Samstag, 29. September 2012
Design Week im Dashilar

Am Donnerstag, 27.9.2012, war die Eröffnung der Design Week im unterhalb des Qianmen gelegenen Dashilar, dem neu auserkorenen Trendviertel der Szene – finanziert durch die Regierung, macht es das Ganze einerseits fragwürdig, andererseits bestätigt es die Annäherung der beiden Seiten.



In der Fabrik im Dawailangying Hutong Nr. 8 (石景山继电器厂分厂,大外廊营胡同8号) fand ichs dann auch ganz nett. Es erinnerte mich an das Gängeviertel in Hamburg, viele kleine Kreative am Präsentieren ihrer kleinen Spielereien, dazu ratzfatz leergefegte Platten mit Speisen und Getränken.

Was ich mochte, waren die Objekte der Masterstudenten des Interior Design-Studienganges vom Londoner Royal College of Art. Leider waren nur selten und dann nachträglich auf Miniatur-Postits gekritzelt die Namen der Studies zu finden, dafür dick und fett der Name ihres Führers Ab Rogers, der denn auch hinten in der Ecke stand und merkwürdige Mischgetränke zu sich nahm – wenn ers war, sonst bleibts eine Behauptung. Es gab kleine Cuben zu sehen, in diesen Mikrowelten. Hier ein paar Beispiele:









Dann mochte ich noch die Umfunktionierung der Alt-Beijinger Joghurtbecher über zwei Stockwerke hinweg (habe Namen und Künstler frevelnderweise nicht parat, "Universal Cloud" oder so):



Und witzig war auch "Tone of Communication" von Alice Wang:





Oder auch diese Strick- und Nähnadelgeschichte mit dem Titel "Points of View" von Boaz Cohen und Sayaka Yamamoto:



Daneben gabs in den Hutongs drumherum Kleinkunstkrämerei und bereits dem staatlich-touristischen Charakter des Viertels entsprechend kulturindustrielle Waren zu kaufen. Das hat mir nun nicht so gefallen, aber es ist dennoch nett, durch die Gassen zu schlendern.



Tags für diesen Beitrag 这本文章的标记: Ausstellung 展览, Beijing 北京, Fotografie 摄影, Gegenwart 当代

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 24. Juli 2012
Sommerreise: Kassel
Von Paris geht es nach Kassel zur dOCUMENTA (13).

Bitte nicht vergessen, dieser Beitrag ist wie alle auf diesem Blog immer rein subjektiv und selektiv. Ich werfe hier einfach das hinein, was ich am 15. und 16.7.2012 auf der Documenta gesehen habe, und es mag als kleiner Überblick von 2 Tagen in Kassel gelten.

Wenn man gerade aus Paris kommt, kann Deutschland – und in unserem Fall Kassel – mit all seinen zerbombten und hastig, teils halb alt-neu mit Platten wieder aufgebauten Städten doch ein wenig trist wirken. Kassel fand ich generell jetzt nicht so schön. Schön war die Fahrt nach Kassel durch und in die Kassler Berge hinein. Hier ist das Grün saftig, nicht so leuchtend wie in Frankreich, viel dunkler, dafür auch gesättigt intensiv. Kassel hat als Stadt schon auch seinen Charme, es wirkt nach vergangenen Holzkohlezeiten und jetzt scheint man halt in die Documenta eingestiegen, jeder zweite, so mutet es an, ist involviert.

Hier nicht:


Ich wollte quantitativ überschüttet werden, um gelegentlich vor einer Perle in Erquickung zu geraten. Es war schon einiges los, keine Frage, wobei man sich die Orangerie mit Einbezug seiner astrologischen Annodazumal-Geräte und zwischendurch einem kleinen Fundus an Gegenwartsplanetologie sowie das ähnlich aufgebaute, naturwissenschaftlich ausgerichtete Ottoneum hätte schenken können. Definitiv aus meiner klitzekleinen Enttäuschung herausgeholt hat mich das Filmprogramm. Das war gut, dazu später mehr. Aber der Reihe nach …

… und zunächst aus der Documenta-Halle:

Nach einem Gang vorbei an Skizzen in Vitrinen, die mit dickem Stoff verhängt und aufzuklappen waren, was ich abgesehen von der lachs-ockernen Farbe des Materials als Akt mochte (Etel Adnan, *1925 in Beirut), ging es weiter mit zwei Grafiken von Julie Mehretu (*1970 als Amerikanerin in Addis Abeba, Äthiopien). Gefällt mir vom Ansatz her, aber ich habe keine Einzelstelle gefunden, die ich richtig toll fand.




