Donnerstag, 21. September 2017
„A Panorama of Rivers and Mountains 千里江山图“

Wang Ximeng 王希孟: Panorama of Rivers and Mountains 千里江山图. 1113, Detail.

Wang Ximeng 王希孟 (1096–1119) war gerade einmal 18 Jahre alt, als er 1113 sein „Panorama of Rivers and Mountains 千里江山图“ (so die aktuelle Übersetzung vom Palace Museum, auch bekannt unter „A Thousand Li of Rivers and Mountains“) schuf. Als Hofmaler der Nördlichen Song-Dynastie (960–1127) soll er von Kaiser Huizong persönlich ausgebildet worden sein, diese Rolle gilt als sein Abschlusswerk an der Kaiserlichen Akademie, viel mehr ist nicht von ihm bekannt.

Mit knapp 12 Metern Länge (51,1x1191,5cm) ist Wangs Rolle eine der längsten, sie gilt als eines der besten Werke der chinesischen Kunst. Besonders beeindruckend ist ihr Zustand nach 900 Jahren, die Leuchtkraft der blauen und grünen Pigmentfarbe. Wer kam, erstmals während der Sui (581–618), bekannter noch aber während der Tang (618–907) aus Dunhuang, eigentlich auf die grandiose Idee, Berge in diese Farbpalette zu tauchen? Es sind die zahllosen Details aus Alltagsszenen, die sich wie in einem Film langsam auf dem Weg vorbei vor einem ausrollen, die Ebenen und Täler, Gipfel und Wipfel, die Seen und Flüsse, die Häuser und Boote mit Menschen und Tieren.

Die Seidenrolle aus der Sammlung des Palastmuseums wird erst das zweite Mal in seiner Gesamtheit der Öffentlichkeit präsentiert, zunächst in den 1950ern und nun erneut. Entsprechend groß ist der Publikumsandrang. Entspannte Betrachtung fühlt sich anders an, durch Absperrungen geht es im Schritttempo am Glaskasten entlang, wobei man durchgehend von zehn Aufpassern teilweise gar angeschrieen wird weiterzugehen. An einem Dienstag oder Mittwoch sollte es ruhiger sein.



Ein Glaskasten in Dunkelheit bei schräger Ansicht bietet keine optimalen Fotobedingungen. Wer in Beijing ist, gehe bitte unbedingt selbst hin. Hier Details:
















Im hinteren Teil der Ausstellung finden sich diese Werke aus der blaugrünen Traditionslinie:


Fang Cong 方琮: Reproduction of „A Panorama of Rivers and Mountains“, Scroll 仿王希孟千里江山图卷. Qing-Dynastie (1644–1911), Detail.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.


Shen Shichong 沈士充: Peach Blossom Land, Srcoll 桃源图卷. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.


Hou Maogong 侯懋功: Qiong Lai, Scroll 邛崃图卷. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Ebd., Detail.


In den Yanchi Türmen (Flügel der Wildgänse), also den Ost- und Westflügeln des Wumen Tores und Wang Ximengs Panorama in der Mitte umschließend, sind die blaugrünen Landschaftsmalereien aus den Zeiten davor und bis in die Gegenwart ausgestellt. Hier wird man nicht so weitergeschubst, dennoch aus dem die Werke schützenden Dunkel hinter Glas die folgende Auswahl.

Zunächst aber als Erinnerung, warum der Gang zu diesen Ausstellungen so sehr zu empfehlen ist: Jeder in China kennt die millionenfach nachgemachten, großteils bis ins Kitschige übertriebenen Landschaftsbilder traditioneller chinesischer Malerei. Auf Schals und Tassen, auf unzähligen Souvenirs sind sie bis zum Überdruss vorhanden zu finden. Doch selbst auf der Suche nach ihren Originalen, bekommt man sie nur selten zu sehen, schon gar nicht in diesem Umfang. Hier nun hängen sie, und wenn man es zuvor noch nicht wusste, versteht man in ihrem Angesicht die Ehrfurcht vor den alten Meistern, und warum sie bis heute rauf und runter kopiert werden.

