Freitag, 26. Dezember 2025
Inside Propaganda: Konfuzius-Institut
Mit Beispiel: Nanjing im Spätsommer 2025
Mit Beispiel: Nanjing im Spätsommer 2025
youjia, 14:42h
Bisher habe ich vermehrt von außen über chinesische Propaganda geschrieben. Einen direkten Einblick erhielt ich ein Jahr lang 2025 als Redakteurin der deutschen Seite des bilingualen Magazins vom Konfuzius-Institut Leipzig. Abgesehen davon, dass ich ein mich finanziell unterstützendes Projekt brauchte – und außerdem das Leipziger Team wirklich sehr nett ist –, habe ich die Teilnahme an dieser Arbeit mir gegenüber durch die Innensicht in die chinesische Propagandamaschinerie gerechtfertigt. Jede·r geht immerzu Kompromisse ein, dennoch bleibt selbst bei dieser Interessantes versprechenden Begründung ein Nachgeschmack, wenn man sich Unabhängigkeit auf die Fahne schreibt.
Zuvor habe ich gelegentliche Zusammenarbeiten mit Konfuzius-Instituten dann angenommen, wenn sie nur mich persönlich betreffen und keine chinesischen Künstler·innen involvieren. Zwar konnte ich selbst auch aus dem Land geworfen bzw. kann mir inzwischen der Zutritt verweigert werden, ich wollte und will jedoch niemand anderen für weder den jeweiligen Moment noch mögliche Zukünfte vor Ort in China gefährden – schließlich handelt es sich bei den Instituten um außenpolitische Vertretungen der Volksrepublik, die dem Ministerium für Bildung der Zentralregierung unterstellt sind und als Instrument der Softpower verstanden und eingesetzt werden.
Deshalb arbeitete ich dieses Jahr für das Leipziger Magazin auch eher unter dem Radar – ich tauche nicht namentlich als Redakteurin auf, sondern nur im Lektorat, und eigene Beiträge habe ich meist unter Pseudonym geschrieben bzw. laufen die kleinteiligen Empfehlungen, alle möglichen Erläuterungen und die Editorials sowieso ohne Namensnennung. Bevor ich für 2026 wieder ein neues Projekt mit neuen Finanzspritzen benötige, ging es für die einmal im Jahr erscheinende Ortsausgabe des Magazins mit der gesamten fünfköpfigen Leipziger Redaktion nach Nanjing. Die Reise soll unten als weiteres Beispiel dienen und wird um meine eigenen Interessengebiete ergänzt.
In diesem Blogpost möchte ich meine Erfahrungen teilen – wie immer natürlich aus meiner persönlichen Sicht. Ich verzichte auf konkrete Personenangaben, zum einen, weil dieser Text nicht mit den Beteiligten abgesprochen ist; vor allem aber beziehe ich mich entgegen meiner sonstigen Überzeugung auf „die deutsche“ und „die chinesische“ Seite, weil ich von beiden sehr unterschiedliche Positionen wahrgenommen habe. Bei Bedarf sei auf die Impressen verwiesen.
Zunächst gehe ich auf die Struktur der Institute und ihrer Magazine ein und erläutere sie. Es folgen anhand von Beispielen chinesische Sensibilitäten bezüglich Wort und Bild. Zu Anfang meiner Tätigkeit habe ich eine Textdatei mit Skurrilitäten angelegt, der diese Beispiele entstammen. Im Anschluss findet sich die Reise nach Nanjing im Herbst 2025, zu der hier gesprungen werden kann.
Aufgrund der Verzögerungen aus China bei der Nanjing-Ausgabe ist der Stand dieses Blogposts vom: 6.2.2026.

Bildschirmfoto: Alle seit 2014 herausgegebenen Ausgaben des deutschsprachigen Magazins des Konfuzius-Instituts finden sich online auf der Verlagsplattform Issuu, s. hier.
Zur Struktur der Konfuzius-Institute und ihrer Magazine
Für eine erste Einordnung vorab dieser Auszug aus meiner Diss (2022: S. 44, 53f):
„Mit dem 11. Fünfjahresplan der Regierung ([der KPCh,] 2006–2010) wurde ‚Softpower‘ als ‚sanfte Macht‘ eingeführt und die Kulturindustrie offiziell als Wirtschaftszweig hervorgehoben.“
„Außenpolitisch sind für die Umsetzung dieser [der chinesischen] Softpower das Hanban und seine Konfuzius-Institute prominente Vertretungen: Das in der Kurzform als Hanban 汉办 bekannte, 1987 als außenpolitische Kulturinstitution gegründete Büro der Führungsgruppe zur internationalen Verbreitung der chinesischen Sprache der VRCh 中华人民共和国国家汉语国际推广领导小组办公室 untersteht dem Ministerium für Bildung der Zentralregierung.[Fußnote 176] Mit Beginn der Regierungszeit von Hu Jintao 2002 erhielt das Hanban den Auftrag, Sprachförderinstitutionen im Ausland nach dem Vorbild etwa des deutschen Goethe-Instituts oder des spanischen Instituto Cervantes zu errichten. 2004 wurde in Seoul das erste Konfuzius-Institut 孔子学院 eröffnet, 2018 waren in über 150 Ländern über 500 Institute gegründet. Da die Institute dem Hanban unterstehen, müssen Veranstaltungen und Personalauswahl vom Hanban genehmigt sein und also in Übereinstimmung mit den Vorstellungen der Volksrepublik stehen. Dass die Institute inhaltlich Einfluss auf Veranstaltungen ihrer Partneruniversitäten nehmen würden, ist seit Beginn das Hauptbedenken besonders aus dem Westen.“
„[Fußnote 176:] Hanban wurde ab 2020 umbenannt in Center for Language Education and Cooperation (CLEC) 教育部中外语言交流合作中心, kurz: 语言合作中心. […]“
Seither ist die Gemengelage etwas undurchsichtiger: Ab 2020 wurden Aufsicht, Verwaltung und Betrieb von CLEC auf die neugegründete Stiftung namens Chinese International Education Foundation (CIEF) 中国国际中文教育基金会 übertragen. Diese in Beijing ansässige Stiftung bezeichnet sich selbst als „gemeinnützige Organisation“ (慈善组织, s. hier) und ist, wie verpflichtet, als solche registriert beim Ministerium für zivile Angelegenheiten (民政部) der Zentralregierung, das unter anderem für Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zuständig ist. Da NGOs in China im westlichen Verständnis von „Nichtstaatlichkeit“ so gut wie nicht mehr existieren, handelt es sich also um einen der typischen chinesischen Sonderfälle einer „staatlich angegliederten NGO“ (官办非政府组织). Die CIEF fungiert seither als Herausgeberin der Magazine, in den Impressen wird jedoch weiterhin das Ministerium für Bildung als übergeordnete Leitungsinstanz genannt (主管:中华人民共和国教育部;主办:中国国际中文教育基金会).
In dem Bericht der Friedrich-Ebert-Stiftung von Andrea Frenzel: Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur (Juni 2025, S. 27f), heißt es, dass „die [Konfuzius-]Institute seit 2020 unter der Rubrik ‚Politische Einflussnahme‘ in den Verfassungsschutzberichten erwähnt“ würden (mit Dank für den Hinweis an Benjamin).
Im Jahr 2024 feierte das Konfuzius-Institut sein 20jähriges Bestehen seit seiner Gründung, 15 Jahre Magazin sowie 10 Jahre des deutschsprachigen Magazins. Dafür erschien eine Jubiläumsausgabe (5-2024) – aus dieser stammt der Großteil der folgenden, hier teils ergänzten oder erläuterten Selbstangaben (Statistik: S. 6–9):
Bislang wurde die 50:50-Rahmung nicht offiziell revidiert, aber im Laufe dieses einen Jahres änderte sich einiges – was zu regelmäßigem Gesprächsstoff inklusive Überlegungen des Umgangs damit auf Leipziger Seite führte. Einmal hieß es von chinesischer Seite: 50:50 bedeute nicht, wir, also Leipzig, dürften 50% allein entscheiden. Das ist ein valider Punkt, denn man würde sich etwas vormachen, wenn man nicht bedenkt, dass die Schlussentscheidung aus China kommt – zunächst aus Shanghai, aber diese sind ebenfalls nur Mittler und müssen sich im letzten Schritt die Abnahme von der Stiftung aus Beijing einholen. Inzwischen wird von dort nichts mehr einfach nur durchgewinkt, sondern alles genauestens, wirklich Wort für Wort auf KP-Treue geprüft. Zur 50:50er Regelung hieß es ein weiteres Mal aus Shanghai erstaunlich direkt: „Ihr habt keine Macht, unsere Artikel abzusagen, ihr könnt Vorschläge machen.“ Darauf folgte die Ansage, dass in Zukunft weniger Artikel beauftragt werden sollten. Im Endeffekt ist es auch eine Geldfrage, schließlich kostet es weniger, aus dem Pool der anderen zehn Sprachausgaben von bereits veröffentlichen Beiträgen zu schöpfen. Besonders die Ausrichtung auf verschiedene Zielgruppen unterliegt solchen Ansätzen naturgemäß. Doch letztlich scheint es SISU vor allem um die Mehrarbeit zu gehen, die der Redaktion durch den deutschen Sonderweg aufgebürdet wird. Deswegen lautet das Zauberwort zum Verhalten von SISU: yìyán 一言, zentralistisch (wörtlich: ein Wort, yī yán; gemeint ist aber, im Sinne von yìyántáng 一言堂: autoritär); und yìyán 异言, der gleichklingende Einwand, wird nicht gewährt. Dies lässt sich auch geopolitisch als Erhöhung der Eskalationsstufe verstehen: Denn so sieht die harscher werdende Erbarmungslosigkeit unter Xi Jinping aus.
Wenn es zu Gründungsbeginn des Magazins im Jahr 2014 bereits die landesweit normierten Zensurvorgaben offensichtlich unerwünschter Themen gegeben hatte (keine Politik, kein Sex, keine Gewalt – also definitiv ohne Tian’anmen, Tibet, Taiwan usw.), so soll anfangs noch relativ frei agiert worden sein können. Das kann ich für die Kunstszene bestätigen, aber was einst schon nicht mehr lange anhielt, wird nun noch einmal strikter angewendet.
Doch auch heute bleibt die Willkür als Instrument der Verunsicherung der beste Pfeiler von Zensur: „Ob mit damals gelegentlicher oder jetzt regelmäßiger Kontrolle, so existiert laut inoffiziellen Angaben bis heute kein eindeutiger Regelapparat. Es bleibt und soll damit wohl unklar bleiben, wie weit man tatsächlich gehen kann, und wie geschult die Zensor·innen sind, um subtile Andeutungen zu verstehen. Zur staatlichen Zensur (国家审查) kommt also die Selbstzensur (自我监控), die als ‚Schere im Kopf‘ ein funktionstüchtiges, indirektes Instrument ist.“ „‚[G]uided by ideology and by a belief system‘ (Brown 2018: S. 10), versteht sich die KPCh nicht nur als politische Partei, sie will Identität schaffen, kulturell und moralisch.“ (Erneut aus meiner Diss, 2022: 53.) „Trotz erheblicher Veränderungen gilt die Willkür der Zensur unter Xi Jinping weiterhin, gerade weil sich die Zuständigkeiten in großem Ausmaß zentralisiert haben. Da die Machtbefugnisse enger geworden sind, warten einzelne Entscheidungsträger·innen lieber ab (vgl. Shi und Rudolf 2014: 7). Dazu kommen beinahe jährliche Veränderungen, durch die die Strukturen entsprechend diffuser, ineinander verwobener erscheinen.“ (Ebd.: 57.)
Der Grundgedanke der deutschen Ausgabe dieses Heftes ist ehrenhaft und für sich genommen unbedingt unterstützenswert: Es ging Leipzig wohl einmal darum, einer deutschen Leser·innenschaft mit Chinainteresse die selbstverständlich vorhandenen anderen Facetten dieses großen, diversen Landes vorzustellen – als Gegenentwurf zur sonst häufig angstbehafteten Presse über China seitens der deutschen Medienlandschaft. Um ein hiesiges Publikum anzusprechen, wurde auch das Layout nach Deutschland verlegt. Chinesische Softpower funktioniert in China erschreckend gut und mag laut einer Einzelaussage auch in Lateinamerika gelingen, wirkt hierzulande aber immer verschrobener – das Leipziger Magazin war phasen- und facettenweise der Versuch eines Gegenbeispiels. Allerdings ist die Überlegung nicht abwegig, dass China diese Wirkung inzwischen gleichgültig ist – doch so angebracht das eigene Selbstbewusstsein national und global sein mag, so sehr läuft es der Gefahr der Egozentrik entgegen.
Hinzu kommt ein mondäner chinesischer Schreibstil, der bereits über zahlreiche Dynastien bis heute zelebriert wird und sich in monumentalen Satzstrukturen und kunstvoll konstruierten Lobpreisungen prächtigster Pracht äußert (vgl. die Dissertation von Teng Yuning, 2024: S. 13, noch unveröffentlicht, sowie von Wu Hung, 1996: Monumentality in Early Chinese Art and Architecture). Dabei ging und geht es nicht zwangsläufig um Indoktrination, sondern betrifft wohlmöglich das Phänomen der Andeutung zwischen den Zeilen, steht also im Gegensatz zu dem auf gut Deutsch direkten Kritisieren. Außer Acht gelassen wird dabei von chinesischer Seite, dass Texte, die ausschließlich etwas bejubeln oder detailverliebt übertrieben emphatisch sind, zumindest für eine informierte deutsche Leser·innenschaft zu PR-Texten werden und damit unglaubwürdig.
Ein amüsantes Beispiel erwünschter Sinisierung (der sogenannten Chinamethode 中国式) ist das Editorial zur Ausgabe „Züge“ (2-2025, S. 1), in dem mein Aufhänger von SISU als zu negativ empfunden wurde und mehrere Redaktionsschleifen benötigte, um Kritik an Deutschland bei gleichzeitigem Lob für China zu ermöglichen – dahingestellt, ob das Augenzwinkern hier überhaupt verstanden wurde: „Ein Thema, bei dem man sich in Deutschland ungewöhnlich einig ist, ist die Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn. Mittlerweile hört man aus der Bevölkerung immer einmal wieder die Überlegung, chinesische Ingenieur:innen und Planer:innen einzuladen, um sich den unzähligen Baustellen hierzulande anzunehmen.“
Katharinas Erfahrung aus ihrer Zeit bei China Daily, in Übersetzungen gerade nicht zu sehr in den blumig verklausulierten chinesischen Stil einzugreifen, um ihn als Propaganda kenntlich zu erhalten, finde ich allerdings schlüssig: Dies trumpft den Anspruch einer interkulturellen Übersetzung, also dass ein Text in der neuen Sprache funktionieren soll. Eine sehr parteikonforme Schreibe kann übrigens gut als „Büromief“ bezeichnet werden (der Dank für diese passende Bezeichnung gilt Eva).
Man könnte so schöne Arbeit mit einem deutsch-chinesischsprachigen Magazin über China leisten, mit eben jener tatsächlich interkulturellen Übertragung und im gemeinsamen Austausch. Fürs deutsche Publikum und für die chinesische Diaspora, mit einer deutschen und daneben einer chinesischen Perspektive auf China, in einem Miteinander. Im Austausch von Bildern, Gedanken, Vorstellungen zu allen möglichen Themen – als Kulturaustausch. Die Kosten lägen für einen dem Leipziger Magazin ähnlichen Umfang bei etwa 30 000 Euro pro Jahr: Hat zufällig jemand Interesse?
Die zahlreichen Anfragen an die SISU-Seite, sich in besagten Austausch zu begeben, blieben entweder unbeantwortet oder liefen, wenn Videogespräche von chinesischer Seite gewünscht wurden, ausschließlich auf Ansagen hinaus – und schon ging es direkter zu als erwartet. Dann saß man zwei Damen gegenüber, die zwei Stunden lang auf einen einredeten, was wie auszusehen habe – s. o. zum 50:50, wenn es leider nur darum ging, welche Artikel von SISU hineinmüssen, was von uns hinaus oder anders, es ging nicht ein einziges Mal, und damit zurück zur Indirektheit: Es ging nie konkret um greifbare Parameter.
Mit Beispielen aus dem Alltag:
Sensibilitäten in Wort und Bild
Sensible Worte (敏感词)
SISU: „Löschen Sie alle sensiblen Ausdrücke wie ‚Corona’ innerhalb des Textes. Der Inhalt entspricht nicht den Veröffentlichungsrichtlinien, Autor·innen wird zur Vorsicht geraten.“ (删去行文中有关“疫情”等的敏感词。内容不符合出版政策,请作者谨慎。)
Wenn anfangs noch Bezeichnungen wie „Kulturrevolution“ oder „Corona“ als Zeiteinheiten verwendet werden konnten, etwa in „nach der Kulturrevolution“ oder „vor Corona“, so durfte es schließlich nur mehr „nach 1976“ oder „vor 2020“ heißen. Die Jahreszahl 1989 darf wiederum gar nicht mehr auftauchen, dazu unten ein Beispiel. Und dieser Wandel fand im Laufe des Jahres 2025 statt!
Nebenbei bemerkt wird im medialen und alltäglichen chinesischen Sprachgebrauch für Corona nahezu ausschließlich von „yiqing 疫情“, Epidemie, gesprochen, kaum je von „da liuxing 大流行“, Pandemie. Der eigentliche Fachbegriff für COVID-19 wird selbst in seiner Kurzform „xinguan 新冠“ (von 新型冠状病毒(感染)) nur selten verwendet. Damit hat sich die abgeschwächte Bezeichnung seit 2020 bis heute durchgesetzt, und es ist davon auszugehen, dass dies staatlich gewollt war und entsprechend unterstützt wurde. Das nächste Level kompletter Tilgung verfolgt die Shanghaier Redaktion, möglicherweise in vorauseilendem Gehorsam.
Dass jemand im Gefängnis saß, auch wenn er oder sie unter Deng Xiaoping rehabilitiert wurde: Geht nicht. Dass ethnische Gruppen nostalgisch verklärt dargestellt werden: Geht nur als singularisiert personifizierte „romantische Sehnsucht nach dem einfachen Leben“ (beide 6-2024, veröffentlich im Januar 2025). In einem Songtext wurde in einer übersetzten Zeile, „Warum ich ziellos umherziehe“ (为什么流浪), das „ziellos“ gestrichen; das ist nicht falsch, war es zuvor aber auch nicht, und es hinterlässt bei mir den Eindruck, dass Ziellosigkeit unerwünscht ist.
Weder die Bezeichnung „Darsteller eines Rotgardisten“ war möglich, und eine Änderung in „Revolutionsdarsteller“ erforderlich (6-2024), noch die Nennung des „Weißen Terrors“ in Taiwan (3-2025). In der ersten Korrekturschleife wurde uns zunächst der „Weiße Terror“ gestrichen (geändert in: zu Zeiten großen Aufruhrs), was ich insofern nicht recht verstand, weil „Weißer Terror“ in Taiwan die Gewalt- und Willkürherrschaft der Guomindang unter Chiang Kai-shek beschreibt, also aus kommunistischer Sicht die Konterrevolution; ich vermute: Negativität allgemein unerwünscht. Später brauchten wir uns auch nicht mehr freuen, wenigstens das „in“ Taiwan als Markierung eines eigenes Landes hineingeschleust zu haben statt der Festlandssicht des „auf“ Taiwan als ihm zugehörig, denn der Abschnitt wurde ersatzlos gestrichen. Er sollte in die kurzen Steckbriefe zur Vorstellung verschiedener Videospiele, die ich aus einem Textwust zusammengeschrieben hatte. Da er rausflog, darf er hier hinein:
„Detention 返校“
„The horrors of high school have just begun …“, heißt es auf der offiziellen Website. Das Spiel behandelt die traumatischen Erlebnisse während der politischen Repression zur Zeit des „Weißen Terrors“ in Taiwan. In der Rolle der Schülerin Fang Ruixin (方芮欣) begibt man sich in die stilisierte Horrorversion ihrer Schule, in der Realität und Geisterwelt ineinanderfließen. Mit der dichten Atmosphäre, der unaufdringlichen Erzählweise und dem politischen Subtext wurde „Detention“ international dafür gefeiert, wie Spiele zur Aufarbeitung von Geschichte und persönlichen Erlebnissen beitragen können.
Survival-Horror-Adventure; Entwicklung: Red Candle Games (赤燭股份), Taiwan; Erstveröffentlichung: 2017, Bezahlspiel; detentiongame.com
Das ebenfalls in Taiwan entwickelte Spiel „Reversed Front 逆統戰“ (ganzer Titel: „Reversed Front: Dear Revolutionaries 逆統戰:致地與海的革命者“) schaffte es nicht einmal durch die erste Runde. Es erschien 2020 als Brettspiel, im April 2025 als Videospiel und fabuliert historische Was wäre Wenns.

Bildschirmfoto: Im Heft „Spielen“ erschienen (3-2025, S. 21): „Genshin Impact 原神“, 2020; „Black Myth: Wukong 黑神话:悟空“, 2024; „Honor of Kings 王者荣耀“, 2024; und „Chinese Paladin 7 仙剑奇侠传七“, 2021.
Positiv ist bei diesem Beitrag über die Gamingindustrie in China hervorzuheben, dass gegen SISUs Bedenken, die Tragödie des „Brandes von Lanjisu“ von 2002 und der Wildwuchs Anfang der Nullerjahre würden zu negativ klingen, die Argumente überwogen – dies sei bereits über zwanzig Jahre her, seither habe sich viel getan, mit Schutzmaßnahmen für Jugendliche usw. sei nun seit Jahren alles unter Kontrolle –, und die „Schattenseiten der Gamingkultur“ wurden schwarz auf weiß gedruckt (s. ebd., S. 20).
Gendern: Im Chinesischen wird in der Regel sowohl offiziell, aber auch sonst kaum je gegendert – womit offiziell bestimmt d’accord geht. Nur vereinzelte Gruppen pflegen die Variante, die weiblich, männlich und divers allesamt „ta“ ausgesprochenen Pronomen in Umschrift wiederzugeben (und schreiben: ta; statt: 她, 他 oder 它; auch möglich ist, neutral 它 zu schreiben). Das Schöne am ta ist, dass im Sprechen alle gemeint sein können, da de facto aber generisch männlich gedacht wird, erschwert dies eine Veränderung des Denkens umso mehr. Obwohl die Sprachhoheit des Magazins im Deutschen in Leipzig liegen sollte, war die SISU-Redaktion zunächst strikt gegen meine Einführung des Genderns. Da ich diese Veränderung ebenfalls erst mit Rückkehr 2018 richtig wahrgenommen hatte, war ich milde gestimmt oder habe mich so empfunden und entsprechend sämtliche mir erdenklichen Begründungen geliefert, inklusive der, dass man selbst als Ausländerin in China so einiges aus der Heimat einfach nicht mitbekommt. Nur ganz am Ende, aber immerhin, wurde mir nicht mehr jedes „:innen“ wieder gestrichen, und bereits nach einem Dreivierteljahr schien es zumindest zu den weiblichen Übersetzerinnen in China durchgedrungen. Dazu sei erwähnt, dass ich tatsächlich nur ein einziges Mal mit einer der deutschsprechenden Redakteur·innen in China in unmittelbarem Kontakt stand, ansonsten haben wir nur in den Worddokumenten die sehr höflichen, wenn auch entpersonalisierten, Kommentare der jeweils anderen gelesen; die Kommunikation lief darüber hinaus stets über Bande über die beiden Damen ohne Deutschkenntnisse der SISU-Redationsleitung.
Ein kurzer Schlenker, da wir gerade beim Gendern sind: Gelegentlich hört man von ehrlich bestürzten, meist älteren Herren, dass sie sich bei einer im generischen Femininum gehaltenen Stellenausschreibung ausgeschlossen fühlten oder, häufiger, dass sie sich darüber echauffieren, wenn eine Frau an ihrer statt eine Stelle erhält. Well, willkommen in der ewig währenden Welt der Frauen, in der generisch maskulin der Standard ist. Und damit ist nicht einmal die nächste Runde eröffnet, die in dem kleinen Sternchen, Doppelpunkt oder sonstigen Zeichen steckt, wenn nicht nur die bereits privilegierte weiße Frau mitbenannt wird, sondern auch die queere POC. Wir gendern keine zehn Jahre in etwas breiterem Umfeld und der weiße Mann und seine ihm getreuen Kolleginnen schlagen verzweifelt um sich. Niemand sagt, dass Frauen die besseren Menschen sind (Weidel und Le Pen nur als die offensichtlichsten Pfeifen). Es geht um Gleichstellung, um Existenzberechtigung. Die heutigen sozialen Standards haben sich zumindest schon ein wenig geändert. Aber gerade weil all die Trumps die Bühnen bevölkern, muss man dagegenhalten. Auf die Frage eines Kollegen, ob ich mich nicht gleichbehandelt fühle, wurde meine Gegenfrage nicht beantwortet: Gefühlt gewiss, aber wollen wir unseren Stundensatz vergleichen? Heißt, als Kulturarbeitende muss ich mich manchmal freuen, überhaupt bezahlt zu werden, und verdiene immer schlechter als ein Handwerker oder eine Handwerkerin – Standard im Handwerk: 80 Euro pro Stunde (und ja, auch als Freiberuflerin habe ich Ausgaben). Aber zurück zum Magazin …
Dialektik der Dialekte: Dazu kommt die für die Konfuzius-Institute wichtige Sprachvermittlung mit Beiträgen zum Chinesischlernen und Erfahrungsberichten für Lehrkräfte für Chinesisch als Fremdsprache. Das finde ich nicht nur in Anbetracht der Zielgruppe legitim, sondern prinzipiell auch persönlich interessant. Die Erfahrungsberichte fallen leider meist und, wie mir scheinen will, eher übertrieben emotional aus; die Rubriken zum Chinesischlernen sind immer mal wieder gut, waren aber sehr viel besser, als Verena sie noch geschrieben hat. Spannend wurde es, als wir für die Nanjingausgabe einen Beitrag zur lokalen Mundart vorschlugen: abgelehnt. Ich habe Chines·innen bislang stets ihr fangyan, ihre Dialekte, zelebrierend erlebt (oder über die anderer spottend), doch die offizielle Homogenisierung greift allem Anschein nach auch hier durch. Immerhin warf SISU uns diese kurze Notiz nicht raus (6-2025, S. 33): „Nanjing sagt ‚Hallo‘: Das ‚Du‘ der chinesischen Begrüßung von ‚Hast du schon gegessen?‘ wird in Nanjing ‚Ā‘ ausgesprochen: ‚Ā chīguò la? 阿吃过了?‘“ Dass unser Titel „Spiele“ nicht „玩儿“ (trotz Lexikalisierung), sondern nur „玩“ heißen durfte, finde ich weiterhin in Ordnung, sehe dies nun aber auch unter einem anderen Licht.
Daneben werden Klischees wie Panda gleich China zum Überdruss gern gepflegt. Dass „China“ als Held dargestellt wird, ist ebenfalls oft zu beobachten, so retten ein armer Mann oder eine ganze Gemeinde Tiere und Traditionen, gewinnen sportlich, bauen oder produzieren. Entsprechend gilt dann „dieses im Namen der Liebe durchgeführte Projekt 这场以爱为名的城砖回收项目“ als „strahlendes Beispiel 闪亮品牌“ (6-2025) usw. Weiterhin ist sehr beliebt, Langnasen für China-Lobhuldigungen hinzuzuziehen (Schlagwort: Chinafreund·innen). Nicht bedacht wird, dass sie, wenn so sehr auf die Spitze getrieben, das letzte Fünkchen Glaubwürdigkeit entbehren. Richtig unangenehm wird es aber stets, wenn Stereotypen ethnischer Gruppen gehuldigt wird und „Minderheiten“ (offiziell wird nicht von shaoshu minzu 少数民族 abgewichen, aber spannenderweise wurde einmal „Miao-Minderheit“ in „Miao-Nationalität“, 苗族, geändert, 4-2025, S. 61), wenn diese Gruppen zur Touribespaßung in traditionellen Kostümen tanzend, reitend usw. in Fotoaufnahmen grinsen müssen. Besonders ungemütlich ist mir, dass dies mutmaßlich in Gedankenlosigkeit geschieht oder/und ernstgenommen wird. Das gilt auch für all die vermeintliche Traditionen ausschlachtenden SISU-Beiträge, die nur mehr Werbekampagnen über irgendwelche Spektakel in der Xten Stadt sind, die inzwischen immersiv erlebt werden kann. Christine dazu berechtigterweise: Dann könne man gleich zu Hause bleiben und es sich online anschauen. Im Magazin selbst wirkt zu vieles für mich wie in einer Tourismusbroschüre plus Künstliche Intelligenz. Auch der zugegebenermaßen recht platte Witz, dass KI statt für Konfuzius-Institut für DeepSeek steht, sagt mehr über die eigene Hilflosigkeit aus.
Bei den chinesischen Texten handelt es sich in der Regel um Deskriptionen, die sich häufig in Details verlieren, ohne auf Inhalte einzugehen. Es heißt nicht selten, besondere Orte seien voll „tiefer Bedeutung“ und „einzigartig“, doch wo ihr Sinn liegt, bleibt unerwähnt. Bei all dem chinesischen Selbstbewusstsein finde ich interessant und gähne doch, dass in den SISU-Texten weiterhin häufig angeführte „Beweise“ genannt werden, was man nicht alles schon Tausende von Jahren zuvor erfunden habe. Dagegen kann ich die ständige Komparatistik gegen die dominante Westperspektive noch verstehen, leider hinkt sie zu oft (Chang’e = Diana, Kuafu = Prometheus) und entspricht ebenfalls nicht dem Selbstverständnis einer großartigen Nation. Es gibt so viel wunderbare Komplexität, die ausgeschöpft werden könnte. Ich bin immer dafür, sein Gegenüber als mündig zu begreifen und es nicht nur mit Seichtigkeit zu umspülen.
Ich habe noch viele weitere Beispiele, etwa in Bezug auf Phrasendreschereien. So könnte der inflationär verwendeten Satzkonstruktion von „nicht nur X, sondern auch Y“ durch ein gelegentliches „sowohl … als auch“ die unnötige negative Konnotation genommen werden, vor allem, weil doch alles Happiness rufen soll. Und konsequenterweise soll es außerdem fortan ausschließlich „chinesisch-deutsch 中德“ heißen, China also immer an erster Stelle stehen und damit die Wahrheit in der Hand behalten. Die aktuell großangelegte offizielle chinesische Strategie des wenming hujian 文明互鉴, des gegenseitigen Nutzens kulturellen Wissens (Übersetzung von Eva), meint eigentlich, andere Kulturen von China lernen zu lassen (der Dank für diesen Hinweis gilt Yuning). Es war wirklich ein langes Jahr.