Dann trat man herunter in den Saal mit Thomas Bayrles (*1937 in Berlin) Arbeiten.


Gefallen haben mir seine ineinander verzahnten, reibungslos funktionierenden, sinnlos rotierenden Motoren. Autoland Deutschland in bedingungslos bejahender Bewegung.

Nachtrag: Von wegen sinnlos, es handelt sich um einen 9-Zylinder Sternmotor, gerne in Kriegsfliegern im 1. WK verbaut – klärt mich der Herr Bruder Ingenieur auf. Kulturgut dankt.

Abgedunkelt in einem Raum war die Videoinstallation von Nalini Malani (*1946 in Karatschi, Indien/ heute Pakistan). Mythologisch buddhistisch, wieder rotierend im Versuch, ineinanderzugreifen, dadurch ev. aufzubrechen, Bedrückung zu sprengen. Sah gut aus.


Und da war dann noch Yan Lei (颜磊, *1965 in Langfang, Hebei). Sorry, ohne Bild, die Warteschlange wand sich über eine Stunde. Durch die hohe Zugangstür blickte einen gleich Mao von einem Bild an, der neben unzählig anderen, den kompletten Raum von oben bis unten plakatierend, einen nicht aus den Augen ließ. Ich kann Mao nicht mehr sehen – will der Westen das wirklich immer noch? Kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass ein cn. Künstler immer noch meint, dass der Westen das immer noch sehen will und dem immer noch folgt. Kleiner Downer, auch wenn ich Yan Lei sonst mag.

Die Räumlichkeiten sind schon gut.


Kurz vom Ottoneum, was ich ganz nett fand:

Christian Philipp Müller (*1957 in Biel, Schweiz), ein mit statischer Kamera abgefilmter Teich, in dem erst nach längerem Hinsehen das Wasser leise wogte:


Und von Amar Kanwar (*1964 in Neu-Delhi) die bewegten Bilder im büttenpapierenen Buch:


Dann haben wir uns unnötigerweise durch die Bahnhöfe führen lassen. 2 Stunden langatmigen Beguckens, mit aufgefordertem In-sich-Gehen und anschließend korrekter Interpretationen einer 19-Jährigen ließen meine Füße schaben – dachte, ich seh mir das Konzept mal an, 11 Euro teure Zeitverschwendung. Die Bahnhöfe an sich beeindruckend, besonders der alte Hauptbahnhof/ neue Kulturbahnhof, wo kaum noch etwas abfährt und ankommt, Gleis 1 und 13 mahnend an die Deportationen erinnern. Demnach und überhaupt auf der Documenta, so die 19-Jährige, geht es um Abschied, Verlust, Verzweiflung, Versagen, Trauer und Schmerz, Bedrückung, eigen- oder fremdverursachte Isolation. Wow. Depri-Deutschland?



Im Nordflügel mochte ich die Ytong-Steine an und in der – das kommt hier leider nicht so raus – Anselm Kiefermäßig verputzten Wand. Die Halle an sich mochte ich.




Drinnen stand u. a. die Arbeit von István Csákány (*1978 irgendwo in Rumänien). "Kunstvoll aus Holz geschnitzt", lese ich gerade im Katalog. Wars auch, auf den ersten Blick und größtenteils, aber bei näherem Herantreten sah man doch Schnitzer. Sowas verdrießt mich, davon gibts in China genug, wobei ich nichts gegen gewollte Roughness habe, aber handwerklicher Pfusch lenkt mich ab, mache ich doch v. a. auch zum Substanz- und Qualitätstanken diese Sommerreise.


Anschließend gab es die Jalousien-Installation von Haegue Yang (*1971 in Seoul) im hinteren Teil, hier gerade den Blick teil-hochgeklappt freigebend auf die dahinterliegende Werkshalle.


In der Nachrichtenmeisterei zeigte Willie Doherty (*1959 in Derry, Nordirland) kleine, meist in Schleifen und auf 5 Leinwänden unterschiedlich gedreht laufende Filme, dazu standen zur rustikalen Unterstreichung im recht großen Raum Holzmaschinen herum. Dieser Mann etwa, der in weiteren Filmen mit seinem Zwilling auftritt, steigt im endlosen Loop über einen Stuhl.


Das habe ich mir recht lange angesehen, es gab auch geschnitzelte Dornen und vieles mehr. Film, gerne auch in Fragmenten, söhnt mich aus.


Bei dem Film hier bin ich dann schnell wieder dem Ausgangsschild gefolgt. Eigentlich ganz nett eine Höhle imitiert, dranklopfend leider hohl, aber nur schauend ein Erdschachtblick, dann lief der 12-minütige Film an und die Zeituhr tickte runter. Wer weiß, was nach 11:37 passierte, mir reichte es.


