitergeschubst, dennoch aus dem die Werke schützenden Dunkel hinter Glas die folgende Auswahl.

Zunächst aber als Erinnerung, warum der Gang zu diesen Ausstellungen so sehr zu empfehlen ist: Jeder in China kennt die millionenfach nachgemachten, großteils bis ins Kitschige übertriebenen Landschaftsbilder traditioneller chinesischer Malerei. Auf Schals und Tassen, auf unzähligen Souvenirs sind sie bis zum Überdruss vorhanden zu finden. Doch selbst auf der Suche nach ihren Originalen, bekommt man sie nur selten zu sehen, schon gar nicht in diesem Umfang. Hier nun hängen sie, und wenn man es zuvor noch nicht wusste, versteht man in ihrem Angesicht die Ehrfurcht vor den alten Meistern, und warum sie bis heute rauf und runter kopiert werden.

Im Westflügel beginnt die Geschichte mit dem ersten bekannten Werk blaugrüner Landschaftsmalerei, geläufig unter dem Namen „Lotus Sutra 大般涅槃经“, aus Dunhuang und hier als von der Grottenwand replizierten Fotografie:


Unknown artist 佚名: Conversion of Five Hundred Bandits 五百强盗成佛图壁画. Southern wall of the main chamber of cave 285, Mogao Grottoes, Dunhuang, Fotografie. Western Wei (535–556), Detail.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.

Darauf und in seiner Tradition folgt ebenfalls aus Dunhuang:


Unknown artist 佚名: Illustration of a Section of the „Phantom City Legend“ from the Lotus Sutra 经变壁画(樊兴刚临). Southern wall of the cave 103, Mogao Grottoes, Dunhuang, Reproduction by Fan Xinggang. High Tang (Tang: 618–907), Detail.

Nach den aus dem Mittleren Osten dringenden, deutlich erkennbaren, für mich als Laien leider nicht einzuordnenden Einflüssen über die Seidenstraße hinweg bis zu ihrem Endpunkt der vom Reich der Tang-Dynastie ausgelagerten, besetzten Stadt Dunhuang, bietet die Ausstellung im weiteren Verlauf der Sehgewohnheit chinesischer Landschaftsmalerei entsprechende Werke.


Zhan Ziqian 展子虔: Springtime Jaunt, Scroll 游春图卷. Sui-Dynastie (581–618), Detail.

Das folgende Werk mit gut 1,60 Metern Breite ist für mich fotografisch nicht festzuhalten gewesen, online etwa hier zu finden. Es besteht zum Großteils aus leerer Fläche, das muss man erst einmal hinbekommen, ohne in Nichtigkeit abzurutschen – ich vermag es nicht annähernd in Ablichtung, man möge diese Fotos wie alle hier bitte unter dokumentarischen Aspekten verstehen:


Wang Shen 王诜: Rows of Mountains Overlooking Misty River, Scroll 烟江叠嶂图卷. Northern Song (960–1127), Detail links.


Ebd., Detail Mitte mit zwei hauchfein angedeuteten Schifferbooten.


Ebd., Detail rechte untere Ecke.


Zhao Bosu 赵伯骕: Golden Towers in a Forest of Pines, Scroll 万松金阙图卷. Southern Song (1127–1279), Detail.


Ebd., Detail.


Unknown artist 佚名: Chess Players Awaiting Reunion in the Mountains, Hanging Scroll 山弈候约图轴. Liao-Dynastie (916–1125), Detail.


Ebd., Detail.

Im Übergang zur anderen Seite dieser Halle an ihrem Ende ein Werk der Gegenwart. Nicht schlecht, wenn auch eine Behauptung gegenüber den alten Meistern kaum zu schultern ist:


Zeng Fanzhi 曾梵志: Untitled, In Search of Plum Through Snowscape I–II 无题/踏雪寻梅之一和二. 2009, Detail.


Qian Yuan 钱选: Dwelling in the Floating Jade Mountain, Scroll 浮玉山居图卷. Yuan-Dynastie (1271–1368), Detail.


Ebd., Detail.


Shen Zhou 沈周: Birthday Wishes From Nanshan Mountain, Scroll 南山祝语图卷. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Sheng Mao: Fisherman and Woddcutter in Conversation, Painting 渔樵问答图页. Yuan-Dynastie (1271–1368).


Wen Zhengming 文徵明: East Garden, Scroll 东园图卷. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Ebd., Detail.


Wen Jia, Wen Boren, Lu Zhi and Chen Daofu 文嘉、文伯仁、陆治、陈道复: Birthday Gift For Master Yuan Attended By the Wu School Painters, an Album featuring outstanding Poetry, Calligraphy and Painting 吴门诸家寿袁方斋三绝册. Ming-Dynastie (1368–1644).


Ebd.


Ebd.


Ebd.


Ebd.


Ebd.


Wen Jia, Zhu Lang, Wang Guxiang, Qian Gu, Lu Zhi and Lu Shidao 文嘉、朱朗、王榖祥、钱榖、陆治、陆师道: Wu School Painters, Album 吴门诸家图册. Ming-Dynastie (1368–1644).


Ebd.


Ebd.


Aus dem Ostflügel diese Auswahl:


Shen Shichong 沈士充: Shanshui, Album 山水图册. Ming-Dynastie (1368–1644).


Ebd.


Ebd.


Lan Ying 蓝瑛: Enlightening Scenery, Album 澄观图册. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Ebd., Detail.


Liu Du 刘度: Ten Views of West Lake, Album 西湖十景图册. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.


Liu Du 刘度: Mirage, Scroll 海市图卷. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Ebd., Detail.


Wang Shimin 王时敏: Paintings Conceived on the Basis of Du Fu’s Poems, Album 杜甫诗意图册. Qing-Dynastie (1644–1911), Detail.


Wang Jian 王鉴: Imitations of the Ancient Shanshui Paintings, Album 仿古山水图册. Qing-Dynastie (1644–1911).