Bildschirmfoto: Magazin des Konfuzius-Instituts, Ausgabe: Mythen (5-2025, S. 8f).
Ein prägnantes Zensurbeispiel liefert ein Beitrag zum Shanhaijing, dem Klassiker der Berge und Meere, im Heft mit dem Schwerpunkt „Mythen“ (5-2025, S. 8–14). Im Abschnitt über das Werk in der Gegenwartskunst (S. 13f) wussten wir natürlich von Anfang an, dass uns die Streichung der Namen von Gao Xingjian und Ai Weiwei bevorstand, wollten uns die Schere aber nicht selbst ansetzen. Es ging um „das Theaterstück ‚Aus dem Buch der Berge und der Meere‘ (山海经传, 1989) von Gao Xingjian 高行健 und die Adaption als Rockmusical unter der Regie von Liang Zhimin 梁志民 (2013)“ sowie um die „Ausstellung von Ai Weiwei 艾未未 mit Figuren aus dem Shanhaijing in Riesengröße, die im Jahr 2016 in Paris, im Kaufhaus Le Bon Marché stattfand“.
Die Kommentare von SISU baten dann um das Entfernen von Verweisen auf „umstrittene Persönlichkeiten“ (争议人物). Nach zahlreichen Korrekturschleifen zwischen Leipzig und Shanghai landeten wir bei diesen Versionen – für die man wissen muss, worum es geht, um die Leerstellen selbst ergänzen zu können:
Den alten Mythenkosmos aus China auferstehen zu lassen, war für mich unter anderem deshalb interessant, weil man über den Umweg alter Vorstellungen stets die Gegenwart verhandeln kann. Allerdings war ich doch erstaunt, wie offen manchmal selbst in SISU-Texten vom Kampf gegen Unterdrückung und für Gerechtigkeit zu lesen war, von fast anarchischer Rebellion bei Konflikten mit der Obrigkeit, von individuellem Potential und eigenen Prinzipien, von Moralkodizes, die Gesetzlosigkeit rechtfertigten (besonders bei Nezha, Sun Wukong, Wuxia, 4- und 5-2025).
In der Ausgabe zu Nanjing wurde es noch einmal politisch interessant:
Die in der internationalen Wissenschaft verwendete Bezeichnung „Zweiter Sino-Japanischer Krieg (1937–45)“, auf Chinesisch: 第二次中日战争, wird in China „侵华战争“ genannt, also: Krieg der Invasion gegen China. SISU merkte an, dass in China für den Zeitraum 1937–45 inzwischen offiziell ausschließlich die Bezeichnung „抗日战争“, Widerstandskrieg gegen Japan, gilt. Im Deutschen mussten wir schreiben – Anführungszeichen ausgeschlossen: Widerstandskrieg des chinesischen Volkes gegen die japanische Aggression. Außerdem währte dieser Krieg anstelle von acht Jahren mittlerweile offiziell 14 Jahre, von 1931 bis 1945. Dazu hieß es: „Gemäß der offiziellen chinesischen Standarisierung begann der Widerstandskrieg gegen Japan nicht mit dem ‚Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke‘ im Jahr 1937 (Anmerkung: kein achtjähriger Krieg), sondern mit dem ‚Mukden-Zwischenfall‘ im Jahr 1931; es handelt sich entsprechend um einen vierzehnjährigen Widerstandskrieg. Die veraltete Formulierung sollte hier nicht verwendet werden.“ (根据中国官方的规范,抗日战争并非从1937年“卢沟桥事变”始(注:不是八年抗战),而是从1931年的“九一八事变”开始,即14年抗战。此处不应采用旧说法。) Der „Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke“ bzw. die Schlacht ebenda meint das Feuergefecht am 7.7.1937 zwischen der japanischen Armee und der Guomindang an der Luoguo Brücke im Westen Beijings am 5. Ring, das den Zweiten Sino-Japanischen Krieg auslöste und damit den Beginn des 2. Weltkrieges in Ostasien. Der „Mukden-Zwischenfall“ (chinesisch: „Zwischenfall am 18. September 九一八事变“) meint den Sprengstoffanschlag der japanischen Armee am 18.9.1931 auf eine Bahnlinie als Vorwand, um in die Mandschurei einzufallen. Wir haben die Jahresdaten rausgelassen und uns ansonsten gefügt. (S. „Nanjing“, 6-2025, S. 11f.)
Dass wir außerdem den staatlichen Status (国立), also den Verweis auf Taiwan, im chinesischen Namen der Academia Sinica (国立中央研究院) streichen mussten, fällt kaum noch ins Gewicht. Von SISU hieß es dazu: „Obwohl hier Ereignisse aus dem Jahr 1928 erörtert werden, berührt die Bezeichnung ‚Staatliches Zentrales Forschungsinstitut [= Academia Sinica]‘ heute die Taiwanfrage; vor allem angesichts der derzeit relativ angespannten Lage auf beiden Seiten der Taiwanstraße wird dazu geraten, bei der Verwendung Vorsicht walten zu lassen.“ (尽管此处论及1928年时事,但“国立中央研究院”一词在今日涉及台湾问题,尤其在当前两岸局势相对严峻之时,建议慎重处理。) (S. „Nanjing“, 6-2025, S. 80.)
Bemerkenswert ist neben den neu aufgestellten historischen Fakten auch, dass höflich geraten wird, mit Vorsicht vorzugehen (建议慎重处理), es sich aber offensichtlich um eine nicht verhandelbare Vorgabe handelt. Wenn wir Nachfragen für alternative Formulierungen stellten, kam als Antwort stets nur: „Xinku le 辛苦了“, wörtlich: Ihr habt es mühsam; gemeint ist: Beißt halt die Zähne zusammen. Oder in der phonetischen Übertragung von Till: Schinken Cola.
Sensible Bilder (敏感图片)
Bilder dürfen wiederum nicht zu düster sein, sondern sollen möglichst freundlich strahlen, niedlich sein bis lieblich, gern kindlich und bunt. Selbst die kolorierte Schattenspielerei aus dem Shanhaijing durfte nur innen im Mythen-Heft erscheinen (s. Bildschirmfoto oben) und musste auf dem Cover der Plastikfigur von Nezha weichen:

Bildschirmfotos: Geplantes Cover (links, Quelle: VCG) und die finale Wahl aus Shanghai (rechts, Quelle: 699pic.com), Magazin des Konfuzius-Instituts, Ausgabe: Mythen (5-2025). Merkwürdigerweise kam das finale Cover hierzulande gut an, also liegt es vielleicht – auch – an mir.
Ein weiteres schönes Beispiel: In der Ausgabe mit dem Themenschwerpunkt „Spielen“ durfte für einen Beitrag über „Wangbars“, Internetbars, der 2010er Jahre nicht dieses Bild verwendet werden (3-2025, S. 18):

Quelle: www.alamy.com, © Olli Geibel, 2010, Image ID: DH2WDC.
Die Haare seien zu lang, hieß es, und die Klamotten zu ungepflegt, die Boys wohl einfach zu schlumpfig. Statt der zunächst – und zwar ernsthaft – geforderten weißen Hemden waren schließlich die einheitlichen Schuluniformen der Jugendlichen in Ordnung, dazu konzentrierte Blicke, kein Herumgehänge, einheitliche Heißgetränke statt Energydrinks:

Quelle: © laif/Imaginechina/Zhejiang Daily.
Und auch für diese Ausgabe war das geplante Cover zu dunkel:

Bildschirmfotos: Geplantes Cover (links, Quelle: picture alliance/dpa/HPIC/Xiang Weijie) und die finale Wahl aus Shanghai (rechts, Quelle: Thomas Rötting, Szene in Guangzhou), Magazin des Konfuzius-Instituts, Ausgabe: Spielen (3-2025).
Weitere Devisen für Coverbilder lauten: leicht verständlich, unmittelbar zugänglich, unmissverständlich und möglichst mit Menschen. So wurde dem Vorschlag mit einem Ausschnitt aus Qiu Shihuas Werk, für dessen scheinbar monochrome Malerei man sich ein paar Minuten Zeit nehmen muss, bevor sich einem die Landschaften eröffnen, mit rigoroser Ablehnung begegnet (s. f.). Um den Artikel dazu im Heft zu behalten (s. „Wald“, 4-2025, S. 22–27), prasselten Tiraden von Kunstbanausentum auf mich ein. Fehlende Geduld wurde leider im Anschluss von deutscher Seite bestätigt, und des Meisters Konfuzius und meine Zielgruppe unterscheiden sich wohl mehr, als mir lieb ist. Im Folgenden hieß es von SISU: Weniger Kunst. Ist das noch Geschmacksache?

Bildschirmfotos: Geplantes Cover (links, Quelle: Galerie Urs Meile: Qiu Shihua: untitled, 2003 (Qiu Sh56286), Ausschnitt) und die finale Wahl aus Shanghai (rechts, Quelle: René Mattes), Magazin des Konfuzius-Instituts, Ausgabe: Wald (4-2025).
Außerdem ist der Einsatz von KI-generierten Bildern in China, sagen wir mal: offener. Noch kann man sie häufig erkennen, muss aber teils jetzt schon sehr genau hinsehen.
Vielleicht hängt der Vorzug der Nutzung von KI-Gesichtern auch damit zusammen, dass SISU inzwischen Erwähnungen aller Personen ablehnt, die ein bestimmtes Projekt vorantreiben. Dasselbe gilt für Institutionen. Fotos und Aussagen von Menschen sollen weiterhin unbedingt die Seiten füllen, aber es dürfen nur noch „einfache Leute“ sein, laobaixing 老百姓. Ein Generalsekretär des Nanjinger Schutzvereins für Schweinswale und Wasserleben könnte morgen oder in einem Jahr in Ungnade fallen und SISU scheint diese Verantwortung nicht übernehmen zu wollen, ihm heute ein paar Zeilen zu widmen.
Schwammige Nicht-Aussagen ist man aus dem offiziellen China gewohnt, damit kann man umgehen, obwohl die Übertreibungen nichts Gutes verheißen. Was mich wirklich gestört hat, war der Umgang miteinander. Damit meine ich nicht das Hierarchieverständnis des Top-down, das kennt jede·r, die·der einmal unter chinesischer Leitung gearbeitet hat, und schaltet von Individualität auf nickende Kollektivität (wobei ich letztere als Gegenmodell per se gar nicht schlecht finde, vor allem zur um sich greifenden Singularität).
Zur Machtausübung ein letztes Zitat aus meiner Diss (S. 35): „Mit der obersten Prämisse des ‚Machterhalt[s …] der Parteiherrschaft‘ (Breslin 2003: 154) bedeutet das in einem autoritären System offensichtlich einen Top-down-Ansatz. In China wird Top-down allerdings häufig mit der Möglichkeit einer ‚Entscheidungsautonomie‘ oder auch ‚Verhandlungsstruktur‘ (Schubert 2016: 176) innerhalb der einzelnen hierarchischen Ebenen implementiert: Die Richtlinien werden von oben zunächst teils vage formuliert und bieten damit unten Interpretationsoffenheit zum Ausprobieren, ob und wie etwas funktionieren könnte. Dies gilt natürlich immer mit der Option, von oben jederzeit Gegenmaßnahmen ergreifen zu können (vgl. Laclau 2000). Bis hinein in die Anfangszeiten Xi Jinpings heißt das: ‚the ongoing reorganization of culture was never clearly designed‘ (Kraus 2004: x).“
Im Umgang mit SISU störte mich insbesondere ihr fortwährendes Antreiben. Es will einen in ständiger Bereitschaft, ohne jemals zu erfahren, wann etwas von ihrer Seite kommt. Dokumente werden stets ins Jetzt gelegt und müssen im Sofort bearbeitet werden – wohingegen die aus Shanghai gesetzten Zeitpläne nie selbst eingehalten wurden. SISU verlangt in jeglicher Korrekturschleife, die Änderungen, die man mit einer Autorin oder Übersetzerin abspricht, im Wordmodus der Nachverfolgung als Spur sichtbar zu belassen – offiziell mit dem Argument, damit ursprüngliche Ansinnen der Übersetzerin nachvollziehen zu können; und mutmaßlich, um zu sehen, dass überhaupt gearbeitet wurde bzw. als Rechtfertigungsmaßnahme für das Shanghaier Lektorat (wobei von SISU selbst stets nur Reintext kam – und so habe ich es ebenfalls durchgezogen). Außerdem muss zu jedem einzelnen Text und jedweder Übersetzung ein sogenanntes Bewertungsformular (审稿单) mit Begründung dafür oder dagegen geliefert werden – immerhin konnte ich so bei jeder aus Shanghai stammenden Übersetzung beklagen, dass leider wieder nicht gegendert wurde bzw. gen Ende vereinzelt den Dank fürs Gendern aussprechen. Schlussendlich empfinde ich diese Spielchen als unangebracht maßregelnd. Man kommt sich wie ein ungezogenes Kind vor, das man an der kurzen Leine halten muss und das dann auch noch interne Gespräche mit seinen Mitspielerinnen verpetzen soll.
Aufgrund der zunehmenden Anforderungen geriet unser kleines Team in einen ziemlichen Strudel, weshalb SISU uns weitere Schleifen und Zeitverknappungen aufbürdete. Selbst jeder noch so kurze Absatz musste nun verschickt werden und durchlief nach unserer internen Bearbeitung seine drei Schleifen: das doppelte Hin und Zurück im Original sowie das erneute Hin und Zurück der Übersetzung, anstatt wie zuvor erst im Layout geprüft zu werden. Zu guter Letzt schien die Redaktionsleitung aus Shanghai nicht einmal ihrem eigenen Team zu vertrauen und wollte keinen Beitrag mehr ohne Übersetzung für eine Bewertung annehmen – so hält man das Budget aber nicht im Griff.
Organisationsstrukturen sind bei Kreativarbeiten häufig fluide und im Wandel begriffen, und neben denen in Leipzig gab es wohl auch bei SISU einige personelle Änderungen. Meist gehen diese mit neuen Prozeduren einher, die wiederum Möglichkeiten des Austestens beinhalten können. Leider wurde in diesem Fall jedoch nicht die Option des erneuten Verwerfens in Betracht gezogen – ein schönes Beispiel von Bürokratisierung. Was immer SISU eigentlich im Sinn hat, ob sich nun jemand beweisen will, ob es Machtspielerei ist oder Übernahmevorbereitungen sind oder ob noch etwas anderes dahintersteckt – das Problem mag intern liegen, aber solcherlei Seilschaften wirken sich auf das Gesamtgefüge aus. Man kann sich ein dickes Fell zulegen, man kann sich dem entziehen, indem man die zweifelhafte chinesische Taktik anwendend auf Ignoranz schaltet. Aber was bringt es der einen Seite, wenn die andere abstumpft? Irgendein·e jobsuchende·r Jungsinolog·in wird sich schon finden?
Für Maja 2024 zuvor und für mich 2025 hat die Zermürbungstaktik funktioniert: Byebye le. Habe ich schon gesagt, dass es ein langes Jahr war?
Vorher ging es aber noch für knapp zwei Wochen nach Nanjing.
Nanjing im Spätsommer 2025

Das entstandene Heft findet sich online mit dem Titel: Nanjing, Magazin des Konfuzius-Instituts (6-2025). Apropos Verzögerung: Das Heft sollte Anfang Dezember und ging schließlich Anfang Februar in den Druck.
Die Ortsausgabe Nanjing haben wir bestückt mit: Einführend einem Überblick als Stadtrundgang, geht es insgesamt um Geschichte und Gegenwart, Tradition und Moderne, Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kunst und Kultur, Kulinarik, um besondere Projekte und dazu verschiedene Stimmen aus der Stadt (Personen, Orte und Begegnungen), und alles ist gespickt mit zahlreichen Fotos und zusätzlich einer von einem Designprofessor und seinen Student·innen der Universität Nanjing angefertigten Stadtkarte. Letztendlich kamen noch sechs Beiträge von SISU dazu.
Von mir sind die Beiträge zum Rabehaus und die Steckbriefe zu Kunst- und Kulturorten. Das Rabehaus enthält einige diffizile Punkte in Bezug auf den chinesischen Propagandaapparat, mehr dazu unten.
Zwischendurch mit ein paar Schlenkern, führen die folgenden Verlinkungen hierhin:
➤ Wie immer bitte ich die auf diesem Blog heruntergerechnete Qualität der Bilder in leider sehr kleine Auflösung zu bedenken.
Los gehts:

Wenn man mit einer chinesischen Fluggesellschaft unterwegs ist, kommt man in den Genuss einer schnelleren Verbindung und dem gleichzeitigen Unwohlsein dabei, über Russland zu fliegen.

Willkommen zurück in China, wo man gleich in der ersten Bahn auf kleine Taschenanhänger trifft, die zwischen niedlich und skurril changieren. Schon herzig, fragt sich das wieder zu lange in Deutschland weilende, gerührseligte Auge doch alsbald, ob es noch etwas anderes als Labubu und Konsorten gibt.




Es gibt natürlich auch anderes …

Interessant war etwa diese Freifläche nahe der Messehallen: Hier sollten Hochhäuser wie jene im Hintergrund entstehen. Die Baugruben waren bereits ausgehoben, aber da das Geld nicht mehr reichte, wurden sie überdeckelt. Nun darf man die Grünflächen wegen Einsturzgefahr nicht mehr betreten (mit Dank für diese Erklärung an Sudong).

Ebenfalls interessant ist der bemerkenswert gute Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Bikes. Leider stimme ich Benjamin zu, dass der überall verfügbare Billigstrom für Umwelt und Fitness nicht nur von Vorteil ist – sowohl in der gesamten Stadt als auch hier auf dem Campus der Nanda, der Universität Nanjing.

Jiangdao Zero Carbon Park 江岛零碳园区

Auf der Insel Jiangdao wird im Intelligence Cube Zero Carbon Park (江岛智立方零碳园区) CO2-Neutralität angestrebt, was auf die gesamte, nahe der Innenstadt Nanjings gelegene, 15km2 große Insel ausgeweitet werden soll. Es handelt sich um eine Kooperation zwischen Singapur und Nanjing, genannt: Singapore Nanjing Eco Hi-Tech Island 新加坡·南京生态科技岛.

Auch von diesen ehemals und teilweise weiterhin landwirtschaftlich genutzten Flächen mussten Menschen umgesiedelt werden; auch hier bezieht sich CO2-Neutralität zum Beispiel weder auf die Vermeidung von Flächenversiegelung noch auf den Bau der Gebäude und meint nur Facetten ihrer Nutzung; auch bestehen die präsentierten Ausstellungsobjekte größtenteils aus Plastik. Aber man bemüht sich, indem etwa den ehemaligen Bewohner·innen Vorzugsrechte gewährt werden – und der uns herumführende Entwickler sprach die Mängel offen an bzw., wie er es nannte, die noch zu erreichenden Ziele.




Sitzbänke an der „Green power axis“ (绿电轴线), auf denen man zum Beispiel das Handy laden kann – mit dem Hinweis zur Vorsicht, dass es heiß werden könne.

Schaltzentrale der „Smart Energy-Carbon Monitoring Platform“ (智慧能碳监控平台), ein für uns gestelltes Foto.

Der „Inselservice“ (洲岛服务).

Testversuche mit weiterer Servicerobotik.

Autonom fahrende Straßenreinigung.
In jedem Fall bietet die gut erreichbare Insel Möglichkeiten zur Naherholung, besonders im Feuchtbiotop Jiangtun 江豚:





Von dem rechten Kasten aus können Drohnenfotos beauftragt werden.


Der Straßenslogan besagt: „Tanzende Seifenblasen lassen Kinderherzen leuchten“ (泡泡飞扬 童心闪耀).





Die Kollegen Fotografen sind stets bereit, einen im Naturerlebnis festzuhalten.

Eines der letzten alten Häuser im Sorghumfeld vor der Skyline von Nanjing.


Die Fußgänger·innenbrücke „Das Auge Nanjings“ (南京眼).

Von dieser der nördliche Blick.

Und der südliche.
Deji Plaza 德基广场 und Deji Art Museum 德基艺术博物馆



Hier kann man sich die Klamotten bereits an der Werbesäule zusammenstellen.
Vor allem aber gibt es auf jeder der sieben, acht Etagen unterschiedliche Themen-Toiletten, die mit „Washroom 解忧所“ (Waschraum: Ort der Sorglosigkeit) überschrieben sind. Hier macht man erst Selfies, verzehrt dann mitgebrachte Snacks, lädt das Handy auf und streckt vom anstrengenden Konsumrausch die Beine aus – auf Toilette kann man auch gehen.


Außerdem bieten zahlreiche chinesische Shoppingmalls inzwischen Privatmuseen, hier das Deji Art Museum 德基艺术博物馆.

Auf dem Weg zum Museum sind aus der Corporate Collection von Deji, s. Onlinesammlung, etwa diese Arbeiten zu sehen:

Yoshitomo Nara 奈良美智: Not Everything But / Green House 然而并非一切 / 绿屋. 320x320x670cm, mixed media, 2009. S. URL.

Ebd., Blick hinein.

Refik Anadol: Quantum Memories Probability 量子记忆概率. Video with colour and sound, 16min. loop, 2021. S. URL.
Museumsshops dürfen hier natürlich nicht fehlen:

Dies ist nur das erste Drittel.





Und hier das hintere Drittel mit Plastik und Plüsch forever and ever. Das Ehepaar neben mir machte beim Anblick dieses Gangs ebenfalls ein Gesicht, als würden sie bei rasender Geschwindigkeit aus einem Autofenster gehalten.
Das Museum wirbt mit Gruppenausstellungen großer Namen, neben Picasso, Monet und Chagall mit Wu Guanzhong und Zao Wou-Ki (赵无极), und mit weiteren Sondershows.
Eine sehenswerte Dauerausstellung zeigt An Era in Jinling: A Digital Art Exhibition 金陵图数字艺术展. Es geht um die im Jahr 1794 angefertigte Hofkopie von Feng Nings 冯宁 „An Era in Jinling 宋院本金陵图“, 35x1050cm, einer Kopie des verlorenen Rollbilds über Nanjing aus der Song-Dynastie, mutmaßlich frühes 12. Jahrhundert. Fengs Werk ist hier digital nachgebaut und animiert auf einem Rundgang von 3,6x110m – mit seinen Hunderten Figuren in zahlreichen Straßenzügen und Alltagsszenen. Auf der Website heißt es, dass 400 Techniker·innen beteiligt gewesen sein sollen, davon kann ein europäisches Museum kaum träumen.

Detail.



Neben einem ausgestellten Fächer als tatsächlichem Original aus der Song-Zeit …

Bamboo Fibre Fan 宋 竹丝扇. 45,1x20cm, Song-Dynastie.
… ist eine Replik von Fengs Hofkopie ausgestellt:

Feng Ning 冯宁: An Era in Jinling (Replica) 清 仿宋院本金陵图(复制件). 35x1050cm, handscroll, ink and colour on paper, 1794.

Ebd., Detail.

Ebd., Detail.

Ebd., Detail.
Anhand derer man einzelne Szenen wunderbar vergleichen kann:






Dazu gibt es:

Die insgesamt 533 Figuren in Schaukästen, o. A.

Ebd., Detail.

Ebd., Detail.

Und als Pixelanimationen, Detail, o. A.

Ebd., Detail.

Sowie selbstverständlich diverse Möglichkeiten, sich in die Figuren hineinzeichnen zu lassen.

Vermutlich wurden auch die Poller außerhalb des Gebäudes von Deji gestaltet.

Im Eck, mitten in der Stadt auf einem Verkehrsknotenpunkt: Sun Yat-sen. Es blieb bei dieser Begegnung mit dem Gründungsvater des modernen China, denn ich habe sein Mausoleum und die Ming Gräber im Osten der Stadt ausgelassen.
Der Niushou Berg 牛首山
→ Link und s. das WeChat-Miniprogramm: #小程序://数智牛首/byC6v6h2jEq8sKf
Der im Süden Nanjings gelegene Niushou Berg bietet ebenfalls ein spannendes Ausflugsziel. Hier wird man buddhistisch überwältigt. Seit der Tang-Dynastie gilt der Ochsenkopfberg als buddhistische Stätte, doch der ursprüngliche Tempel wurde während der Taiping Rebellion in den 1850ern zerstört. Seit seiner Neueröffnung 2015 soll hier eine Reliquie aufbewahrt werden: das Splitterfragment des Schädelknochens von Shakyamuni Buddha, der als historischer Begründer der buddhistischen Lehre gilt. Die Anlage ist monumental, und völlig betört hat mich, dass hier nichts aus Plastik ist.

Der Usnisa Palace 佛顶宫 umfasst neun Ebenen, neben drei oberirdischen befindet sich der Großteil auf sechs unterirdischen Stockwerken.


Usnisa, auf Deutsch: Ushnisha, bezeichnet die rundliche Erhebung am Scheitel des Kopfes Buddhas und steht für Weisheit und Erleuchtung. In der Kunst wird sie häufig als Haardutt oben auf dem Kopf dargestellt und ähnelt damit dem Symbol einer Krone.


Diamond Sutra 《金刚经》经变图. O. A., mit QR-Code.
Wir erhielten vom Volksverband für Freundschaft mit dem Ausland des Stadtbezirks Jiangning 南京市江宁区人民对外友好协会 eine besondere Führung durch Spezialgänge:



Genuine or Fake Buddhist 真假信徒. O. A., mit QR-Code.

Samantabhadra Bodhisattva of Universal Benevolence 普贤拉萨. O. A., mit QR-Code.

Great Usnisa Hall 舍利大殿.



Great Stupa of Usnisa 舍利大塔. 21,8m, tin bronze, gilded with copper carving, chiseling, padding thread weaving enamel, gemstone inlaying.

Chan State Scenery 禅境大观.

Sleeping Buddha 卧佛. O. A.

Grand Handwoven Tapestry: Buddhism’s Prosperity in Nanjing 金陵梵刹妙染. 3,45x28,8m, silk.

Ebd., Detail.

Ebd., Detail.

Illustration of the Lingshan Pageant 灵山胜会经变图. Detail, jade mural, o. A., mit QR-Code.

Ebd., Detail.

A Reed Cross the River by Bodhidharma 达摩一苇渡江. O. A.