Mehr interessante Videopräsentationen gab es dann im Südflügel. Etwa Tejal Shahs (*1979 in Bhilai, Indien) …


… und Bani Abidis (*1971 in Karatschi, Pakistan) Arbeiten.


Dort war dann noch, handwerklich wohltuend brillant verarbeitet, die mich an Zwangsjacken erinnernde Uniformkollektion von Seth Price (*1973 als Amerikaner in Ostjerusalem). Innen als Muster mit immer wiederkehrendem Banklogo ausgekleidet, sollen es allerdings Briefumschläge sein. Ahoi.


Kudzanai Chiurai (*1981 in Harare, Simbabwe).


And And And hatten ein Antikapitalismus-, äh, Kapitalismushinterfragungsprogramm laufen. Mit Dekolonialisierungsworkshops. Bin ich ja voll für, aber warum muss das genau wie die anarchischen Free Tibet Camper vorm Fridericianum so abgelutscht studentisch bratzig-naiv rüberkommen? Hab mir das natürlich gar nicht angehört (lief auch grad nichts außer Kuchenessen), sondern bin nur rein und nach einem kurzen Blick auf Ökokissen mit alten Schulstühlen und bunten Karteikarten wieder rückwärts raus. Es lebe die eigene Ignoranz.


Genauso wie das blöde Hugenottenhaus, in dem mal wieder Zimmerchen von wem auch immer die Kunst an sich stellten.


Draußen schnupperte die Maus nach Interessanterem.


Karlsaue

Hier, in diesem Hauptteil der Documenta, habe ich mich am wenigsten aufgehalten. Vielleicht allzu verwöhnt von Markus Heinsdorffs Bambusbauten bei "Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung", kamen mir diese auf weiter Flur verstreuten Minihäuslein irgendwie doch ziemlich futzelig vor. So schlenderten wir nur herum und sahen mal hier und mal dort hinein. Dieser Abschnitt ist also alles andere als repräsentativ zu bezeichnen.

Ein Klohaus.


Anri Sala (*1974 in Tirana, Albanien).


Omar Fast (*1972 in Jerusalem). Der Film heißt "Continuity" (2012) und war psycho, auch ein Loop. Ein Ehepaar fährt durch einen Wald zu einer Bahnstation, holt dort Sohn Daniel, gerade aus dem Einsatz in Afghanistan auf weihnachtlichen Freigang (nennt man das so?) ab, tränenreiche Wiedersehensszene, nimmt ihn mit nach Hause. Er wird in sein Kinderzimmer im Keller gebracht, darf sich kurz duschen, dann gibts familiäres Weihnachtsessen. Dieser Daniel im Bild unter diesem Absatz erzählt so plastisch von seinem Einsatz, dass hinter ihm die Kameraden auftauchen. Es gibt familiäre Kritteleien, Verständnisverstörtheit, worauf Mutti ihren Daniel abknutscht. Nächster Tag, nächste Fahrt zum Bahnhof, neuer Daniel wird ähnlich rührselig abgeholt, ins Haus gebracht, duscht, gleiches Weihnachtsessen, Kriselei, Annäherung, kurze Nachtszene, in der ein großer schwarzer Müllsack im Kofferraum des Autos verschwindet. Wieder neuer Tag, neuer Daniel vom Bahnhof usw., der sich allerdings beim Abendessen entschuldigt, über Schwindel klagt und auf sein Zimmer möchte, auch sagt, dass es ihm bei den beiden merkwürdig erscheine, er sonst nur reine Männerrunden gewohnt sei. Auf seinem Bett blättert er dann ein gezeichnetes Daumenkino durch, in dem ein Soldat versucht, die Burka einer Frau herunterzureißen und darunter immer wieder eine neue Burka findet, immer wieder, bis er erschöpft innehält und am Ende sein Kopf explodiert. Dann schleicht sich Muttern ins Zimmer und legt sich zu ihm als herunterkommende Schritte zu hören sind. Cut und nächster Tag und Daniel 1 steht wieder am Bahnhof, er telefoniert, "wenn sie genug bezahlen".


Und mit dabei war, sogar zwei Mal, eine Szene mit 3D-Baumfahrt, wie ich sie letztes Jahr für unseren Film gedreht hatte (s. hier). Nur dass sie hier in vorbeiflitzender Geschwindigkeit gedreht oder später zeitgerafft war. Großartig.