Ebd.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.


Wang Yuanqi 王原祁: Lu Hong’s Ten Views of Thatched Huts, Album 卢鸿草堂十志图册. Qing-Dynastie (1644–1911).


Ebd.


Hongren 弘仁: Huangshan Mountain, Album 黄山图册. Qing-Dynastie (1644–1911).


Ebd.


Mei Chong 梅翀: Twelve Scenes from Huangshan Mountain, Album 黄山十二景图册. Qing-Dynastie (1644–1911).


Tang Dai 唐岱: The Depict of Emperor Qianlong’s Poetic of „Leisurely Chant in Garden“, Album 小园闲咏图册. Qing-Dynastie (1644–1911).


Ebd., Detail.

Soweit die rechte Seite dieser Halle, im Durchgang zur linken ist, wie auch im Westflügel, ein Werk aus der Gegenwart ausgestellt. Hier allerdings wurde es, wie ich finde, doch etwas unverschämt – nicht das Werk an sich, aber es hier zu platzieren. Deshalb je nach Verständnis also entweder der Vollständigkeit halber (Kaugummiargument, andere habe ich ebenfalls ausgelassen, eher, auch wenn man es unter kuratorischer Absicht als gewollten Bruch verstehen könnte, den ich dennoch als daneben gegangen empfinde, also mit aufgenommen eher) oder um den Stinkefinger zurückzugeben:


Xu Bing 徐冰 : Background Story – Salute to Traditions 背后的故事——向传统致敬. 2014.

Jetzt wieder grandios weiter, nun für die folgende Reihe endlich auch nicht mehr schräg, sondern mit Objektiv an Scheibe, bis knapp zwei Meter hoch und also Ausschnitte:


Yuan Jiang 袁江: Shanshui Paintings on Folding Screen 山水屏. Qing-Dynastie (1644–1911), Detail 1.


Ebd., Detail 2.


Ebd., nächster Schirm, Detail 1.


Ebd., Detail 2.


Ebd., nächster Schirm, Detail 1.


Ebd., Detail 2.


Ebd., nächster Schirm, Detail 1.


Ebd., Detail 2.

Hier wie oben schon auf Goldplatte:


Ren Xiong 任熊: Ten Paintings of Multitudes, Album 十万图册. Qing-Dynastie (1644–1911).


Huang Binhong 黄宾虹: Shanshui Featuring Calligraphy and Painting, Album 山水书画合册. Modern Era (after 1840), Detail. Siehe auch Huang Binhong 黄宾虹 (1865–1955).


Qi Baishi 齐白石: Shanshui, Hanging Scroll 山水图轴. Modern Era (after 1840), Detail.


Wu Hufan 吴湖帆: The Five Olds Peak of Lushan Mountain, Hanging Scroll 庐山东南老峰图轴. Modern Era (after 1840), Detail.


The Palace Museum: „A Panorama of Rivers and Mountains: Blue-green Landscape Paintings from across Chinese History“
故宫博物馆:《千里江山——历代青绿山水画特展》


15. September bis 30. Oktober 2017, bis 14. Dezember 2017 die Begleitausstellungen in den Seitenflügeln
Meridian Gate Gallery, das Haupttor am Einlass zur Verbotenen Stadt
午门展厅,午门正殿及东西雁翅楼

The Palace Museum
Ticket: 60 RMB
Einlass ab 8:30 Uhr bis 15:40 Uhr, geöffnet bis 17 Uhr, Montags geschlossen (Verbotene Stadt geöffnet), Besuch an einem Wochentag empfohlen

Update: Nach dem Eröffnungstag werden täglich nur bis zu 2.400 Besucher zur Ausstellung des „Panoramas“ mit einem Verteilsystem nach Nummern ins Wumen eingelassen, bis spätestens mittags ist diese Besucherzahl erreicht. Die Seitenflügel sind weiterhin zugänglich.

Wer zu schnell am Glaskasten vorbeigescheucht wird oder es aus sonstigen, wirklich unentschuldbaren Gründen für alle, die vor Ort sind, nicht schafft, kann sich Ausschnitte und vor allem das gesamte Panorama hier ansehen.

Auf dieser Website des Palastmuseums für Kinder findet sich weiter unten eine gute Karte zur Übersicht von der gesamten Verbotenen Stadt.


Als wäre diese Ausstellung alleine noch nicht genug, gibt es außerdem:


The Palace Museum: „Paintings and Calligraphic Works of Zhao Mengfu“
故宫博物馆:《赵孟頫书画特展》


6. September bis 5. Dezember 2017
Hall of Martial Valor, nach dem Meridian Gate links durch das erste Tor, das Gate of Prosperous Harmony, dann rechts über die drei Steinbrücken
武英殿




In „Paintings and Calligraphic Works of Zhao Mengfu“ sind über 100 seiner Werke, seiner Einflüsse und seines Einflusses von der Tang- bis zur Qing-Dynastie ausgestellt, aus der Sammlung des Palastmuseums, des Shanghai Museums und anderen.

Zhao Mengfu (1254–1322) aus der Song- und Yuan-Dynastie, war ein Meister in Landschaftsmalerei, ein Virtuose für Figuren, Blumen und Vögel, Pferde, Bambus und Steine, in jeglichen Kalligrafiestilen.


O. A., sorry, eigentlich nur aufgenommen, um es bei Gelegenheit als Grußkarte per Mail zu verschicken.


Zhao Mengfu, Guan Daosheng and Zhao Yong 赵孟頫、管道昇、赵雍: Ink Bamboo by the Zhao Family 赵氏一门墨竹图卷. Yuan-Dynastie (1271–1368), Detail ohne Kalligrafie.


O. A., etwa: Die Sonne bricht unmittelbar nach einem Schneefall durch; (Nachtrag mit Dank an Laozhu:) 快雪时晴. Detail.


Zhao Mengfu 赵孟頫: Watering Horses in Autumn Suburbs 秋郊饮马图卷. Yuan-Dynastie (1271–1368), Detail.