Ebd., Detail.

Ebd., Detail.

Ebd., Detail.

Eine Tanzperformance darf nicht fehlen.

Zurück auf die Erde und hinein in die Stadt.

Das Rabehaus 拉贝故居
→ Link
Die Vorgeschichte: Im Hamburger Yu Garden – sowie zuvor in Berlin und darauf in Bremen und Kopenhagen – konzipierte die Universität Nanjing (Projektteam John-Rabe-Tagebuch und die Friedensstadt 拉贝日记与和平城市团队) zusammen mit dem Generalkonsulat der VR China in Hamburg sowie der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Verständigung, GDCV, die Ausstellung Mein Nachbar: John Rabe 我的邻居约翰·拉贝, am 15.8.2025. Diese fand anlässlich des 80. Jahrestages des, wie es offiziell genannt wird, „Sieges des Widerstandskrieges des chinesischen Volkes gegen die japanische Aggression sowie des weltweiten antifaschistischen Krieges“ (中国人民抗日战争暨世界反法西斯战争胜利) statt. In der Ankündigung heißt es: „Seine Geschichte veranschaulicht das grenzüberschreitende Engagement zum Schutz von Menschenleben.“
Auf Bildtafeln konnte Rabes Leben nachvollzogen werden, seine Rettung von 250 000 Chines·innen in Nanjing im Winter 1937/38 beim Massaker von Nanjing durch die japanische Armee, seine Rückkehr nach Deutschland, wo er 1950 verarmt und krank und bald vergessen starb, und seine Wiederentdeckung seit Ende der 1990er Jahre durch seine Tagebücher.
Außerdem wurde unter anderem eine App entwickelt, die mit KI „alle Fragen über John Rabe“ auf Chinesisch, Englisch und Deutsch beantwortet. Wenn man dort wissen möchte, warum die chinesische Ausstellung in Deutschland gezeigt wurde, lautet die Antwort: Sie präsentiere eine „humanitäre Botschaft in einer globalisierten Welt“ und stehe in „einer Zeit weltweiter Krisen und Konflikte […] als universelle Mahnung zur Menschlichkeit und Solidarität“, um zu zeigen, „dass individuelles Handeln einen großen Unterschied machen kann“; darüber hinaus gehe es um „Bewusstseinsbildung und historische Aufklärung“, um „ein breiteres Publikum auf die Bedeutung von Friedensarbeit und internationalem Zusammenhalt aufmerksam“ zu machen und „das Nanjing-Massaker nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“. Auf die Frage nach der Bedeutung von Rabes NSDAP-Mitgliedschaft folgt eine lange Antwort mit dem Resümee: „dass er trotz seiner politischen Zugehörigkeit stets den Mut hatte, das Richtige zu tun. Diese Ambivalenz macht seine Geschichte umso bemerkenswerter und zeigt, dass individuelle Menschlichkeit stärker sein kann als ideologische Bindungen.“
Ambivalenz scheint das Stichwort der Nanjinger Ausstellung und ihres Projektteams zu sein. Auf die Nachfrage an die KI, ob damit über Bande auch in China dazu animiert werde, eher das zu tun, was man menschlich für richtig halte, statt sich der Partei unterzuordnen, folgt allerdings eine Fehlermeldung (发生错误) mit „#inappropriate-content“ (mit diesem Link). Ich versuche es anders: Ob die deutsche Bevölkerung belehrt werden solle – „Nein“. Was Rabes Geschichte für China heute bedeute – von „moralischer Führung“ und „sozialer Verantwortung“ ging es bald um „kritische Reflexion über komplexe Geschichte“ und Chinas „rechtmäßige Abwehr westlicher Einmischung“ (hier wird ausgeführt: „Wenn der Westen versucht, sich in Chinas innere Angelegenheiten einzumischen – sei es durch Kritik an Menschenrechten, Taiwan oder Hongkong –, sieht China dies oft als Angriff 发生错误“, es folgt #inappropriate-content). Ob die eigene Geschichte in China kritisch reflektiert werden könne – hänge „von verschiedenen Faktoren ab“, so prägten „offizielle Narrative“ den „Fokus auf [die] Opferrolle“ gegenüber „der japanischen Armee“, die „kritische Reflexion [sei] begrenzt: Während die Rolle externer Akteure wie Rabe positiv dargestellt wird, bleibt die kritische Auseinandersetzung mit internen Faktoren – etwa der Rolle des Kuomintang-Regimes oder lokaler Verantwortlichkeiten während des Massakers – oft außen vor. Dies liegt daran, dass solche Diskussionen das offizielle Narrativ möglicherweise schwächen könnten.“ Und weiter: „Rabes Werte wie Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein ermöglichen es, über die Geschichte zu sprechen, ohne politische Spannungen zu schaffen. Da Rabe ein Ausländer war, kann seine Geschichte als ‚externer Spiegel‘ dienen, der es Chinesen ermöglicht, über ihre eigene Geschichte nachzudenken, ohne unmittelbar in nationale Identitätsfragen verwickelt zu sein.“
Schließlich wird mir allerdings gesagt, dass die Antworten angepasst würden, je nachdem, ob sie auf Deutsch oder Chinesisch gestellt werden oder von Deutschland oder China aus. Als Quellenmaterial soll chinesische und internationale Forschung genutzt werden. Ich spreche mit der KI noch ein wenig über Universalismus und kulturellen Relativismus in China, ernte immer wieder ein paar Fehlermeldungen, auf deren interne Filter sie selbst keinen direkten Zugriff zu haben behauptet (ChatGPT bestätigt, dass dies der Normalfall bei einer KI sei), und kann diese Auseinandersetzung nur empfehlen.
Das zweierlei Maß aber bleibt bestehen, da China sich der Einmischung in seine eigenen inneren Angelegenheiten von außen stets verwehrt und hier genau dies tut – auch wenn der Westen ob seiner Moralapostelei gegenüber Drittländern für tendenziöse wirtschaftliche Bereicherung berechtigt kritisiert werden muss. Der Beigeschmack kommt nicht auf, weil China Deutschland sagt, wie etwas moralisch zu bewerten ist – bzw. wird es doch ungemütlich bei der Aussage, dass auch unter Nazis gute Menschen sein könnten. Stattdessen mutet es verquer an, wenn sich chinesische Institutionen mit deutscher Geschichte beschäftigen, während in China die eigene zugleich dahin gebogen wird, wo man sie gerade zu brauchen meint – so zulässig dies für Chines·innen in China und in der Diaspora zur Auseinandersetzung mit sich selbst sein mag, könnte es auch einfach eine Ablenkung zur Beschäftigung sein. Problematisch bleibt darüber hinaus, dass die unbestreitbar unzureichende japanische Aufarbeitung hier erneut zementiert wird.

Bildschirmfoto: Magazin des Konfuzius-Instituts, Ausgabe: Nanjing (6-2025, S. 28–32).
Mehr zu Rabe und seinem Haus im verlinkten Beitrag. Dass Rabe in China als „lebender Buddha von Nanjing“ bezeichnet wurde und in Deutschland aus heutiger Sicht wegen seiner Verblendung gegenüber Hitler nicht ohne Widersprüche ist, durfte ich dort schreiben. Auch das Zitat von Erwin Wickert, dem ersten Herausgeber von Rabes Tagebüchern, Rabe und seine Vertrauten hätten „die Verbrechen [des Massakers von Nanjing] nicht dem japanischen Volk zur Last gelegt“ (Wickert 1997: S. 375), wurde nicht gestrichen.



Wu Weishan 吴为山: John Rabe 约翰·拉贝 (1882–1950). O. A.

O. A., 2016.
Für eine Bevölkerung von zehn Millionen Menschen hat Nanjing erstaunlich wenige Orte der Gegenwartskunst zu bieten. Die lokalen Betreiber·innen begründeten dies mit der Nähe zu Shanghai und Hangzhou, wohin sie häufig für Ausstellungen unterwegs seien. Die zeitgenössischen Räume sind weiter unten aufgenommen, und da sich diese aus dem historischen Kontext erschließen, halte ich mich im Folgenden zunächst an die Orte, die ich im Heft skizziert habe – s. dort für einen Überblick, aus dem hier gelegentlich ein paar Zeilen entlehnt sind:
Steckbriefe: Nanjinger Kunst- und Kulturorte
资料卡:南京文化艺术场所概览

Bildschirmfoto: Magazin des Konfuzius-Instituts, Ausgabe: Nanjing (6-2025, S. 42–45).
Librairie Avant-Garde 先锋书店
→ Link und s. WeChat-ID: 独立先锋
Nanjing wurde 2019 offiziell von der UNESCO der Titel „Literaturstadt“ (文学之都) verliehen, ist es aber bereits seit Jahrhunderten. Die Stadt selbst verweist gar auf 1800 Jahre Erzähltradition und über 10 000 Meisterwerke.

Literaturzentrum 文学客厅.
Empfehlenswert ist etwa das Literaturzentrum 文学客厅, in dem man Schriftsteller·innen begegnen und einer anschaulichen interaktiven Zeitleiste durch die Literatur folgen kann. Hier pflichte ich erneut Benjamin zu, dass chinesische Zeitstränge neben dem technischen Knowhow und verfügbaren Personal wohl auch deshalb häufiger angefertigt werden und zugänglicher sind, weil sie eine unkomplizierte, geradlinige Geschichte erzählen (sollen) – und entsprechend kaum Spielraum für Graubereiche benötigen.

Ebd., Ausschnitt zum „Traum der roten Kammer“ in Übersetzungen.

Ebd., Ausschnitt zur Auswahl von Schriftsteller·innen aus den 1980er bis 2000er Jahren.
Außerdem soll die Buchhandlung Puyue Books 朴阅书店 einen Besuch wert sein. Und zweimal im Jahr richtet die hiesige Kontaktstelle des Goethe-Instituts für je zwei Monate Schriftsteller·innenresidenzen zwischen den Universitäten Nanjing und Göttingen aus, bei Interesse geht es hier entlang.
Ein besonderes literaturaffines Schwergewicht ist jedoch die Buchhandlung Librairie Avant-Garde 先锋书店, deren Hauptsitz sich seit 2004 unterhalb des Wutaishan Stadions im ehemaligen Regierungsparkhaus auf knapp 4000m2 ausbreitet.

Das Wutaishan Stadion 五台山体育馆.

Rechts davon der Eingang zum ehemaligen Parkdeck und der heutigen Buchhandlung.
Am Eingang begrüßt einen:

Auguste Rodin (1840–1917): Le Penseur. 1880. Limited monumental edition by the Sayegh Gallery, 25 numbered bronze copies, caster: C. Valsuani, Paris, lost wax cast, 1998.



Ich lauschte dort dem Gespräch „The Teahouse under Socialism: The Decline and Renewal of Public Life in Chengdu, 1950–2000 | 城市公共生活命运与变迁“ mit dem Autor Wang Di 王笛 (*1956, Mitte) über sein neues Buch „茶馆2“ (Teahouse 2), am 27.9.2025.
Als Wang Di in den 1990ern in den USA studierte, habe es in der US-Forschung geheißen, es gebe keine öffentlichen Orte in China. Wangs erstes „Teahouse“ (茶馆:成都的公共生活和微观世界,1900–1950), 2010 erschienen, sei seine Antwort darauf gewesen. Im Unterschied zu heute seien die Teehäuser von damals, in der Zeit von 1900 bis 2000, die Wangs beide Bücher umfassen, quasi der öffentliche Raum gewesen oder als solcher genutzt worden. Hier habe man sich etwa die Zähne geputzt und heißes Wasser geholt, alles mögliche habe in Teehäusern passieren können. Entsprechend verwende Wang bei der Unterscheidung zwischen „public space 公共空间“ und „public sphere 公共领域“ lieber den der öffentlichen Sphäre, und die Teehäuser seien ein Lebensstil (生活方式) – sie beschrieben die Gesellschaft zwischen Mensch (人) und Ort (地方). Der heutige öffentliche Ort seien hingegen die WeChat-Gruppen (微信群). Und der Zustand, in dem wir uns derzeit befänden, sei keine gute Situation für eine gesunde Gesellschaft (健康社会). Dies liege vor allem daran, dass wir uns zu sehr auf die Regierung stützten (我们靠政府的), was man in dieser Ausschließlichkeit nicht tun sollte. Nach der gegenwärtigen Logik, so Wang weiter, müsse der Staat regeln, wie man Tee trinke, da es sich dabei um eine chinesische Tradition handle. Hingegen sei Kaffee immer schon problematisch gewesen, da er für Zukunft stehe (ich vermute, dass er hiermit Veränderung meint). Es sei einerlei, wie man allein bei sich zu Hause Tee trinke, entscheidend sei, wie dies draußen geschehe.
An dieser Stelle schlägt Wang einen Bogen zur Stadtentwicklung: In Nanjing sei die Lage etwas besser, während Chengdu zum Großteil abgerissen und nicht gut geschützt worden sei. Vergleichbar verhalte es sich mit den lokalen Dialekten, die zunehmend verschwänden – den Shanghaier Dialekt erwähnt er als Beispiel, der kaum noch gesprochen werde. In Nanjing fühle sich das Leben im Schutze der sechshundert Jahre alten Bauwerke schicksalhaft verbunden an (感觉有缘). Dies gelte nicht für die einzelne Person, sondern für das Volk, die Gruppe (人民、群体). In Städten wie Beijing sei ein solches Empfinden nicht mehr möglich. Lao Shes Teehaus oder ein ähnliches seiner Art finde man dort nicht mehr. Doch in Chengdu existiere diese Kultur noch. Vielleicht kann also ein „Teehaus 3“ folgen …
Dazu passend ein Public Viewing der Fußballliga der Provinz Jiangsu:

江苏超会赢 (Jiangsu Superliga) mit dem Motto: „人民的足球 纯粹的快乐“ (Fußball dem Volk [bringt] Freude in Reinheit).
Jiangning Seidenmanufakturmuseum 江宁织造博物馆
→ Link
Oh, du wunderbarer „Traum der roten Kammer“ (Honglou meng), literarischer Klassiker, von dem man in meiner Magistraarbeit (2006) nachlesen kann und dessen Autor Cao Xueqin aus Nanjing stammte. Bis zum Untergang seiner Familie lebte Cao zwischen feinsten Brokatstoffen in einer eindrucksvollen Residenz, deren Nachbau nahe dem ursprünglichen Standort dieses Museum bildet. Es wurde 2003 errichtet und bedarf wie auch die aus dieser Zeit stammende Ausstellung einer Überholung, bietet aber vielleicht gerade deshalb einen faszinierenden Einblick in vergangene Epochen mit dem von Cao beschriebenen Aufstieg und Niedergang – in Caos eigene sowie in die der Museumspraxis der Nullerjahre.
Bereits in der U-Bahnstation (Linie 2: Daxinggong 大行宫) trifft man auf die Zwölf Schönheiten 十二金钗, um die es in der inneren Geschichte des „Traums“ geht:

The Twelve Beauties of Jinling 金陵十二钗. 20x3.2m, 石材马赛克、汉白玉, o. J.

Ebd., Detail.

Besonders begeistert aber hat mich dieser Zugang zur U-Bahn mit seiner Abbildung zum „Garten der umfassenden Schau 大观园“, o. A.
Über Ausgang 2, Beiting xiang 碑亭巷, gelangt man hinten ans Gebäude:



Und wird von den Zwölf Schönen die Stufen hochgeleitet.


Ein versperrter Nebeneingang.

Haupteingang.

Modell des ehemaligen Anwesens der Familie Cao …

… und der heutigen Gestaltung.

Im Innengarten.




清 “江宁织造臣高晋”蓝色团龙云纹地柿蒂龙袍料(复制件) (Blaue Drachenrobe mit Wolkenmuster von „Gu Jin, dem kaiserlichen Textilkommissar der Manufaktur Jiangning“, Replik, Qing-Dynastie), Detail.

清光绪“两淮盐运使司盐运使” 石青小团龙织金缎 (Steinblauer Goldbrokat mit kleinen Runddrachenmotiven des „Salztransportkommissars des Amtes für den Salztransport der Region Lianghuai“, Qing-Dynastie, Regierungszeit Guangxu, 1875–1908), Detail.

康熙南巡盛典 (Große Zeremonie zur Inspektionsreise Kaiser Kangxis in den Süden), Detail.
Bildrolle im Videorondell – von Jahr 2003!

Webstuhl (durch die Decke).

Ebd., Detail.

Und als Infografik.
Weitere Stoffexponate, man verzeihe mir bitte die fehlenden Titel:





少年曹雪芹 (Cao Xueqin in seiner Kindheit). O. A.

《红楼梦》的早期抄本 (Frühe Manuskripte des „Traums der roten Kammer“).


O. A. Wenn das nicht mal Herr Cao Xueqin in der Darstellung des Herrn Wu Weishan ist.



Auf einer der oberen Dachterrassen begegnete ich einem Podcaster aus Guangzhou, der seit 2024 wöchentlich über den „Traum“ spricht, s. 安大哥 und 陈小姐: 一瓢红楼梦.
Im angeschlossenen Verkaufsshop von Wensli 万事利丝绸:

十二金钗的丝绸色谱 (Das seidige Farbspektrum der Zwölf Schönheiten).
Der Sessel links kann für 42 725 Yuan und der rechts für 29 560 Yuan erworben werden.





Es verabschiedet einen dieses Bild:

The Banquet at Jade Pool: China’s Earliest Recorded State Gift of Silk 《瑶池高会图》中国最早的国礼是丝绸. Detail, o. A.
Der Begleittext erzählt: „This represents the earliest documented account of diplomatic gift-giving in Chinese history. According to legend, King Mu of Zhou, the fifth ruler of the Western Zhou Dynasty [reg. 976–922 BC oder 956–918 v. Chr.], was deeply fascinated by the Queen Mother of the West, the goddess who presided over immortality. Driven by this reverence, he undertook an arduous journey to reach Jade Pool at Mount Kunlun, bringing with him one hundred bolts of exquisite brocade and three hundred bolts of plain silk as offerings. The Queen Mother of the West received the silk with both hands, demonstrating her appreciation of these precious gifts. This legendary encounter is recorded in ‚The Biography of Emperor Mu.‘“

Detail mit Xiwangmu, der Königinmutter des Westens.

Stadtmauermuseum 城墙博物馆
→ Link

Das Museum wurde 2022 umgebaut und komplett neu konzipiert und bietet ein wunderbares Beispiel dafür, wie Technik, Exponate und Infografiken ineinandergreifend präsentiert werden können.
In der Ausstellung der Mauersteine zeigte mir die uns herumführende Dame als erstes diesen Stein:

City wall brick with inscription of „Stone City“, Eastern Jin Dynasty [317–420] | 东晋 “石头”铭文城砖,藏:南京大学文化与自然遗产研究所;南京石头城遗址北垣出土,上有“石头”铭文。
Der aus Nanjing inspirierte Roman „Traum der roten Kammer“ (s. o. beim Seidenmanufakturmuseum) ist auch als „Geschichte des Steins“, Shitou ji, bekannt – und eben jener antike Stein soll sich also als beschrifteter Ziegel des Mauerwerks hier im Museum befinden. (An anderer Stelle bin ich übrigens einmal auf der Suche nach dem Stein zum Changbaishan gereist.)

Ebd. als Abdruck.

Lichuan Brick Kiln 黎川砖窑, o. A.
Erst 2017 entdeckt, wurden diese Öfen zum Brennen der Mauersteine verwendet.

Ebd.

南京城墙砖产地及运输水系图 (Karte der Ziegelproduktionsstätten und Transportwasserwege der Stadtmauer von Nanjing.)

Installationsansicht.

Alle Mauerziegel wurden mit den Namen derjenigen beschriftet, die sie gebrannt haben – damit man möglichen Pfusch nachvollziehen konnte. Vor Ort kann in einer Datenbank zum Beispiel nach dem eigenen Nachnamen gesucht werden, und man erhält die Nummern, wo Steine der Familie zu finden sind.
Die saubere und anschauliche Darstellung hat mir sehr gefallen:


Und auch heute funktionieren Nachbauten in Miniatur noch:

Dazu gibt es zahlreiche Szenen in Malerei und Fotografie:

Zhu Zhifan und Lu Shoubai 明 朱之蕃 陆寿柏:《金陵图咏》之《长干春游》 („Bildverse aus Jinling“ des „Frühlingsausflugs nach Changgan“). O. A., Ming-Dynastie.

Dies.:《金陵图咏》之《石城霁雪》 („Bildverse aus Jinling“ der „Steinstadt nach dem Schnee“). O. A.

Deer pendant, Ming Dynasty | 明 鹿牌, o. A.


(Links 左:) Dripping eave with phoenix patterns, Ming Dynasty | 明 凤纹滴水, o. A. (Rechts 右:) Glazed eaves tile with phoenix patterns, Ming Dynasty | 明 凤纹琉璃瓦当, o. A.

Hier finden sich 瓦当, Traufziegelkopf, und 滴水, Abtropfkante.

(Links 左:) Glazed brick with dragon patterns, Ming Dynasty | 明 龙纹琉璃砖, o. A. (Rechts 右:) Glazed brick with flying sheep patterns, Ming Dynasty | 明 飞羊纹琉璃砖, o. A.

Ebd., Detail des Drachenmusters.

O. A.
Installationsansichten:



Detail.

Auf dem Boden ist das erweiterte Stadtgebiet abgebildet.
Seit dem Neubau ist das Haus im Austausch mit Institutionen in Syrien, Italien und anderen und veranstaltet Workshops, Panels und Bildungsangebote. Aktuell lief als Sonderausstellung just Königstein: The Safest Fortress in Germany 国王岩:德国最险固的堡垒, 22.6.–9.1.2025:



The only entrance: the Medusa Gate at Königstein Fortress 通往堡垒的唯一道路:梅杜萨门, Detail, o. A.

Installationsansicht.
Mit kleinen Gucklöchern im Gemäuer:

Noble guests sitting at the table at Frederick’s Castle 弗里德里希堡里提供给贵族宾客的餐桌, o. A.

Commander’s flat around 1900 | 1900年左右的指挥官住宅, o. A.

In dieses Bild konnte man sich hineinstellen.

Im Anschluss beim Zhonghua Tor 中华门:







Mit Blick auf die Porzellanpagode 大报恩寺, heute aus Glas; s. u. dazu den von dort stammenden glasierten Torbogen der alten Porzellanpagode im Nanjing Museum.
Und mit anderen Aus- und Einblicken …


Gelegentlich sieht man noch Schriftzeichen in den Mauerziegeln.









Up and down. Es handelt sich um die längste und breiteste noch erhaltene Stadtmauer weltweit, 25 ihrer inneren ursprünglich 35 Kilometer bestehen weiterhin. Besonders diese Mauer macht Nanjing einzigartig und im Vergleich zu zahlreichen anderen chinesischen Secondtier Cities unverwechselbar. Immer wieder geht man durch eines der 13 Tore in die Altstadt hinein oder aus ihr heraus.
Und unten geht es ins Getümmel.

Dieser Herr wollte unbedingt von mir fotografiert werden.
Nanjing Museum 南京博物院
→ Link


Auf dem Gelände zur Ankündigung der unten verlinkten VR-Show „Mapping the World“.
Dieses Museum ist nicht einfach ein bowuguan, ein Museumsgebäude, sondern ein bowuyuan, eine ganze Museumsanlage (mit bestem Dank für diesen Hinweis an Longtian). In sechs Hallen erstreckt sich die Ausstellungsfläche über sieben Hektar. Rauf und runter, hin und her geht es von der Steinzeit bis in die Moderne. Verwundert haben mich allerdings die fehlenden detaillierten Lagepläne, und auch die Servicekräfte konnten mir bei der Suche nach einem Buchladen nicht aushelfen – ich habe weitläufig gesucht, aber da ich nicht jeden einzelnen Winkel der Anlage gesehen habe, kann ich es bis heute eigentlich nicht glauben. Stattdessen gibt es an jeder Kurve einen der unzähligen Museumsshops mit größtenteils identischer Ware. Ich liebe Museumsshops, aber sie dürfen gern auch Bücher führen.

Einzige, sehr rudimentäre Orientierungsmöglichkeit.
Hinein in die wundervollen Exponate. Wir gehen chronologisch dynastisch vor, lassen die prähistorische Zeit mit ihren Skeletten aus und beginnen mit der Westlichen Zhou-Dynastie 西周 (ca. 1045–770 v. Chr.) bis kurz danach:

Bronze horse coronet, Western Zhou, unearthed from the tomb of Mapandun, Dantu District, Zhenjiang City | 西周 青铜马冠 镇江市丹徒区磨盘吨墓出土.

(Rechts 右:) Animal shaped bronze Gong, Western Zhou, unearthed from the tomb of Yandunshan, Dantu District, Zhenjiang City | 西周 青铜牺觥 镇江市丹徒区烟墩山墓出土.

Bronze Zun, Early Spring and Autumn Period, unearthed from the Yan City Site, Changzhou City | 春秋早期 青铜尊 常州市淹城遗址出土.
Dazwischen – Specimens room of Neolithic relics 新石器时代文物标本室 (ca. 7000–2000 v. Chr.):

Und erneut gen Han – Local culture of Wu and Yue 吴越争霸 (670–306 v. Chr.):

Hard pottery Ding, Early Warring States Period, unearthed from the Mound No. 1 of Hongshan, Xishan District, Wuxi City | 战国早期 硬陶兽面鼎 无锡市锡山区鸿山D1出土.
Aus den Qin- und Han-Dynastien 秦汉时代 (221 v. Chr. –220 n. Chr.):

Bronze lamp, Eastern Han, unearthed from Tushan, Xuzhou City | 东汉 铜雁足灯 徐州市土山出土.
Aus den Sechs Dynastien 六朝时代 (229–589):
Besonders faszinierend sind die Ziegelreliefs 砖印模画, solche hatte ich zuvor noch nirgends gesehen:

Pictorial brick with the design of „the God with Feather Leading Tiger“, Southern Dynasties; Detail | 南朝 羽人戏虎砖画.

Pictorial brick with the design of parade, Southern Dynasties; Detail | 南朝 鼓吹出行砖画.

Tile end with human mask design, Six Dynasties | 六朝 人面纹瓦当.
Aus dem Stadtmauermuseum, s. o., weiß ich nun endlich auch, dass es sich bei einem wadang 瓦当 um einen Traufziegelkopf handelt.

Soapstone pig sculpture, Six Dynasties, unearthed from Mufushan, Xishanqiao and Zhaoshihang, Nanjing City | 六朝 滑石猪 南京市幕府山、西善桥、赵世刚出土.

Soapspoon spoon model, Southern Dynasties, unearthed from Ganjiaxiang, Nanjing City | 南朝 滑石勺 南京市甘家巷出土.

Bronze Jiaodou, Western Jin (im Jahr 294), unearthed from the Shishi Commune, Jurong | 西晋 元康四年(294年) 铜鐎斗 句容市石狮公社出土.
Specimens room of the relics of the Six Dynasties 六朝文物标本室:


Aus den Dynastien der Sui bis Tang 隋唐时代 (581–907):

Tri-coloured pottery camel, Tang Dynasty | 唐 三彩骆驼.

Porcelain pot with green colour, Tang Dynasty | 唐 绿彩纹壶.

Painted pottery maid figurines, Tang Dynasty | 唐 彩绘陶女侍俑.

Pottery female figurines, Tang Dynasty | 唐 陶乐俑.

Green-glazed ewer with brown painted and applied design of a Hu figure, Tang Dynasty, unearthed from Saoguoshan, Yangzhou | 唐 青釉褐彩贴塑胡人纹执壶 扬州市扫垢山出土.

Pottery figurine with the design of fish body and a human head, Southern Tang, unearthed from the tomb of Li Jing, Jiangning District, Nanjing City | 南唐 人首鱼身陶俑 南京市江宁区李璟墓出土.

Ebd.

Pottery horse sculpture, Southern Tang, unearthed from the tomb of Li Jing, Jiangning District, Nanjing City | 南唐 陶马 南京市江宁区李璟墓出土.
Specimens room of the relics of Tang and Song Dynasties 唐宋文物标本室:

Aus den Dynastien der Song bis Yuan 宋元时代 (960–1368):

Porcelain pillow with white background, black floral designs and reserved panels of a child holding a lotus, Song Dynasty | 宋 白地黑花开光持莲童子纹瓷枕.

Celadon glazed porcelain covered jar with five tubes, Song Dynasty | 宋 青釉五管瓷盖罐.

