Dienstag, 13. September 2016
Kunstsommer 2016: Basel ∣ 2016年艺术之夏:巴塞尔
Köln 科隆

Zunächst kurz über Köln. Im Museum Ludwig lief Fernand Léger: Malerei im Raum. Fotografieren nicht gestattet.

Dafür geht es mit Lisa durch die Gegend. Dabei erzählt sie von dem Flüchtlingsthema, dass sich Institutionen gerade allerorts auf die Fahnen schreiben, für das sie ausschreiben. Wir sprechen über thematische Vorgaben, bei denen man sich häufig nicht gegen den Impuls wehren kann, dass die Institutionen dem Weltgeschehen hinterherhinken. Es ist ja richtig, sie wollen und sollen gesellschaftsrelevant, im besten Fall -prägend sein, wenn es nur nicht häufig so gezwungen rüberkäme. Oder halt einfach zu riesig, zu groß, stets dreh- und auf vieles anwendbar, mal ist es Umwelt, dann die Digitalität, jetzt heißt es Flüchtlinge. Ist das Offenheit? Es bleibt ein schales Gefühl der Planlosigkeit. Und doch brauchen wir ja theoretische, intellektuelle, künstlerische Auseinandersetzung, etwa bei den Themen Grenzen, Werte, wer sind wir, was bedeutet divers, man bastle einen definitorischen Handapparat. Natürlich sind dann immer gleich die Schimpfer zur Stelle, das könne man nicht, jaja, aber Flüchtlinge? Wo bleiben überhaupt die Thinktanks? Schon bzw. aktuell wieder seit 2009 warten wir auf Vorschläge zu neuen Gesellschaftsmodellen. Sitzt da wirklich keiner dran? Kann doch nicht sein. Muss man das jetzt selbst machen? Vielleicht ist es sogar besser, wenn man keine Ahnung von Ökonomie hat …


Das New Talents HQ. Hier gehts übrigens zum Katalog: New Talents 2016, von mir dort (bei Erwerb) Texte zu Hu Weiyi 胡为一 und Wang Man 王满.





Abends ein Vortrag vom KAP Forum zur nachhaltigen und ganzheitlichen Stadtentwicklung: Kopenhagen und der neu erschlossene Nordhafen. Die anberaumte Diversität bleibt leider noch theoretisch, Immobilienhaie reiben sich die Hände. Immerhin ist öffentliche Naherholung mit Grünflächen und Wassernähe eingeplant, schade nur, dass kulturelle Einrichtungen dabei doch immer zu kurz kommen.


Mit Rune Boserup Jacobsen, Cobe Architecture, und Martin Rendel, Moderation.


Basel 巴塞尔



Man ist in Europa unterwegs, um Einrichtungen wie die Fondation Beyeler zu sehen. Da können einem wirklich die Sinne übergehen und das Herz beim Gedanken an China schwer werden. Vorteil in China ist allerdings, dass man eigentlich überall (im Kunstbereich) fotografieren darf, hier aus unerfindlichen Gründen nur mit dem Handy. Das mache ich nicht, war mir ausnahmsweise aber egal, großartig waren Calder & Fischli/Weiss.



Weiter geht es den Rhein hinunter. An dem ich unten beim Schreiben dieser Zeilen sitze und aufs Wasser starre, die Notizen: Calder und Fischli/ Weiss waren super. Die Sprüche und Fragefragmente. Fängt das Wasser meinen Blick? Wie lange kann ich hineinsehen, bis mir schlecht wird? Es fließt irrsinnig schnell. Gestern noch über den Rhein in Köln. Über mir jetzt bewegen sich nuschelnde Stimmen, ich esse ein Stück Bitterschokolade, die ich gestern für Kleingeldtausch zur Parkuhrfüllung gezwungen war zu kaufen. Sie hinterlässt keinen Missmut deswegen, war nur 20 Frankencent teurer als die sonst zur Auswahl aufgereihten, ohje, all die Schönheit in dieser Stadt, und dennoch solche Postkarten. Heute muss ich noch erneut irgendwie Kleingeld sammeln. Natur – ist hier in der Kunst nicht so Thema wie in China, wie auch bei mir. Der Mann links neben mir eine Bank weiter verlässt mich. Ich höre ihn grußlos die Treppe hochstapfen. Gleich eins, gleich gehts weiter. Ein Kippchen geht noch. Mir gefällts grad hier. Fünf Museen braucht man doch nicht pro Tag. Die Leichtig… Jetzt hat mich fast eine Bootswelle erwischt. …keit von Calder beeindruckt mich. Gegenüber der Mann am anderen Ufer mit ausgebreiteten Armen ist ebenfalls verschwunden. Kommt da gleich noch eine Welle oder darf ich absetzen? Von der Bank, nicht aus der Luft. Darf man in der Schweiz überhaupt die Schuhe auf einer öffentlichen Bank abstellen? Zwei Kanus paddeln gegen den Strom vorbei. Es regnet wieder. Es läutet aus drei Kirchen eins. Ich gehe dann weiter.