Zhao Mengfu 赵孟頫: Beautiful Rocks and Sparse Woods 秀石疏林图卷. Yuan-Dynastie (1271–1368), Detail.


Ni Zan 倪瓒 (1301–1374): Old Tree and Secluded Bamboo 古木幽篁图轴. Yuan-Dynastie (1271–1368), Detail.

Dem Museumsteam der Verbotenen Stadt muss man ehrfürchtig seinen Respekt aussprechen. Entgegen den sonst, wenn auch besser werdenden, aber weiterhin allerorts präsentierten ramschigen Hängungen, sind hier neben einem ordentlichen Budget Expertise, Emphase und handwerkliches Können unübersehbar. Es würde mich nicht wundern, wenn im Palastmuseum die besten Fachkräfte des Landes tätig sind.




Viel zu selten bin ich in der Verbotenen Stadt, schicke meine Gäste frevelhafterweise meist selbst hin, wenn auch nicht weniger verpflichtend. Dabei würde ich nach diesem letzten Besuch am liebsten direkt eines der hinteren Gemächer beziehen, zumindest aber morgen wieder vorbeischauen.











Wer sich erst kurz nach 17 Uhr rausschmeißen lässt, erlebt die Stadt im seltenen, bereits von Touristen geräumten Blick.




Als Schwenk in die Gegenwart entdeckte ich dann für meine Freunde von Audi auf dem Rückweg durch die Hutongs einen Hausanschluss für das eigene Elektrofahrzeug, kann man machen:




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Freitag, 1. September 2017
Warum Beijing statt Peking


Peking ist die Umschrift von einem früheren Namen der Stadt, von Beiping, nördlicher Frieden, als die Ming- die Yuan-Dynastie ablöste (1368). Der erste Ming-Kaiser, Hongwu (1328–1398), verlegte damals seine Hauptstadt in den Süden nach Nanjing und änderte den Namen Dadu des vorherigen mongolischen Hauptsitzes in Beiping. 1408 ließ Kaiser Yongle (1360–1424) die Stadt so gut wie komplett neu erbauen, es entstanden etwa die Verbotene Stadt und die vier Tempelanlagen Himmelstempel, Erdtempel, Sonnen- und Mondtempel. 1421 zog er dann in seine neue Hauptstadt um und nannte sie Beijing, die nördliche Hauptstadt. Warum sich die bis heute nicht auszumerzende Transkription auf den alten Namen einer Zeit von gerade einmal 53 Jahren von damals vor knapp 500 Jahren bezieht, als sie nicht einmal Hauptstadt war, mag eine der historischen Mysterien im Schlund der Gezeiten bleiben. Durch Beiping wurde jedenfalls die auf Wade-Giles basierende Umschrift „Peking“ zum Ausgang der Qing-Dynastie vom Transkriptionssystem chinesischer Ortsnamen der chinesischen Post 1906 bewilligt und blieb, wohl da einmal offiziell festgehalten und so ins internationale Postwesen eingegangen, bis ins 20. Jahrhundert haften.

Das heute geläufige Transkriptionssystem Hanyu Pinyin, kurz Pinyin, wörtlich umgeschriebene Töne, also phonetische Umschrift, wurde 1982 registriert und gilt seitdem als internationaler Standard, in seiner zweiten Auflage mit ISO 7098:1991, zuletzt national 2012 revidiert (GB/T 16159-2012). Das System auf Basis des lateinischen Alphabets stammt von 1956 von Zhou Youguang und wurde 1957 genehmigt. Auch auf Taiwan gilt Pinyin seit 2009 als offizieller Standard – inwieweit es dort angenommen wird, ist fraglich, Taipei wird auf der Insel weiterhin nicht in Taibei umgeschrieben, wenn überhaupt, denn nach wie vor ist die Umschrift Bopomofo verbreitet (die nicht-lateinische, auf dem Festland 1921 eingeführte Umschrift Zhuyin).

Selbst innerhalb der Sinologie hat es eine gute Weile gedauert, bis sich die Umschrift Pinyin durchsetzte. Dass wir noch in den Nullenjahren des 21. Jahrhunderts mit dem angelsächsischen Transkriptionssystem Wade-Giles und mit den deutschen Systemen von Unger und Rüdenberg-Stange klassisches Chinesisch gelernt haben, liegt am Referenzapparat. So heißt es im Studium auch heute weiterhin, „Wade-Giles soll zumindest passiv beherrscht werden“, s. Universität Heidelberg, Institut für Sinologie. Wissenschaftlich gilt natürlich wie überall: Hauptsächlich einheitlich. Aber außer in Zitaten schreibt mittlerweile jeder in Pinyin um.

Im angloamerikanischen Raum spricht man Beijing längst nicht mehr in der romanisierten Version aus. Sprachen zu Romanisieren, ist der Versuch, sich ihnen mit seiner eigenen Sprache zu nähern – ehrenwert, aber oldschool und unnötig, wenn es eine offizielle Umschrift eines Landes gibt. Verwendet man dennoch die alte Fassung, bleibt ein kolonialer Beigeschmack übrig, weiter an Peking festhalten zu wollen. Deshalb möchte ich doch bitte dafür plädieren, Beijing statt Peking zu schreiben, zu sagen und zu denken – so wie bereits Guangzhou statt Kanton, Qingdao statt Tsingtao verwendet werden, Daoismus statt Taoismus, Konfuzius kann meinetwegen statt Kongzi in seinem alten Sud bleiben, bis er ehrlich reformiert wird. Auch PEK für den Flughafen wird nur noch von bzw. für Ausländern verwendet, in China heißt es BJS, Beijing shi, Beijing Stadt. Peking ist nicht nur die veraltete Version, sondern passt auch so gar nicht mehr zu dieser Stadt.