(Links 左:) Celadon glazed porcelain incense burner with five legs, Song Dynasty | 宋 青釉五足瓷炉. (Rechts 右:) Bluish white porcelain incense burner, Song Dynasty | 宋 青白釉兽面足瓷炉.

Porcelain jar, Jun Yao, Yuan Dynasty | 元 钧窑瓷鸡心罐.
Aus den Dynastien der Ming bis Qing 明清时代 (1368–1911) – genannt „Flourishing Age of Jiangnan 盛世江南“:

Yellow glazed tile end with pattern of dragon, Early Ming Dynasty, unearthed from the ruins of the Ming Palace, Nanjing | 明早期 黄釉龙纹琉璃瓦当(一组) 南京明故宫遗址出土.

明代琉璃构件位置示意图 (Schaubild zur Positionierung von glasierten Ziegelkomponenten in der Ming-Dynastie).

Black pottery joint-angle roof ornament, Early Ming Dynasty, unearthed from the ruins of the Ming Palace, Nanjing | 明早期 黑陶合角吻 南京明故宫遗址出土.

Copper mirror, Ming Dynasty | 明 吕造神仙聚宝纹大铜镜.

Copper mirror in table screen style, Ming Dynasty | 明 饰人物纹座屏式铜镜.

Plate inlaid with mother of pearl, Qing Dynasty | 清 嵌螺钿人物纹小盘;左:指日高升,右:状元及第.

清 同治 绿地红莲花闪缎 (Grüner Hintergrund mit roter Lotusblume aus Atlasseide), Detail, 1386x77.5cm, während der Regierungszeit von Kaiser Tongzhi (1861–75).

清 绿色实地纱彩绣蟒袍 (Drachenrobe mit polychromer Seidenstickerei auf grünem, einfarbigem Grund), Detail, 139x198cm, Qing-Dynastie.

Ebd., Detail.
Dazu gab es zwischendurch weitere Galerien, einzelne Räume mit spezifischen Themen:

Fu Baoshi 傅抱石: 毛泽东《到韶山》诗意图 (Illustration zu Mao Zedongs Gedicht „Nach Shaoshan“). 88,1x116,3cm, 轴 纸本设色, 1960.

Su Tianzi 苏天赐 (1922–2006): O. A.

In einem weiteren Galerieraum Musterbeispiele vom Beginn der chinesischen Moderne, o. A.
Ein eigener Raum von Wu Weishan darf nicht fehlen, hier natürlich ebenfalls mit Laozi und Kongzi, siehe mehr zu Wu weiter unten:

Wu Weishan 吴为山: 李白(诗人)(Li Bo, Dichter). 青铜, 2012.

Ders.: 中国少女 (Chinesisches Mädchen). 汉白玉, 2000.
Eine der seltenen weiblichen Figuren bleibt auch hier namenlos.

Clay dramatic characters sculpture, Late Qing Dynasty | 清末 泥塑戏剧人物.

Zwischendurch mit wunderbaren Infografiken, hier: 清代“帖学”书法名家举要 (Ausgewählte bedeutende Meister der Kalligrafie der Qing-Dynastie in der Tradition der „Modellschriften“).

The Exhibition for the Disabled 博爱管.
Nebenbei, bo’ai 博爱, wörtlich: allumfassende Liebe, bedeutet Humanität, Nächstenliebe; für einen Menschen mit Behinderung kenne ich aus dem allgemeinen Sprachgebrauch sonst nur canjiren 残疾人, mit can als unvollständig. Nachdem ich über diesen Raum erstaunt war, erfreut mich noch mehr diese Bezeichnung. Es könnte sein, dass der Schriftzug relativ neu ist, die Objekte meist zum Fühlen und ihr Aufbau waren geschätzt aus den Nullerjahren:


Auch hier gab es, wie so häufig auf dieser Reise und am besten im Deji, ein Digitalrondell. Hier von Qiu Ying 明 仇英 (1498–1552): 南都繁会景物图卷 (Bildrolle des geschäftigen Lebens in Nanjing). O. A., Ming Dynasty.

Sehr skurril, aber folgerichtig, wird es im Untergeschoss, wo der Food Court dekorativ in die Republikzeit verlegt ist (民国馆) und Snacks, Getränke und Nippes von damals erstanden werden können. Ich kaufte ein schönes Paar Gläser.

Ebd.

Dazu war im Eck noch die Gallery of Intangible Heritage 非遗馆, deren Einführung damit beginnt, welch großen Wert Xi Jinping auf den Schutz immateriellen Kulturerbes legt, welche Reglementierungen dafür seit 2003 eingerichtet wurden (保护非物质文化遗产公约), was dies in welchen Stufen umfasst und um welche es geht: u. a. Holzschnitz-Neujahrsmalerei 桃花坞木版年画, Jadeschnitzerei 玉雕, Bambusschnitzerei 留青竹刻, Brokatstoffe aus der Song-Zeit 宋锦织造技术. Und auch hier kann vieles von den anwesenden Handwerker·innen erworben werden.

Wang Ruilin 王瑞林: 逐梦记——马 (Chronik der Nachverfolgung eines Traums: Pferd). 390x200x90cm, 铸铜彩绘, 2016.

Glazed arch of the Porcelain Tower of Nanjing 大报恩寺塔琉璃拱门, o. A.
Hierhin hatte ich von der Porzellanpagode oben beim Stadtmauermuseum verwiesen.

Dazwischen eine der gelegentlichen kleinen Lerninseln.

Oder Stationen für Audioguides.
Eine Sonderausstellung zeigt The Perspective of Likeness: Portrait Paintings of the Ming and Qing Dynasties Collected by the Nanjing Museum 如是观——南京博物院藏明清肖像画, seit August 2025:

明秦氏家藏玉延秋馆摹本:徐乾学肖像 (Porträt von Xu Qianxue, 1631–94). Detail, 64,5x25cm, 纸本设色, o. J.

清秦氏家藏玉延秋馆摹本:秦松龄肖像 (Porträt von Qin Songling, 1637–1714). Detail, 64,5x25cm, 纸本设色, o. J.

Yang Jin 杨晋 (1644–1728) und Wang Hui 王翚 (1632–1717): 沧浪濯足图卷 (Bildrolle des Füßewaschens im Fluss Canglang). Detail, 31,1x112cm, 绢本设色, o. J.

Yu Zhiding 禹之鼎 (1647–1709): 高士奇像 (Porträt von Gao Shiqi, 1645–1703). Detail, 50,3x86cm, 纸本设色, 1697.

Unsigniert 无款: 吴攘之先生七十岁后小像 (Porträt von Herrn Wu Rangzhi nach seinem siebzigsten Lebensjahr). Detail, 39,1x143,1cm, 纸本设色, o. J.

Unsigniert 无款: 三文敏像 (Porträts der drei Wenmin). Detail, 22,1x17,7, 绢本设色, o. J.

Unsigniert 无款: 钱世桢像 (Porträt von Qian Shizhen, 1561–1642). Detail, 142,1x76,7cm, 绢本设色, o. J.
Endlich eine Dame, immerhin eine fiktive:

Hu Junsheng 胡骏声: 小青像 (Porträt von Xiaoqing [Dienerin der Hauptfigur in Tang Xianzus 汤显祖, 1550–1616, Kunqu-Oper „Der Päonien-Pavillon 牡丹亭“]). 23,2x15cm, 纸本设色, o. J.

Unsigniert 无款: 罗应斗像 (Porträt von Luo Yingdou, 1558–1620). 45,4x26,4cm, 纸本设色, o. J.

Unsigniert 无款: 童养所像 (Porträt von Tong Yangsuo, ?). 45,4x26,4cm, 纸本设色, o. J.

Wu Chang 吴昶: 王显庸像 (Porträt von Wang Xianyong, 1651–1721). Detail, 116,2x54,7cm, 绢本设色, o. J.

Außerdem sah ich mir die VR-Show Mapping the World: The Kunyu wanguo quantu of Ming China 观天下·坤舆万国全图 (Vollständige Karte aller Länder der Welt zur Ming-Zeit) an, 10.7.–11.10.2025. Der 1,5-minütige Clip auf der Seite des Links gibt einen kleinen Einblick in diese sehr chinesisch bombastisch aufgezogene, nichtsdestoweniger beeindruckende Show, die in diesem Raum stattfand:


Und es lief die Sonderausstellung Crescent and Rose: Iranian Civilization through the Ages 新月与蔷薇——伊朗文明的千年经纬, 2.7.–16.11.2025:

盘羊形来通杯 陶 公元前3世纪 安息时期 (Steinbockförmiges Rhyton, Keramik, 3. Jh. v. Chr., Partherzeit).

虹彩八芒星形人物铭文砖 陶13世纪 伊利汗时期 (Fliese in Form eines achtzackigen Sterns mit Figuren und Inschrift im Iris-Muster, Keramik, 13. Jh., Ilkhaniden-Periode).

虹彩八芒星形动物纹砖 陶13世纪 伊利汗时期 (Fliese in Form eines achtzackigen Sterns mit Tiermotiv im Iris-Muster, Keramik, 13. Jh., Ilkhaniden-Periode).

花草纹丝绸 16世纪 萨法维时期 (Blumenmuster auf Seide, 16. Jh., Safawiden-Periode).

印染织品残片 17世纪 萨法维时期 (Fragment eines gefärbten und bedruckten Stoffs, 17. Jh., Safawiden-Periode).

印模 木18–19世纪 恺加时期 (Druckplatte, Holz, 18.–19. Jh., Qajar-Periode).

圆形彩纹人物细密画 (Miniaturmalerei mit Figuren auf farbigem Rundmusterbogen), o. A.

宫廷人物细密画 (Miniaturmalerei mit Figuren am Hof), o. A., 1930.

Zwischendurch …

Eingang der Universität Nanjing, Nanda, am Tor Guangzhou lu 广州路门.

Tor von innen.
Universitäten sind spätestens seit Corona meist nur noch auf Einladung zugänglich, wenn man dort nicht arbeitet oder studiert. Wir waren im südlichen Teil des Gulou Campus untergebracht (南京大学鼓楼校区南园), ganz in der Nähe des Rabehauses, und durften durch das Guangzhou lu Tor (广州路门) hinein. Aus dem dortigen Nordtor (vom Südteil) kamen wir auch hinaus, hinaus kommt man immer, aber um auf der anderen Straßenseite durch das Südtor des Gulou Campus zu gelangen, musste telefoniert werden.
Und deshalb sahen wir auch den dortigen Skulpturenpark von Wu Weishan 南大吴为山雕塑园.

Wu Weishan 吴为山: Buffalo 孺子牛. 180x550x80cm, Bronze, 2002.
An Wu Weishan 吴为山 (*1962) kommt man in Nanjing nicht vorbei. Oben haben wir bereits seine Rabeplastik und andere gesehen. In Deutschland kennt man seine überdimensionale Karl Marx Statue in Trier, in Beijing seinen riesigen Konfuzius.
In der Nanda kann man sich, nach Einlass am Unitor, seine Ausstellung „Professor Wu Weishan Sculpture Art Documents 吴为山教授雕塑艺术文献“ ansehen:

Links Kongzi, rechts Laozi.

Ebd., Konfuzius, Detail.

Ebd., Laozi, Detail.

Eine kleine Version von Wus „Harmony between Man and Nature – Laozi 天人合一——老子“.

Hier sind alle Plastiken ohne Angaben, man muss wissen, was man sieht. Die Baidu-Bildersuche und ich wissen es in diesem Fall leider nicht.

Lu Xun.

Szene vom Massaker in Nanjing, Detail.

Wu Weishan 吴为山: Harmony between Man and Nature – Laozi 天人合一——老子. 230x160x320cm, Bronze, 2016. Mit: QR-Code.
Es hat so sehr geschüttet, dass Finger und Kamera wohl leider zu durchnässt waren fürs Scharfstellen. Aber das merkt man bei der drastischen Komprimierung der Bilder auf diesem Blog vermutlich nicht.
Nun aber zur Gegenwartskunst:
G Museum 金鹰美术馆
→ Link und s. für die Ausstellungen WeChat-ID: 金鹰美术馆; und die Adresse vor Ort ist insofern wichtig, weil sie zum einen auf die Shopping Mall Golden Eagle World und zum anderen dort auf den 52. Stock verweist: 南京金鹰世界A座52F



Es lief Architectural Responses to Contemporary China 中国当代的建筑回应, kuratiert von Lu Andong 鲁安东, 7.9.–28.12.2025, unterteilt in drei Mottos von drei Architekturbüros:
Atelier Archmixing 阿科米星建筑设计事务所
„Change is a common sense 改变是一种常识“:

安龙森林公园东部码头小镇 (Hafengemeinde am östlichen Ufer des Anlong Waldparks), Hangzhou, 2013.

Ebd.
Atelier Deshaus, Shanghai 大舍在上海
„Sensitive Urbanity 敏感的都市性“:

Long Museum West Bund 龙美术馆西岸馆, Shanghai, 2014.

Modern Art Museum 艺仓美术馆, Shanghai, 2016.

Ebd., 1:250, brass, walnut, acrylic, 2016.
Atelier Li Xinggang 李兴钢工作室
„Integrated Geometry and Poetic Scenery 胜景几何“:

Hebei, Tangshan, 2015.

Ebd.

Yanqing Olympic Park 2062 | 延庆奥运2062.
Außerdem lief Love Unknown 爱的新知识, kuratiert von Shen Qilan 沈奇岚, mit Unterstützung von Pro Helvetia, 1.3.–20.11.2025 (verlängert). Eine spannende Ausstellung, von der Zusammenstellung, der Ausweitung des Themas und vor allem den zugehörigen Infotexten:


Stanley Fung 冯君蓝: (Links 左:) Understand Each Other 相知. 74x110cm, digital fine art print, 2015. Courtesy of the artist and M Art Center. (Rechts 右:) Know 认识. 110x74cm, digital fine art print, 2023. Courtesy of the artist and M Art Center.

Zhang Xiaogang 张晓刚: Paradise 天堂. 88x215x162cm, fiberglass reinforced plastic, silver signature pen, 2010 (revised in 2014). The collection of G Museum.

Ebd., Detail.

Luka Yuanyuan Yang 杨圆圆: Coby and Stephen Are in Love 相爱的柯比与史蒂芬. Filmstill, single-channel HD video, 30:41min., 2019. Courtesy of the artist.

Ebd., Filstill.

Bian Shaozhi 卞少之: Close to the Mid-Autumn 近中秋. 110x110cm, oil on marine plywood, 2023. The collection of G Museum.

Weiß mans oder nicht …

Zhang Xuerui 张雪瑞: 20241029 · Handwritten Letters | 20241029·手书. 38x29cm, acrylic on paper, cloth, pin, 2024. Courtesy of the artist.

Ebd., Detail.

Tao Aimin 陶艾民: Book of nvshu No. 4 | 女书卷四. 70x30x1,5cm, ink, paper, 2008. Courtesy of the artist.

Maleonn 马良: Have a sit [sic], I’ll tell you a story 请坐,我给你讲个故事. Dimensions variable, wooden stool, water-effect light, light-control sound installation, 5min., 2025. Courtesy of the artist.

Hu Xiaoyuan 胡晓媛: Wood-Purlin No. 10 | 木/檩 10. Detail, 160x125x4,3cm, wood, ink, raw silk, used grate, metallic nails, 2021. The collection of G Museum.

Chen Yujun 陈彧君: Familiy Politics No. 1-245878 | 家族政治 No. 1-245878. 166,5x141,8cm, silk, paper, acrylic paint, wood, paint, 2018–19. The collection of G Museum.

Yu Youhan 余友涵: The Wheel of Life 轮回图. 305x407,5cm, acrylic on paper, 2017. The collection of G Museum.

Su Yu-Xin 苏予昕: With or Without the Sun (Su’ao-Hualien Roadway) | 或旦或瞑(苏澳-花莲公路). 225x130x5,4cm, sand, coral pigments, ferric oxide, white sugar, crystal dust, sulfur, soil, red ore, tourmaline dust and div. hand-made pigments on board, 2021. The collection of G Museum.

Hu Yinping 胡尹萍: Hu Xiaofang 胡小芳. Detail, dimensions variable, 2015–present. Courtesy of the artist and Magician Space.

Liu Yi 刘毅: Morning and Dusk, and No More 无需经营的清晨与黄昏. Detail, filmstill, single-channel animation, 21:39min., 2022. Courtesy of the artist and ShanghArt.
Text: „We’ve finished all the food, what should we do next?“

Ebd., Detail, Abspann.
Text: „Morning and Dusk, and no more stems from the Artist in Residency Programme at Countryside Animafest Cyprus in Salamiou (Cyprus) in 2019.“

Yan Pei-Ming 严培明: Tête (Head) | 头. 207x155cm, oil on canvas, 1992. The collection of G Museum.

Wang Guangle 王光乐: 190331. 122x243cm, plaster on woodboard, 2019. The collection of G Museum.

Wang Evelyn Taocheng 王伊芙苓韬程: Morning Mist 晨雾. 185x185x2cm, China ink, graphite, colour gesso, colour pencil, pencil on linen canvas, 2023. The collection of G Museum.

Ebd., Detail.

Song Dong 宋冬: Father & Son Look into the Mirror 父子照镜子. Detail, filmstill, dimensions variable, video projection installation, 2001. Courtesy of the artist and Beijing Commune, Tan Zhuo 谭卓.
Text: „My father and I were looking at each other’s mirror images melting. When the mirror images burned completely, we were truly face to face.“

Ebd., Detail, filmstill.

Ursula Biemann: Acoustic Ocean 声海. Detail, filmstill, two channel video installation, 4K, 18min., 2018.

Chen Zhe 陈哲: Eternal Ephemera: Starlit Giant 偏善幻中来:巨人. 126x180cm, UV inkjet printed acrylic sheet in lightbox with wooden frame, 2023. Courtesy of the artist and White Space.

Li Weiyi 李维伊: Dream 梦. 200x257cm, gold-plated stainless steel, 2020. The collection of G Museum.

Chen Ke 陈可: Whirling 眩晕. 270x200x200cm, oil paint on aluminium sheet, 2023. Courtesy of the artist and Perrotin.

Im Shop konnte man dann das „Zhang Xiaogang Grey 张晓刚灰“ erwerben.





Es lohnt sich, selbst nur für Kaffee und Kuchen vor dieser Aussicht hierherzukommen.


Dazu ein paar lokale, kleine, aber feine Orte für zeitgenössische Kunst:



In der Toku Gallery 陶谷公园 lief von Fu Shuai 付帅: Negotiated Ecologies: Neon, Lakes, and Landfills 不断协商的生态:霓虹、湖泊与填埋场, 6.9.–12.10.2025:

褶皱 (Gefaltet – div. Nummern). Div. Größen, 木板综合材料, 2025.

褶皱 - 固定 #4411298 (Gefaltet – fixiert #4411298). 44,1x29,8x1cm, 木板综合材料, 2025.

旧木框 (Alter Holzrahmen). 52x71,5cm, 木板综合材料, 2018.




Interessantes Gebäude, es handelt sich um ein neues Kreativhub.
Die East Gallery 逸空间画廊 zeigte von Zhang Wei 张巍: Go for a Walk 散步去, 20.9.–16.11.2025:

(Links 左:) The Lake with Reflections of Buildings 有楼房倒影的湖面. 80x80cm, acrylic on canvas, 2023. (Mitte 中:) Quiet Studio 平静的工作室. 80x80cm, acrylic on canvas, 2022. (Rechts 右:) The Room with Paintings 有画的房间. 100x110, acrylic on canvas, 2024.

A Tidy Room 干净的房间. 100x110cm, acrylic on canvas, 2024.

Morning Begins at Noon 早晨从中午开始. Detail, 100x 10x10cm, acrylic on canvas, 2025.

Ebd., Detail.

Unten die East Gallery und oben, man muss es suchen, das Sixi Museum.

Im Sixi Museum 四禧美术馆 lief die Doppelausstellung von Qian Qian 钱倩 und Christian Quin Newell: The Light Burns the Reality 燃犀照境, kuratiert von Zheng Shu 郑姝, 12.8.–26.10.2025:

Qian Qian 钱倩: Neurological Subdomain 神经子城. 76x168cm, watercolour and mixed media on panel, 2025.

Christian Quin Newell: Vision 幻象. 160x120cm, oil on linen, 2025.

Ders.: The Mirror 镜子. 21x14,8cm, gouache, acrylic, ink, graphite on paper on panel, 2025.

Qian Qian 钱倩: Chiliocosm Daydreaming 大千世界梦游. 120x100cm, oil, acrylic and watercolour on canvas, 2025.

Dies.: Omnia Mutantur Nihil Interit 万物皆变,无物消亡. 120x100cm, oil, acrylic and watercolour on canvas, 2025.
Das Beiqiu Museum of Contemporary Art 北丘美术馆, BMCA, bietet regionaler Kunst und Kuration einen Anlaufpunkt. Es liegt auf dem dubiosen, weil etwas in die Jahre gekommenen Funpark namens Catherine Park 环亚凯瑟琳广场.



Aktuell lief die Gruppenshow Ding Liren: Drifting Encounters 丁立人:萍水相逢, kuratiert von Yang Tiange 杨天歌, 5.8.–26.10.2025:

Installationsansicht.

Ebd.

Liu Dongxu 刘冬旭: (Links 右:) Pavilion of the Graces 三女神之亭. 38x37x29cm, bronze, 2021. (Rechts 左:) Column of the Eye II | 眼之柱 II. 2x 27x27x147cm, bronze, 2023.

Ding Liren 丁立人: Scenery of Tiantaishan-3–4 | 天台胜景 -3–4. 80x80cm, oil on canvas, 2000.

Wu Shangcong 吴尚聪: Good Morning 早安. Temporary sculptures created from discarded wood during exhibition installation, 2025.

Ebd., Detail.

Ding Liren 丁立人: Sculpture Collection 雕塑收藏. Detail, o. A.

Ebd., Detail.
Leider ohne Angaben, woher diese Objekte stammen und warum sie wann gesammelt wurden.

Su Hua 苏华: Drifting Encounters 萍水相逢. 200x150cm, oil on canvas, 2025.

Lijiazhai („Record of Lijiazhai“ and „Lijiazhai: Coal Stove“) | 李家宅(“李家宅记”与“李家宅煤矿”). Detail, o. A.

Ebd., Detail.

Wu Shangcong 吴尚聪: Journey to the West Supplement 2 | 西游补2. Food colouring, IKEA Måla doodling paper, 2025.

Ding Liren 丁立人: Drifting Encounters 萍水相逢. Detail, collage on paper, o. A.
Außerdem lief als sogenanntes Tunnel Project 隧道工程, hinten in den Gängen, von Cheng Jialiang 成佳亮: Visions beyond the Void: Whispers from the Hollow 凭虚远眺:空穴来风, kuratiert von Wang Yanjun 王彦钧, 5.8.–26.10.2025:

Installationsansicht.

Cheng Jialiang 成佳亮: He Who Comes Late 晚来的人. Filmstill, dual-channel video with colour and sound, documentary, experimental, 20:15min., 2024.
Im Museumsshop dann:

Text: „BMCA 解压香肠 / Hey! Look at me! I am a hot dog!“, für 49 Yuan.

Und daneben in Anwendung mit weiteren Plastikzutaten präsentiert. Ich bin erstaunt, dass Kreationen dieser Art noch existieren.
Das Sifang Art Museum 四方当代美术馆 existiert seit 2023 leider nur noch als Architektur. Doch zumindest 2025 fand hier die auf Videokunst spezialisierte Nanjing Art Fair International 南京国际艺术季 statt.
Schon interessant, wenn man es einmal herunterbrechen möchte: Bei der Toku Gallery war die Kunst abstrakt, bei der East Gallery persönlich, auch beim G Museum ging es vordergründig um Persönliches, beim Sixi Museum habe ich noch die größte Energie bei Qian Qian verspürt, wenn auch hinter verspielt-nebulös, leicht parawissenschaftlichem Blick, Beiqiu wühlte etwas diffus in Erinnerungskisten.
Nanjing im Regen …


Inklusive Gulliüberfluss.

Der Rückspiegel ist kein Spiegel mehr, sondern eine große Rückkamera. Auf Nachfrage erzählte der Fahrer, es gebe eine weitere nach vorne und zwei innen jeweils für die vorderen und hinteren Sitze; diese seien vom Taxiunternehmen vorinstalliert. Ob auch Audio aufgenommen werde, war er sich nicht sicher, riet aber davon ab, über krumme Geschäfte zu sprechen.
Nicht vorenthalten möchte ich, dass unsere Dusche strahlte:


Übrigens hat uns niemand aus der Redaktion von SISU besucht und wir wurden auch auf Nachfrage nicht nach Shanghai eingeladen. Vielleicht sollte man in Nanjing tatsächlich vorsichtig sein – der Spruch, dass noch keine Ente die Stadt lebend verlassen habe (没有一只鸭子能活着离开南京!), gilt womöglich nicht nur kulinarisch.
Lektüreempfehlungen

Erwin Wickert (Hg., 2008 [1997]): John Rabe: Der gute Deutsche von Nanking. München: Pantheon.

Anne C. Voorhoeve (2013): Nanking Road. Jugendbuch. Ravensburg: Ravensburger.

Lin Hierse (2024): Das Verschwinden der Welt. Roman. München: Piper.

Henry Rosemont Jr. (1934–2017) und Roger T. Ames (2016): Confucian Role Ethics: A Moral Vision for the 21st Century? Göttingen: V&R. S. URL.
Maximilian Mayer und Frederik Schmitz (2025): The Digitalisation of Memory Practices in China: Contesting the Curating State. München: C.H. Beck. S. URL.
In Bezug auf Propagadamaschinerien ist bestimmt auch der Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse von 2025 interessant:
Irina Rastorgueva (2024): Pop-up-Propaganda: Epikrise der russischen Selbstvergiftung. Berlin: Matthes & Seitz.
Sowie diesbezüglich anhaltend aktuell von Victor Klemperer (1947): LTI: Notizbuch eines Philologen. Leipzig: Reclam. In chinesischer Übersetzung: [德] 维克多·克莱普勒:《第三帝国的语言》,印芝虹译,北京:商务印书馆,2013年 (mit Dank für diesen Hinweis an Eva).
Was jede·r einzelne tun kann: Folgt dem Aufruf von Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion: Digital Independence Day. In: 39C3, 56:48min., 27.12.2025. Einfacher erster Schritt: Bitte nutzt Signal statt WhatsApp.
Für die allgemeine Lage der Welt kann dank der Neuübersetzung der Parabel-Romanzyklus wiederentdeckt werden – beginnend mit dem Band von 1993, der schaurig aktuell in unserem Heute, in der Zeit von 2024 bis 2027 spielt:

Octavia E. Butler (2023 [1993]): Die Parabel vom Sämann (Original: The Parable of the Sower). Übersetzung: Dietlind Falk. Roman. München: Heyne.
Als abschließender Lichtblick sei diese Podcastfolge empfohlen:
Future Histories (S3 F56): Miriam Lang zu Systemalternativen jenseits des Entwicklungsparadigmas. 2h, 18.1.2026.
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Zuvor habe ich gelegentliche Zusammenarbeiten mit Konfuzius-Instituten dann angenommen, wenn sie nur mich persönlich betreffen und keine chinesischen Künstler·innen involvieren. Zwar konnte ich selbst auch aus dem Land geworfen bzw. kann mir inzwischen der Zutritt verweigert werden, ich wollte und will jedoch niemand anderen für weder den jeweiligen Moment noch mögliche Zukünfte vor Ort in China gefährden – schließlich handelt es sich bei den Instituten um außenpolitische Vertretungen der Volksrepublik, die dem Ministerium für Bildung der Zentralregierung unterstellt sind und als Instrument der Softpower verstanden und eingesetzt werden.
Deshalb arbeitete ich dieses Jahr für das Leipziger Magazin auch eher unter dem Radar – ich tauche nicht namentlich als Redakteurin auf, sondern nur im Lektorat, und eigene Beiträge habe ich meist unter Pseudonym geschrieben bzw. laufen die kleinteiligen Empfehlungen, alle möglichen Erläuterungen und die Editorials sowieso ohne Namensnennung. Bevor ich für 2026 wieder ein neues Projekt mit neuen Finanzspritzen benötige, ging es für die einmal im Jahr erscheinende Ortsausgabe des Magazins mit der gesamten fünfköpfigen Leipziger Redaktion nach Nanjing. Die Reise soll unten als weiteres Beispiel dienen und wird um meine eigenen Interessengebiete ergänzt.
In diesem Blogpost möchte ich meine Erfahrungen teilen – wie immer natürlich aus meiner persönlichen Sicht. Ich verzichte auf konkrete Personenangaben, zum einen, weil dieser Text nicht mit den Beteiligten abgesprochen ist; vor allem aber beziehe ich mich entgegen meiner sonstigen Überzeugung auf „die deutsche“ und „die chinesische“ Seite, weil ich von beiden sehr unterschiedliche Positionen wahrgenommen habe. Bei Bedarf sei auf die Impressen verwiesen.
Zunächst gehe ich auf die Struktur der Institute und ihrer Magazine ein und erläutere sie. Es folgen anhand von Beispielen chinesische Sensibilitäten bezüglich Wort und Bild. Zu Anfang meiner Tätigkeit habe ich eine Textdatei mit Skurrilitäten angelegt, der diese Beispiele entstammen. Im Anschluss findet sich die Reise nach Nanjing im Herbst 2025, zu der hier gesprungen werden kann.
Aufgrund der Verzögerungen aus China bei der Nanjing-Ausgabe ist der Stand dieses Blogposts vom: 6.2.2026.