Im Westflügel beginnt die Geschichte mit dem ersten bekannten Werk blaugrüner Landschaftsmalerei, geläufig unter dem Namen „Lotus Sutra 大般涅槃经“, aus Dunhuang und hier als von der Grottenwand replizierten Fotografie:


Unknown artist 佚名: Conversion of Five Hundred Bandits 五百强盗成佛图壁画. Southern wall of the main chamber of cave 285, Mogao Grottoes, Dunhuang, Fotografie. Western Wei (535–556), Detail.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.

Darauf und in seiner Tradition folgt ebenfalls aus Dunhuang:


Unknown artist 佚名: Illustration of a Section of the „Phantom City Legend“ from the Lotus Sutra 经变壁画(樊兴刚临). Southern wall of the cave 103, Mogao Grottoes, Dunhuang, Reproduction by Fan Xinggang. High Tang (Tang: 618–907), Detail.

Nach den aus dem Mittleren Osten dringenden, deutlich erkennbaren, für mich als Laien leider nicht einzuordnenden Einflüssen über die Seidenstraße hinweg bis zu ihrem Endpunkt der vom Reich der Tang-Dynastie ausgelagerten, besetzten Stadt Dunhuang, bietet die Ausstellung im weiteren Verlauf der Sehgewohnheit chinesischer Landschaftsmalerei entsprechende Werke.


Zhan Ziqian 展子虔: Springtime Jaunt, Scroll 游春图卷. Sui-Dynastie (581–618), Detail.

Das folgende Werk mit gut 1,60 Metern Breite ist für mich fotografisch nicht festzuhalten gewesen, online etwa hier zu finden. Es besteht zum Großteils aus leerer Fläche, das muss man erst einmal hinbekommen, ohne in Nichtigkeit abzurutschen – ich vermag es nicht annähernd in Ablichtung, man möge diese Fotos wie alle hier bitte unter dokumentarischen Aspekten verstehen:


Wang Shen 王诜: Rows of Mountains Overlooking Misty River, Scroll 烟江叠嶂图卷. Northern Song (960–1127), Detail links.


Ebd., Detail Mitte mit zwei hauchfein angedeuteten Schifferbooten.


Ebd., Detail rechte untere Ecke.


Zhao Bosu 赵伯骕: Golden Towers in a Forest of Pines, Scroll 万松金阙图卷. Southern Song (1127–1279), Detail.


Ebd., Detail.


Unknown artist 佚名: Chess Players Awaiting Reunion in the Mountains, Hanging Scroll 山弈候约图轴. Liao-Dynastie (916–1125), Detail.


Ebd., Detail.

Im Übergang zur anderen Seite dieser Halle an ihrem Ende ein Werk der Gegenwart. Nicht schlecht, wenn auch eine Behauptung gegenüber den alten Meistern kaum zu schultern ist:


Zeng Fanzhi 曾梵志: Untitled, In Search of Plum Through Snowscape I–II 无题/踏雪寻梅之一和二. 2009, Detail.


Qian Yuan 钱选: Dwelling in the Floating Jade Mountain, Scroll 浮玉山居图卷. Yuan-Dynastie (1271–1368), Detail.


Ebd., Detail.


Shen Zhou 沈周: Birthday Wishes From Nanshan Mountain, Scroll 南山祝语图卷. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Sheng Mao: Fisherman and Woddcutter in Conversation, Painting 渔樵问答图页. Yuan-Dynastie (1271–1368).


Wen Zhengming 文徵明: East Garden, Scroll 东园图卷. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Ebd., Detail.


Wen Jia, Wen Boren, Lu Zhi and Chen Daofu 文嘉、文伯仁、陆治、陈道复: Birthday Gift For Master Yuan Attended By the Wu School Painters, an Album featuring outstanding Poetry, Calligraphy and Painting 吴门诸家寿袁方斋三绝册. Ming-Dynastie (1368–1644).


Ebd.


Ebd.


Ebd.


Ebd.


Ebd.


Wen Jia, Zhu Lang, Wang Guxiang, Qian Gu, Lu Zhi and Lu Shidao 文嘉、朱朗、王榖祥、钱榖、陆治、陆师道: Wu School Painters, Album 吴门诸家图册. Ming-Dynastie (1368–1644).


Ebd.


Ebd.