Und wer weiß, wie lange es Beijing überhaupt noch geben wird. Nach Xi Jinpings Verkündung von 2015 des städteplanerischen Großprojektes von Beijing hin zu Jingjinji, der Zusammenführung von Beijing, Tianjin und Hebei (nach dem Kfz-Kennzeichen Ji der ehemaligen Präfektur) zur Megametropolregion, kurz JJJ, bleibt hier seit Anfang 2017 kein Stein mehr auf dem anderen. Die Sehenswürdigkeiten dürfen bleiben, Touristen weiter kommen, ansonsten heißt es unter der Bevölkerung seither: Beijing soll verschwinden und nur noch Regierungssitz sein. Selbst die Vorzeigeuniversitäten Beida und Qinghua fangen fieberhaft an, sich um ihr Bleiberecht zu bemühen – wird schon, keiner glaubt an ihren Umzug, aber dass sie überhaupt aufjaulen müssen, alarmiert.

Gewähren wir der Stadt doch zumindest in ihren letzten Atemzügen noch ihren wirklichen Namen, bevor sie komplett zugemauert ist und ihre Bewohner zum Großteil vertrieben sind.




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Montag, 28. August 2017
BJ: Kunsträume im Abrisssommer 2017


Überschattet ist dieses Jahr jegliche Hauptstadtaktivität von dem Wüten der Abrissbirnen. Aus dem Künstlerviertel Heiqiao zogen die letzten im Februar fort, Anfang August sieht es hier nun so aus. Die Gassen sind gerade noch erkennbar, aber außer Schutt und Steinen wurde jegliche Individualität dem Boden gleichgemacht.





Heiqiao, was eine glorreiche Zeit, nach einem Besuch im 798 und in Caochangdi konnte man hier in den Studios bei Freunden vorbei und sehen, was es Neues gab. Nun werden die Künstler immer weiter in die Außenbezirke verdrängt, weit verstreut mit Anreisen über eine Stunde, nach Luomahu oder, wie der Blackbridge Offspace 黑桥Off空间 nach Liqiao. Doch man gibt nicht auf, die Eröffnung zeigt Ende Juli den Umbau der Räume:









Schön ist es geworden. Doch dann, einen Monat nach Eröffnung, ein halbes Jahr nach Einzug, drehte der Vermieter Wasser und Strom ab – und wieder muss erneut gesucht werden, erneut renoviert, umgezogen, wieder mehr Miete gezahlt.


In der Innenstadt sieht es überall wüst aus, hier von West nach Ost durch den Fangjia hutong.








Das hier war einmal eine Abendschule.


Der ehemalige Eingang vom Hot Cat Club.


Verriegelung eines Kiosks.


Behelfsmäßig noch ein Einstieg.


El Nino noch mit Tischen draußen, serviert wird durch das Fenster.


Mit Ansagen, gestempelt von der Dongcheng Regierung.


Wem das zu viel Text ist, der bekommt es daneben in einem Slogan in Weiß auf Rot: 坚决封堵开墙打洞 严厉打击违法建设 (Resolutes Verbarrikadieren, um die Mauern zu öffnen und den Vorschlaghammer zu schwingen, um die illegalen Konstruktionen mit einem Schlag abzureißen.) Die der Öffentlichkeit vorgesetzte Legitimation der „Aufräumaktion“ lautet, man entledige sich der „illegalen Konstruktionen“, das heißt all der Vorbauten, Lagerräumchen, der zusätzlichen Stockwerke, die tatsächlich meist selbst gezimmert sind. Doch nach welchen Stadtplänen vorgegangen wird, dem von 1949 etwa?, bleibt äußerst fraglich. Vor allem aber will die Zentralregierung bis 2020 die Bevölkerung Beijings auf 23 Millionen reduzieren. 40% der Ladenbesitzer sollen bereits aufgegeben haben und weggezogen sein (Straßenstand Ende August 2017).


Von all dem scheinbar unbeeindruckt und entsprechend beeindruckend, eröffnete Ende August ein neuer Space, Wyoming Project 怀俄明计划, zu finden Dongcheng District, Houyongkang hutong 12 北京市东城区后永康胡同12号. Für die erste Ausstellung warb man mit einem animierten Dildo, Chen Chenchen 陈陈陈: Possible Baby 可能宝宝, 20.8.–30.9.2017.


Neben einem Munitionsgürtel mit Minidildos gab es sonst hauptsächlich ein Ballerspiel, in dem man die Künstlerin aufsuchen und ermorden musste, dazu ein paar Fotografien und Malereien, auf dessen eventuell interessante Konzepte man aber wegen der wirren Optik doch keine rechte Lust hatte, sich einzulassen.


Eingang zum Space unter der blauweißen Markise. Nach der Eröffnung habe ich ihn trotz regelmäßigen Vorbeifahrens bislang allerdings nicht wieder geöffnet vorgefunden.


Ebenfalls Ende August eröffnete Lu Mei 卢玫 in Shunyi ihren Migrant Bird Space 候鸟空间 (aktuell VPN notwendig).








Derweil stellen sich Müllstationen außerhalb des 5. Rings auf, hier ein Beispiel aus dem Künstlerviertel Huantie. Man kann am Automaten per App kostenlos Sticker erhalten, für die momentane Testphase, wie es scheint, noch mit Personen bestückt, und seinen Müll mit diesen versehend zur Abholung einfach vor die Tür legen. Besonders freut mich, dass es endlich auch Schubladen für Batterien gibt. Es wirkt noch nicht ganz angenommen, aber mit vermutlich baldiger Verpflichtung und einhergehenden Bußgeldern kann man hier ja einiges erreichen.




Und der Abriss zieht sich weiter durch alle Ecken der Stadt.


Hier hinter dem Nationalmuseum. Noch gestützt von Eisenstangen, muss ihr einmal eine kleine Toilette angebaut gewesen sein.


Dazu sind überall in der Stadt Baustellen dieser Art für die Jingjinji-Schnellverbindungen zu sehen.


Im Jianchang hutong.