Zwischendurch gesehen, nicht probiert, dafür war aber der Kaffee gut, hier eine Documenta-Snackbar. Sieht lecker aus, da bin ich pro-bio.


Und den Verweis, Foto auf Kachel als Notausgang, fand ich festhaltenswert. Auf dem Weg von der Karlsaue zur Neuen Galerie.


In der Neuen Galerie

So sah Geoffrey Farmers (*1967 in Vancouver) Werk von außen aus:


Und so die aufgespießten Einzelteile der uns ausmachenden Kultur – Fotos aus 50 Jahrgängen des Life-Magazins – von innen:




Andrea Büttner (*1972 in Stuttgart).


Khadim Ali (*1978 in Quetta, Pakistan).


Rossella Biscotti (*1978 in Molfetta, Italien).


Roman Ondák (*1966 in Žilina, Slowakei).




Das abgefilmte Puppentheater von Wael Shawky (*1971 in Alexandria).






Im Fridericianum

Endlich wurde es richtig gut. Wenigstens zwei Sachen haben mir wirklich gefallen.

Zunächst war dies der … gewebte?, zumindest irgendwie mit Nadel und Faden produzierte Wandbehang, was beeindruckend plastisch wirkte, von Goshka Macuga (*1967 in Warschau). Man konnte mit all diesen aufgezeigten Menschen lange gucken, was denn hier nun eigentlich los ist.




Kader Attia (*1970 in Dugny, Frankreich).


Anna Boghiguian (*1946 in Kairo). Besonders vor diesen Bildstrecken sind mir – vermutlich weil die Documenta gleichzeitig auch noch in Kabul und Kairo stattfindet – etliche, im wahren Sinne des Wortes gut betuchte Musliminnen aufgefallen. Kenne mich in dem Kulturkreis nun gar nicht aus und sah auf den Kunstwerken hauptsächlich Blut, Gewalt, Ekel, Verhüllung, komme mir damit aber ziemlich klischeebehaftet vor.


Hier sah man durch eine kleine Öffnung, in dem Spiegel ggü. sich auch selbst, hier mit Kameralinse.


Und jetzt kommt die zweite, mich flashende Geschichte. Nicht unbedingt was neues, aber was solls, ich mag 2D, das wie 3D wirkt und sich mit Blickwechsel verändert. Von Dorren Reid Nakamarra (* ca. 1950 in Warburton Ranges, Australien).


Und so einfach, mühsamst zeitaufwendig ists gemacht: Rot als Grundierung, schwarze Striche darauf und abschließend weiß getupft darüber.


Llyn Foulkes (*1934 in Yakima/ Washington).


Ida Applebroug (*1929 in den Bronx). Das fand ich auch gut. Gut besonders die vielen, zum Mitnehmen ausgelegten, knapp A3-großen Poster, in deren jedem sich eine eigene kleine Welt eröffnete, während man sie so durchblätterte.


Mark Lombardis (1951–2000 in New York) "World Finance Corporation".


Filmprogramm im Kino Gloria

Kino Gloria, dies ist dein wunderbarer Saal, rund und grün und ansprechend:


Tamás St. Turba: "Centaur". Ungarn 1973–75/ 2009, 39 Minuten.


Von Francis Alÿs (*1959 in Antwerpen): "Reel-Unreel". Afghanistan und Mexiko 2011, 19 Minuten.
Aus Kabul und der Region kennt man die Kids, die mit einem Stab einen Reifen antreiben und durch die Gegend fetzen. So begann der Film. Dann folgt er zwei Jungs, die, einer vorne eine rote Filmspule abwickelnd, einer hinterher den Filmstreifen auf eine blaue wieder aufwickelnd, durch Kabul rasen. Gefilmt aus ihrer Höhe und dabei geht es den Berg runter in die Innenstadt, durch die staubigen Gassen und Hinterhöfe, über Märkte und vielbefahrene Straßen, wieder einen Berg hoch bis zum Überblick über die Stadt. Nett, aus dieser Sicht Kabul zu sehen. Abschließend wurde noch berichtet, dass die Taliban am 4.9.2001 in Kabul eingefallen seien und alle Filmrollen aus allen Archiven beschlagnahmt und verbrannt hätten, laut Anwohnern soll es zwei Wochen lang gelodert haben. Später wurde bekannt, dass die Archivare ihnen nur Kopien gegeben und die Originale behalten haben sollen.




Altes

Von früheren Documentas gab es vor dem alten Hauptbahnhof den allein auf weiter Flur auf seinem Stahlstab Laufenden.


Mit Blick auf die Orangerie das Gitternetz.


Und den Baum mit Stein.