Bildschirmfoto: Alle seit 2014 herausgegebenen Ausgaben des deutschsprachigen Magazins des Konfuzius-Instituts finden sich online auf der Verlagsplattform Issuu, s. hier.
Zur Struktur der Konfuzius-Institute und ihrer Magazine
Für eine erste Einordnung vorab dieser Auszug aus meiner Diss (2022: S. 44, 53f):
„Mit dem 11. Fünfjahresplan der Regierung ([der KPCh,] 2006–2010) wurde ‚Softpower‘ als ‚sanfte Macht‘ eingeführt und die Kulturindustrie offiziell als Wirtschaftszweig hervorgehoben.“
„Außenpolitisch sind für die Umsetzung dieser [der chinesischen] Softpower das Hanban und seine Konfuzius-Institute prominente Vertretungen: Das in der Kurzform als Hanban 汉办 bekannte, 1987 als außenpolitische Kulturinstitution gegründete Büro der Führungsgruppe zur internationalen Verbreitung der chinesischen Sprache der VRCh 中华人民共和国国家汉语国际推广领导小组办公室 untersteht dem Ministerium für Bildung der Zentralregierung.[Fußnote 176] Mit Beginn der Regierungszeit von Hu Jintao 2002 erhielt das Hanban den Auftrag, Sprachförderinstitutionen im Ausland nach dem Vorbild etwa des deutschen Goethe-Instituts oder des spanischen Instituto Cervantes zu errichten. 2004 wurde in Seoul das erste Konfuzius-Institut 孔子学院 eröffnet, 2018 waren in über 150 Ländern über 500 Institute gegründet. Da die Institute dem Hanban unterstehen, müssen Veranstaltungen und Personalauswahl vom Hanban genehmigt sein und also in Übereinstimmung mit den Vorstellungen der Volksrepublik stehen. Dass die Institute inhaltlich Einfluss auf Veranstaltungen ihrer Partneruniversitäten nehmen würden, ist seit Beginn das Hauptbedenken besonders aus dem Westen.“
„[Fußnote 176:] Hanban wurde ab 2020 umbenannt in Center for Language Education and Cooperation (CLEC) 教育部中外语言交流合作中心, kurz: 语言合作中心. […]“
Seither ist die Gemengelage etwas undurchsichtiger: Ab 2020 wurden Aufsicht, Verwaltung und Betrieb von CLEC auf die neugegründete Stiftung namens Chinese International Education Foundation (CIEF) 中国国际中文教育基金会 übertragen. Diese in Beijing ansässige Stiftung bezeichnet sich selbst als „gemeinnützige Organisation“ (慈善组织, s. hier) und ist, wie verpflichtet, als solche registriert beim Ministerium für zivile Angelegenheiten (民政部) der Zentralregierung, das unter anderem für Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zuständig ist. Da NGOs in China im westlichen Verständnis von „Nichtstaatlichkeit“ so gut wie nicht mehr existieren, handelt es sich also um einen der typischen chinesischen Sonderfälle einer „staatlich angegliederten NGO“ (官办非政府组织). Die CIEF fungiert seither als Herausgeberin der Magazine, in den Impressen wird jedoch weiterhin das Ministerium für Bildung als übergeordnete Leitungsinstanz genannt (主管:中华人民共和国教育部;主办:中国国际中文教育基金会).
In dem Bericht der Friedrich-Ebert-Stiftung von Andrea Frenzel: Deutsch-chinesische Kooperationen in Bildung und Kultur (Juni 2025, S. 27f), heißt es, dass „die [Konfuzius-]Institute seit 2020 unter der Rubrik ‚Politische Einflussnahme‘ in den Verfassungsschutzberichten erwähnt“ würden (mit Dank für den Hinweis an Benjamin).
Im Jahr 2024 feierte das Konfuzius-Institut sein 20jähriges Bestehen seit seiner Gründung, 15 Jahre Magazin sowie 10 Jahre des deutschsprachigen Magazins. Dafür erschien eine Jubiläumsausgabe (5-2024) – aus dieser stammt der Großteil der folgenden, hier teils ergänzten oder erläuterten Selbstangaben (Statistik: S. 6–9):
- Aktuelle Zahlen: Stand Juni 2024 existieren weltweit 495 Konfuzius-Institute, davon 49 sogenannte Modell-Konfuzius-Institute (die seit 2015 verstärkte Unterstützung erhalten), und dazu 763 sogenannte Konfuzius-Klassenzimmer (geförderte Projekte an Schulen, in deren Rahmen das Konfuzius-Institut Lehrkräfte sowie Lehrmaterialien stellt und die Schulen bei Kulturveranstaltungen unterstützt) mit über 1500 chinesischen und ausländischen Kooperationspartnern an über 3900 ausländischen Institutionen, jährlich mit weit über einer Million registrierten Teilnehmer·innen an Sprachprogrammen; der weitaus größte Anteil fällt dabei auf Europa: 183 Institute, davon 21 Modell-Institute, und 332 Klassenzimmer
- Gründung der ersten Konfuzius-Institute im deutschsprachigen Raum: Berlin im April 2006, Nürnberg-Erlangen im Mai 2006
- Anzahl der Konfuzius-Institute im deutschsprachigen Raum: 19 in Deutschland, dazu 2 in Österreich (in Wien und Graz) und 1 in der Schweiz (in Genf, mit Verwaltungssprache Französisch, aber einziges Institut in der Schweiz)
- Konfuzius-Institute im deutschsprachigen Raum nach Gründungsjahr: 2006: Berlin, Nürnberg-Erlangen, Düsseldorf, Wien; 2007: Hannover, Frankfurt am Main, Hamburg; 2008: Leipzig, Trier; 2009: Heidelberg, Freiburg, Duisburg-Essen; 2010: Graz; 2011: Erfurt, Genf; 2012: München; 2013: Bremen; 2014: Göttingen; 2015: Paderborn; 2016: Stralsund; 2017: Bonn, Ingolstadt
- Die Zusammenarbeit verläuft in der Regel zwischen einer chinesischen und einer deutschen Universität; seit den Gründungen wurden einige dieser Kooperationsvereinbarungen verändert oder aufgelöst, etwa vonseiten der Universität Hamburg 2020
- Gründung des ersten zweisprachigen Magazins: chinesisch-englisch im März 2009
- Gründung der chinesisch-deutschen Ausgabe: 2014 in Leipzig
Bislang wurde die 50:50-Rahmung nicht offiziell revidiert, aber im Laufe dieses einen Jahres änderte sich einiges – was zu regelmäßigem Gesprächsstoff inklusive Überlegungen des Umgangs damit auf Leipziger Seite führte. Einmal hieß es von chinesischer Seite: 50:50 bedeute nicht, wir, also Leipzig, dürften 50% allein entscheiden. Das ist ein valider Punkt, denn man würde sich etwas vormachen, wenn man nicht bedenkt, dass die Schlussentscheidung aus China kommt – zunächst aus Shanghai, aber diese sind ebenfalls nur Mittler und müssen sich im letzten Schritt die Abnahme von der Stiftung aus Beijing einholen. Inzwischen wird von dort nichts mehr einfach nur durchgewinkt, sondern alles genauestens, wirklich Wort für Wort auf KP-Treue geprüft. Zur 50:50er Regelung hieß es ein weiteres Mal aus Shanghai erstaunlich direkt: „Ihr habt keine Macht, unsere Artikel abzusagen, ihr könnt Vorschläge machen.“ Darauf folgte die Ansage, dass in Zukunft weniger Artikel beauftragt werden sollten. Im Endeffekt ist es auch eine Geldfrage, schließlich kostet es weniger, aus dem Pool der anderen zehn Sprachausgaben von bereits veröffentlichen Beiträgen zu schöpfen. Besonders die Ausrichtung auf verschiedene Zielgruppen unterliegt solchen Ansätzen naturgemäß. Doch letztlich scheint es SISU vor allem um die Mehrarbeit zu gehen, die der Redaktion durch den deutschen Sonderweg aufgebürdet wird. Deswegen lautet das Zauberwort zum Verhalten von SISU: yìyán 一言, zentralistisch (wörtlich: ein Wort, yī yán; gemeint ist aber, im Sinne von yìyántáng 一言堂: autoritär); und yìyán 异言, der gleichklingende Einwand, wird nicht gewährt. Dies lässt sich auch geopolitisch als Erhöhung der Eskalationsstufe verstehen: Denn so sieht die harscher werdende Erbarmungslosigkeit unter Xi Jinping aus.
Wenn es zu Gründungsbeginn des Magazins im Jahr 2014 bereits die landesweit normierten Zensurvorgaben offensichtlich unerwünschter Themen gegeben hatte (keine Politik, kein Sex, keine Gewalt – also definitiv ohne Tian’anmen, Tibet, Taiwan usw.), so soll anfangs noch relativ frei agiert worden sein können. Das kann ich für die Kunstszene bestätigen, aber was einst schon nicht mehr lange anhielt, wird nun noch einmal strikter angewendet.
Doch auch heute bleibt die Willkür als Instrument der Verunsicherung der beste Pfeiler von Zensur: „Ob mit damals gelegentlicher oder jetzt regelmäßiger Kontrolle, so existiert laut inoffiziellen Angaben bis heute kein eindeutiger Regelapparat. Es bleibt und soll damit wohl unklar bleiben, wie weit man tatsächlich gehen kann, und wie geschult die Zensor·innen sind, um subtile Andeutungen zu verstehen. Zur staatlichen Zensur (国家审查) kommt also die Selbstzensur (自我监控), die als ‚Schere im Kopf‘ ein funktionstüchtiges, indirektes Instrument ist.“ „‚[G]uided by ideology and by a belief system‘ (Brown 2018: S. 10), versteht sich die KPCh nicht nur als politische Partei, sie will Identität schaffen, kulturell und moralisch.“ (Erneut aus meiner Diss, 2022: 53.) „Trotz erheblicher Veränderungen gilt die Willkür der Zensur unter Xi Jinping weiterhin, gerade weil sich die Zuständigkeiten in großem Ausmaß zentralisiert haben. Da die Machtbefugnisse enger geworden sind, warten einzelne Entscheidungsträger·innen lieber ab (vgl. Shi und Rudolf 2014: 7). Dazu kommen beinahe jährliche Veränderungen, durch die die Strukturen entsprechend diffuser, ineinander verwobener erscheinen.“ (Ebd.: 57.)
Der Grundgedanke der deutschen Ausgabe dieses Heftes ist ehrenhaft und für sich genommen unbedingt unterstützenswert: Es ging Leipzig wohl einmal darum, einer deutschen Leser·innenschaft mit Chinainteresse die selbstverständlich vorhandenen anderen Facetten dieses großen, diversen Landes vorzustellen – als Gegenentwurf zur sonst häufig angstbehafteten Presse über China seitens der deutschen Medienlandschaft. Um ein hiesiges Publikum anzusprechen, wurde auch das Layout nach Deutschland verlegt. Chinesische Softpower funktioniert in China erschreckend gut und mag laut einer Einzelaussage auch in Lateinamerika gelingen, wirkt hierzulande aber immer verschrobener – das Leipziger Magazin war phasen- und facettenweise der Versuch eines Gegenbeispiels. Allerdings ist die Überlegung nicht abwegig, dass China diese Wirkung inzwischen gleichgültig ist – doch so angebracht das eigene Selbstbewusstsein national und global sein mag, so sehr läuft es der Gefahr der Egozentrik entgegen.
Hinzu kommt ein mondäner chinesischer Schreibstil, der bereits über zahlreiche Dynastien bis heute zelebriert wird und sich in monumentalen Satzstrukturen und kunstvoll konstruierten Lobpreisungen prächtigster Pracht äußert (vgl. die Dissertation von Teng Yuning, 2024: S. 13, noch unveröffentlicht, sowie von Wu Hung, 1996: Monumentality in Early Chinese Art and Architecture). Dabei ging und geht es nicht zwangsläufig um Indoktrination, sondern betrifft wohlmöglich das Phänomen der Andeutung zwischen den Zeilen, steht also im Gegensatz zu dem auf gut Deutsch direkten Kritisieren. Außer Acht gelassen wird dabei von chinesischer Seite, dass Texte, die ausschließlich etwas bejubeln oder detailverliebt übertrieben emphatisch sind, zumindest für eine informierte deutsche Leser·innenschaft zu PR-Texten werden und damit unglaubwürdig.
Ein amüsantes Beispiel erwünschter Sinisierung (der sogenannten Chinamethode 中国式) ist das Editorial zur Ausgabe „Züge“ (2-2025, S. 1), in dem mein Aufhänger von SISU als zu negativ empfunden wurde und mehrere Redaktionsschleifen benötigte, um Kritik an Deutschland bei gleichzeitigem Lob für China zu ermöglichen – dahingestellt, ob das Augenzwinkern hier überhaupt verstanden wurde: „Ein Thema, bei dem man sich in Deutschland ungewöhnlich einig ist, ist die Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn. Mittlerweile hört man aus der Bevölkerung immer einmal wieder die Überlegung, chinesische Ingenieur:innen und Planer:innen einzuladen, um sich den unzähligen Baustellen hierzulande anzunehmen.“
Katharinas Erfahrung aus ihrer Zeit bei China Daily, in Übersetzungen gerade nicht zu sehr in den blumig verklausulierten chinesischen Stil einzugreifen, um ihn als Propaganda kenntlich zu erhalten, finde ich allerdings schlüssig: Dies trumpft den Anspruch einer interkulturellen Übersetzung, also dass ein Text in der neuen Sprache funktionieren soll. Eine sehr parteikonforme Schreibe kann übrigens gut als „Büromief“ bezeichnet werden (der Dank für diese passende Bezeichnung gilt Eva).
Man könnte so schöne Arbeit mit einem deutsch-chinesischsprachigen Magazin über China leisten, mit eben jener tatsächlich interkulturellen Übertragung und im gemeinsamen Austausch. Fürs deutsche Publikum und für die chinesische Diaspora, mit einer deutschen und daneben einer chinesischen Perspektive auf China, in einem Miteinander. Im Austausch von Bildern, Gedanken, Vorstellungen zu allen möglichen Themen – als Kulturaustausch. Die Kosten lägen für einen dem Leipziger Magazin ähnlichen Umfang bei etwa 30 000 Euro pro Jahr: Hat zufällig jemand Interesse?
Die zahlreichen Anfragen an die SISU-Seite, sich in besagten Austausch zu begeben, blieben entweder unbeantwortet oder liefen, wenn Videogespräche von chinesischer Seite gewünscht wurden, ausschließlich auf Ansagen hinaus – und schon ging es direkter zu als erwartet. Dann saß man zwei Damen gegenüber, die zwei Stunden lang auf einen einredeten, was wie auszusehen habe – s. o. zum 50:50, wenn es leider nur darum ging, welche Artikel von SISU hineinmüssen, was von uns hinaus oder anders, es ging nicht ein einziges Mal, und damit zurück zur Indirektheit: Es ging nie konkret um greifbare Parameter.
Mit Beispielen aus dem Alltag:
Sensibilitäten in Wort und Bild
Sensible Worte (敏感词)
SISU: „Löschen Sie alle sensiblen Ausdrücke wie ‚Corona’ innerhalb des Textes. Der Inhalt entspricht nicht den Veröffentlichungsrichtlinien, Autor·innen wird zur Vorsicht geraten.“ (删去行文中有关“疫情”等的敏感词。内容不符合出版政策,请作者谨慎。)
Wenn anfangs noch Bezeichnungen wie „Kulturrevolution“ oder „Corona“ als Zeiteinheiten verwendet werden konnten, etwa in „nach der Kulturrevolution“ oder „vor Corona“, so durfte es schließlich nur mehr „nach 1976“ oder „vor 2020“ heißen. Die Jahreszahl 1989 darf wiederum gar nicht mehr auftauchen, dazu unten ein Beispiel. Und dieser Wandel fand im Laufe des Jahres 2025 statt!
Nebenbei bemerkt wird im medialen und alltäglichen chinesischen Sprachgebrauch für Corona nahezu ausschließlich von „yiqing 疫情“, Epidemie, gesprochen, kaum je von „da liuxing 大流行“, Pandemie. Der eigentliche Fachbegriff für COVID-19 wird selbst in seiner Kurzform „xinguan 新冠“ (von 新型冠状病毒(感染)) nur selten verwendet. Damit hat sich die abgeschwächte Bezeichnung seit 2020 bis heute durchgesetzt, und es ist davon auszugehen, dass dies staatlich gewollt war und entsprechend unterstützt wurde. Das nächste Level kompletter Tilgung verfolgt die Shanghaier Redaktion, möglicherweise in vorauseilendem Gehorsam.
Dass jemand im Gefängnis saß, auch wenn er oder sie unter Deng Xiaoping rehabilitiert wurde: Geht nicht. Dass ethnische Gruppen nostalgisch verklärt dargestellt werden: Geht nur als singularisiert personifizierte „romantische Sehnsucht nach dem einfachen Leben“ (beide 6-2024, veröffentlich im Januar 2025). In einem Songtext wurde in einer übersetzten Zeile, „Warum ich ziellos umherziehe“ (为什么流浪), das „ziellos“ gestrichen; das ist nicht falsch, war es zuvor aber auch nicht, und es hinterlässt bei mir den Eindruck, dass Ziellosigkeit unerwünscht ist.
Weder die Bezeichnung „Darsteller eines Rotgardisten“ war möglich, und eine Änderung in „Revolutionsdarsteller“ erforderlich (6-2024), noch die Nennung des „Weißen Terrors“ in Taiwan (3-2025). In der ersten Korrekturschleife wurde uns zunächst der „Weiße Terror“ gestrichen (geändert in: zu Zeiten großen Aufruhrs), was ich insofern nicht recht verstand, weil „Weißer Terror“ in Taiwan die Gewalt- und Willkürherrschaft der Guomindang unter Chiang Kai-shek beschreibt, also aus kommunistischer Sicht die Konterrevolution; ich vermute: Negativität allgemein unerwünscht. Später brauchten wir uns auch nicht mehr freuen, wenigstens das „in“ Taiwan als Markierung eines eigenes Landes hineingeschleust zu haben statt der Festlandssicht des „auf“ Taiwan als ihm zugehörig, denn der Abschnitt wurde ersatzlos gestrichen. Er sollte in die kurzen Steckbriefe zur Vorstellung verschiedener Videospiele, die ich aus einem Textwust zusammengeschrieben hatte. Da er rausflog, darf er hier hinein:
„Detention 返校“
„The horrors of high school have just begun …“, heißt es auf der offiziellen Website. Das Spiel behandelt die traumatischen Erlebnisse während der politischen Repression zur Zeit des „Weißen Terrors“ in Taiwan. In der Rolle der Schülerin Fang Ruixin (方芮欣) begibt man sich in die stilisierte Horrorversion ihrer Schule, in der Realität und Geisterwelt ineinanderfließen. Mit der dichten Atmosphäre, der unaufdringlichen Erzählweise und dem politischen Subtext wurde „Detention“ international dafür gefeiert, wie Spiele zur Aufarbeitung von Geschichte und persönlichen Erlebnissen beitragen können.
Survival-Horror-Adventure; Entwicklung: Red Candle Games (赤燭股份), Taiwan; Erstveröffentlichung: 2017, Bezahlspiel; detentiongame.com
Das ebenfalls in Taiwan entwickelte Spiel „Reversed Front 逆統戰“ (ganzer Titel: „Reversed Front: Dear Revolutionaries 逆統戰:致地與海的革命者“) schaffte es nicht einmal durch die erste Runde. Es erschien 2020 als Brettspiel, im April 2025 als Videospiel und fabuliert historische Was wäre Wenns.

Bildschirmfoto: Im Heft „Spielen“ erschienen (3-2025, S. 21): „Genshin Impact 原神“, 2020; „Black Myth: Wukong 黑神话:悟空“, 2024; „Honor of Kings 王者荣耀“, 2024; und „Chinese Paladin 7 仙剑奇侠传七“, 2021.
Positiv ist bei diesem Beitrag über die Gamingindustrie in China hervorzuheben, dass gegen SISUs Bedenken, die Tragödie des „Brandes von Lanjisu“ von 2002 und der Wildwuchs Anfang der Nullerjahre würden zu negativ klingen, die Argumente überwogen – dies sei bereits über zwanzig Jahre her, seither habe sich viel getan, mit Schutzmaßnahmen für Jugendliche usw. sei nun seit Jahren alles unter Kontrolle –, und die „Schattenseiten der Gamingkultur“ wurden schwarz auf weiß gedruckt (s. ebd., S. 20).
Gendern: Im Chinesischen wird in der Regel sowohl offiziell, aber auch sonst kaum je gegendert – womit offiziell bestimmt d’accord geht. Nur vereinzelte Gruppen pflegen die Variante, die weiblich, männlich und divers allesamt „ta“ ausgesprochenen Pronomen in Umschrift wiederzugeben (und schreiben: ta; statt: 她, 他 oder 它; auch möglich ist, neutral 它 zu schreiben). Das Schöne am ta ist, dass im Sprechen alle gemeint sein können, da de facto aber generisch männlich gedacht wird, erschwert dies eine Veränderung des Denkens umso mehr. Obwohl die Sprachhoheit des Magazins im Deutschen in Leipzig liegen sollte, war die SISU-Redaktion zunächst strikt gegen meine Einführung des Genderns. Da ich diese Veränderung ebenfalls erst mit Rückkehr 2018 richtig wahrgenommen hatte, war ich milde gestimmt oder habe mich so empfunden und entsprechend sämtliche mir erdenklichen Begründungen geliefert, inklusive der, dass man selbst als Ausländerin in China so einiges aus der Heimat einfach nicht mitbekommt. Nur ganz am Ende, aber immerhin, wurde mir nicht mehr jedes „:innen“ wieder gestrichen, und bereits nach einem Dreivierteljahr schien es zumindest zu den weiblichen Übersetzerinnen in China durchgedrungen. Dazu sei erwähnt, dass ich tatsächlich nur ein einziges Mal mit einer der deutschsprechenden Redakteur·innen in China in unmittelbarem Kontakt stand, ansonsten haben wir nur in den Worddokumenten die sehr höflichen, wenn auch entpersonalisierten, Kommentare der jeweils anderen gelesen; die Kommunikation lief darüber hinaus stets über Bande über die beiden Damen ohne Deutschkenntnisse der SISU-Redationsleitung.
Ein kurzer Schlenker, da wir gerade beim Gendern sind: Gelegentlich hört man von ehrlich bestürzten, meist älteren Herren, dass sie sich bei einer im generischen Femininum gehaltenen Stellenausschreibung ausgeschlossen fühlten oder, häufiger, dass sie sich darüber echauffieren, wenn eine Frau an ihrer statt eine Stelle erhält. Well, willkommen in der ewig währenden Welt der Frauen, in der generisch maskulin der Standard ist. Und damit ist nicht einmal die nächste Runde eröffnet, die in dem kleinen Sternchen, Doppelpunkt oder sonstigen Zeichen steckt, wenn nicht nur die bereits privilegierte weiße Frau mitbenannt wird, sondern auch die queere POC. Wir gendern keine zehn Jahre in etwas breiterem Umfeld und der weiße Mann und seine ihm getreuen Kolleginnen schlagen verzweifelt um sich. Niemand sagt, dass Frauen die besseren Menschen sind (Weidel und Le Pen nur als die offensichtlichsten Pfeifen). Es geht um Gleichstellung, um Existenzberechtigung. Die heutigen sozialen Standards haben sich zumindest schon ein wenig geändert. Aber gerade weil all die Trumps die Bühnen bevölkern, muss man dagegenhalten. Auf die Frage eines Kollegen, ob ich mich nicht gleichbehandelt fühle, wurde meine Gegenfrage nicht beantwortet: Gefühlt gewiss, aber wollen wir unseren Stundensatz vergleichen? Heißt, als Kulturarbeitende muss ich mich manchmal freuen, überhaupt bezahlt zu werden, und verdiene immer schlechter als ein Handwerker oder eine Handwerkerin – Standard im Handwerk: 80 Euro pro Stunde (und ja, auch als Freiberuflerin habe ich Ausgaben). Aber zurück zum Magazin …
Dialektik der Dialekte: Dazu kommt die für die Konfuzius-Institute wichtige Sprachvermittlung mit Beiträgen zum Chinesischlernen und Erfahrungsberichten für Lehrkräfte für Chinesisch als Fremdsprache. Das finde ich nicht nur in Anbetracht der Zielgruppe legitim, sondern prinzipiell auch persönlich interessant. Die Erfahrungsberichte fallen leider meist und, wie mir scheinen will, eher übertrieben emotional aus; die Rubriken zum Chinesischlernen sind immer mal wieder gut, waren aber sehr viel besser, als Verena sie noch geschrieben hat. Spannend wurde es, als wir für die Nanjingausgabe einen Beitrag zur lokalen Mundart vorschlugen: abgelehnt. Ich habe Chines·innen bislang stets ihr fangyan, ihre Dialekte, zelebrierend erlebt (oder über die anderer spottend), doch die offizielle Homogenisierung greift allem Anschein nach auch hier durch. Immerhin warf SISU uns diese kurze Notiz nicht raus (6-2025, S. 33): „Nanjing sagt ‚Hallo‘: Das ‚Du‘ der chinesischen Begrüßung von ‚Hast du schon gegessen?‘ wird in Nanjing ‚Ā‘ ausgesprochen: ‚Ā chīguò la? 阿吃过了?‘“ Dass unser Titel „Spiele“ nicht „玩儿“ (trotz Lexikalisierung), sondern nur „玩“ heißen durfte, finde ich weiterhin in Ordnung, sehe dies nun aber auch unter einem anderen Licht.
Daneben werden Klischees wie Panda gleich China zum Überdruss gern gepflegt. Dass „China“ als Held dargestellt wird, ist ebenfalls oft zu beobachten, so retten ein armer Mann oder eine ganze Gemeinde Tiere und Traditionen, gewinnen sportlich, bauen oder produzieren. Entsprechend gilt dann „dieses im Namen der Liebe durchgeführte Projekt 这场以爱为名的城砖回收项目“ als „strahlendes Beispiel 闪亮品牌“ (6-2025) usw. Weiterhin ist sehr beliebt, Langnasen für China-Lobhuldigungen hinzuzuziehen (Schlagwort: Chinafreund·innen). Nicht bedacht wird, dass sie, wenn so sehr auf die Spitze getrieben, das letzte Fünkchen Glaubwürdigkeit entbehren. Richtig unangenehm wird es aber stets, wenn Stereotypen ethnischer Gruppen gehuldigt wird und „Minderheiten“ (offiziell wird nicht von shaoshu minzu 少数民族 abgewichen, aber spannenderweise wurde einmal „Miao-Minderheit“ in „Miao-Nationalität“, 苗族, geändert, 4-2025, S. 61), wenn diese Gruppen zur Touribespaßung in traditionellen Kostümen tanzend, reitend usw. in Fotoaufnahmen grinsen müssen. Besonders ungemütlich ist mir, dass dies mutmaßlich in Gedankenlosigkeit geschieht oder/und ernstgenommen wird. Das gilt auch für all die vermeintliche Traditionen ausschlachtenden SISU-Beiträge, die nur mehr Werbekampagnen über irgendwelche Spektakel in der Xten Stadt sind, die inzwischen immersiv erlebt werden kann. Christine dazu berechtigterweise: Dann könne man gleich zu Hause bleiben und es sich online anschauen. Im Magazin selbst wirkt zu vieles für mich wie in einer Tourismusbroschüre plus Künstliche Intelligenz. Auch der zugegebenermaßen recht platte Witz, dass KI statt für Konfuzius-Institut für DeepSeek steht, sagt mehr über die eigene Hilflosigkeit aus.
Bei den chinesischen Texten handelt es sich in der Regel um Deskriptionen, die sich häufig in Details verlieren, ohne auf Inhalte einzugehen. Es heißt nicht selten, besondere Orte seien voll „tiefer Bedeutung“ und „einzigartig“, doch wo ihr Sinn liegt, bleibt unerwähnt. Bei all dem chinesischen Selbstbewusstsein finde ich interessant und gähne doch, dass in den SISU-Texten weiterhin häufig angeführte „Beweise“ genannt werden, was man nicht alles schon Tausende von Jahren zuvor erfunden habe. Dagegen kann ich die ständige Komparatistik gegen die dominante Westperspektive noch verstehen, leider hinkt sie zu oft (Chang’e = Diana, Kuafu = Prometheus) und entspricht ebenfalls nicht dem Selbstverständnis einer großartigen Nation. Es gibt so viel wunderbare Komplexität, die ausgeschöpft werden könnte. Ich bin immer dafür, sein Gegenüber als mündig zu begreifen und es nicht nur mit Seichtigkeit zu umspülen.
Ich habe noch viele weitere Beispiele, etwa in Bezug auf Phrasendreschereien. So könnte der inflationär verwendeten Satzkonstruktion von „nicht nur X, sondern auch Y“ durch ein gelegentliches „sowohl … als auch“ die unnötige negative Konnotation genommen werden, vor allem, weil doch alles Happiness rufen soll. Und konsequenterweise soll es außerdem fortan ausschließlich „chinesisch-deutsch 中德“ heißen, China also immer an erster Stelle stehen und damit die Wahrheit in der Hand behalten. Die aktuell großangelegte offizielle chinesische Strategie des wenming hujian 文明互鉴, des gegenseitigen Nutzens kulturellen Wissens (Übersetzung von Eva), meint eigentlich, andere Kulturen von China lernen zu lassen (der Dank für diesen Hinweis gilt Yuning). Es war wirklich ein langes Jahr.