Art Basel

Unlimited:


Hans Op de Beeck: The Collector's House. 2016. Marianne Boesky, New York, u.a.


Ebd.


Vlassis Caniaris: In Praise. 1993. Peter Kilchmann, Zürich.


Mike Kelley: Reconstructed History. 1989. Skarstedt, New York.


Anish Kapoor: Dragon. 1992. Gladstone, New York, u.a.


Wolfgang Tillmans: New York Installation PCR, 525. 2015. David Zwirner, New York.


Pope.L: Circa. 2015. Mitchell-Innes and Nash, New York.


Alicja Kwade: Out of Ousia. 2016. 303 Gallery, New York, u.a.


Gilberto Zorio: Microfoni. 1968. Lia Rumma, Mailand.


Robert Groscenor: Untitled (Yellow). 1966/ 2016. Paula Cooper, New York, u.a.


Und was brachten die Chinesen bzw. ihre Vertreter so?

Natürlich …

Ai Weiwei: White House. 2015. neugerriemschneider, Berlin.

Natürlich …

Ding Yi. O.A.

Dann eine trendbewusste Zusammenstellung von Verzweigungen, wie auch in den WeChat-Moments Anfang des Jahres häufig gepostet …

Birdhead: Welcome to Birdhead World Again, Passions Bloom Ambitions from Vagina –23. 2016. ShanghArt, Shanghai.


Cheng Ran: In Course of the Miraculous. 2015. Urs Meile, Luzern.

Leute ansehen. Dafür ist bestimmt die ganze Schweiz gut. Aber auf der Art Basel und bei den Museen kommt es noch einmal zu einem besonders spannenden Konglomerat. Zeiten des Wartens sind also nicht verschwendet. Doch sind etliche schon morgens mit angestrengtem Kunstblick unterwegs, vielleicht sind es nur der Regen und die Kälte. Viele laufen hier mit kleinen Koffern herum. Bestimmt sind sie voller Geld, mutmaße ich; bestimmt sind sie voller Kreditkarten, entgegnet Xinjun.

Aussteller:


Inge Mann. Kadel Willborn, Düsseldorf.


Jaume Plensa: White Forest (Duna). 2015. Galerie Lelong.


Helen Frankenthaler: Thanksgiving Day. 1973. Bernard Jacobson Gallery.


Sigmar Polke: The Young Acrobat. 2002.


Bethan Huws: Knowledge and Though. 2009–2016. Galerie Tschudi, Zuoz.


Henry Wessel: Early Night Works. Series, 1968–70. Galerie Thomas Zander.


Anthony McCall: Miniature in Black and White. 1972. Galerie Thomas Zander.


Matt Saunders: Ilsted (Annie) #2. 2015. Borch.


Jungjin Lee. Howard Greenberg Gallery.


Ebd.


Piero Manzoni: Achrome. 1958–60. Tega.


Juan Genovés: Platearium. Detail, 2015. Hopkins, Paris.


Adrian Piper: Everything #2.12a. 2003. Dominique Lévy, New York et al.


John Wood and Paul Harrison: Crowd. 2016. Von Bartha.


Ger van Elk. Grimm, Amsterdam.


Ebd.


Heinz Mack: Untitled. 1959–60. Galerie Thomas, München.


Jean-Michel Basquiat: Year of the Boar. 1983. Van de Weghe Fine Art.


Wang Yancheng: Untitled 1. 2016. Acquavella.


Per Kirkeby: Untitled. 2016. Galerie Sabine Knust.


Steve McQueen: Remember Me. 2016. Marian Goodman Gallery.


Richard Misrach: Wall, Near Los Indios, Texas. 2015. Pace/ MacGill Gallery.


Art Basel: Parcours

Der Outdoor-Happening-Schnitzeljagd-Charakter war etwas zu gewollt, denn dafür war das Ganze zu gut organisiert, zu sehr mit Scharen von Helferlein bestückt, unmöglich, auch nur eine Station zu verpassen. Dennoch war mir dieses Draußen lieber als die Messehallen.


Iván Navarro: Traffic. 2015. Templon.


Daniel Gustav Crámer: Coasts. 2016. Sies and Höke.


Alberto Garutti, The dog shown here. 2009. Buchmann Galerie.


Ebd.


Tracey Rose: False Flag – A Deed in 2 Acts: Mandela Ball #8, MaterPater. 2016. Goodman Gallery.


Bernar Venet: Effondrement:Arcs. 2016. Von Bartha.


Virginia Overton: Untitled (Hi Lux). 2016. White Cube.


Alfredo Jaar: The Gift. 2016. Goodman Gallery u.a.


O.A.