---

Ach, und für diejenigen, die mit dem Auto unterwegs sind: Kassel gibt sich nicht immer allzu fremdenfreundlich. Auf diese Biester muss man sehr aufpassen:


Fabio Mauri (*1926 in Rom).


… it is. Von Kassel und meiner Sommerreise. Der Sommer ist noch nicht vorbei, ein Monat steht mir in Norddeutschland weiterhin offen. Gerade blicke ich auf Wasser und Wald und Himmel und spring mal kurz hinein. Auf bald.

Tags für diesen Beitrag 这本文章的标记: Ausstellung 展览, Gegenwart 当代, Videografie 视频, Multimedia 多媒体, Reise 专程, Häufig gelesen 频看

... link (1 Kommentar)   ... comment


Dienstag, 12. Juni 2012
Sammlung Sigg geht also nun nach Hongkong
Von Samuel Herzog s. NZZ – vielen Dank an Katharina für die Weiterleitung.

Tags für diesen Beitrag 这本文章的标记: Ausstellung 展览, Gegenwart 当代

... link (0 Kommentare)   ... comment


Sonntag, 13. Mai 2012
Ein Samstag im CCD
Zunächst zur Ausstellungseröffnung von Yang Fudong (杨福东) bin ich am gestrigen Samstag, den 12. Mai 2012, und war sehr angetan von seinen beiden Screenings in der Galerie ShanghART BJ im Caochangdi (CCD). Jeweils in separatem, jeweils großzügigem Raum gab es zum einen den Titel "Close to the Sea" (靠近海, 2004), dann über Umwege mit mich nicht allzu beeindruckenden Fotografien Yangs und über eine schon bessere Verköstigung ging es zum anderen Titel, "The Revival of the Snake" (等待蛇的苏醒, 2005), dort im Vorraum mit angenehm leichten, hier- und dorthin schweifenden Textausschnitten zu seinem Verständnis eines Intellektuellen und warum Filme und was sie so sollen oder ev. können. Sich gleiten lassen auf dem Weg, was sie vielleicht aussagen und für Ideen mit sich tragen mögen.

Die einzelnen Filmsequenzen aus B-Material mit verschiedenen Perspektiven bestrahlen auf acht, neun Leinwänden die Außenwände des Raumes und tragen das Hauptgeschehen der von beiden Seiten in der Mitte des Raumes bespielten Leinwand. Besser als "The Revival of the Snake", bei dem es um einen desertierenden Soldaten auf der Flucht geht, fande ich das sehr das Gefühl ansprechende "Close to the Sea" mit seiner Meerszene in der Mitte und den Musikern außen. Hier ein Bild davon:



Gegenüber bei Alexander Ochs gab es mal wieder gleich drei Künstler, die eröffnet wurden. Hier Wang Shugang (王书刚) mit dem Sinnspruch "Nur in einem Land, dass du dir nicht denken kannst, gibt es etwas, dass du nicht tun kannst", oder so ähnlich, hoch an der Wand über seinen Figuren, eins auf einem Grasschlammpferd (Kulturgut berichtete, increep-Link ist leider nicht mehr gültig). Eher Gähn.



Und dann das Bonbon zum Schluss: Die Ausstellungseröffnung von Qiu Shihua (邱世华) in der Galerie Urs Meile (2010 hatte ich schon einmal ein Bild von Qiu in "Auf Kunstreise in BJ" gepostet, das ich damals in Meiles Galeriegemächern bewundern durfte). Auf Fotos kommt die subtile Landschaft, die sich beim tatsächlichen Gegenübertreten von Qius Bildern erst nach einem Moment auf den hellen Leinwänden erschließt, besser heraus, aber das ist natürlich nichts im Vergleich dazu, sie in echt dort hängen zu sehen. Bis zum 8. Juli 2012 läuft die Ausstellung und sei jedem ans Herz gelegt. Hier ein Bergsee:



Hinten in der Ecke kurz vor der Toilette hing noch eine marmorn aus der Wand stoßende Landschaft von Not Vital herum, die ich auch toll finde:



Tags für diesen Beitrag 这本文章的标记: Ausstellung 展览, Beijing 北京, Künstler 艺术家, Gegenwart 当代

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 9. Mai 2012
Yang Fudong 杨福东 @ShanghART BJ


Zurück zur Kunst: Am Samstag, 12.5.2012, 17–19 Uhr ist die Eröffnung von Yang Fudongs "Close to the Sea · The Revival of the Snake" in der ShanghART BJ.

Für ein Gespräch zwischen Yang Fudong und Li Zhenhua 李振华, s. bjartlab.