Bildschirmfoto: Magazin des Konfuzius-Instituts, Ausgabe: Mythen (5-2025, S. 8f).
Ein prägnantes Zensurbeispiel liefert ein Beitrag zum Shanhaijing, dem Klassiker der Berge und Meere, im Heft mit dem Schwerpunkt „Mythen“ (5-2025, S. 8–14). Im Abschnitt über das Werk in der Gegenwartskunst (S. 13f) wussten wir natürlich von Anfang an, dass uns die Streichung der Namen von Gao Xingjian und Ai Weiwei bevorstand, wollten uns die Schere aber nicht selbst ansetzen. Es ging um „das Theaterstück ‚Aus dem Buch der Berge und der Meere‘ (山海经传, 1989) von Gao Xingjian 高行健 und die Adaption als Rockmusical unter der Regie von Liang Zhimin 梁志民 (2013)“ sowie um die „Ausstellung von Ai Weiwei 艾未未 mit Figuren aus dem Shanhaijing in Riesengröße, die im Jahr 2016 in Paris, im Kaufhaus Le Bon Marché stattfand“.
Die Kommentare von SISU baten dann um das Entfernen von Verweisen auf „umstrittene Persönlichkeiten“ (争议人物). Nach zahlreichen Korrekturschleifen zwischen Leipzig und Shanghai landeten wir bei diesen Versionen – für die man wissen muss, worum es geht, um die Leerstellen selbst ergänzen zu können:
- „2013 adaptierte der Regisseur Liang Zhimin 梁志民 das Shanhaijing als Rockmusical, basierend auf dem Theaterstück ‚Aus dem Buch der Berge und der Meere‘ (山海经传 Shānhǎijīng zhuàn).“ → Um nicht den gesamten Nebensatz wie von SISU vorgesehen kürzen zu müssen und damit ganz auf den Zusammenhang zu verzichten (dass das Musical auf dem Theaterstück basiert), einigten wir uns schließlich, zusätzlich zum Autorennamen 1989 zu streichen.
- „2016 fand in Paris, im Kaufhaus Le Bon Marché, eine große Ausstellung mit Figuren aus dem Shanhaijing in Riesengröße statt.“
Den alten Mythenkosmos aus China auferstehen zu lassen, war für mich unter anderem deshalb interessant, weil man über den Umweg alter Vorstellungen stets die Gegenwart verhandeln kann. Allerdings war ich doch erstaunt, wie offen manchmal selbst in SISU-Texten vom Kampf gegen Unterdrückung und für Gerechtigkeit zu lesen war, von fast anarchischer Rebellion bei Konflikten mit der Obrigkeit, von individuellem Potential und eigenen Prinzipien, von Moralkodizes, die Gesetzlosigkeit rechtfertigten (besonders bei Nezha, Sun Wukong, Wuxia, 4- und 5-2025).
In der Ausgabe zu Nanjing wurde es noch einmal politisch interessant:
Die in der internationalen Wissenschaft verwendete Bezeichnung „Zweiter Sino-Japanischer Krieg (1937–45)“, auf Chinesisch: 第二次中日战争, wird in China „侵华战争“ genannt, also: Krieg der Invasion gegen China. SISU merkte an, dass in China für den Zeitraum 1937–45 inzwischen offiziell ausschließlich die Bezeichnung „抗日战争“, Widerstandskrieg gegen Japan, gilt. Im Deutschen mussten wir schreiben – Anführungszeichen ausgeschlossen: Widerstandskrieg des chinesischen Volkes gegen die japanische Aggression. Außerdem währte dieser Krieg anstelle von acht Jahren mittlerweile offiziell 14 Jahre, von 1931 bis 1945. Dazu hieß es: „Gemäß der offiziellen chinesischen Standarisierung begann der Widerstandskrieg gegen Japan nicht mit dem ‚Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke‘ im Jahr 1937 (Anmerkung: kein achtjähriger Krieg), sondern mit dem ‚Mukden-Zwischenfall‘ im Jahr 1931; es handelt sich entsprechend um einen vierzehnjährigen Widerstandskrieg. Die veraltete Formulierung sollte hier nicht verwendet werden.“ (根据中国官方的规范,抗日战争并非从1937年“卢沟桥事变”始(注:不是八年抗战),而是从1931年的“九一八事变”开始,即14年抗战。此处不应采用旧说法。) Der „Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke“ bzw. die Schlacht ebenda meint das Feuergefecht am 7.7.1937 zwischen der japanischen Armee und der Guomindang an der Luoguo Brücke im Westen Beijings am 5. Ring, das den Zweiten Sino-Japanischen Krieg auslöste und damit den Beginn des 2. Weltkrieges in Ostasien. Der „Mukden-Zwischenfall“ (chinesisch: „Zwischenfall am 18. September 九一八事变“) meint den Sprengstoffanschlag der japanischen Armee am 18.9.1931 auf eine Bahnlinie als Vorwand, um in die Mandschurei einzufallen. Wir haben die Jahresdaten rausgelassen und uns ansonsten gefügt. (S. „Nanjing“, 6-2025, S. 11f.)
Dass wir außerdem den staatlichen Status (国立), also den Verweis auf Taiwan, im chinesischen Namen der Academia Sinica (国立中央研究院) streichen mussten, fällt kaum noch ins Gewicht. Von SISU hieß es dazu: „Obwohl hier Ereignisse aus dem Jahr 1928 erörtert werden, berührt die Bezeichnung ‚Staatliches Zentrales Forschungsinstitut [= Academia Sinica]‘ heute die Taiwanfrage; vor allem angesichts der derzeit relativ angespannten Lage auf beiden Seiten der Taiwanstraße wird dazu geraten, bei der Verwendung Vorsicht walten zu lassen.“ (尽管此处论及1928年时事,但“国立中央研究院”一词在今日涉及台湾问题,尤其在当前两岸局势相对严峻之时,建议慎重处理。) (S. „Nanjing“, 6-2025, S. 80.)
Bemerkenswert ist neben den neu aufgestellten historischen Fakten auch, dass höflich geraten wird, mit Vorsicht vorzugehen (建议慎重处理), es sich aber offensichtlich um eine nicht verhandelbare Vorgabe handelt. Wenn wir Nachfragen für alternative Formulierungen stellten, kam als Antwort stets nur: „Xinku le 辛苦了“, wörtlich: Ihr habt es mühsam; gemeint ist: Beißt halt die Zähne zusammen. Oder in der phonetischen Übertragung von Till: Schinken Cola.
Sensible Bilder (敏感图片)
Bilder dürfen wiederum nicht zu düster sein, sondern sollen möglichst freundlich strahlen, niedlich sein bis lieblich, gern kindlich und bunt. Selbst die kolorierte Schattenspielerei aus dem Shanhaijing durfte nur innen im Mythen-Heft erscheinen (s. Bildschirmfoto oben) und musste auf dem Cover der Plastikfigur von Nezha weichen:

Bildschirmfotos: Geplantes Cover (links, Quelle: VCG) und die finale Wahl aus Shanghai (rechts, Quelle: 699pic.com), Magazin des Konfuzius-Instituts, Ausgabe: Mythen (5-2025). Merkwürdigerweise kam das finale Cover hierzulande gut an, also liegt es vielleicht – auch – an mir.
Ein weiteres schönes Beispiel: In der Ausgabe mit dem Themenschwerpunkt „Spielen“ durfte für einen Beitrag über „Wangbars“, Internetbars, der 2010er Jahre nicht dieses Bild verwendet werden (3-2025, S. 18):

Quelle: www.alamy.com, © Olli Geibel, 2010, Image ID: DH2WDC.
Die Haare seien zu lang, hieß es, und die Klamotten zu ungepflegt, die Boys wohl einfach zu schlumpfig. Statt der zunächst – und zwar ernsthaft – geforderten weißen Hemden waren schließlich die einheitlichen Schuluniformen der Jugendlichen in Ordnung, dazu konzentrierte Blicke, kein Herumgehänge, einheitliche Heißgetränke statt Energydrinks:

Quelle: © laif/Imaginechina/Zhejiang Daily.
Und auch für diese Ausgabe war das geplante Cover zu dunkel:

Bildschirmfotos: Geplantes Cover (links, Quelle: picture alliance/dpa/HPIC/Xiang Weijie) und die finale Wahl aus Shanghai (rechts, Quelle: Thomas Rötting, Szene in Guangzhou), Magazin des Konfuzius-Instituts, Ausgabe: Spielen (3-2025).
Weitere Devisen für Coverbilder lauten: leicht verständlich, unmittelbar zugänglich, unmissverständlich und möglichst mit Menschen. So wurde dem Vorschlag mit einem Ausschnitt aus Qiu Shihuas Werk, für dessen scheinbar monochrome Malerei man sich ein paar Minuten Zeit nehmen muss, bevor sich einem die Landschaften eröffnen, mit rigoroser Ablehnung begegnet (s. f.). Um den Artikel dazu im Heft zu behalten (s. „Wald“, 4-2025, S. 22–27), prasselten Tiraden von Kunstbanausentum auf mich ein. Fehlende Geduld wurde leider im Anschluss von deutscher Seite bestätigt, und des Meisters Konfuzius und meine Zielgruppe unterscheiden sich wohl mehr, als mir lieb ist. Im Folgenden hieß es von SISU: Weniger Kunst. Ist das noch Geschmacksache?

Bildschirmfotos: Geplantes Cover (links, Quelle: Galerie Urs Meile: Qiu Shihua: untitled, 2003 (Qiu Sh56286), Ausschnitt) und die finale Wahl aus Shanghai (rechts, Quelle: René Mattes), Magazin des Konfuzius-Instituts, Ausgabe: Wald (4-2025).
Außerdem ist der Einsatz von KI-generierten Bildern in China, sagen wir mal: offener. Noch kann man sie häufig erkennen, muss aber teils jetzt schon sehr genau hinsehen.
Vielleicht hängt der Vorzug der Nutzung von KI-Gesichtern auch damit zusammen, dass SISU inzwischen Erwähnungen aller Personen ablehnt, die ein bestimmtes Projekt vorantreiben. Dasselbe gilt für Institutionen. Fotos und Aussagen von Menschen sollen weiterhin unbedingt die Seiten füllen, aber es dürfen nur noch „einfache Leute“ sein, laobaixing 老百姓. Ein Generalsekretär des Nanjinger Schutzvereins für Schweinswale und Wasserleben könnte morgen oder in einem Jahr in Ungnade fallen und SISU scheint diese Verantwortung nicht übernehmen zu wollen, ihm heute ein paar Zeilen zu widmen.
Schwammige Nicht-Aussagen ist man aus dem offiziellen China gewohnt, damit kann man umgehen, obwohl die Übertreibungen nichts Gutes verheißen. Was mich wirklich gestört hat, war der Umgang miteinander. Damit meine ich nicht das Hierarchieverständnis des Top-down, das kennt jede·r, die·der einmal unter chinesischer Leitung gearbeitet hat, und schaltet von Individualität auf nickende Kollektivität (wobei ich letztere als Gegenmodell per se gar nicht schlecht finde, vor allem zur um sich greifenden Singularität).
Zur Machtausübung ein letztes Zitat aus meiner Diss (S. 35): „Mit der obersten Prämisse des ‚Machterhalt[s …] der Parteiherrschaft‘ (Breslin 2003: 154) bedeutet das in einem autoritären System offensichtlich einen Top-down-Ansatz. In China wird Top-down allerdings häufig mit der Möglichkeit einer ‚Entscheidungsautonomie‘ oder auch ‚Verhandlungsstruktur‘ (Schubert 2016: 176) innerhalb der einzelnen hierarchischen Ebenen implementiert: Die Richtlinien werden von oben zunächst teils vage formuliert und bieten damit unten Interpretationsoffenheit zum Ausprobieren, ob und wie etwas funktionieren könnte. Dies gilt natürlich immer mit der Option, von oben jederzeit Gegenmaßnahmen ergreifen zu können (vgl. Laclau 2000). Bis hinein in die Anfangszeiten Xi Jinpings heißt das: ‚the ongoing reorganization of culture was never clearly designed‘ (Kraus 2004: x).“
Im Umgang mit SISU störte mich insbesondere ihr fortwährendes Antreiben. Es will einen in ständiger Bereitschaft, ohne jemals zu erfahren, wann etwas von ihrer Seite kommt. Dokumente werden stets ins Jetzt gelegt und müssen im Sofort bearbeitet werden – wohingegen die aus Shanghai gesetzten Zeitpläne nie selbst eingehalten wurden. SISU verlangt in jeglicher Korrekturschleife, die Änderungen, die man mit einer Autorin oder Übersetzerin abspricht, im Wordmodus der Nachverfolgung als Spur sichtbar zu belassen – offiziell mit dem Argument, damit ursprüngliche Ansinnen der Übersetzerin nachvollziehen zu können; und mutmaßlich, um zu sehen, dass überhaupt gearbeitet wurde bzw. als Rechtfertigungsmaßnahme für das Shanghaier Lektorat (wobei von SISU selbst stets nur Reintext kam – und so habe ich es ebenfalls durchgezogen). Außerdem muss zu jedem einzelnen Text und jedweder Übersetzung ein sogenanntes Bewertungsformular (审稿单) mit Begründung dafür oder dagegen geliefert werden – immerhin konnte ich so bei jeder aus Shanghai stammenden Übersetzung beklagen, dass leider wieder nicht gegendert wurde bzw. gen Ende vereinzelt den Dank fürs Gendern aussprechen. Schlussendlich empfinde ich diese Spielchen als unangebracht maßregelnd. Man kommt sich wie ein ungezogenes Kind vor, das man an der kurzen Leine halten muss und das dann auch noch interne Gespräche mit seinen Mitspielerinnen verpetzen soll.
Aufgrund der zunehmenden Anforderungen geriet unser kleines Team in einen ziemlichen Strudel, weshalb SISU uns weitere Schleifen und Zeitverknappungen aufbürdete. Selbst jeder noch so kurze Absatz musste nun verschickt werden und durchlief nach unserer internen Bearbeitung seine drei Schleifen: das doppelte Hin und Zurück im Original sowie das erneute Hin und Zurück der Übersetzung, anstatt wie zuvor erst im Layout geprüft zu werden. Zu guter Letzt schien die Redaktionsleitung aus Shanghai nicht einmal ihrem eigenen Team zu vertrauen und wollte keinen Beitrag mehr ohne Übersetzung für eine Bewertung annehmen – so hält man das Budget aber nicht im Griff.
Organisationsstrukturen sind bei Kreativarbeiten häufig fluide und im Wandel begriffen, und neben denen in Leipzig gab es wohl auch bei SISU einige personelle Änderungen. Meist gehen diese mit neuen Prozeduren einher, die wiederum Möglichkeiten des Austestens beinhalten können. Leider wurde in diesem Fall jedoch nicht die Option des erneuten Verwerfens in Betracht gezogen – ein schönes Beispiel von Bürokratisierung. Was immer SISU eigentlich im Sinn hat, ob sich nun jemand beweisen will, ob es Machtspielerei ist oder Übernahmevorbereitungen sind oder ob noch etwas anderes dahintersteckt – das Problem mag intern liegen, aber solcherlei Seilschaften wirken sich auf das Gesamtgefüge aus. Man kann sich ein dickes Fell zulegen, man kann sich dem entziehen, indem man die zweifelhafte chinesische Taktik anwendend auf Ignoranz schaltet. Aber was bringt es der einen Seite, wenn die andere abstumpft? Irgendein·e jobsuchende·r Jungsinolog·in wird sich schon finden?
Für Maja 2024 zuvor und für mich 2025 hat die Zermürbungstaktik funktioniert: Byebye le. Habe ich schon gesagt, dass es ein langes Jahr war?
Vorher ging es aber noch für knapp zwei Wochen nach Nanjing.
Nanjing im Spätsommer 2025

Das entstandene Heft findet sich online mit dem Titel: Nanjing, Magazin des Konfuzius-Instituts (6-2025). Apropos Verzögerung: Das Heft sollte Anfang Dezember und ging schließlich Anfang Februar in den Druck.
Die Ortsausgabe Nanjing haben wir bestückt mit: Einführend einem Überblick als Stadtrundgang, geht es insgesamt um Geschichte und Gegenwart, Tradition und Moderne, Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kunst und Kultur, Kulinarik, um besondere Projekte und dazu verschiedene Stimmen aus der Stadt (Personen, Orte und Begegnungen), und alles ist gespickt mit zahlreichen Fotos und zusätzlich einer von einem Designprofessor und seinen Student·innen der Universität Nanjing angefertigten Stadtkarte. Letztendlich kamen noch sechs Beiträge von SISU dazu.
Von mir sind die Beiträge zum Rabehaus und die Steckbriefe zu Kunst- und Kulturorten. Das Rabehaus enthält einige diffizile Punkte in Bezug auf den chinesischen Propagandaapparat, mehr dazu unten.
Zwischendurch mit ein paar Schlenkern, führen die folgenden Verlinkungen hierhin:
- Jiangdao Zero Carbon Park 江岛零碳园区
- Deji Plaza 德基广场 und Deji Art Museum 德基艺术博物馆
- Niushou Berg 牛首山
- Rabehaus 拉贝故居
- Steckbriefe: Nanjinger Kunst- und Kulturorte 资料卡:南京文化艺术场所概览
- Librairie Avant-Garde 先锋书店
- Jiangning Seidenmanufakturmuseum 江宁织造博物馆
- Stadtmauermuseum 城墙博物馆
- Nanjing Museum 南京博物院
- Skulpturenpark von Wu Weishan 南大吴为山雕塑园
- G Museum 金鹰美术馆
- Weitere Gegenwartskunst mit: Toku Gallery 陶谷公园, East Gallery 逸空间画廊, Sixi Museum 四禧美术馆 und Beiqiu Museum 北丘美术馆
➤ Wie immer bitte ich die auf diesem Blog heruntergerechnete Qualität der Bilder in leider sehr kleine Auflösung zu bedenken.
Los gehts:

Wenn man mit einer chinesischen Fluggesellschaft unterwegs ist, kommt man in den Genuss einer schnelleren Verbindung und dem gleichzeitigen Unwohlsein dabei, über Russland zu fliegen.

Willkommen zurück in China, wo man gleich in der ersten Bahn auf kleine Taschenanhänger trifft, die zwischen niedlich und skurril changieren. Schon herzig, fragt sich das wieder zu lange in Deutschland weilende, gerührseligte Auge doch alsbald, ob es noch etwas anderes als Labubu und Konsorten gibt.




Es gibt natürlich auch anderes …

Interessant war etwa diese Freifläche nahe der Messehallen: Hier sollten Hochhäuser wie jene im Hintergrund entstehen. Die Baugruben waren bereits ausgehoben, aber da das Geld nicht mehr reichte, wurden sie überdeckelt. Nun darf man die Grünflächen wegen Einsturzgefahr nicht mehr betreten (mit Dank für diese Erklärung an Sudong).

Ebenfalls interessant ist der bemerkenswert gute Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Bikes. Leider stimme ich Benjamin zu, dass der überall verfügbare Billigstrom für Umwelt und Fitness nicht nur von Vorteil ist – sowohl in der gesamten Stadt als auch hier auf dem Campus der Nanda, der Universität Nanjing.

Jiangdao Zero Carbon Park 江岛零碳园区

Auf der Insel Jiangdao wird im Intelligence Cube Zero Carbon Park (江岛智立方零碳园区) CO2-Neutralität angestrebt, was auf die gesamte, nahe der Innenstadt Nanjings gelegene, 15km2 große Insel ausgeweitet werden soll. Es handelt sich um eine Kooperation zwischen Singapur und Nanjing, genannt: Singapore Nanjing Eco Hi-Tech Island 新加坡·南京生态科技岛.

Auch von diesen ehemals und teilweise weiterhin landwirtschaftlich genutzten Flächen mussten Menschen umgesiedelt werden; auch hier bezieht sich CO2-Neutralität zum Beispiel weder auf die Vermeidung von Flächenversiegelung noch auf den Bau der Gebäude und meint nur Facetten ihrer Nutzung; auch bestehen die präsentierten Ausstellungsobjekte größtenteils aus Plastik. Aber man bemüht sich, indem etwa den ehemaligen Bewohner·innen Vorzugsrechte gewährt werden – und der uns herumführende Entwickler sprach die Mängel offen an bzw., wie er es nannte, die noch zu erreichenden Ziele.




Sitzbänke an der „Green power axis“ (绿电轴线), auf denen man zum Beispiel das Handy laden kann – mit dem Hinweis zur Vorsicht, dass es heiß werden könne.

Schaltzentrale der „Smart Energy-Carbon Monitoring Platform“ (智慧能碳监控平台), ein für uns gestelltes Foto.

Der „Inselservice“ (洲岛服务).

Testversuche mit weiterer Servicerobotik.

Autonom fahrende Straßenreinigung.
In jedem Fall bietet die gut erreichbare Insel Möglichkeiten zur Naherholung, besonders im Feuchtbiotop Jiangtun 江豚:





Von dem rechten Kasten aus können Drohnenfotos beauftragt werden.


Der Straßenslogan besagt: „Tanzende Seifenblasen lassen Kinderherzen leuchten“ (泡泡飞扬 童心闪耀).





Die Kollegen Fotografen sind stets bereit, einen im Naturerlebnis festzuhalten.

Eines der letzten alten Häuser im Sorghumfeld vor der Skyline von Nanjing.


Die Fußgänger·innenbrücke „Das Auge Nanjings“ (南京眼).

Von dieser der nördliche Blick.

Und der südliche.
Deji Plaza 德基广场 und Deji Art Museum 德基艺术博物馆



Hier kann man sich die Klamotten bereits an der Werbesäule zusammenstellen.
Vor allem aber gibt es auf jeder der sieben, acht Etagen unterschiedliche Themen-Toiletten, die mit „Washroom 解忧所“ (Waschraum: Ort der Sorglosigkeit) überschrieben sind. Hier macht man erst Selfies, verzehrt dann mitgebrachte Snacks, lädt das Handy auf und streckt vom anstrengenden Konsumrausch die Beine aus – auf Toilette kann man auch gehen.


Außerdem bieten zahlreiche chinesische Shoppingmalls inzwischen Privatmuseen, hier das Deji Art Museum 德基艺术博物馆.

Auf dem Weg zum Museum sind aus der Corporate Collection von Deji, s. Onlinesammlung, etwa diese Arbeiten zu sehen:

Yoshitomo Nara 奈良美智: Not Everything But / Green House 然而并非一切 / 绿屋. 320x320x670cm, mixed media, 2009. S. URL.

Ebd., Blick hinein.

Refik Anadol: Quantum Memories Probability 量子记忆概率. Video with colour and sound, 16min. loop, 2021. S. URL.
Museumsshops dürfen hier natürlich nicht fehlen:

Dies ist nur das erste Drittel.





Und hier das hintere Drittel mit Plastik und Plüsch forever and ever. Das Ehepaar neben mir machte beim Anblick dieses Gangs ebenfalls ein Gesicht, als würden sie bei rasender Geschwindigkeit aus einem Autofenster gehalten.
Das Museum wirbt mit Gruppenausstellungen großer Namen, neben Picasso, Monet und Chagall mit Wu Guanzhong und Zao Wou-Ki (赵无极), und mit weiteren Sondershows.
Eine sehenswerte Dauerausstellung zeigt An Era in Jinling: A Digital Art Exhibition 金陵图数字艺术展. Es geht um die im Jahr 1794 angefertigte Hofkopie von Feng Nings 冯宁 „An Era in Jinling 宋院本金陵图“, 35x1050cm, einer Kopie des verlorenen Rollbilds über Nanjing aus der Song-Dynastie, mutmaßlich frühes 12. Jahrhundert. Fengs Werk ist hier digital nachgebaut und animiert auf einem Rundgang von 3,6x110m – mit seinen Hunderten Figuren in zahlreichen Straßenzügen und Alltagsszenen. Auf der Website heißt es, dass 400 Techniker·innen beteiligt gewesen sein sollen, davon kann ein europäisches Museum kaum träumen.

Detail.



Neben einem ausgestellten Fächer als tatsächlichem Original aus der Song-Zeit …

Bamboo Fibre Fan 宋 竹丝扇. 45,1x20cm, Song-Dynastie.
… ist eine Replik von Fengs Hofkopie ausgestellt:

Feng Ning 冯宁: An Era in Jinling (Replica) 清 仿宋院本金陵图(复制件). 35x1050cm, handscroll, ink and colour on paper, 1794.

Ebd., Detail.

Ebd., Detail.

Ebd., Detail.
Anhand derer man einzelne Szenen wunderbar vergleichen kann:






Dazu gibt es:

Die insgesamt 533 Figuren in Schaukästen, o. A.

Ebd., Detail.

Ebd., Detail.

Und als Pixelanimationen, Detail, o. A.

Ebd., Detail.

Sowie selbstverständlich diverse Möglichkeiten, sich in die Figuren hineinzeichnen zu lassen.

Vermutlich wurden auch die Poller außerhalb des Gebäudes von Deji gestaltet.

Im Eck, mitten in der Stadt auf einem Verkehrsknotenpunkt: Sun Yat-sen. Es blieb bei dieser Begegnung mit dem Gründungsvater des modernen China, denn ich habe sein Mausoleum und die Ming Gräber im Osten der Stadt ausgelassen.
Der Niushou Berg 牛首山
→ Link und s. das WeChat-Miniprogramm: #小程序://数智牛首/byC6v6h2jEq8sKf
Der im Süden Nanjings gelegene Niushou Berg bietet ebenfalls ein spannendes Ausflugsziel. Hier wird man buddhistisch überwältigt. Seit der Tang-Dynastie gilt der Ochsenkopfberg als buddhistische Stätte, doch der ursprüngliche Tempel wurde während der Taiping Rebellion in den 1850ern zerstört. Seit seiner Neueröffnung 2015 soll hier eine Reliquie aufbewahrt werden: das Splitterfragment des Schädelknochens von Shakyamuni Buddha, der als historischer Begründer der buddhistischen Lehre gilt. Die Anlage ist monumental, und völlig betört hat mich, dass hier nichts aus Plastik ist.

Der Usnisa Palace 佛顶宫 umfasst neun Ebenen, neben drei oberirdischen befindet sich der Großteil auf sechs unterirdischen Stockwerken.