Michael Wang: Figure Fragment from the Basler Münster. Before 1185. Foxy Production.


Ilya and Emilia Kabakov: Toilet on the River. 1996–2016.


Eva Kot'átková: Cutting the Puppeteer's Strings with Paper Teeth (Brief History of Daydreaming and String Control). 2016. Meyer Riegger.


Hans Josephson: Untitled (Half-Figures, Standing and Reclining Figures). 1951–2006. Hauser und Wirth.


Ebd.


Sam Durant: Labyrinth. 2015. Blum and Poe u.a.


Ebd., Detail.


Andrew Dadson: Black Plant Sunset. 2016. Franco Noero u.a.


Lawrence Weiner: Mein Haus ist dein Haus, dein Haus ist mein Haus, wenn du … 2014.
Ziemlich bescheiden – auf mich wirkt es, als würde er seinen Schiss in das Haus eines anderen bzw. ins Hirn der Besucher setzen, nicht wie seine hier umgekehrt beschriebene Fallannahme.

Besser draußen dieses:

Ernst Coghuf: Le chant de l'occident. 1944.


Allan McCollum: The Shapes Project – Shapes Spinoffs. 2005–2016. Thomas Schulte.


Michael Dean: ffff. 2016. Supportico Lopez u.a.


Tabor Robak: Skypad. 2016. Team u.a.


Art Basel: Liste

Nach den etablierten Galerien in den Messehallen und dem Wildwuchs in der Stadt, hier die junge Kunst in Boxen. Gutes Gebäude.




Ben Burgis and Ksenia Pedan: Scripture. 2015.


Liz Craft. Truth and Consequences, Genf.


Estefanía Peñafiel Loaiza: An Air of Welcome. Serie, 2013–15.


Bon appétit! KOW, Berlin.


Erkka Nissinen. Ellen de Bruijne Projects, Amsterdam.


Anna Hulačová: Otto. 2015. Hunt Kastner, Prag.


Anna Hulačová: Monkey. 2014. Hunt Kastner, Prag.


Camille Blatrix. Balice Hertling, Paris.


Joanna Piotrowska: Untitled. 2016. Dawid Radziszewski Gallery.


Adan Vallecillo. 80m2 galeria, Lima.


Rafał Bujnowski. Rastor.


?, Wien.


Yuri Pattison: Dust, Scraper, Fan 1.1 (Logistics, Working Title). 2015–6. Mother's Tankstation, Dublin.


Adelita Husni-Bey: White Paper – The Land. 2014.


Doa Aly: Until the Great World Speaks of Nothing Else.


Muzlon de Azambuja.


Ernesto Sartori: Rythmique ambiante. 2014. Marcelle Alix, Paris.


Gerda Scheepers: Sitting White. 2016.


Shana Moulton.


Edgardo Aragón: Verde militar. Serie, 2014–5. Mor Charpentier.


Enzo Mianes: Objet tranché (Gaz Bottle). 2016.


Li Ming: Me/We. Antenna Space.


Ebd.


Riccardo Beretta: Tre Crocifissi. 2016.


Steve Bishop: Chutchie (Small Business Loan). 2016. Carlos and Ishikawa.


Kris Lemsalu: Genetic Misunderstanding. 2016.


Tobias Kaspar: Glacial. 2016.


Camilla Wills: New-Born on a Tram. 2016. Gaudel de Stampa, Paris.


Dr. Kuckucks Labrador. Kaskadenkondensator, Basel.


Nicola Gobbetto: Dionisio. 2016. Galleria Fonti Napoli.


Giulia Piscitelli: Pietà di Giotto. 2016. Galleria Fonti Napoli.


Brendan Fowler: Flannery. 2016. Mathew Gallery, Berlin.


Nathan Zeidman. High Art, Paris.


Luca Dellaverson: Untitled. 2015.


You Can Hammer Yourself. 2011.


Photographer – Bodybuilder. 2014.


Kaya. Deborah Schamoni, München.


Yuji Agematsu: Zip. 2012. Real Fine Arts, New York.





Valery Heussler: Der Auftrag – Brot teilen. 2000.


Und sonst so in Basel?



















Die Luft ist so frisch, so rein. Man möchte aus all diesen Springbrunnen hier trinken.








Den hier habe ich allerdings aus Zürich herübergestohlen.

Und noch eine kleine Anekdote:



Katharina erzählte, dass es in der Schweiz Ende letzten Jahres eine öffentliche Aufforderung zur Flüchtlingshilfe gab. Sie schrieb gleich eine Mail mit ihrer Bereitschaft an die gegebene Adresse und erhielt monatelang keine Rückmeldung. Dann, endlich: Man hätte für sie einen italienischen Jungen gefunden, der Nachhilfe bräuchte.


Siehe im Zuge dieses Beitrags auch 关于这个话题也看: Kunstsommer 2016: Überblick ∣ 2016年艺术之夏:概述

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