Detail. Alles geht grad grob und schnell, hier reicht für das ehemalige schmale Fenster eine Ziegelbreite.

Arrow Factory 箭厂空间 mauerte sich selbst zu und zeigt Yang Zhenzhong 杨振中: Fences 栅栏, 15.6.–30.8.2017 bzw. inzwischen verlängert bis … der Spuk vorbei ist?





Ums Eck dürfen die Tauben in der dritten Reihe zumindest momentan noch bleiben.


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Sonntag, 20. August 2017
Changbaishan: An der Klippe unter Zwanzigtausend

„Der Traum der roten Kammer“, die erste Kapitelüberschrift in zwei Bildern: Zhen Shiyin begegnet dem Stein im Traum und Jia Yucun sehnt sich als armer Student nach einem Fräulein. Aus: Zengping butu Shitou ji 增评补图石头记 (Die Geschichte des Steins, mit erweitertem Kommentar und ergänzten Illustrationen). In zwei Bänden. Shanghai 1930, der nach ihrem frühesten Kommentator benannten Yao Xie-Ausgabe (姚燮本), S. 1f.

Während ein Gott auf der einen Seite der Erde Adam aus Staub erschuf und ihm sein Odem einhauchte, aus dessen Rippe Eva hervorholte und damit die Menschheit in Gang setzte, geht die chinesische Schöpfung der Menschen von Nüwa 女娲 aus. Sie knetete ihre Kinder aus Lehm und brannte sie dann in einem Ofen halbgar bis knusprig. Ein weiterer Mythos zwang sie zur Himmelsreparatur. Dieser taucht in unterschiedlichen Traditionslinien auf, meist jedoch mit folgenden Bestandteilen: Wegen eines Streits zwischen Gonggong 共工, dem Geist des Wassers, und Zhurong 祝融, dem Geist des Feuers, herrschten Kämpfe in allen Regionen der (chinesischen) Welt. Gonggong erwies sich als der Schwächere und rannte in seiner Verzweiflung mit seinem Schädel gegen den Berg Buzhou 不周山 im Nordwesten des Kunlun Gebirges, das sich zwischen Tibet und Xinjiang bis nach Qinghai zieht. Buzhou, als Berg eine der vier Himmelsstützen, war zusammengestürzt und der Himmel hing schief. Um Erde, Himmel, ihre Menschen und das Gleichgewicht zu retten, sammelte Nüwa bunte, teils fünf-, teils siebenfarbige Steine zusammen und flickte damit die Löcher der Himmelsdecke. Dazu hackte sie einer Riesenschildkröte ihre Pfoten ab, um sie als Pfeiler des Himmelsgewölbes an den vier Enden der Welt aufzurichten. Auch Schildkrötenstumpen scheinen unregelmäßig zu wachsen, jedenfalls wurde die südöstliche Säule niedriger als die anderen, weshalb die Flüsse Chinas alle gen Südosten fließen.

Vgl. etwa die „Kaiserliche Enzyklopädie der Ära Taiping“ (太平御览:卷七八皇王部,女娲氏), Beijing 1985, S. 365.

Diese Himmelsreparatur ist Ausgangspunkt in dem chinesischen Klassiker „Der Traum der roten Kammer“ (红楼梦) von Cao Xueqin 曹雪芹 (ca. 1715– ca. 1763), dessen einst mächtige und eng mit den herrschenden Mandschu verbündete Familie während interner Machtkämpfe zum Regierungswechsel von Kaiser Kangxi zu Yongzheng (1722–1723) ihre einflussreiche Position und den Großteil ihres Besitzes verlor. In seiner kompletten Form erschien der Roman erstmals 1792, herausgegeben, überarbeitet und ergänzt von Gao E 高鹗 (ca. 1740– ca. 1815). In seinem Inneren behandelt der Roman die Hofgeschichte mit Aufstieg und Fall, mit Intrigen, Lust und Schwulst, dem gesamten damaligen irdischen Dasein und Unsein im Leben einer begüterten und abstürzenden Großfamilie.

Die vollständigste und für literarischen Lesegenuss angenehmste Übersetzung stammt von David Hawkes und John Minford: The Story of the Stone. Übersetzung in fünf Bänden. Harmondsworth u. a.: Penguin 1973–1986.

Der „Traum der roten Kammer“ ist auch bekannt unter dem Namen „Die Geschichte des Steins“ (石头记), denn deren Hauptfigur Jia Baoyu 贾宝玉 wird mit einem Stein im Mund geboren. Genau dieser Stein soll während seines ewig langen Herumliegens eine geistige Natur entfaltet haben, sich jedoch dort oben auf dem Berg als dumm und nutzlos gegrämt haben. Nachdem Nüwa die Löcher in der Himmelsdecke gekittet hatte, wusste nämlich bislang niemand, so der Erzähler am Anfang der Rahmenhandlung, dass von der hier mit 36.501 genau angegebenen Anzahl der „einfältigen Steine“ (顽石) einer als unbrauchbar übrigblieb und zurückgelassen wurde. Dieser zusätzliche Stein ist es, der mittels der Autorität des Mythos das Grundelement der „Geschichte des Steins“ bildet und weshalb ich hier ein wenig aushole. 2006 stieß ich während meiner Magisterarbeit zu Illusions- und Wirklichkeitsvorstellungen des „Traums“ auf den Eintrag in einem chinesischem Reiseführer, dass Wanderer am Berg Changbai 长白山 in der Provinz Jilin die im Roman beschriebene „Klippe ohne Halt“ (无稽崖) und den „Gipfel grüner Rain“ (青埂峰) besichtigen können. Also genau den Ort, wo der Stein von einem vorbeischlendernden Buddhisten und dessen daoistischem Begleiter aufgelesen und damit in den Trubel irdischen Menschenlebens, hinein in die Geschichte und Illusion, gebracht wurde.