Usnisa, auf Deutsch: Ushnisha, bezeichnet die rundliche Erhebung am Scheitel des Kopfes Buddhas und steht für Weisheit und Erleuchtung. In der Kunst wird sie häufig als Haardutt oben auf dem Kopf dargestellt und ähnelt damit dem Symbol einer Krone.


Diamond Sutra 《金刚经》经变图. O. A., mit QR-Code.
Wir erhielten vom Volksverband für Freundschaft mit dem Ausland des Stadtbezirks Jiangning 南京市江宁区人民对外友好协会 eine besondere Führung durch Spezialgänge:



Genuine or Fake Buddhist 真假信徒. O. A., mit QR-Code.

Samantabhadra Bodhisattva of Universal Benevolence 普贤拉萨. O. A., mit QR-Code.

Great Usnisa Hall 舍利大殿.



Great Stupa of Usnisa 舍利大塔. 21,8m, tin bronze, gilded with copper carving, chiseling, padding thread weaving enamel, gemstone inlaying.

Chan State Scenery 禅境大观.

Sleeping Buddha 卧佛. O. A.

Grand Handwoven Tapestry: Buddhism’s Prosperity in Nanjing 金陵梵刹妙染. 3,45x28,8m, silk.

Ebd., Detail.

Ebd., Detail.

Illustration of the Lingshan Pageant 灵山胜会经变图. Detail, jade mural, o. A., mit QR-Code.

Ebd., Detail.

A Reed Cross the River by Bodhidharma 达摩一苇渡江. O. A.

Ebd., Detail.

Ebd., Detail.

Ebd., Detail.

Eine Tanzperformance darf nicht fehlen.

Zurück auf die Erde und hinein in die Stadt.

Das Rabehaus 拉贝故居
→ Link
Die Vorgeschichte: Im Hamburger Yu Garden – sowie zuvor in Berlin und darauf in Bremen und Kopenhagen – konzipierte die Universität Nanjing (Projektteam John-Rabe-Tagebuch und die Friedensstadt 拉贝日记与和平城市团队) zusammen mit dem Generalkonsulat der VR China in Hamburg sowie der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Verständigung, GDCV, die Ausstellung Mein Nachbar: John Rabe 我的邻居约翰·拉贝, am 15.8.2025. Diese fand anlässlich des 80. Jahrestages des, wie es offiziell genannt wird, „Sieges des Widerstandskrieges des chinesischen Volkes gegen die japanische Aggression sowie des weltweiten antifaschistischen Krieges“ (中国人民抗日战争暨世界反法西斯战争胜利) statt. In der Ankündigung heißt es: „Seine Geschichte veranschaulicht das grenzüberschreitende Engagement zum Schutz von Menschenleben.“
Auf Bildtafeln konnte Rabes Leben nachvollzogen werden, seine Rettung von 250 000 Chines·innen in Nanjing im Winter 1937/38 beim Massaker von Nanjing durch die japanische Armee, seine Rückkehr nach Deutschland, wo er 1950 verarmt und krank und bald vergessen starb, und seine Wiederentdeckung seit Ende der 1990er Jahre durch seine Tagebücher.
Außerdem wurde unter anderem eine App entwickelt, die mit KI „alle Fragen über John Rabe“ auf Chinesisch, Englisch und Deutsch beantwortet. Wenn man dort wissen möchte, warum die chinesische Ausstellung in Deutschland gezeigt wurde, lautet die Antwort: Sie präsentiere eine „humanitäre Botschaft in einer globalisierten Welt“ und stehe in „einer Zeit weltweiter Krisen und Konflikte […] als universelle Mahnung zur Menschlichkeit und Solidarität“, um zu zeigen, „dass individuelles Handeln einen großen Unterschied machen kann“; darüber hinaus gehe es um „Bewusstseinsbildung und historische Aufklärung“, um „ein breiteres Publikum auf die Bedeutung von Friedensarbeit und internationalem Zusammenhalt aufmerksam“ zu machen und „das Nanjing-Massaker nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“. Auf die Frage nach der Bedeutung von Rabes NSDAP-Mitgliedschaft folgt eine lange Antwort mit dem Resümee: „dass er trotz seiner politischen Zugehörigkeit stets den Mut hatte, das Richtige zu tun. Diese Ambivalenz macht seine Geschichte umso bemerkenswerter und zeigt, dass individuelle Menschlichkeit stärker sein kann als ideologische Bindungen.“
Ambivalenz scheint das Stichwort der Nanjinger Ausstellung und ihres Projektteams zu sein. Auf die Nachfrage an die KI, ob damit über Bande auch in China dazu animiert werde, eher das zu tun, was man menschlich für richtig halte, statt sich der Partei unterzuordnen, folgt allerdings eine Fehlermeldung (发生错误) mit „#inappropriate-content“ (mit diesem Link). Ich versuche es anders: Ob die deutsche Bevölkerung belehrt werden solle – „Nein“. Was Rabes Geschichte für China heute bedeute – von „moralischer Führung“ und „sozialer Verantwortung“ ging es bald um „kritische Reflexion über komplexe Geschichte“ und Chinas „rechtmäßige Abwehr westlicher Einmischung“ (hier wird ausgeführt: „Wenn der Westen versucht, sich in Chinas innere Angelegenheiten einzumischen – sei es durch Kritik an Menschenrechten, Taiwan oder Hongkong –, sieht China dies oft als Angriff 发生错误“, es folgt #inappropriate-content). Ob die eigene Geschichte in China kritisch reflektiert werden könne – hänge „von verschiedenen Faktoren ab“, so prägten „offizielle Narrative“ den „Fokus auf [die] Opferrolle“ gegenüber „der japanischen Armee“, die „kritische Reflexion [sei] begrenzt: Während die Rolle externer Akteure wie Rabe positiv dargestellt wird, bleibt die kritische Auseinandersetzung mit internen Faktoren – etwa der Rolle des Kuomintang-Regimes oder lokaler Verantwortlichkeiten während des Massakers – oft außen vor. Dies liegt daran, dass solche Diskussionen das offizielle Narrativ möglicherweise schwächen könnten.“ Und weiter: „Rabes Werte wie Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein ermöglichen es, über die Geschichte zu sprechen, ohne politische Spannungen zu schaffen. Da Rabe ein Ausländer war, kann seine Geschichte als ‚externer Spiegel‘ dienen, der es Chinesen ermöglicht, über ihre eigene Geschichte nachzudenken, ohne unmittelbar in nationale Identitätsfragen verwickelt zu sein.“
Schließlich wird mir allerdings gesagt, dass die Antworten angepasst würden, je nachdem, ob sie auf Deutsch oder Chinesisch gestellt werden oder von Deutschland oder China aus. Als Quellenmaterial soll chinesische und internationale Forschung genutzt werden. Ich spreche mit der KI noch ein wenig über Universalismus und kulturellen Relativismus in China, ernte immer wieder ein paar Fehlermeldungen, auf deren interne Filter sie selbst keinen direkten Zugriff zu haben behauptet (ChatGPT bestätigt, dass dies der Normalfall bei einer KI sei), und kann diese Auseinandersetzung nur empfehlen.
Das zweierlei Maß aber bleibt bestehen, da China sich der Einmischung in seine eigenen inneren Angelegenheiten von außen stets verwehrt und hier genau dies tut – auch wenn der Westen ob seiner Moralapostelei gegenüber Drittländern für tendenziöse wirtschaftliche Bereicherung berechtigt kritisiert werden muss. Der Beigeschmack kommt nicht auf, weil China Deutschland sagt, wie etwas moralisch zu bewerten ist – bzw. wird es doch ungemütlich bei der Aussage, dass auch unter Nazis gute Menschen sein könnten. Stattdessen mutet es verquer an, wenn sich chinesische Institutionen mit deutscher Geschichte beschäftigen, während in China die eigene zugleich dahin gebogen wird, wo man sie gerade zu brauchen meint – so zulässig dies für Chines·innen in China und in der Diaspora zur Auseinandersetzung mit sich selbst sein mag, könnte es auch einfach eine Ablenkung zur Beschäftigung sein. Problematisch bleibt darüber hinaus, dass die unbestreitbar unzureichende japanische Aufarbeitung hier erneut zementiert wird.

Bildschirmfoto: Magazin des Konfuzius-Instituts, Ausgabe: Nanjing (6-2025, S. 28–32).
Mehr zu Rabe und seinem Haus im verlinkten Beitrag. Dass Rabe in China als „lebender Buddha von Nanjing“ bezeichnet wurde und in Deutschland aus heutiger Sicht wegen seiner Verblendung gegenüber Hitler nicht ohne Widersprüche ist, durfte ich dort schreiben. Auch das Zitat von Erwin Wickert, dem ersten Herausgeber von Rabes Tagebüchern, Rabe und seine Vertrauten hätten „die Verbrechen [des Massakers von Nanjing] nicht dem japanischen Volk zur Last gelegt“ (Wickert 1997: S. 375), wurde nicht gestrichen.



Wu Weishan 吴为山: John Rabe 约翰·拉贝 (1882–1950). O. A.

O. A., 2016.
Für eine Bevölkerung von zehn Millionen Menschen hat Nanjing erstaunlich wenige Orte der Gegenwartskunst zu bieten. Die lokalen Betreiber·innen begründeten dies mit der Nähe zu Shanghai und Hangzhou, wohin sie häufig für Ausstellungen unterwegs seien. Die zeitgenössischen Räume sind weiter unten aufgenommen, und da sich diese aus dem historischen Kontext erschließen, halte ich mich im Folgenden zunächst an die Orte, die ich im Heft skizziert habe – s. dort für einen Überblick, aus dem hier gelegentlich ein paar Zeilen entlehnt sind:
Steckbriefe: Nanjinger Kunst- und Kulturorte
资料卡:南京文化艺术场所概览

Bildschirmfoto: Magazin des Konfuzius-Instituts, Ausgabe: Nanjing (6-2025, S. 42–45).
Librairie Avant-Garde 先锋书店
→ Link und s. WeChat-ID: 独立先锋
Nanjing wurde 2019 offiziell von der UNESCO der Titel „Literaturstadt“ (文学之都) verliehen, ist es aber bereits seit Jahrhunderten. Die Stadt selbst verweist gar auf 1800 Jahre Erzähltradition und über 10 000 Meisterwerke.

Literaturzentrum 文学客厅.
Empfehlenswert ist etwa das Literaturzentrum 文学客厅, in dem man Schriftsteller·innen begegnen und einer anschaulichen interaktiven Zeitleiste durch die Literatur folgen kann. Hier pflichte ich erneut Benjamin zu, dass chinesische Zeitstränge neben dem technischen Knowhow und verfügbaren Personal wohl auch deshalb häufiger angefertigt werden und zugänglicher sind, weil sie eine unkomplizierte, geradlinige Geschichte erzählen (sollen) – und entsprechend kaum Spielraum für Graubereiche benötigen.

Ebd., Ausschnitt zum „Traum der roten Kammer“ in Übersetzungen.

Ebd., Ausschnitt zur Auswahl von Schriftsteller·innen aus den 1980er bis 2000er Jahren.
Außerdem soll die Buchhandlung Puyue Books 朴阅书店 einen Besuch wert sein. Und zweimal im Jahr richtet die hiesige Kontaktstelle des Goethe-Instituts für je zwei Monate Schriftsteller·innenresidenzen zwischen den Universitäten Nanjing und Göttingen aus, bei Interesse geht es hier entlang.
Ein besonderes literaturaffines Schwergewicht ist jedoch die Buchhandlung Librairie Avant-Garde 先锋书店, deren Hauptsitz sich seit 2004 unterhalb des Wutaishan Stadions im ehemaligen Regierungsparkhaus auf knapp 4000m2 ausbreitet.

Das Wutaishan Stadion 五台山体育馆.

Rechts davon der Eingang zum ehemaligen Parkdeck und der heutigen Buchhandlung.
Am Eingang begrüßt einen:

Auguste Rodin (1840–1917): Le Penseur. 1880. Limited monumental edition by the Sayegh Gallery, 25 numbered bronze copies, caster: C. Valsuani, Paris, lost wax cast, 1998.



Ich lauschte dort dem Gespräch „The Teahouse under Socialism: The Decline and Renewal of Public Life in Chengdu, 1950–2000 | 城市公共生活命运与变迁“ mit dem Autor Wang Di 王笛 (*1956, Mitte) über sein neues Buch „茶馆2“ (Teahouse 2), am 27.9.2025.
Als Wang Di in den 1990ern in den USA studierte, habe es in der US-Forschung geheißen, es gebe keine öffentlichen Orte in China. Wangs erstes „Teahouse“ (茶馆:成都的公共生活和微观世界,1900–1950), 2010 erschienen, sei seine Antwort darauf gewesen. Im Unterschied zu heute seien die Teehäuser von damals, in der Zeit von 1900 bis 2000, die Wangs beide Bücher umfassen, quasi der öffentliche Raum gewesen oder als solcher genutzt worden. Hier habe man sich etwa die Zähne geputzt und heißes Wasser geholt, alles mögliche habe in Teehäusern passieren können. Entsprechend verwende Wang bei der Unterscheidung zwischen „public space 公共空间“ und „public sphere 公共领域“ lieber den der öffentlichen Sphäre, und die Teehäuser seien ein Lebensstil (生活方式) – sie beschrieben die Gesellschaft zwischen Mensch (人) und Ort (地方). Der heutige öffentliche Ort seien hingegen die WeChat-Gruppen (微信群). Und der Zustand, in dem wir uns derzeit befänden, sei keine gute Situation für eine gesunde Gesellschaft (健康社会). Dies liege vor allem daran, dass wir uns zu sehr auf die Regierung stützten (我们靠政府的), was man in dieser Ausschließlichkeit nicht tun sollte. Nach der gegenwärtigen Logik, so Wang weiter, müsse der Staat regeln, wie man Tee trinke, da es sich dabei um eine chinesische Tradition handle. Hingegen sei Kaffee immer schon problematisch gewesen, da er für Zukunft stehe (ich vermute, dass er hiermit Veränderung meint). Es sei einerlei, wie man allein bei sich zu Hause Tee trinke, entscheidend sei, wie dies draußen geschehe.
An dieser Stelle schlägt Wang einen Bogen zur Stadtentwicklung: In Nanjing sei die Lage etwas besser, während Chengdu zum Großteil abgerissen und nicht gut geschützt worden sei. Vergleichbar verhalte es sich mit den lokalen Dialekten, die zunehmend verschwänden – den Shanghaier Dialekt erwähnt er als Beispiel, der kaum noch gesprochen werde. In Nanjing fühle sich das Leben im Schutze der sechshundert Jahre alten Bauwerke schicksalhaft verbunden an (感觉有缘). Dies gelte nicht für die einzelne Person, sondern für das Volk, die Gruppe (人民、群体). In Städten wie Beijing sei ein solches Empfinden nicht mehr möglich. Lao Shes Teehaus oder ein ähnliches seiner Art finde man dort nicht mehr. Doch in Chengdu existiere diese Kultur noch. Vielleicht kann also ein „Teehaus 3“ folgen …
Dazu passend ein Public Viewing der Fußballliga der Provinz Jiangsu:

江苏超会赢 (Jiangsu Superliga) mit dem Motto: „人民的足球 纯粹的快乐“ (Fußball dem Volk [bringt] Freude in Reinheit).
Jiangning Seidenmanufakturmuseum 江宁织造博物馆
→ Link
Oh, du wunderbarer „Traum der roten Kammer“ (Honglou meng), literarischer Klassiker, von dem man in meiner Magistraarbeit (2006) nachlesen kann und dessen Autor Cao Xueqin aus Nanjing stammte. Bis zum Untergang seiner Familie lebte Cao zwischen feinsten Brokatstoffen in einer eindrucksvollen Residenz, deren Nachbau nahe dem ursprünglichen Standort dieses Museum bildet. Es wurde 2003 errichtet und bedarf wie auch die aus dieser Zeit stammende Ausstellung einer Überholung, bietet aber vielleicht gerade deshalb einen faszinierenden Einblick in vergangene Epochen mit dem von Cao beschriebenen Aufstieg und Niedergang – in Caos eigene sowie in die der Museumspraxis der Nullerjahre.
Bereits in der U-Bahnstation (Linie 2: Daxinggong 大行宫) trifft man auf die Zwölf Schönheiten 十二金钗, um die es in der inneren Geschichte des „Traums“ geht:

The Twelve Beauties of Jinling 金陵十二钗. 20x3.2m, 石材马赛克、汉白玉, o. J.

Ebd., Detail.

Besonders begeistert aber hat mich dieser Zugang zur U-Bahn mit seiner Abbildung zum „Garten der umfassenden Schau 大观园“, o. A.
Über Ausgang 2, Beiting xiang 碑亭巷, gelangt man hinten ans Gebäude:



Und wird von den Zwölf Schönen die Stufen hochgeleitet.


Ein versperrter Nebeneingang.

Haupteingang.

Modell des ehemaligen Anwesens der Familie Cao …

… und der heutigen Gestaltung.

Im Innengarten.




清 “江宁织造臣高晋”蓝色团龙云纹地柿蒂龙袍料(复制件) (Blaue Drachenrobe mit Wolkenmuster von „Gu Jin, dem kaiserlichen Textilkommissar der Manufaktur Jiangning“, Replik, Qing-Dynastie), Detail.

清光绪“两淮盐运使司盐运使” 石青小团龙织金缎 (Steinblauer Goldbrokat mit kleinen Runddrachenmotiven des „Salztransportkommissars des Amtes für den Salztransport der Region Lianghuai“, Qing-Dynastie, Regierungszeit Guangxu, 1875–1908), Detail.

康熙南巡盛典 (Große Zeremonie zur Inspektionsreise Kaiser Kangxis in den Süden), Detail.
Bildrolle im Videorondell – von Jahr 2003!

Webstuhl (durch die Decke).

Ebd., Detail.

Und als Infografik.
Weitere Stoffexponate, man verzeihe mir bitte die fehlenden Titel:





少年曹雪芹 (Cao Xueqin in seiner Kindheit). O. A.

《红楼梦》的早期抄本 (Frühe Manuskripte des „Traums der roten Kammer“).


O. A. Wenn das nicht mal Herr Cao Xueqin in der Darstellung des Herrn Wu Weishan ist.



Auf einer der oberen Dachterrassen begegnete ich einem Podcaster aus Guangzhou, der seit 2024 wöchentlich über den „Traum“ spricht, s. 安大哥 und 陈小姐: 一瓢红楼梦.
Im angeschlossenen Verkaufsshop von Wensli 万事利丝绸:

十二金钗的丝绸色谱 (Das seidige Farbspektrum der Zwölf Schönheiten).
Der Sessel links kann für 42 725 Yuan und der rechts für 29 560 Yuan erworben werden.





Es verabschiedet einen dieses Bild:

The Banquet at Jade Pool: China’s Earliest Recorded State Gift of Silk 《瑶池高会图》中国最早的国礼是丝绸. Detail, o. A.
Der Begleittext erzählt: „This represents the earliest documented account of diplomatic gift-giving in Chinese history. According to legend, King Mu of Zhou, the fifth ruler of the Western Zhou Dynasty [reg. 976–922 BC oder 956–918 v. Chr.], was deeply fascinated by the Queen Mother of the West, the goddess who presided over immortality. Driven by this reverence, he undertook an arduous journey to reach Jade Pool at Mount Kunlun, bringing with him one hundred bolts of exquisite brocade and three hundred bolts of plain silk as offerings. The Queen Mother of the West received the silk with both hands, demonstrating her appreciation of these precious gifts. This legendary encounter is recorded in ‚The Biography of Emperor Mu.‘“

Detail mit Xiwangmu, der Königinmutter des Westens.

Stadtmauermuseum 城墙博物馆
→ Link

Das Museum wurde 2022 umgebaut und komplett neu konzipiert und bietet ein wunderbares Beispiel dafür, wie Technik, Exponate und Infografiken ineinandergreifend präsentiert werden können.
In der Ausstellung der Mauersteine zeigte mir die uns herumführende Dame als erstes diesen Stein:

City wall brick with inscription of „Stone City“, Eastern Jin Dynasty [317–420] | 东晋 “石头”铭文城砖,藏:南京大学文化与自然遗产研究所;南京石头城遗址北垣出土,上有“石头”铭文。
Der aus Nanjing inspirierte Roman „Traum der roten Kammer“ (s. o. beim Seidenmanufakturmuseum) ist auch als „Geschichte des Steins“, Shitou ji, bekannt – und eben jener antike Stein soll sich also als beschrifteter Ziegel des Mauerwerks hier im Museum befinden. (An anderer Stelle bin ich übrigens einmal auf der Suche nach dem Stein zum Changbaishan gereist.)

Ebd. als Abdruck.

Lichuan Brick Kiln 黎川砖窑, o. A.
Erst 2017 entdeckt, wurden diese Öfen zum Brennen der Mauersteine verwendet.

Ebd.

南京城墙砖产地及运输水系图 (Karte der Ziegelproduktionsstätten und Transportwasserwege der Stadtmauer von Nanjing.)

Installationsansicht.

Alle Mauerziegel wurden mit den Namen derjenigen beschriftet, die sie gebrannt haben – damit man möglichen Pfusch nachvollziehen konnte. Vor Ort kann in einer Datenbank zum Beispiel nach dem eigenen Nachnamen gesucht werden, und man erhält die Nummern, wo Steine der Familie zu finden sind.
Die saubere und anschauliche Darstellung hat mir sehr gefallen:


Und auch heute funktionieren Nachbauten in Miniatur noch:

Dazu gibt es zahlreiche Szenen in Malerei und Fotografie:

Zhu Zhifan und Lu Shoubai 明 朱之蕃 陆寿柏:《金陵图咏》之《长干春游》 („Bildverse aus Jinling“ des „Frühlingsausflugs nach Changgan“). O. A., Ming-Dynastie.

Dies.:《金陵图咏》之《石城霁雪》 („Bildverse aus Jinling“ der „Steinstadt nach dem Schnee“). O. A.

Deer pendant, Ming Dynasty | 明 鹿牌, o. A.


(Links 左:) Dripping eave with phoenix patterns, Ming Dynasty | 明 凤纹滴水, o. A. (Rechts 右:) Glazed eaves tile with phoenix patterns, Ming Dynasty | 明 凤纹琉璃瓦当, o. A.

Hier finden sich 瓦当, Traufziegelkopf, und 滴水, Abtropfkante.

(Links 左:) Glazed brick with dragon patterns, Ming Dynasty | 明 龙纹琉璃砖, o. A. (Rechts 右:) Glazed brick with flying sheep patterns, Ming Dynasty | 明 飞羊纹琉璃砖, o. A.

Ebd., Detail des Drachenmusters.

O. A.
Installationsansichten:



Detail.

Auf dem Boden ist das erweiterte Stadtgebiet abgebildet.
Seit dem Neubau ist das Haus im Austausch mit Institutionen in Syrien, Italien und anderen und veranstaltet Workshops, Panels und Bildungsangebote. Aktuell lief als Sonderausstellung just Königstein: The Safest Fortress in Germany 国王岩:德国最险固的堡垒, 22.6.–9.1.2025:



The only entrance: the Medusa Gate at Königstein Fortress 通往堡垒的唯一道路:梅杜萨门, Detail, o. A.

Installationsansicht.
Mit kleinen Gucklöchern im Gemäuer:

Noble guests sitting at the table at Frederick’s Castle 弗里德里希堡里提供给贵族宾客的餐桌, o. A.

Commander’s flat around 1900 | 1900年左右的指挥官住宅, o. A.

In dieses Bild konnte man sich hineinstellen.

Im Anschluss beim Zhonghua Tor 中华门:







Mit Blick auf die Porzellanpagode 大报恩寺, heute aus Glas; s. u. dazu den von dort stammenden glasierten Torbogen der alten Porzellanpagode im Nanjing Museum.
Und mit anderen Aus- und Einblicken …


Gelegentlich sieht man noch Schriftzeichen in den Mauerziegeln.









Up and down. Es handelt sich um die längste und breiteste noch erhaltene Stadtmauer weltweit, 25 ihrer inneren ursprünglich 35 Kilometer bestehen weiterhin. Besonders diese Mauer macht Nanjing einzigartig und im Vergleich zu zahlreichen anderen chinesischen Secondtier Cities unverwechselbar. Immer wieder geht man durch eines der 13 Tore in die Altstadt hinein oder aus ihr heraus.
Und unten geht es ins Getümmel.

Dieser Herr wollte unbedingt von mir fotografiert werden.
Nanjing Museum 南京博物院
→ Link


Auf dem Gelände zur Ankündigung der unten verlinkten VR-Show „Mapping the World“.
Dieses Museum ist nicht einfach ein bowuguan, ein Museumsgebäude, sondern ein bowuyuan, eine ganze Museumsanlage (mit bestem Dank für diesen Hinweis an Longtian). In sechs Hallen erstreckt sich die Ausstellungsfläche über sieben Hektar. Rauf und runter, hin und her geht es von der Steinzeit bis in die Moderne. Verwundert haben mich allerdings die fehlenden detaillierten Lagepläne, und auch die Servicekräfte konnten mir bei der Suche nach einem Buchladen nicht aushelfen – ich habe weitläufig gesucht, aber da ich nicht jeden einzelnen Winkel der Anlage gesehen habe, kann ich es bis heute eigentlich nicht glauben. Stattdessen gibt es an jeder Kurve einen der unzähligen Museumsshops mit größtenteils identischer Ware. Ich liebe Museumsshops, aber sie dürfen gern auch Bücher führen.

Einzige, sehr rudimentäre Orientierungsmöglichkeit.
Hinein in die wundervollen Exponate. Wir gehen chronologisch dynastisch vor, lassen die prähistorische Zeit mit ihren Skeletten aus und beginnen mit der Westlichen Zhou-Dynastie 西周 (ca. 1045–770 v. Chr.) bis kurz danach:

Bronze horse coronet, Western Zhou, unearthed from the tomb of Mapandun, Dantu District, Zhenjiang City | 西周 青铜马冠 镇江市丹徒区磨盘吨墓出土.

(Rechts 右:) Animal shaped bronze Gong, Western Zhou, unearthed from the tomb of Yandunshan, Dantu District, Zhenjiang City | 西周 青铜牺觥 镇江市丹徒区烟墩山墓出土.

Bronze Zun, Early Spring and Autumn Period, unearthed from the Yan City Site, Changzhou City | 春秋早期 青铜尊 常州市淹城遗址出土.
Dazwischen – Specimens room of Neolithic relics 新石器时代文物标本室 (ca. 7000–2000 v. Chr.):

Und erneut gen Han – Local culture of Wu and Yue 吴越争霸 (670–306 v. Chr.):

Hard pottery Ding, Early Warring States Period, unearthed from the Mound No. 1 of Hongshan, Xishan District, Wuxi City | 战国早期 硬陶兽面鼎 无锡市锡山区鸿山D1出土.
Aus den Qin- und Han-Dynastien 秦汉时代 (221 v. Chr. –220 n. Chr.):

Bronze lamp, Eastern Han, unearthed from Tushan, Xuzhou City | 东汉 铜雁足灯 徐州市土山出土.
Aus den Sechs Dynastien 六朝时代 (229–589):
Besonders faszinierend sind die Ziegelreliefs 砖印模画, solche hatte ich zuvor noch nirgends gesehen:

Pictorial brick with the design of „the God with Feather Leading Tiger“, Southern Dynasties; Detail | 南朝 羽人戏虎砖画.

Pictorial brick with the design of parade, Southern Dynasties; Detail | 南朝 鼓吹出行砖画.

Tile end with human mask design, Six Dynasties | 六朝 人面纹瓦当.
Aus dem Stadtmauermuseum, s. o., weiß ich nun endlich auch, dass es sich bei einem wadang 瓦当 um einen Traufziegelkopf handelt.

Soapstone pig sculpture, Six Dynasties, unearthed from Mufushan, Xishanqiao and Zhaoshihang, Nanjing City | 六朝 滑石猪 南京市幕府山、西善桥、赵世刚出土.

Soapspoon spoon model, Southern Dynasties, unearthed from Ganjiaxiang, Nanjing City | 南朝 滑石勺 南京市甘家巷出土.

Bronze Jiaodou, Western Jin (im Jahr 294), unearthed from the Shishi Commune, Jurong | 西晋 元康四年(294年) 铜鐎斗 句容市石狮公社出土.
Specimens room of the relics of the Six Dynasties 六朝文物标本室:


Aus den Dynastien der Sui bis Tang 隋唐时代 (581–907):

Tri-coloured pottery camel, Tang Dynasty | 唐 三彩骆驼.