Tags für diesen Beitrag 这本文章的标记: Ankündigung 通知, Beijing 北京, Künstler 艺术家, Gegenwart 当代

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 6. März 2012
"Nothing is Everything 皆是虚妄" by Li Zhenhua 李振华


"Life is a reflection or a flash of light in the universe, and to live is something everyone has to go through to understand the universe. But it’s a long way from understanding the Self, which depends on culture context, history, technology, economy, and emotion. The Self is an on-going architectural project from inside to outside, till the end. The Architects are other Selves, many other reflections and flashes of light in the universe. This is the universe, and I am one of them, transforming, building and passing on information or knowledge, till the end, transforming again. Everything will become nothing, meaningless; but from this meaninglessness, emptiness, from that will come the universe." (Quote)

Now running until 31st of March in Lausanne, Switzerland at Galerie Lucy Mackintosh, for pictures view bjartlab's Flickr stream.

Tags für diesen Beitrag 这本文章的标记: Ankündigung 通知, Ausstellung 展览

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 7. Dezember 2011
Yang Yongliang in Basel
Unter dem Titel "Alte Landschaften Neu: Das Traditionelle in der heutigen Zeit" präsentiert die Baseler Galerie Jan Kossen Yang Yongliangs Serie "The Peach Colony".

Die Eröffnung findet am kommenden Sonntag, den 11.12.2011 statt, die Ausstellung geht bis zum 22.1.2012.

Tags für diesen Beitrag 这本文章的标记: Ankündigung 通知, Ausstellung 展览

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 4. Oktober 2011
Artikel zur Ausstellung von Yves Netzhammer in Shanghai
Gerne würde ich irgendwann einmal meine Publikationen auf der einen Seite mit den finalen Versionen und diesen gegenüberstehend auf der anderen Seite mit den Vorabversionen inkl. Kommentarstrukturen veröffentlichen. Die Fragen, die im Prozess einer Publikation auftreten, scheinen mir äußerst spannend für das dt.-cn. Verständnis, Unverständnis und Missverständnis. Das aber nur am Rande, hier Referenz und Text, s. auch den Post vom 2.5.2011:


Stefanie Thiedig: Der Versuch, eine Universalsprache zu finden. In: Passagen, Nr. 56 (September 2011), Ortszeit: Shanghai. Zürich: Pro Helvetia. Auf Deutsch, English und Français bei Pro Helvetia.


Der Versuch, eine Universalsprache zu finden

Die Ausstellungsreihe Action and Video – CH/CN Art Now in Shanghai zeigt Videokunst aus der Schweiz und China und bietet den Kunstschaffenden beider Länder eine Plattform für den Dialog.

Von Stefanie Thiedig, Shanghai – Performance und Video, Form und Medium – das sind grosse Begriffe, um die es in der von April bis Dezember 2011 dauernden Ausstellungsreihe Action and Video – CH/CN Art Now in Shanghai geht. Auf der einen Seite stehen das Minsheng Art Museum und die dort ausstellenden chinesischen Künstler, auf der anderen Seite die von Pro Helvetia Shanghai eingeladenen Schweizer Kunstschaffenden, und dazwischen Li Zhenhua, der in Zürich und Beijing lebende Kurator und das Bindeglied der ganzen Show. Dazwischen steht aber auch die interkulturelle Verständigungsarbeit, die auf beiden Seiten viel Geduld erfordert und die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen.


Kunststudenten aus Shanghai stellen die Werke unter Anleitung der Künstler fertig (Foto von Jin Jingyi 金静仪).

Kontraste und Parallelen

Retrospektiven chinesischer Gegenwartskunst haben seit Sommer 2010 in China Hochkonjunktur. Diesen September zeigte das Minsheng Art Museum einen grossen Überblick chinesischer Videokunst. Dem aktuellen Thema haben sich das neue Pro-Helvetia-Büro in Shanghai und der Kurator Li Zhenhua angeschlossen. Das Projekt Action and Video – CH/CN Art Now will mit der Gegenüberstellung zeitgenössischer Videokunst aus der Schweiz und China Kontraste und Parallelen aufzeigen und den Kunstschaffenden beider Länder eine Plattform für den Dialog bieten. Dabei treffen die Schweizer Künstler Yves Netzhammer, Bernd Schurer, Roman Signer, Yan Duyvendak und Marc Lee sowie der Kunsthistoriker Beat Wyss auf die chinesischen Künstler Liu Wei, Lu Jie, Aaajiao, Zhang Peili und Lu Chunsheng. Eröffnet wurde die Ausstellungsreihe am 19. April unter Anwesenheit des Schweizer Bundesrats Didier Burkhalter. Die erste Schau galt Yves Netzhammer in Begleitung des Computerkünstlers und Visual Artist Bernd Schurer – der ursprüngliche Titel Die Anordnungsweise zweier Gegenteile bei der Erzeugung ihres Berührungsmaximums wurde auf Englisch kurzerhand mit Nature Fear Entity übersetzt.