Nun kann man all dies natürlich als in späteren Zeiten bloßen Anreiz für Touristen herbeifabuliert verstehen – aber warum lesen wir Geschichten, wenn nicht als die Erweiterungen unserer Möglichkeiten, was sind Mythen anderes als Erklärungsversuche unserer Ursprünge? Der „Traum“ mag seine Entstehung in Nanjing haben, Gonggong im Nordwesten gegen den Berg gerammt sein, der Changbaishan sich an der heutigen Grenze zu Nordkorea befinden. Immerhin hat Nüwa alle vier Himmelsrichtungen abgestützt – der Einwand, dass es nach chinesischem Verständnis inklusive der Mitte fünf Himmelsrichtungen gibt, soll uns nicht beirren, denn wir wollen annehmen, dass auch die altmythische chinesische Schildkröte vier Läufe besaß. Eine dieser Stützen wird im Nordosten gelegen sein, warum nicht am mit 2.749 Metern höchsten Gipfel des höchsten Berges der Gegend, dem Vulkanberg im Gebirge des Changbai, des wörtlich Ewig Weißen Berges. Dessen Ostteil liegt in Nordkorea, Familie Kim nimmt sie als Ahnenstätte, Werner Herzog bescheinigt allen Vulkanen spirituellen Brauchtum im Umgang mit ihnen, s. Into the Inferno, 2016.

Wie all dem auch immer sein mag, seit ich im Jahre 2006 die Randnotiz des chinesischen Reiseführers gelesen hatte, wollte ich zum Changbaishan und nach Jia Baoyus Stein suchen. Wenngleich mit einer Selbstbelächelung ausgerüstet, vermutlich auf einen touristischen Schwindel hereinzufallen, so wollte ich doch sehen, wie hier Weltreparaturmythos und Literaturklassiker aufeinandertreffen könnten. Mit der Aussicht, einem endlichen Leben gegenüberzustehen, sind für meine aktuell bislang 37 gelebten Jahre gute zehn schon eine kleine Weile. Alles zu seiner rechten Zeit, aber da der Sog des Changbaishan nicht abschwächen wollte, machte ich mich in den vergangenen Tagen nach monatelanger, mich beinahe in den Irrsinn treibend vielen Arbeit schließlich auf den Weg.

Seit einigen Jahren fröne ich dieser Reiseart als 空一下自己, durch den Weg sich entleeren, ein wenig herunterkommen. Normalerweise ohne wirkliches Ziel, mit viel Zeit und der Zuversicht, auf dem Weg schon irgendwohin zu gelangen. Dieses Mal wird vorliegende Verschriftlichung die Aufgabe übernehmen müssen, bereits eintretend. Um es vorweg zu nehmen: Montag bin ich angereist, Dienstag war ich auf dem Changbai, Dienstagabend buchte ich mein Retourticket für Mittwoch.

Sowohl das Hin am Montag als auch das Zurück am Mittwoch waren gute Wege. In Zügen in China unterwegs, sollte man Ohrstöpsel bei sich haben, hatte ich. Besonders begeistert war ich, endlich einmal wieder vom Hauptbahnhof loszufahren, dieser ist nicht für Schnellzüge ausgelegt, etwa nach Shanghai und Tianjin fährt man vom Südbahnhof, etwa nach Wuhan vom Westbahnhof und muss dafür wie zum Flughafen zunächst raus aus der Stadt. Der Hauptbahnhof aber liegt in der Innenstadt nahe der Chang’anjie, er ist eines der zehn Gebäude, die zum 10. Jubiläum der Volksrepublik 1959 gebaut wurden, mit Türmchen von Zhou Enlai und Schriftzug von Mao Zedong. Vor allem aber mit Hinaus aus dem und dann wieder Hinein ins Stadtzentrum, und nicht von einem peripher staubigen Gelände aus, das überall sein könnte.

Hier die Verbindung: Vom Beijing zhan 北京站 geht einmal täglich um 7:08 Uhr der D21 nach Antu xi 安图西, mit Ankunft um 16:14 Uhr für 353 RMB über 1.343 km (das ist der Zug mit Endstation Hunchun 珲春, s. Fahrplan hier). Es gibt noch einen Bummelzug über knapp 24 Stunden, aber neun reichen auch.

Antu findet sich im Autonomen Bezirk Yanbian der Koreaner 延边朝鲜族自治州 und 150 km von der Nordseite des Changbaishan entfernt. Es gibt Buslinien nach Erdao Baihe 二道白河, der dem Berg mit 30 km Entfernung nächstgelegenen Stadt, eher einem Durchfahrtsörtchen – der begonnene Bau einer schnelleren Zugverbindung nach Baihe wurde aus verkehrstouristischen Pro-Antu-Gründen gestoppt. Der Bus von Antu über Baihe zum Changbaishan kostet 40 Kuai, ich lasse mich tatsächlich am liebsten von lokalen Fahrern, die meist in Trauben an Bahnhöfen herumlungern, mitschnacken und mir gerne allen möglichen Lokalklatsch erzählen. Eigentlich wollte ich in einer kleinen Absteige in der Nähe des Changbai unterkommen und dort über eine Woche hinweg verschiedenste Wege nach oben und am Berg entlang besteigen, um mich so langsam meiner Steinsuche zu nähern. Nun ist der Changbai ein komplettes Naturschutzgebiet mit auf der chinesischen Seite drei Eingängen, Nord, West und Süd. Solche Gebiete werden national verwaltet, mit festgelegten Eintrittspreisen bestückt und sonst nur noch mit vermutlich zertifizierten Führern begehbar. Ich wollte auf die Nordseite, soviel hatte ich dann doch vorher herausgefunden, dass ich von hier zum Wasserfall musste. Was willst du länger dort?, fragt mich Fahrer Liu, Ein Tag reicht vollkommen und du kommst sowieso nicht von den Wegen ab, da ist alles durchgeplant. Er sollte Recht behalten. Ich blieb erst einmal den späten Nachmittag in Antu und sagte ihm für den nächsten Morgen die Abfahrt für 75 Kuai zu. Er machte sich wieder auf, um sein Auto mit noch zwei, drei anderen Fahrgästen zu füllen.