Aus dem Ostflügel diese Auswahl:


Shen Shichong 沈士充: Shanshui, Album 山水图册. Ming-Dynastie (1368–1644).


Ebd.


Ebd.


Lan Ying 蓝瑛: Enlightening Scenery, Album 澄观图册. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Ebd., Detail.


Liu Du 刘度: Ten Views of West Lake, Album 西湖十景图册. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.


Liu Du 刘度: Mirage, Scroll 海市图卷. Ming-Dynastie (1368–1644), Detail.


Ebd., Detail.


Wang Shimin 王时敏: Paintings Conceived on the Basis of Du Fu’s Poems, Album 杜甫诗意图册. Qing-Dynastie (1644–1911), Detail.


Wang Jian 王鉴: Imitations of the Ancient Shanshui Paintings, Album 仿古山水图册. Qing-Dynastie (1644–1911).


Ebd.


Ebd., Detail.


Ebd., Detail.


Wang Yuanqi 王原祁: Lu Hong’s Ten Views of Thatched Huts, Album 卢鸿草堂十志图册. Qing-Dynastie (1644–1911).


Ebd.


Hongren 弘仁: Huangshan Mountain, Album 黄山图册. Qing-Dynastie (1644–1911).


Ebd.


Mei Chong 梅翀: Twelve Scenes from Huangshan Mountain, Album 黄山十二景图册. Qing-Dynastie (1644–1911).


Tang Dai 唐岱: The Depict of Emperor Qianlong’s Poetic of „Leisurely Chant in Garden“, Album 小园闲咏图册. Qing-Dynastie (1644–1911).


Ebd., Detail.

Soweit die rechte Seite dieser Halle, im Durchgang zur linken ist, wie auch im Westflügel, ein Werk aus der Gegenwart ausgestellt. Hier allerdings wurde es, wie ich finde, doch etwas unverschämt – nicht das Werk an sich, aber es hier zu platzieren. Deshalb je nach Verständnis also entweder der Vollständigkeit halber (Kaugummiargument, andere habe ich ebenfalls ausgelassen, eher, auch wenn man es unter kuratorischer Absicht als gewollten Bruch verstehen könnte, den ich dennoch als daneben gegangen empfinde, also mit aufgenommen eher) oder um den Stinkefinger zurückzugeben:


Xu Bing 徐冰 : Background Story – Salute to Traditions 背后的故事——向传统致敬. 2014.

Jetzt wieder grandios weiter, nun für die folgende Reihe endlich auch nicht mehr schräg, sondern mit Objektiv an Scheibe, bis knapp zwei Meter hoch und also Ausschnitte:


Yuan Jiang 袁江: Shanshui Paintings on Folding Screen 山水屏. Qing-Dynastie (1644–1911), Detail 1.


Ebd., Detail 2.


Ebd., nächster Schirm, Detail 1.


Ebd., Detail 2.


Ebd., nächster Schirm, Detail 1.


Ebd., Detail 2.


Ebd., nächster Schirm, Detail 1.


Ebd., Detail 2.

Hier wie oben schon auf Goldplatte:


Ren Xiong 任熊: Ten Paintings of Multitudes, Album 十万图册. Qing-Dynastie (1644–1911).


Huang Binhong 黄宾虹: Shanshui Featuring Calligraphy and Painting, Album 山水书画合册. Modern Era (after 1840), Detail. Siehe auch Huang Binhong 黄宾虹 (1865–1955).


Qi Baishi 齐白石: Shanshui, Hanging Scroll 山水图轴. Modern Era (after 1840), Detail.


Wu Hufan 吴湖帆: The Five Olds Peak of Lushan Mountain, Hanging Scroll 庐山东南老峰图轴. Modern Era (after 1840), Detail.