Schmetterlingseffekt

Die Ausstellungsreihe soll nicht als klassisches Anschauungsobjekt, sondern als Kommunikationsmittel dienen, mit dem der künstlerische Schaffensprozess im Entstehen greifbar wird. Deshalb haben die Projektverantwortlichen auch das Minsheng Art Museum und zahlreiche Shanghaier Kunststudenten mit eingebunden. Nachdem die ersten Wandzeichnungen gemalt, Rauminstallationen angebracht, Videos integriert und Klänge synchronisiert sind, und damit das Grundgerüst steht, wird die Ausstellung unter Anleitung der Künstler zusammen mit den Studenten fertiggestellt. Noch immer geht es in chinesischen Kunstschulen primär um Methoden und Produktionsvorgänge – das chinesische Bildungssystem lässt nicht viel anderes zu –, doch gerade auch über formale Aspekte können die Standpunkte der Künstler in der Gegenwartskunst erkannt werden. Li Zhenhua äussert mit Blick auf den an chinesischen Schulen vorherrschendem Drill: «Mit unserem Ansatz kann natürlich nicht das chinesische System verändert werden, aber wer weiss, vielleicht entsteht ein Schmetterlingseffekt.» Begleitende Workshops, Vorträge, Besuche von Schulen und Institutionen sollen dazu beitragen.

Lernen müssen auch die beiden Kulturen miteinander: «Obwohl ich schon eine ganze Weile mit Schweizer Künstlern zusammenarbeite, befinde ich mich in einem gewaltigen Lernprozess, was die unterschiedliche Arbeitsweise chinesischer und Schweizer Künstler angeht», so Li Zhenhua. Das chinesische mantrahaft verwendete «Manman lai» («immer mit der Ruhe») zielt ins Herz kultureller Missverständnisse, und Europäer können es oft nur schwer nachvollziehen. Dies auch deshalb, weil in China dann gleichzeitig vieles sehr schnell geplant und umgesetzt wird – man verständigte sich deshalb für die Ausstellungsreihe darauf, Work in Progress zu leisten.


In Szene gesetzte Sinneserfahrung: Yves Netzhammer bei der Arbeit (Foto von Jin Jingyi 金静仪).

Neues Pro-Helvetia-Büro in Shanghai

Da Netzhammers Werke nicht einfach und auf den ersten Blick verständlich sind, sind die Studenten mit Kommentaren sehr vorsichtig und nähern sich häufig über die Tierfiguren seinen Themen an. «Als Elemente ohne Kodierung und Bewertung sind Tiere ideale Emotionsträger und bieten Raum für Assoziationen», so Netzhammer. Die Beschäftigung mit Individuum, Kultur und Natur wirft bei Netzhammer existenzielle Fragen auf: Der Oberfläche ist nicht mehr zu trauen – sie öffnet den Blick für den psychologischen Raum darunter: auf unsere Ängste vor dem Ausbruch aus Konventionen, auf die Labilität unserer Weltsicht. Nicht alles ist für jeden lesbar, doch die in den Szenen dargestellten Sinneserfahrungen sind von einer starken und umfassenden Ausdruckskraft, die den Beteiligten beider Kulturen die Möglichkeit gibt, sich in einer Art Universalsprache zu finden.

Darauf hofft auch das neue, im Oktober 2010 offiziell eröffnete Liaison Office von Pro Helvetia in Shanghai. Seit 2008 wurden mit gegen siebzig künstlerischen Projekten Erfahrungen für einen Kulturaustausch zwischen China und der Schweiz gesammelt. Das Büro beschäftigt drei lokale Mitarbeiterinnen: Die Leiterin Sylvia Xu wird unterstützt von Cathy Fu in Shanghai und Eliza Wang in Beijing, die Pro Helvetia Shanghai mit der Hauptstadt verbindet. «Wir sind ein kleines und damit äusserst flexibles Büro, und die Strukturen sind nicht so hierarchisch wie in vielen anderen Ländervertretungen», so Xu. Der inhaltliche Schwerpunkt wird jedes Jahr neu gesetzt: Dieses Jahr ist es die Videokunst, im folgenden Jahr wird es Design und Architektur sein. Künstler werden allerdings selten direkt gefördert, stattdessen arbeitet Xu hauptsächlich mit chinesischen Institutionen zusammen, die einzelne Projekte finanziell und mit ihren Netzwerken unterstützen. Das Minsheng Art Museum, Partner des aktuellen Projekts, leistet diesbezüglich Pionierarbeit, denn es ist in China das erste und bislang einzige gänzlich von einer Bank finanzierte Museum für chinesische Gegenwartskunst. «Mittlerweile planen auch andere Banken die Gründung von Museen», so der Direktor Zhou Tiehai. «Das ist Neuland für uns in China – momentan beschäftigen wir uns noch mit fundamentalen Prozessen der Museumsarbeit und dem Aufbau von Sammlungen.»