Nach Dongbei, in den Nordosten Chinas, wollte ich auch, um der Sommerhitze der Hauptstadt zu entgehen. Durch Antu kommt man innerhalb von einer halben Stunde, es gibt zwei Hauptstraßen, eine wird Straße Nummer eins genannt, die andere die alte Straße, 一号路 und 老路. Dies sind nicht die offiziellen Namen, welche Straße der Kultiviertheit 文明街 und der Neun Drachen (oder auch Kowloon Straße?) 九龙街 lauten und auch nicht viel kreativer ausfallen. Umrundet von Autobahnen und innerhalb des Dreiecks eines Flusses gelegen, war es, wie mir von verschiedenen Seiten versichert wurde, bis vor zwei Wochen noch ein wirklich schönes Städtchen. Dann trat der Fluss über die Ufer, schwemmte Brücken mit sich weg und sogar zwei sehr junge Polizisten, die erst elf Tage später aufgefunden werden konnten.



Am 15.8. traten die Sanktionen gegen Nordkorea in Kraft, der Einfluss hier soll trotz Grenznähe gering sein. Man wurschtelt weiter wie bisher, es gibt keine Industrie – wofür man dankbar durchatmet –, Hauptaugenmerk sind Tourismus und Landwirtschaft, aktuell Blaubeeren, Physalis und Melonen, an Berghängen angebauter Ginseng. Dazu kann man gut koreanisch Essen gehen und ein Bibimbap kommt tatsächlich in einem Steintopf. Sprachbarrieren existieren abgesehen vom Versuch mit ein paar älteren Koreanern nicht und man muss nicht einmal auf das Beijinger R hinten an den Begriffen verzichten. Besonders auffällig aber ist, wie sauber es hier ist. Noch mehr, wie leer, nirgends ein kleines gelbes Fahrrad oder eine sonstige Mietradmarke, die sich in Beijing, Shanghai, Wuhan und, so dachte ich bislang, über das ganze Land seit Anfang 2017 rasant verteilt hatten.



Mein Hotel namens Goldenes Tor liegt an einem der Flussarme, dieser an einem Hügel, von dem man die Stadt gut in den Blick bekommt. Ich habe gerade noch das letzte der alten Viertel sehen können, bevor auch dieser Ort so gut wie bald jedem anderen des Landes ohne spezielle Sehenswürdigkeiten gleichen wird.



Die Bagger wüteten schon, die Anwohner werden zurück in die Berge geschickt. Noch ein paar Alte zählen umherschlurfend ihre letzten Stunden. Wie lange sie noch haben, wollte ich wissen, ein paar Monate, wenigstens Wochen? Als Antwort kam: Vermutlich bis nächstes Wochenende.







Die Dächer im koreanischen Stil wird es bald nur noch wie dieses hier in einem der Touristopps zu sehen geben:



Nächster Tag, 5:30 Uhr Abfahrt. Zweieinhalb bis drei Stunden Fahrt ließen reichlich Zeit, mir alles vorher ins Detail ankündigen zu lassen. Auch stehe ich nicht das erste Mal vor einem nationalen Naturschatz, doch übertraf dieses dann doch alles bislang Erlebte. Wir reihen uns in die Buskolonne am Eingang und Fahrer Liu schärft den drei hinten sitzenden Jungs erneut ein, unsere internationale Freundin ein wenig an die Hand zu nehmen. Protest wird ignoriert, ich denke mir, ihnen irgendwann Bescheid gebend mich zu verdrücken, hoffe ich doch noch immer auf einen Zweigweg.

Schließlich war es in Zhangye auch so, dass man sich ein Busticket holen, die kilometerlangen Wege aber auch selbst ablaufen konnte. Nicht so am Changbaishan, hier darf man außerhalb des touristischen Stroms keinen einzigen Schritt setzen, an jeder geschlossenen Weggabelung steht eine Lenkperson, die Straßen sind einzig für die Busse zugelassen. Das kann man schon auch verstehen. Täglich fallen hier besonders in der Sommersaison der Ferien zwanzigtausend Menschen ein, manchmal bis zu fünfzigtausend. Wenn diese alle ihre eigenen Wege einschlügen, wäre nach spätestens einer Saison alles plattgetrampelt. Also reiht man sich in die Schlangen und verbringt zwei Drittel der Zeit mit Warten. Je später der Tag, desto mehr Leute kauen an geruchsintensiven, groben Würsten herum, ob man will oder nicht, man findet sich mitten in einer neuerlichen Übung der Kontemplation und Gelassenheit.

Eintritt 门票: 125 RMB,
Busticket 大巴车车票: 85 RMB,
Kleinbus zum Himmelssee 天池交通车票: 80 RMB.

Mal 20.000 ergibt 5,8 Millionen an Umsatz pro Tag, mal 90 Tage Hauptsaison 522 Mille, nicht schlecht.

Ich wollte:

Zur Klippe ohne Halt 无稽崖
am Gipfel grüner Rain 青埂峰
des Berges der großen Einöde 大荒山.

Nun stehe ich hier und befinde mich:

An der Klippe unter Zwanzigtausend 两万中的崖
am Gipfel bunter Regenjacken 彩色雨衣峰
des Berges im großen Treiben 伟大红尘山.

Insofern macht man sich am besten aus der Not die Tugend zunutze, nicht auszublenden, was offensichtlich vorhanden ist. So wie sich Stromleitungen durch jede Landschaft ziehen und man diese nach einiger Überwindung als ästhetische Elemente einbinden kann. Gut, hier also kein Strom, da Naturschutzgebiet, dafür gelenkte Führung, treppauf, treppab.