The Palace Museum: „A Panorama of Rivers and Mountains: Blue-green Landscape Paintings from across Chinese History“
故宫博物馆:《千里江山——历代青绿山水画特展》


15. September bis 30. Oktober 2017, bis 14. Dezember 2017 die Begleitausstellungen in den Seitenflügeln
Meridian Gate Gallery, das Haupttor am Einlass zur Verbotenen Stadt
午门展厅,午门正殿及东西雁翅楼

The Palace Museum
Ticket: 60 RMB
Einlass ab 8:30 Uhr bis 15:40 Uhr, geöffnet bis 17 Uhr, Montags geschlossen (Verbotene Stadt geöffnet), Besuch an einem Wochentag empfohlen

Update: Nach dem Eröffnungstag werden täglich nur bis zu 2.400 Besucher zur Ausstellung des „Panoramas“ mit einem Verteilsystem nach Nummern ins Wumen eingelassen, bis spätestens mittags ist diese Besucherzahl erreicht. Die Seitenflügel sind weiterhin zugänglich.

Wer zu schnell am Glaskasten vorbeigescheucht wird oder es aus sonstigen, wirklich unentschuldbaren Gründen für alle, die vor Ort sind, nicht schafft, kann sich Ausschnitte und vor allem das gesamte Panorama hier ansehen.

Auf dieser Website des Palastmuseums für Kinder findet sich weiter unten eine gute Karte zur Übersicht von der gesamten Verbotenen Stadt.


Als wäre diese Ausstellung alleine noch nicht genug, gibt es außerdem:


The Palace Museum: „Paintings and Calligraphic Works of Zhao Mengfu“
故宫博物馆:《赵孟頫书画特展》


6. September bis 5. Dezember 2017
Hall of Martial Valor, nach dem Meridian Gate links durch das erste Tor, das Gate of Prosperous Harmony, dann rechts über die drei Steinbrücken
武英殿




In „Paintings and Calligraphic Works of Zhao Mengfu“ sind über 100 seiner Werke, seiner Einflüsse und seines Einflusses von der Tang- bis zur Qing-Dynastie ausgestellt, aus der Sammlung des Palastmuseums, des Shanghai Museums und anderen.

Zhao Mengfu (1254–1322) aus der Song- und Yuan-Dynastie, war ein Meister in Landschaftsmalerei, ein Virtuose für Figuren, Blumen und Vögel, Pferde, Bambus und Steine, in jeglichen Kalligrafiestilen.


O. A., sorry, eigentlich nur aufgenommen, um es bei Gelegenheit als Grußkarte per Mail zu verschicken.


Zhao Mengfu, Guan Daosheng and Zhao Yong 赵孟頫、管道昇、赵雍: Ink Bamboo by the Zhao Family 赵氏一门墨竹图卷. Yuan-Dynastie (1271–1368), Detail ohne Kalligrafie.


O. A., etwa: Die Sonne bricht unmittelbar nach einem Schneefall durch; (Nachtrag mit Dank an Laozhu:) 快雪时晴. Detail.


Zhao Mengfu 赵孟頫: Watering Horses in Autumn Suburbs 秋郊饮马图卷. Yuan-Dynastie (1271–1368), Detail.


Zhao Mengfu 赵孟頫: Beautiful Rocks and Sparse Woods 秀石疏林图卷. Yuan-Dynastie (1271–1368), Detail.


Ni Zan 倪瓒 (1301–1374): Old Tree and Secluded Bamboo 古木幽篁图轴. Yuan-Dynastie (1271–1368), Detail.

Dem Museumsteam der Verbotenen Stadt muss man ehrfürchtig seinen Respekt aussprechen. Entgegen den sonst, wenn auch besser werdenden, aber weiterhin allerorts präsentierten ramschigen Hängungen, sind hier neben einem ordentlichen Budget Expertise, Emphase und handwerkliches Können unübersehbar. Es würde mich nicht wundern, wenn im Palastmuseum die besten Fachkräfte des Landes tätig sind.




Viel zu selten bin ich in der Verbotenen Stadt, schicke meine Gäste frevelhafterweise meist selbst hin, wenn auch nicht weniger verpflichtend. Dabei würde ich nach diesem letzten Besuch am liebsten direkt eines der hinteren Gemächer beziehen, zumindest aber morgen wieder vorbeischauen.











Wer sich erst kurz nach 17 Uhr rausschmeißen lässt, erlebt die Stadt im seltenen, bereits von Touristen geräumten Blick.




Als Schwenk in die Gegenwart entdeckte ich dann für meine Freunde von Audi auf dem Rückweg durch die Hutongs einen Hausanschluss für das eigene Elektrofahrzeug, kann man machen:




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