Informationen über die aktuellen Ausstellungen und Anlässe zu Action and Video finden sich unter Pro Helvetia China.

Stefanie Thiedig (*1980) arbeitet als freiberufliche Kulturvermittlerin unter dem Namen Kulturgut in Beijing. Im September 2010 hat sie zusammen mit Katharina Schneider-Roos das Kompendium Chinas Kulturszene ab 2000 über die chinesische Kunstszene der Nullerjahre im Christoph Merian Verlag herausgegeben.

Tags für diesen Beitrag 这本文章的标记: Text 文字, Künstler 艺术家, Gegenwart 当代, Ausstellung 展览, Multimedia 多媒体, Häufig gelesen 频看

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 1. Juni 2011
"The Return of the Losers"

Photo by Uppdrag Granskning, SVT.

"The Return of the Losers is based on economic calculations that show that the young people who grew up in the Nordic countries in the 1990s and 2000s will in general have a lower standard of living than their parents' generation. A change like that will likely force a reformulation of the Nordic welfare state. Many believe that transformation is already underway, with Sweden having lost is position at the head of the pack of welfare societies. The rest of the world seems already to have lost faith in the Nordic model as a sustainable and successful role model for welfare in the globalized world. The struggle for survival is going to be tough for many Nordic regions, cities, and individuals. The issue couldn't be more relevant, especially for the Kalmar region, with its diminishing and ageing population.

The participating artists are themselves members of the lost generation, but they have in common the fact that they don't see themselves as victims. On the contrary, they create instead their own conditions for survival in a global world. In this way, the artists contribute with their actions to the reformulation of the Nordic welfare state. In their work, the artists capture the younger generation's attitude toward the Nordic welfare state's changes in the wake of globalization-and toward its future.

The exhibition is also intended to reflect on the position of art and the artist in a time of social change and development. What is possible? Several of the participating artists have been perceived by the surrounding community as provocative. Could that be because they make their own way, refusing to resign themselves to fate? Perhaps it's precisely because these artists have touched on and questioned the foundations of the welfare society, the basis for many debates in the art world in Sweden in recent years."

7th of May until 4th of September 2011 at Kalmar Konstmuseum in Kalmar, Sweden (if you happen to be there).

Tags für diesen Beitrag 这本文章的标记: Ankündigung 通知, Ausstellung 展览, Gegenwart 当代

... link (0 Kommentare)   ... comment


Samstag, 14. Mai 2011
Aktuelle Ausstellungen im 798
Affordable Art Beijing am 14.–15. Mai.


Neben viel Pop und Schrott hier drei ganz interessante Exponate zum Einblick:


Ding Yi (丁乙), 2008 für erstaunliche 2.700 RMB.


Zhang Yiwei (张义旺), 2008, 20.000 RMB.


Zhang Ye (张晔), 2006, 1.400 RMB.

Im Zuge der Auktion im 798 weilend, waren wir noch ein wenig (ich tatsächlich seit einer Weile nicht mehr) in den Galerien unterwegs; hier meine Auswahl sehenswerter Ausstellungen:

Galleria Continua präsentiert Kendell Geers: Fin de Partie. Bis 26. Juni 2011.



Galerie Paris Beijing: New Photography in Korea II. Bis 8. Juni 2011.


Won Seoung Won: Tomorrow. The Story of Jongrogu Sangbackri. 2010.

Weiterhin wird viel und musterhaft aufgetragen, empfehlenswert finde ich:

Beijing Commune: Wang Guangle (王光乐). Bis zum 22. Mai 2011.





Space Station (nahe Long March Space): Xie Molin (谢墨凛). Bis 20. Juni 2011.







Tags für diesen Beitrag 这本文章的标记: Ausstellung 展览, Beijing 北京, Gegenwart 当代, Fotografie 摄影

... link (0 Kommentare)   ... comment