Porcelain pot with green colour, Tang Dynasty | 唐 绿彩纹壶.

Painted pottery maid figurines, Tang Dynasty | 唐 彩绘陶女侍俑.

Pottery female figurines, Tang Dynasty | 唐 陶乐俑.

Green-glazed ewer with brown painted and applied design of a Hu figure, Tang Dynasty, unearthed from Saoguoshan, Yangzhou | 唐 青釉褐彩贴塑胡人纹执壶 扬州市扫垢山出土.

Pottery figurine with the design of fish body and a human head, Southern Tang, unearthed from the tomb of Li Jing, Jiangning District, Nanjing City | 南唐 人首鱼身陶俑 南京市江宁区李璟墓出土.

Ebd.

Pottery horse sculpture, Southern Tang, unearthed from the tomb of Li Jing, Jiangning District, Nanjing City | 南唐 陶马 南京市江宁区李璟墓出土.
Specimens room of the relics of Tang and Song Dynasties 唐宋文物标本室:

Aus den Dynastien der Song bis Yuan 宋元时代 (960–1368):

Porcelain pillow with white background, black floral designs and reserved panels of a child holding a lotus, Song Dynasty | 宋 白地黑花开光持莲童子纹瓷枕.

Celadon glazed porcelain covered jar with five tubes, Song Dynasty | 宋 青釉五管瓷盖罐.

(Links 左:) Celadon glazed porcelain incense burner with five legs, Song Dynasty | 宋 青釉五足瓷炉. (Rechts 右:) Bluish white porcelain incense burner, Song Dynasty | 宋 青白釉兽面足瓷炉.

Porcelain jar, Jun Yao, Yuan Dynasty | 元 钧窑瓷鸡心罐.
Aus den Dynastien der Ming bis Qing 明清时代 (1368–1911) – genannt „Flourishing Age of Jiangnan 盛世江南“:

Yellow glazed tile end with pattern of dragon, Early Ming Dynasty, unearthed from the ruins of the Ming Palace, Nanjing | 明早期 黄釉龙纹琉璃瓦当(一组) 南京明故宫遗址出土.

明代琉璃构件位置示意图 (Schaubild zur Positionierung von glasierten Ziegelkomponenten in der Ming-Dynastie).

Black pottery joint-angle roof ornament, Early Ming Dynasty, unearthed from the ruins of the Ming Palace, Nanjing | 明早期 黑陶合角吻 南京明故宫遗址出土.

Copper mirror, Ming Dynasty | 明 吕造神仙聚宝纹大铜镜.

Copper mirror in table screen style, Ming Dynasty | 明 饰人物纹座屏式铜镜.

Plate inlaid with mother of pearl, Qing Dynasty | 清 嵌螺钿人物纹小盘;左:指日高升,右:状元及第.

清 同治 绿地红莲花闪缎 (Grüner Hintergrund mit roter Lotusblume aus Atlasseide), Detail, 1386x77.5cm, während der Regierungszeit von Kaiser Tongzhi (1861–75).

清 绿色实地纱彩绣蟒袍 (Drachenrobe mit polychromer Seidenstickerei auf grünem, einfarbigem Grund), Detail, 139x198cm, Qing-Dynastie.

Ebd., Detail.
Dazu gab es zwischendurch weitere Galerien, einzelne Räume mit spezifischen Themen:

Fu Baoshi 傅抱石: 毛泽东《到韶山》诗意图 (Illustration zu Mao Zedongs Gedicht „Nach Shaoshan“). 88,1x116,3cm, 轴 纸本设色, 1960.

Su Tianzi 苏天赐 (1922–2006): O. A.

In einem weiteren Galerieraum Musterbeispiele vom Beginn der chinesischen Moderne, o. A.
Ein eigener Raum von Wu Weishan darf nicht fehlen, hier natürlich ebenfalls mit Laozi und Kongzi, siehe mehr zu Wu weiter unten:

Wu Weishan 吴为山: 李白(诗人)(Li Bo, Dichter). 青铜, 2012.

Ders.: 中国少女 (Chinesisches Mädchen). 汉白玉, 2000.
Eine der seltenen weiblichen Figuren bleibt auch hier namenlos.

Clay dramatic characters sculpture, Late Qing Dynasty | 清末 泥塑戏剧人物.

Zwischendurch mit wunderbaren Infografiken, hier: 清代“帖学”书法名家举要 (Ausgewählte bedeutende Meister der Kalligrafie der Qing-Dynastie in der Tradition der „Modellschriften“).

The Exhibition for the Disabled 博爱管.
Nebenbei, bo’ai 博爱, wörtlich: allumfassende Liebe, bedeutet Humanität, Nächstenliebe; für einen Menschen mit Behinderung kenne ich aus dem allgemeinen Sprachgebrauch sonst nur canjiren 残疾人, mit can als unvollständig. Nachdem ich über diesen Raum erstaunt war, erfreut mich noch mehr diese Bezeichnung. Es könnte sein, dass der Schriftzug relativ neu ist, die Objekte meist zum Fühlen und ihr Aufbau waren geschätzt aus den Nullerjahren:


Auch hier gab es, wie so häufig auf dieser Reise und am besten im Deji, ein Digitalrondell. Hier von Qiu Ying 明 仇英 (1498–1552): 南都繁会景物图卷 (Bildrolle des geschäftigen Lebens in Nanjing). O. A., Ming Dynasty.

Sehr skurril, aber folgerichtig, wird es im Untergeschoss, wo der Food Court dekorativ in die Republikzeit verlegt ist (民国馆) und Snacks, Getränke und Nippes von damals erstanden werden können. Ich kaufte ein schönes Paar Gläser.

Ebd.

Dazu war im Eck noch die Gallery of Intangible Heritage 非遗馆, deren Einführung damit beginnt, welch großen Wert Xi Jinping auf den Schutz immateriellen Kulturerbes legt, welche Reglementierungen dafür seit 2003 eingerichtet wurden (保护非物质文化遗产公约), was dies in welchen Stufen umfasst und um welche es geht: u. a. Holzschnitz-Neujahrsmalerei 桃花坞木版年画, Jadeschnitzerei 玉雕, Bambusschnitzerei 留青竹刻, Brokatstoffe aus der Song-Zeit 宋锦织造技术. Und auch hier kann vieles von den anwesenden Handwerker·innen erworben werden.

Wang Ruilin 王瑞林: 逐梦记——马 (Chronik der Nachverfolgung eines Traums: Pferd). 390x200x90cm, 铸铜彩绘, 2016.

Glazed arch of the Porcelain Tower of Nanjing 大报恩寺塔琉璃拱门, o. A.
Hierhin hatte ich von der Porzellanpagode oben beim Stadtmauermuseum verwiesen.

Dazwischen eine der gelegentlichen kleinen Lerninseln.

Oder Stationen für Audioguides.
Eine Sonderausstellung zeigt The Perspective of Likeness: Portrait Paintings of the Ming and Qing Dynasties Collected by the Nanjing Museum 如是观——南京博物院藏明清肖像画, seit August 2025:

明秦氏家藏玉延秋馆摹本:徐乾学肖像 (Porträt von Xu Qianxue, 1631–94). Detail, 64,5x25cm, 纸本设色, o. J.

清秦氏家藏玉延秋馆摹本:秦松龄肖像 (Porträt von Qin Songling, 1637–1714). Detail, 64,5x25cm, 纸本设色, o. J.

Yang Jin 杨晋 (1644–1728) und Wang Hui 王翚 (1632–1717): 沧浪濯足图卷 (Bildrolle des Füßewaschens im Fluss Canglang). Detail, 31,1x112cm, 绢本设色, o. J.

Yu Zhiding 禹之鼎 (1647–1709): 高士奇像 (Porträt von Gao Shiqi, 1645–1703). Detail, 50,3x86cm, 纸本设色, 1697.

Unsigniert 无款: 吴攘之先生七十岁后小像 (Porträt von Herrn Wu Rangzhi nach seinem siebzigsten Lebensjahr). Detail, 39,1x143,1cm, 纸本设色, o. J.

Unsigniert 无款: 三文敏像 (Porträts der drei Wenmin). Detail, 22,1x17,7, 绢本设色, o. J.

Unsigniert 无款: 钱世桢像 (Porträt von Qian Shizhen, 1561–1642). Detail, 142,1x76,7cm, 绢本设色, o. J.
Endlich eine Dame, immerhin eine fiktive:

Hu Junsheng 胡骏声: 小青像 (Porträt von Xiaoqing [Dienerin der Hauptfigur in Tang Xianzus 汤显祖, 1550–1616, Kunqu-Oper „Der Päonien-Pavillon 牡丹亭“]). 23,2x15cm, 纸本设色, o. J.

Unsigniert 无款: 罗应斗像 (Porträt von Luo Yingdou, 1558–1620). 45,4x26,4cm, 纸本设色, o. J.

Unsigniert 无款: 童养所像 (Porträt von Tong Yangsuo, ?). 45,4x26,4cm, 纸本设色, o. J.

Wu Chang 吴昶: 王显庸像 (Porträt von Wang Xianyong, 1651–1721). Detail, 116,2x54,7cm, 绢本设色, o. J.

Außerdem sah ich mir die VR-Show Mapping the World: The Kunyu wanguo quantu of Ming China 观天下·坤舆万国全图 (Vollständige Karte aller Länder der Welt zur Ming-Zeit) an, 10.7.–11.10.2025. Der 1,5-minütige Clip auf der Seite des Links gibt einen kleinen Einblick in diese sehr chinesisch bombastisch aufgezogene, nichtsdestoweniger beeindruckende Show, die in diesem Raum stattfand:


Und es lief die Sonderausstellung Crescent and Rose: Iranian Civilization through the Ages 新月与蔷薇——伊朗文明的千年经纬, 2.7.–16.11.2025:

盘羊形来通杯 陶 公元前3世纪 安息时期 (Steinbockförmiges Rhyton, Keramik, 3. Jh. v. Chr., Partherzeit).

虹彩八芒星形人物铭文砖 陶13世纪 伊利汗时期 (Fliese in Form eines achtzackigen Sterns mit Figuren und Inschrift im Iris-Muster, Keramik, 13. Jh., Ilkhaniden-Periode).

虹彩八芒星形动物纹砖 陶13世纪 伊利汗时期 (Fliese in Form eines achtzackigen Sterns mit Tiermotiv im Iris-Muster, Keramik, 13. Jh., Ilkhaniden-Periode).

花草纹丝绸 16世纪 萨法维时期 (Blumenmuster auf Seide, 16. Jh., Safawiden-Periode).

印染织品残片 17世纪 萨法维时期 (Fragment eines gefärbten und bedruckten Stoffs, 17. Jh., Safawiden-Periode).

印模 木18–19世纪 恺加时期 (Druckplatte, Holz, 18.–19. Jh., Qajar-Periode).

圆形彩纹人物细密画 (Miniaturmalerei mit Figuren auf farbigem Rundmusterbogen), o. A.

宫廷人物细密画 (Miniaturmalerei mit Figuren am Hof), o. A., 1930.

Zwischendurch …

Eingang der Universität Nanjing, Nanda, am Tor Guangzhou lu 广州路门.

Tor von innen.
Universitäten sind spätestens seit Corona meist nur noch auf Einladung zugänglich, wenn man dort nicht arbeitet oder studiert. Wir waren im südlichen Teil des Gulou Campus untergebracht (南京大学鼓楼校区南园), ganz in der Nähe des Rabehauses, und durften durch das Guangzhou lu Tor (广州路门) hinein. Aus dem dortigen Nordtor (vom Südteil) kamen wir auch hinaus, hinaus kommt man immer, aber um auf der anderen Straßenseite durch das Südtor des Gulou Campus zu gelangen, musste telefoniert werden.
Und deshalb sahen wir auch den dortigen Skulpturenpark von Wu Weishan 南大吴为山雕塑园.

Wu Weishan 吴为山: Buffalo 孺子牛. 180x550x80cm, Bronze, 2002.
An Wu Weishan 吴为山 (*1962) kommt man in Nanjing nicht vorbei. Oben haben wir bereits seine Rabeplastik und andere gesehen. In Deutschland kennt man seine überdimensionale Karl Marx Statue in Trier, in Beijing seinen riesigen Konfuzius.
In der Nanda kann man sich, nach Einlass am Unitor, seine Ausstellung „Professor Wu Weishan Sculpture Art Documents 吴为山教授雕塑艺术文献“ ansehen:

Links Kongzi, rechts Laozi.

Ebd., Konfuzius, Detail.

Ebd., Laozi, Detail.

Eine kleine Version von Wus „Harmony between Man and Nature – Laozi 天人合一——老子“.

Hier sind alle Plastiken ohne Angaben, man muss wissen, was man sieht. Die Baidu-Bildersuche und ich wissen es in diesem Fall leider nicht.

Lu Xun.

Szene vom Massaker in Nanjing, Detail.

Wu Weishan 吴为山: Harmony between Man and Nature – Laozi 天人合一——老子. 230x160x320cm, Bronze, 2016. Mit: QR-Code.
Es hat so sehr geschüttet, dass Finger und Kamera wohl leider zu durchnässt waren fürs Scharfstellen. Aber das merkt man bei der drastischen Komprimierung der Bilder auf diesem Blog vermutlich nicht.
Nun aber zur Gegenwartskunst:
G Museum 金鹰美术馆
→ Link und s. für die Ausstellungen WeChat-ID: 金鹰美术馆; und die Adresse vor Ort ist insofern wichtig, weil sie zum einen auf die Shopping Mall Golden Eagle World und zum anderen dort auf den 52. Stock verweist: 南京金鹰世界A座52F



Es lief Architectural Responses to Contemporary China 中国当代的建筑回应, kuratiert von Lu Andong 鲁安东, 7.9.–28.12.2025, unterteilt in drei Mottos von drei Architekturbüros:
Atelier Archmixing 阿科米星建筑设计事务所
„Change is a common sense 改变是一种常识“:

安龙森林公园东部码头小镇 (Hafengemeinde am östlichen Ufer des Anlong Waldparks), Hangzhou, 2013.

Ebd.
Atelier Deshaus, Shanghai 大舍在上海
„Sensitive Urbanity 敏感的都市性“:

Long Museum West Bund 龙美术馆西岸馆, Shanghai, 2014.

Modern Art Museum 艺仓美术馆, Shanghai, 2016.

Ebd., 1:250, brass, walnut, acrylic, 2016.
Atelier Li Xinggang 李兴钢工作室
„Integrated Geometry and Poetic Scenery 胜景几何“:

Hebei, Tangshan, 2015.

Ebd.

Yanqing Olympic Park 2062 | 延庆奥运2062.
Außerdem lief Love Unknown 爱的新知识, kuratiert von Shen Qilan 沈奇岚, mit Unterstützung von Pro Helvetia, 1.3.–20.11.2025 (verlängert). Eine spannende Ausstellung, von der Zusammenstellung, der Ausweitung des Themas und vor allem den zugehörigen Infotexten:


Stanley Fung 冯君蓝: (Links 左:) Understand Each Other 相知. 74x110cm, digital fine art print, 2015. Courtesy of the artist and M Art Center. (Rechts 右:) Know 认识. 110x74cm, digital fine art print, 2023. Courtesy of the artist and M Art Center.

Zhang Xiaogang 张晓刚: Paradise 天堂. 88x215x162cm, fiberglass reinforced plastic, silver signature pen, 2010 (revised in 2014). The collection of G Museum.

Ebd., Detail.

Luka Yuanyuan Yang 杨圆圆: Coby and Stephen Are in Love 相爱的柯比与史蒂芬. Filmstill, single-channel HD video, 30:41min., 2019. Courtesy of the artist.

Ebd., Filstill.

Bian Shaozhi 卞少之: Close to the Mid-Autumn 近中秋. 110x110cm, oil on marine plywood, 2023. The collection of G Museum.

Weiß mans oder nicht …

Zhang Xuerui 张雪瑞: 20241029 · Handwritten Letters | 20241029·手书. 38x29cm, acrylic on paper, cloth, pin, 2024. Courtesy of the artist.

Ebd., Detail.

Tao Aimin 陶艾民: Book of nvshu No. 4 | 女书卷四. 70x30x1,5cm, ink, paper, 2008. Courtesy of the artist.

Maleonn 马良: Have a sit [sic], I’ll tell you a story 请坐,我给你讲个故事. Dimensions variable, wooden stool, water-effect light, light-control sound installation, 5min., 2025. Courtesy of the artist.

Hu Xiaoyuan 胡晓媛: Wood-Purlin No. 10 | 木/檩 10. Detail, 160x125x4,3cm, wood, ink, raw silk, used grate, metallic nails, 2021. The collection of G Museum.

Chen Yujun 陈彧君: Familiy Politics No. 1-245878 | 家族政治 No. 1-245878. 166,5x141,8cm, silk, paper, acrylic paint, wood, paint, 2018–19. The collection of G Museum.

Yu Youhan 余友涵: The Wheel of Life 轮回图. 305x407,5cm, acrylic on paper, 2017. The collection of G Museum.

Su Yu-Xin 苏予昕: With or Without the Sun (Su’ao-Hualien Roadway) | 或旦或瞑(苏澳-花莲公路). 225x130x5,4cm, sand, coral pigments, ferric oxide, white sugar, crystal dust, sulfur, soil, red ore, tourmaline dust and div. hand-made pigments on board, 2021. The collection of G Museum.

Hu Yinping 胡尹萍: Hu Xiaofang 胡小芳. Detail, dimensions variable, 2015–present. Courtesy of the artist and Magician Space.

Liu Yi 刘毅: Morning and Dusk, and No More 无需经营的清晨与黄昏. Detail, filmstill, single-channel animation, 21:39min., 2022. Courtesy of the artist and ShanghArt.
Text: „We’ve finished all the food, what should we do next?“

Ebd., Detail, Abspann.
Text: „Morning and Dusk, and no more stems from the Artist in Residency Programme at Countryside Animafest Cyprus in Salamiou (Cyprus) in 2019.“

Yan Pei-Ming 严培明: Tête (Head) | 头. 207x155cm, oil on canvas, 1992. The collection of G Museum.

Wang Guangle 王光乐: 190331. 122x243cm, plaster on woodboard, 2019. The collection of G Museum.

Wang Evelyn Taocheng 王伊芙苓韬程: Morning Mist 晨雾. 185x185x2cm, China ink, graphite, colour gesso, colour pencil, pencil on linen canvas, 2023. The collection of G Museum.

Ebd., Detail.

Song Dong 宋冬: Father & Son Look into the Mirror 父子照镜子. Detail, filmstill, dimensions variable, video projection installation, 2001. Courtesy of the artist and Beijing Commune, Tan Zhuo 谭卓.
Text: „My father and I were looking at each other’s mirror images melting. When the mirror images burned completely, we were truly face to face.“

Ebd., Detail, filmstill.

Ursula Biemann: Acoustic Ocean 声海. Detail, filmstill, two channel video installation, 4K, 18min., 2018.

Chen Zhe 陈哲: Eternal Ephemera: Starlit Giant 偏善幻中来:巨人. 126x180cm, UV inkjet printed acrylic sheet in lightbox with wooden frame, 2023. Courtesy of the artist and White Space.

Li Weiyi 李维伊: Dream 梦. 200x257cm, gold-plated stainless steel, 2020. The collection of G Museum.

Chen Ke 陈可: Whirling 眩晕. 270x200x200cm, oil paint on aluminium sheet, 2023. Courtesy of the artist and Perrotin.

Im Shop konnte man dann das „Zhang Xiaogang Grey 张晓刚灰“ erwerben.





Es lohnt sich, selbst nur für Kaffee und Kuchen vor dieser Aussicht hierherzukommen.


Dazu ein paar lokale, kleine, aber feine Orte für zeitgenössische Kunst:



In der Toku Gallery 陶谷公园 lief von Fu Shuai 付帅: Negotiated Ecologies: Neon, Lakes, and Landfills 不断协商的生态:霓虹、湖泊与填埋场, 6.9.–12.10.2025:

褶皱 (Gefaltet – div. Nummern). Div. Größen, 木板综合材料, 2025.

褶皱 - 固定 #4411298 (Gefaltet – fixiert #4411298). 44,1x29,8x1cm, 木板综合材料, 2025.

旧木框 (Alter Holzrahmen). 52x71,5cm, 木板综合材料, 2018.




Interessantes Gebäude, es handelt sich um ein neues Kreativhub.
Die East Gallery 逸空间画廊 zeigte von Zhang Wei 张巍: Go for a Walk 散步去, 20.9.–16.11.2025:

(Links 左:) The Lake with Reflections of Buildings 有楼房倒影的湖面. 80x80cm, acrylic on canvas, 2023. (Mitte 中:) Quiet Studio 平静的工作室. 80x80cm, acrylic on canvas, 2022. (Rechts 右:) The Room with Paintings 有画的房间. 100x110, acrylic on canvas, 2024.

A Tidy Room 干净的房间. 100x110cm, acrylic on canvas, 2024.

Morning Begins at Noon 早晨从中午开始. Detail, 100x 10x10cm, acrylic on canvas, 2025.

Ebd., Detail.

Unten die East Gallery und oben, man muss es suchen, das Sixi Museum.

Im Sixi Museum 四禧美术馆 lief die Doppelausstellung von Qian Qian 钱倩 und Christian Quin Newell: The Light Burns the Reality 燃犀照境, kuratiert von Zheng Shu 郑姝, 12.8.–26.10.2025:

Qian Qian 钱倩: Neurological Subdomain 神经子城. 76x168cm, watercolour and mixed media on panel, 2025.

Christian Quin Newell: Vision 幻象. 160x120cm, oil on linen, 2025.

Ders.: The Mirror 镜子. 21x14,8cm, gouache, acrylic, ink, graphite on paper on panel, 2025.

Qian Qian 钱倩: Chiliocosm Daydreaming 大千世界梦游. 120x100cm, oil, acrylic and watercolour on canvas, 2025.

Dies.: Omnia Mutantur Nihil Interit 万物皆变,无物消亡. 120x100cm, oil, acrylic and watercolour on canvas, 2025.
Das Beiqiu Museum of Contemporary Art 北丘美术馆, BMCA, bietet regionaler Kunst und Kuration einen Anlaufpunkt. Es liegt auf dem dubiosen, weil etwas in die Jahre gekommenen Funpark namens Catherine Park 环亚凯瑟琳广场.



Aktuell lief die Gruppenshow Ding Liren: Drifting Encounters 丁立人:萍水相逢, kuratiert von Yang Tiange 杨天歌, 5.8.–26.10.2025:

Installationsansicht.

Ebd.

Liu Dongxu 刘冬旭: (Links 右:) Pavilion of the Graces 三女神之亭. 38x37x29cm, bronze, 2021. (Rechts 左:) Column of the Eye II | 眼之柱 II. 2x 27x27x147cm, bronze, 2023.

Ding Liren 丁立人: Scenery of Tiantaishan-3–4 | 天台胜景 -3–4. 80x80cm, oil on canvas, 2000.

Wu Shangcong 吴尚聪: Good Morning 早安. Temporary sculptures created from discarded wood during exhibition installation, 2025.

Ebd., Detail.

Ding Liren 丁立人: Sculpture Collection 雕塑收藏. Detail, o. A.

Ebd., Detail.
Leider ohne Angaben, woher diese Objekte stammen und warum sie wann gesammelt wurden.

Su Hua 苏华: Drifting Encounters 萍水相逢. 200x150cm, oil on canvas, 2025.

Lijiazhai („Record of Lijiazhai“ and „Lijiazhai: Coal Stove“) | 李家宅(“李家宅记”与“李家宅煤矿”). Detail, o. A.

Ebd., Detail.

Wu Shangcong 吴尚聪: Journey to the West Supplement 2 | 西游补2. Food colouring, IKEA Måla doodling paper, 2025.

Ding Liren 丁立人: Drifting Encounters 萍水相逢. Detail, collage on paper, o. A.
Außerdem lief als sogenanntes Tunnel Project 隧道工程, hinten in den Gängen, von Cheng Jialiang 成佳亮: Visions beyond the Void: Whispers from the Hollow 凭虚远眺:空穴来风, kuratiert von Wang Yanjun 王彦钧, 5.8.–26.10.2025:

Installationsansicht.

Cheng Jialiang 成佳亮: He Who Comes Late 晚来的人. Filmstill, dual-channel video with colour and sound, documentary, experimental, 20:15min., 2024.
Im Museumsshop dann:

Text: „BMCA 解压香肠 / Hey! Look at me! I am a hot dog!“, für 49 Yuan.

Und daneben in Anwendung mit weiteren Plastikzutaten präsentiert. Ich bin erstaunt, dass Kreationen dieser Art noch existieren.
Das Sifang Art Museum 四方当代美术馆 existiert seit 2023 leider nur noch als Architektur. Doch zumindest 2025 fand hier die auf Videokunst spezialisierte Nanjing Art Fair International 南京国际艺术季 statt.
Schon interessant, wenn man es einmal herunterbrechen möchte: Bei der Toku Gallery war die Kunst abstrakt, bei der East Gallery persönlich, auch beim G Museum ging es vordergründig um Persönliches, beim Sixi Museum habe ich noch die größte Energie bei Qian Qian verspürt, wenn auch hinter verspielt-nebulös, leicht parawissenschaftlichem Blick, Beiqiu wühlte etwas diffus in Erinnerungskisten.
Nanjing im Regen …


Inklusive Gulliüberfluss.

Der Rückspiegel ist kein Spiegel mehr, sondern eine große Rückkamera. Auf Nachfrage erzählte der Fahrer, es gebe eine weitere nach vorne und zwei innen jeweils für die vorderen und hinteren Sitze; diese seien vom Taxiunternehmen vorinstalliert. Ob auch Audio aufgenommen werde, war er sich nicht sicher, riet aber davon ab, über krumme Geschäfte zu sprechen.
Nicht vorenthalten möchte ich, dass unsere Dusche strahlte:


Übrigens hat uns niemand aus der Redaktion von SISU besucht und wir wurden auch auf Nachfrage nicht nach Shanghai eingeladen. Vielleicht sollte man in Nanjing tatsächlich vorsichtig sein – der Spruch, dass noch keine Ente die Stadt lebend verlassen habe (没有一只鸭子能活着离开南京!), gilt womöglich nicht nur kulinarisch.
Lektüreempfehlungen

Erwin Wickert (Hg., 2008 [1997]): John Rabe: Der gute Deutsche von Nanking. München: Pantheon.

Anne C. Voorhoeve (2013): Nanking Road. Jugendbuch. Ravensburg: Ravensburger.

Lin Hierse (2024): Das Verschwinden der Welt. Roman. München: Piper.

Henry Rosemont Jr. (1934–2017) und Roger T. Ames (2016): Confucian Role Ethics: A Moral Vision for the 21st Century? Göttingen: V&R. S. URL.
Maximilian Mayer und Frederik Schmitz (2025): The Digitalisation of Memory Practices in China: Contesting the Curating State. München: C.H. Beck. S. URL.
In Bezug auf Propagadamaschinerien ist bestimmt auch der Sachbuchpreis der Leipziger Buchmesse von 2025 interessant:
Irina Rastorgueva (2024): Pop-up-Propaganda: Epikrise der russischen Selbstvergiftung. Berlin: Matthes & Seitz.
Sowie diesbezüglich anhaltend aktuell von Victor Klemperer (1947): LTI: Notizbuch eines Philologen. Leipzig: Reclam. In chinesischer Übersetzung: [德] 维克多·克莱普勒:《第三帝国的语言》,印芝虹译,北京:商务印书馆,2013年 (mit Dank für diesen Hinweis an Eva).
Was jede·r einzelne tun kann: Folgt dem Aufruf von Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Rebellion: Digital Independence Day. In: 39C3, 56:48min., 27.12.2025. Einfacher erster Schritt: Bitte nutzt Signal statt WhatsApp.
Für die allgemeine Lage der Welt kann dank der Neuübersetzung der Parabel-Romanzyklus wiederentdeckt werden – beginnend mit dem Band von 1993, der schaurig aktuell in unserem Heute, in der Zeit von 2024 bis 2027 spielt:

Octavia E. Butler (2023 [1993]): Die Parabel vom Sämann (Original: The Parable of the Sower). Übersetzung: Dietlind Falk. Roman. München: Heyne.
Als abschließender Lichtblick sei diese Podcastfolge empfohlen:
Future Histories (S3 F56): Miriam Lang zu Systemalternativen jenseits des Entwicklungsparadigmas. 2h, 18.1.2026.
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