Oder auch ganz plakativ, my dear fellow travellers:





Durch wilde Wälder geht es zunächst mit dem Bus in rasanter Geschwindigkeit über die eine asphaltierte Straße, immer weiter winden wir uns den Berg hinauf, dann links und rechts vorbei an rustikalen Birken, schließlich nur noch Sträuchern, bis auch diese in der luftigen Höhe verschwinden. Den hier lebenden Sibirischen Tiger sahen wir natürlich nur auf Fotos. Ausstieg, alle zehn Meter erneutes Anstehen, bis man sich vorgearbeitet hat zum Himmelssee 天池.



Sehr gut gefällt mir, dass der Himmelssee bei glücklicher Wolkenlage zu einer Unterwasserlandschaft wird. Dem soll hier eine kleine Serie gewidmet sein:











Zur Klippensuche: Am Himmelssee gibt es 16 Klippen, keine ist ausgeschildert und nur eine einzige Holztafel weist die Namen der Klippen auf.





Dazu unten die paar Zeilen, wie der Berg über die Zeiten hinweg hieß. Erstmals tauchte er hiernach im Klassiker der Berge und Meere 山海经 auf, wo er 不咸山, der nicht salzige Berg (?), genannt wird. Die ganze Passage lautet: 山海经:大荒北经: “大荒之中有山,名不咸,在肃慎之国”, in der großen Einöde gibt es einen Berg, sein Name lautet Buxian, er liegt im Land der Sushen (also der antiken Volksgruppe an der nordöstlichen Grenze Chinas). Changbaishan heißt der Berg seit der Jin-Dynastie (1125–1234). Ich frage hier ein paar der Aufpasser nach der Klippe aus dem „Traum“, keiner weiß irgendetwas, keiner zuvor in Antu, niemand auf dem Weg wusste bislang mit meinen Fragen auch nur das Geringste anzufangen. Dafür weiß ich, dass ich zum Wasserfall muss. Also wieder hinab, wieder anstehen, Busfahren, aussteigen, Treppen auf und ab.



Ich gehe in eine Touristeninformation. Zwar werden hier bloß Souvenirs und Snacks verkauft, aber ich sehe eine ältere Verkäuferin, die vor sich hinlächelnd unbelagert in einer Ecke sitzt. Eigentlich möchte ich sie nicht in ihren Gedanken stören, doch sie hat mich bereits wahrgenommen und winkt mich zu sich heran. Ein neuer Versuch, ob sie die Klippe ohne Halt kenne, die aus dem „Traum der roten Kammer“? Ich kann nicht anders als sie zu berühren, nachdem sie nickt. Da nimmt sie mich doch glatt an die Hand und führt mich aus der Stube: Du wirst nicht mehr hinkommen, es ist alles abgesperrt. Aber sieh dort oben, sie zeigt auf den entfernten Wasserfall und erzählt mir, wie sie selbst vor Jahren dort war und wie die Klippe aussieht. Oben findet sich hinter dem Wasserfall eine leichte Senke, an ihren beiden Seiten zum Abhang hin ragen zwei schwarze Spitzen wie Fingerzeige auf, das ist die Klippe ohne Halt.




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Sonntag, 16. Juli 2017
Beijing wird geschlossen


Nach dem Frühlingsfest diesen Jahres 2017 hatten sie angefangen. In meiner Straße im Nordosten innerhalb des 2. Rings blieben zunächst jede dritte der erst kürzlich (zur 70-Jahrfeier des „Sieges über den Antifaschismus“ im September 2015) neben anderen Vereinheitlichungen der Fassaden für alle angebrachten Ladentore aus Stahl auch tagsüber heruntergezogen. Darunter von mir frequentierte Läden wie der Copyshop von Laoyang, der Nussmann, ein Expressservice, ein Kiosk, ein Frischnudelladen, eine Eisenwarenhandlung. Im mich hauptsächlich ernährenden Gemüse- und Obstladen meinten sie letztens, sie wüssten nicht, ob oder wann es bei ihnen soweit sei.



In der Min’an jie und von dieser abgehend in der Dongzhimen beizhongjie finden sich im Umkreis von keinen hundert Metern drei kleine Supermärkte in den Erdgeschosswohnungen des Eckblocks. Ich nenne sie Russenläden, da sie der Kundschaft in unmittelbarer Nähe der Russischen Botschaft mit einer Palette russischer Waren aufwarten. Im von mir besonders häufig aufgesuchten, der vor Jahren meine bevorzugten Wein, Milch, Kaffee, Kippen ins Angebot geholt hat, sprechen sie gar russisch.



Sie packt mir die letzten sechs Weißweinflaschen in einen Karton. Heute machen sie zu. Alle drei auf einen Schlag. Vor fünf Tagen kam der Bescheid. Seit 24 Jahren ist Frau Wang hier vor Ort. Sie kennt meine Mutter, alle in meinem Gästezimmer Nächtigenden führe ich nach Anmeldung bei der lokalen Polizeistation hier her. Als ihr Kind sechs war, hat sie den Laden eröffnet, in ihm ihre Blütezeit zugebracht, wie sie sagt.



Im zweiten Laden haben sie bereits zu demontieren begonnen, im dritten heißt es, sie würden noch einen Monat durch die Hintertür verkaufen, hinten durch den Compound dreimal rechts erreichbar. Die anderen, längst weit weniger als Zweidrittel noch geöffneten Läden in der Beixiaojie des in diesem mittlerweile in den Juli gewanderten Jahres, werden nicht mehr lange ihr Geschäft weiterführen können, so Frau Wang. Dieses Jahr wird hier noch alles geschlossen. Nicht von der Stadtregierung, es ist die Zentrale, von der die Anweisungen kommen.

Zunächst entziehen sie den Ladeninhabern die Lebensgrundlage des geöffneten Ladens, und damit entziehen sie gleichzeitig den Anwohnern die Lebensgrundlage der Versorgung. Sie wollen uns aus der Stadt heraus, nach Tongzhou, besser noch Langfang oder sonst wo in Hebei, in all die Lebens-, Geschäfts-, Gesellschaftszentren, die sie gerade erschließen. Dies ist ihr Mittel.




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